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Gehwerk beginnt zu humpeln
#1
Hallo,

das finde ich ja stark - ein Uhrensub im RBF. Thumbs_up 

Und vielleicht kann ich ja hier meine Frage loswerden und muss mich dafür micht extra in einem Uhrenforum anmelden, in der Hoffnung auf Antwort.

Es handelt sich um eine Wanduhr ("Regulator"). Von einem damaligen Uhrmachermeister aus Schönebeck/Elbe vermutlich zwischen 1914 und 1920 gebaut. Das Werk ist nicht bestempelt, durchbrochene Platinen. Blechankerhemmung (keine Graham-) mit Schlossscheiben-Schlagwerk auf eine runde Tonfeder - hundsordinärer Standard.

Das Werk habe ich gewaschen und mit Uhrenöl geölt. Ein paar Lager sind winzigst ausgeschlagen (das ist einfach der Qualität der Platinen geschuldet), aber ich habe schon schlimmere Lager gesehen bei korrekter Funktion der Uhr (ich habe mehrere).

Zur Frage: Nach dem Aufziehen läuft das Gehwerk tadellos. Der Abfall ist entsprechend eingestellt und justert, das Pendel schlingert nicht, es schwingt gleichmäßig, ohne zu humpeln.
Nach etwa vier Tagen allerdings ändert sich das: Das Pendel beginnt ungleichmäßig zu schwingen, das Gehwerk beginnt zu humpeln - ich müsste die Uhr jetzt in ihrer ansonsten sauberen Senkrechten etwas schief hängen, um das Humpeln auszugleichen. Das kenne ich von anderen Gehwerken so nicht. Aber ich finde für dieses "tagesverzögerte Humpeln" noch keine Erklärung. Wer von Euch kennt hier eine mögliche Ursache?

Insgesamt fällt mir noch auf, dass das Gehwerk maximal nur eine Woche läuft, dann steht es. Die Feder ist noch gut gespannt - würde ich die Hemmung entfernen, dann würde es gut lossausen. Andere Gewerke von anderen Uhren sind hier eher die (üblichen) mindestens 14-Tages-Läufer.

Danke schon mal und Gruß
Michael
Penthode?
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#2
Hallo Michael,

ich habe einen Gustav Becker Freischwinger, bei dem sich oben an der Pendelstange die Achse gelöst hat, bzw die Messing-Buchse gerissen war, der Freischwinger blieb stehen, weil nur noch die Pendelachse sich bewegte.

Prüfe mal, ob da oben sich etwas verschoben hat oder lose ist. Ähnliche Probleme hatte ich mit einer wesentlich neueren "Skelettuhr", auch hier verschob sich an der Pendelstangenachse der Hebel, der in das Zahnrad greift und die Uhr tickte nach jedem aufziehen anders. Hab ich auch wieder befestigt.

In ersterem Fall beim GB-Uhrwerk habe ich das mit Lötzinn befestigt, möchte das grundsätzlich aber nicht empfehlen. Hatte keine andere Idee den Riss in der Buchse wieder zu verschließen.

Was meinen unsere anderen Uhrspezialisten dazu?

Freundliche Grüße,
Arnold
Eine ECC83 und zwei EL84 reichen vollkommen aus für einen gewaltigen Stereo-Röhrenverstärker Smiley34
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#3
Da Du beschreibst, dass der Fehler erst nach einigen Tagen auftritt, liegt Nahe, dass es mit dem Federhaus zu tun hat. Möglicherweise ist ein Lager in dem das Federhaus läuft, ausgeschlagen. Ist die Feder voll aufgezogen wird dies durch die hohe Spannung kompensiert und das Federhaus fest in seiner Position gehalten und evtl. auch die Platine auf Spannung gebracht. Löst sich die Federspannung, kann sich die Position des Federhauses- und die Spannung (Verziehen) der Platine ändern.
Ebenso wäre noch an die evtl. zu stark geweiteten Lagerbuchsen des Blechankers zu denken, dessen Position sich bei nachlassender Federspannung und Druck der antreibenden Zahnräder ändert. Verändert die Welle mit dem Anker und dem Pendelmitnehmer die Position, wirkt sich das natürlich auch auf das Gleichgwicht des Pendelausschlages aus; das Gehäuse möchte in der Lage angepasst werden, bzw. der Pendelmitnehmer justiert werden. Weil aber die Achse immer wieder die Position ändert, ist das nicht dauerhaft möglich.

