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Schaub Lorenz Weekend 80, die Reparatur
#1
Mit Absicht habe ich diesen Beitrag zusätzlich zu dem ursprünglichen thread von Dietmar geschrieben, um einerseits die Möglichkeit eines Entwurfs (Anton hat es beschrieben) zu probieren und andererseits eine abgeschlossene Reparatur darzustellen.

Auch der Begriff Reparatur ist hier bewußt gewählt, da das Gerät allgemein in einem sehr guten Zustand war und nur spezielle Funktionen wiederherzustellen waren. Weiterhin kam mir entgegen, daß es ausschließlich um mechanische Instandsetzungen ging.

Objekt ist ein Reisegerät/Kofferradio Weekend 80 von der Firma Schaub Lorenz aus 1967/68.

   

Dietmar hat mir das Gerät vor kurzer Zeit zum Einkaufspreis überlassen (sogar mit 4 guten Monozellen drinnen).

Die rechte Antenne ließ sich nicht drehen und einschieben, der AM-Drehko saß fest. UKW lief bestens, toller Klang. Also aufschrauben und staunen...

   

Da ich vorher die DDR-Trabanten gewohnt war, machte das hier richtig Spaß. Ein kompaktes, aber aufgeräumtes Gerätchen und alles bestens erhalten. Harald hatte mir im Voraus einige wertvolle Tipps für Antenne und Drehko gegeben, also baute ich die Antenne zuerst aus. Am Antennenfuß war sie kräftig gerostet (eigentlich seltsam, es sind nur wenige Stahlteile in dem Bereich). Eine mechanische Rostentfernung brachte noch keinen Erfolg, also mußte die Chemiekeule ran, WD40.

       

Nach einiger Zeit konnte man sie vorsichtig bewegen. Der Rost hatte die Schlacht verloren.

   

Jetzt konnte sie gereinigt werden, der restliche Rost wurde entfernt und die ganze Angelegenheit mit Weißöl leicht eingeölt. Bei der Gelegenheit stellte ich fest, daß der Antennenkopf weg und etwas mehr, als das obere Glied abgebrochen war. Also ran an die Drehbank und einen neuen Antennenkopf drehen und oben einpressen, fertig.

Als nächstes kam der festsitzende Drehko dran. Besonders war hierbei, daß er über ein Skalenseil bedient wurde, das über die Knopfachse, 2 Umlenkrollen und die Seilscheibe geführt war.

   

Harald hatte im Vorfeld auf die Tücken einer solchen Transmission hingewiesen und ich dachte auch daran, aber später im Arbeitseifer...
Aber davon später.

   

Zuerst wurde die Seilscheibe abgenommen und mit einem Kabelbinder "gesichert". Als nächsten Schritt sollte der Drehko ausgebaut werden, aber das erschien mir zu aufwendig (oder ich war zu faul dazu), also mußten Drehbank und Fräsmaschine wieder ran und ich fertigte mir ein
Werkzeug, das mir den Ausbau des Drehkos ersparte.

   

Der Seegerring wird von der Drehkoachse entfernt und die Spannhülse satt aufgesetzt und verspannt. Jetzt kann mit einer 1ml-Spritze und einer sehr feinen Nadel durch das untere Hülsenfenster Benzin auf das verharzte Drehkolager aufgeträufelt werden. An den gekonterten Muttern oben auf der Hülse kann man mit mehr oder weniger Kraft probieren, ob schon Bewegung möglich ist (besser ist natürlich weniger Kraft). Der Rest ging eigentlich recht flott. Nach ca. 15 Minuten ließ sich der Drehko wieder drehen, erst widerwillig, dann leicht. Die braune Pampe, die nun aus dem Lager ausgewaschen wird immer schön wegtupfen, solange, bis nichts mehr kommt. Etwas harzfreies Öl macht die Lagerung leichtgängig. Nun wird das Werkzeug entfernt und der Seegerring wieder eingesetzt. Seilscheibe wieder drauf und... Verdammte Pestilenz, wo ist die Seilscheibe? Ganz einfach, sie ist mir im Arbeitseifer - vom Skalenseil abgewickelt - runter gefallen und hat den Fußboden erkundet.

Bis hierher hatte mir die Arbeit Spaß gemacht, jetzt kam die dunkle Seite. Bisher hatte ich noch kein Skalenseil unter derartigen räumlichen Verhältnissen aufgelegt, jetzt durfte ich es lernen. Na gut, ich möchte hier nicht weiter die Situation schildern, es gelang mir nach einiger Zeit. Gut, wenn man in solchen Situationen allein ist.

Hier das fertige Chassis

   

Und hier das fertige Kofferradio

    oder so    

Zum Schluß meiner Ausführungen nochmals meinen Dank an Dietmar für das schöne Gerät mit dem tollen Klang und Harald für seine wertvollen Tipps. Heute Morgen habe ich mit dem Radio 4 Mittelwellensender und 3 Langwellensender in passabler Stärke empfangen (was muß da erst abends los sein).

Sollte jemand von Euch das Werkzeug einmal benötigen, leihe ich es gerne aus.

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#2
Ja Wilhelm, ich hatte beim Trödler Bernd auch überlegt es zu behalten weil mich auch der tolle Klang beeindruckt hatte. Nun bin ich froh es dem richtigen gegeben zu haben. Mit deinen tollen Bericht eindrucksvoll bestätigt. Ich wäre da bestimmt nicht so schnell drann gekommen an die Reparatur. Und auch das Spezialwerkzeug wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Eher Grobmotoriger wäre ich vorgegangen.
Viel Spass weiterhin beim Hören und erkunden der LW MW und KWensendern
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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#3
Sehr schöner Bericht Wilhelm! Und schön, dass das Gerät nun wieder seine volle Funktion und ganze Pracht hat. Diese Geräte sind wirklich sehr gut, sowohl in den Klangeigenschaften, als auch in den Empfangseigenschaften. Ich hatte aus der Weekend-Serie auch schon viele Geräte.