Das ist zwar nur Therorie, aber ich kann mir im Moment sonst keinen Reim auf die Fehlerbeschreibung machen.
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#4
Hallo zusammen,

@ Arnold,

(möglicherweise habe ich das falsch verstanden?) das (zur Einstellung des Abfalles) verstellbare Lager der Pendelgabel, welches auf der Welle sitzt, die fest mit der Hakenhemmung verbunden ist, sitzt eigentlich gut fest. Ich denke, wenn es zu lose sitzen würde aufgrund eines Bruches oder altersbedingter Erscheinungen, dann würde die Uhr von Anfang an humpeln.

@ Anton,

das könnte in der Tat eine mögliche Ursache sein. Denn die Uhr lief 'zig Jahre nicht aufgrund der simplen Tatsache, dass das Sperrwerk der Aufzugsfeder ausgerastet war und sich dadurch die Uhr nicht mehr aufziehen ließ (dazu war das Uhrwerk verdreckt und verölt). Als Kinder gingen wir da nie ran und so hing die Uhr dann etwa 50 Jahre nur zur Deko. Ich hatte das im Zuge der Wartung des Werkes gerichtet. Dann lief das Werk einige Monate korrekt. Der oben beschriebene Fehler tritt nämlich erst seit ca. zwei Monaten auf. Kann das darauf hindeuten, dass durch das Wiederbetreiben möglicherweise die beiden Federlager IM Federhaus - nämlich an der Wandung und an der Aufzugswelle - inzwschen an eine "Leistungsgrenze" kommen, wenn das Lager an der Wandung nun ausgeschlagen ist (?) obwohl ich die Uhr sehr vorsichtig aufziehe? Die beiden Lager des Federhauses in den Platinen jedenfalls sind einwandfrei.

Die Lager der Welle des Blechankers sind im Gegensatz zu einigen anderen Lagern einwandfrei.
Penthode?
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#5
Dann wäre es ratsam, das Werk einmal komplett in seine Einzelteile zu zerlegen und die Lager und die Zapfen der Wellen zu überprüfen. Gegebenenfalls müsste ein (oder mehrere-) Lager erneuert werden. Wenn das nach der langen Standzeit nicht gemacht wurde, bleiben Schmutzreste in den Lagern, die dann zusammen mit dem wieder eingeweichten, alten Schmiermitteln wie Schmirgelmasse wirken und für erhöhten Verschleiß der Lager sorgen.
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#6
Hallo,
ich glaube, die Uhr ist älter. Schloßscheiben Schlagwerke werden um die Jahrhundertwende nicht mehr verwendet. Was die geschilderte Problematik angeht, so ist zunächst mal eine Änderung der Geometrie zwischen Pendel / Anker und Ankerrad zu vermuten. . Mithin ist es wahrscheinlich, dass die Lagerung des Ankerrades ursächlich sein könnte. In sofern sind die vorherigen Ratschläge,Demontage, Reinigung, und Prüfung der Lager zu empfehlen. Besondere Vorsicht ist beim Entspannen der Federn zu beachten. Anton und auch ich haben da gewisse unangenehme Erfahrungen.
Franz
eh isch misch uffreg isch mirs lieber egal
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#7
Hallo zusammen,

@ Anton,

danke! Hm, eigentlich (aber was ist schon eigentlich) sind die Lager sauber. Aber dennoch, Versuch macht kluch.

@ Franz,

danke auch Dir für die Hinweise. Entspannen der Feder - kein Problem: Vorsichtigster Umgang dank leidvoller Erfahrung... Nee, die Schlossscheiben-Schlagwerke wurden m.W.n. bis weit in die 1930er Jahre gefertigt... Die Uhr selbst ist aus dem Übergang Historismus/neue Sachlichkeit. Ich kann ja mal ein Foto machen, ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Gruß Michael
Penthode?
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#8
(02.02.2018, 12:56)MichaelM schrieb: @ Anton, danke! Hm, eigentlich (aber was ist schon eigentlich) sind die Lager sauber. Aber dennoch, Versuch macht kluch.

So richtig sieht man das erst, wenn die Wellenzapfen aus den Buchsen gezogen sind und dann die Lager eingeweicht und gereinigt sind. Ich habe schon erlebt, das verharzte Lager selbst eine Buchse gebildet haben (optisch), nachdem sie aber gereinigt waren, konnte man das "weglaufen" der Welle in der Buchse erkennen. Das wurde vorher vom verhärteten Dreck verdeckt.

(02.02.2018, 12:56)MichaelM schrieb: @ Franz,
Ich kann ja mal ein Foto machen, ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Das wäre doch schön, dann wissen wir auch, womit wie es zu tun haben, dürfen auch gerne mehrere Fotos sein, die die Uhr im Ganzen zeigen und vom Uhrwerk.
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#9
Ohne das Uhrwerk zu kennen ist es nicht so einfach mit der Reparatur. Nur besteht das Werk nicht nur aus Lagern,
nein es besitzt sogar Zähne und Federn. Smile

Bei einer Revision wird das Werk komplett zerlegt, nach entspannen der Federn, die Zugfeder entnommen und alles komplett reinigen. Auch Räder und Triebe, nicht nur die Lager! Alle Zähne müssen sich an der richtigen Position befinden. Oft sind die Federn nach so langer Betriebsdauer total schlaff. Dann muss eine neue her. Dann alles wieder zusammenbauen ohne Hemmung und die Leichtigkeit des Werkes beurteilen. Alles noch trocken ohne Öl ausprobieren.

Meine Vermutung ist das die Zugfederkraft nicht kontinuierlich verläuft, Zugfeder verrostet, verklebt...
Viele Grüße

Jupp aus dem Kohlenpott
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#10
(02.02.2018, 19:34)hackespitze schrieb: Meine Vermutung ist das die Zugfederkraft nicht kontinuierlich verläuft...

Hallo zusammen,

nach erneuter Revision scheint genau das zuzutreffen: Die Zugfederkraft der sauberen Feder, die nirgendwo klebt, verläuft möglicherweise nicht mehr kontinuierlich. Das kann ich natürlich so nicht testen, aber ich konnte erst einmal Abhilfe schaffen: Das Lager, welches die Welle mit der Blechankerhemmung trägt, ist ja dank der beiden Langlöcher verstellbar - das habe ich nun gemacht: Die Hemmung greift jetzt nicht mehr so tief in das Hemmungsrad ein, die Uhr tickt nun etwas leiser.

Aber nun läuft sie sauber durch, d.h. sie ist nun wieder ein 14-Tages-Läufer und die Feder ist nach dem Stehenbleiben des Gehwerkes nun weitestgehend entspannt, wie bei den anderen Uhrwerken auch. Smile

Gruß Michael
Penthode?
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#11
Der Eingriff zwischen Anker und Hemmrad ist genau definiert. Dass vergrößern des Lagerabstandes hilft nur zeitweise
Eine dauerhafte Lösung ist es einfach eine neue Zugfeder einzusetzen.

Moderne Zugfedern haben einen fast gleichbleibenden Kraftverlauf. Lediglich bei Vollaufzug geht die Uhr etwas schneller und kurz bevor die Feder ganz abgelaufen ist wird die Uhr erheblich nach gehen.
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#12
Hallo Phalos,

da hast Du vollkommen recht. Daher schrieb ich ja auch "...erst mal Abhilfe schaffen..."
Hier im Nachbarort hat es eine ältere Uhrmacherin, da kann ich dann, wenn es gar nicht mehr geht, hinsichtlich der Feder Ersatz ordern. Smile

Gruß Michael
Penthode?
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