Viel Spaß bei den Früchten Deiner Arbeit Smile
~~~Es gibt nix Gutes, außer man tut es~~~
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#4
Super duper Wilhelm!

Die Geschichte mit dem Werkzeug finde ich richtig pfiffig. Durch das Aufsetzen des Werkzeugs auf die Achsführungsbuchse, kann die Achse auch nicht mehr versehentlich nach innen entkommen und die verspannten Zahnräder entriegeln. Thumbs_up

Sogar die vorher entböppelte rechte Antenne hat nun wieder den richtigen Endböppel! WOW!

Ich schließe mich meinen Vorrednern an: Das sind tolle Radios mit einem sehr überzeugenden Klang and phantastischer Empfangsqualität.... Das graue und das blaue habe ich schon - jetzt gucke ich noch nach dem roten.
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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#5
Wau, das sieht ja noch besser aus wie im Neuzustand! Skalenseile sind so ne Sache, besonders wenn kein Seillaufplan vorhanden ist. Ich kenne keinen dem das Spaß macht :-D Meine Oma hatte mal so ein Radio. Farbe grau.
viele Grüße aus der Pfalz
Gery

Dieser Beitrag wurde aus 100% selbst erzeugten umweltfreundlichem Sonnenstrom geschrieben und kann Gefahrenlos recycelt werden Thumbs_up


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#6
Hallo Weekend-Liebhaber -
echt gelungene Wiederinstandsetzung ! Probleme/Aufgaben pfiffig angedacht und ausgeführt (!) - ich gebe zu, dass ich bislang über solche Spezies Radio drüber-hinweg-sah - aber was Ihr so berichtet bezüglich Empfangseigenschaften + Klang - macht beinahe gierig.
(Harald: Wenn nicht schon Deinerseits "gespechtet": In der Bucht sind grade 2xWeekend in rot im Angebot)
Der Draht ist die Seele des Radios !
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#7
Hallo,
ein Spitzenergebnis aus einer unbeirrbar zielführenden Spitzen-Zusammenarbeit! Ganz grosse Hochachtung an alle Beteiligten, vor allem Wilhelm und Harald.
Viele Grüsse,
Jean
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#8
(22.08.2014, 19:00)Karl-Heinz schrieb: (Harald: Wenn nicht schon Deinerseits "gespechtet": In der Bucht sind grade 2xWeekend in rot im Angebot)

Danke Karl-Heinz, habe ich schon unter Beobachtung. Aber beim ersten ist die rechte Antenne beschädigt (offensichtlich irgendwo ein Knick) und vom Batteriekasten gibt es nur das Bild ohne Abdeckung... verdächtig. Beim 2. muss ich mal nach einem Bild mit Bodenansicht fragen. Immerhin ist der ehrlich und sagt: Spielt auf UKW - will heißen, LMK Antrieb sitzt fest. Der erste sagt, dass er überall spielt - das heisst ja nicht, dass die Antriebe nicht festsitzen.
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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#9
Ganz nach dem Motto " Auch andere Bauern haben hübsche Töchter" gibt es eine Vielzahl Klang starker und Empfangs starker Kofferradio, ich denke da an die TELEFUNKEN Bajazzo Serie ebenso wie an die vielen Grundig Musikboys sowie die Satelliten Serie, Auch Saba ist da nicht untätig gewesesen, etc.
Mein Faforit ist momentan ein Grundig Luxusboy, der täglich "jodelt" und dessen Klang weder in den Tiefen noch in den Höhen aufdringlich wirkt.
M.f.G.
harry
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#10
Guten Morgen,

und vielen Dank für Eure Würdigungen.

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#11
Gruesse an alle, bin neu hier

bei einem Schaub Lorenz Weekend 80 habe ich keinen Empfang im gesamten AM Bereich, also L M K geht nicht, Ukw hingegen schon.
Man hoert jedoch das typische Grundrauschen, allerdings muss wohl ein Plattenschluss am Drehko vorliegen, bei jedem Abstimmen kracht's maechtig.
Wer hat Tipps parat, bin dankbar fuer Anregungen.

uebrigens sind unter "Pytalhost Schaub Lorenz Weekend" Service Unterlagen frei zu beziehen.
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#12
Hallo Mirko, und herzlich Willkommen hier

wie kommst du auf einen Plattenschluß??? Ich vermute mal Dreck im Drehko!
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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#13
Hallo Mirko,

läuft der Drehkondensator rund durch? Mit geeignetem Kapazitätsmessgerät überprüfen.
viele Grüße aus der Pfalz
Gery

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#14
Nachtrag: Bei Plattenschluss natürlich auf Kurzschluss überprüfen.
Euch allen einen schönen Mittwoch!
viele Grüße aus der Pfalz
Gery

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#15
zunächst danke für eure Antworten,

ich mach'mich dran das Teil auszubauen um weitere Überprüfungen anzustellen,
ein LC Meter hab ich, mal sehn ..
Zum Einkreisen des Fehlers im LMK-Bereich: ich wohne in unmittelbarer Nähe zu einer 220KV Leitung, die beim Betätigen der Scherentrenner entstehenden Lichtbögen werden von der Ferritantenne (LW und MW) sehr gut "wiedergegeben", aber eben nur Krachen, keine Sender.

Grüße an die Gemeinschaft
Mirko
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#16
Hallo alle,

nun konnte ich den Drehko ausbauen, mit einem Ersatz funktionieren Mittel und Kurzwelle gut,
doch auf LW kein Empfang, jedoch Wellenrauschen, koennte ein Spulenproblem am Ferritstab sein.
Einige Plaettchen am Drehko waren recht verbogen, doch auch ein Ausrichten bringt keine Besserung,
es kracht halt bei der ganzen Drehung, nei Durchgangspruefung staendiges Piepsen.
Werde einen Versuch mit in Reihe geschalteter Gluehlampe unternehmen, das Gehaeuse ist nichtleitend,
mal schaun ob die Plaettchen sich fuegen, eventuell geht das zu Lasten der verfuegbaren Kapazitaet.

nochmal Danke fuer die Anregungen
Mirko
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#17
Guten Morgen Mirko,

wenn es bei der Durchgangsprüfung dauernd piepst, dann hast du einen Kurzschluß im Drehko.
Bei solchen Gelegenheiten schiebe ich ein dünnes Stück Papier zwischen zwei Lamellen, drehe
den Drehko langsam durch bei angelegter Durchgangsprüfung. Das wiederhole ich bei den anderen
Lamellenpaaren, bis es nicht mehr piepst. Dann habe ich die Kurzschlußstelle wahrscheinlich
gefunden (außer bei mehreren Kurzschlüssen).

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#18
Gruss an alle,

also die Methode mit einer zum Drehko in Reihe gefuehrten 220 V Gluehlampe ist wirklich sehr hilfreich, man erkennt damit sofort die Problemstellen.
Es war ein kleines, sonst nur schwer zu erkennendes Plaettchen, 
welches derart verbogen ueber die ganze Drehung schleifend den Kontakt verursachte.
Natuerlich ist eine Lampe nicht zwingend erforderlich, es genuegt auch irgendwelche Last, a
ber das Leuchten offenbart sozusagen den Fehler.
Nach Beheben desselben funktionieren nun KW und MW wie gehabt, Langwelle arbeitet auch, und zwar mit einer am externen Eingang verbundenen Antenne, ich hatte eine LoopAnt parat. Daher sind die Spulen beim Ferritstab zu kontrollieren, 
was aber ein bisschen fiddlig ist.  

im angehaengten Bild der Versuchsaufbau

   
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#19
Hallo Wilhelm,

habe erst jetzt Deinen faszinierenden Beitrag zum Gängigmachen des Drekos gelesen. Ich besitze selbst mehrere Schaub-Lorenz-Geräte, von denen die Hälfte ebenfalls festsitzende Drekos aufwies, als sie mir zuliefen. Mangels Drehbank und Fräsmaschine habe ich mir wie folgt geholfen:
den Dreko mit warmer Luft angeblasen (nicht zu warm, Haarfön Stufe 1), um das verharzte Öl oder Fett wieder weich zu bekommen. Nach ca. 10 Minuten ließ sich der Dreko langsam immer leichter bewegen, ganz normal mit dem Senderwahlknopf, ohne Demontage des Seils. Nach dem Abkühlen stellte sich heraus, dass der Dreko wieder schwergängig wurde. Also nochmal angewärmt, bis er butterweich drehte und dann während der viertelstündigen Abkühlphase ständig durch leichtes Hin- und Herdrehen in Bewegung gehalten. Das brachte den Erfolg, das Bewegen während des Abkühlens ist zwar ein Geduldsspiel, verhindert aber das Wiederfestbacken des Fettes in den Lagern bzw. an den Achsen.
Der Versuch lohnt bei jedem schwergängigen Dreko, man muss nichts demontieren und es besteht keine Beschädigungsgefahr. Würde mich freuen, wenn ich einigen, die das gleiche Problem haben, die Arbeit erleichtern könnte.
Antworten
#20
Das anwärmen der Lager ist ein probates Mittel, um Achsen wieder gangbar zu machen,
jedoch empfehle ich, das verharzte Schmiermittel aus dem Lager auszuwaschen und mit
einem harzfreien Schmiermittel neu zu schmieren. Ansonsten kann das alte verharzte
Öl/Fett nach einiger Zeit wieder festbacken.

Sobald das angewärmte Lager beweglich wird, mit der "Benzinbehandlung" beginnen.

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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