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Sicherheit bei der Reparatur von Röhrengeräten
#1
Grundsätzliches

Die erste Regel bei Geräten aus unbekannter / Laienquelle lautet: Finger weg vom „Testen“.

Erste Prüfung

Bevor das Gerät an den Strom angeschlossen wird, die Rückwand entfernen und eine Sichtprüfung vornehmen!
Ist das Gerät vollständig?
- Netzkabel dran und unbeschädigt? Isolierung und Stecker in Ordnung?
- alle Röhren vorhanden und am richtigen Steckplatz?
- alle Lautsprecher drin?
- wurden Trafos oder Bauteile entfernt, oder sind offensichtliche Änderungen (Basteleien, Notreparaturen vorgenommen worden?
- sind Brand- oder Schmorstellen, vor allem am Wickel des Netztrafos und an anderen "großen" Leistungsbauteilen erkennbar (Heizwiderstände, Siebwiderstände im Netzteil usw.)

Dann wird ein Blick auf die Gerätesicherungen geworfen. Sind sie durchgebrannt oder mit Alufolie umwickelt bzw. durch Schrauben, Nägel oder andere Gegenstände ersetzt worden, so liegt aller Wahrscheinlichkeit nach eine größere Arbeit, wenn nicht gar ein Totalschaden vor. Hat die Sicherung den richtigen Wert?

Findet man dann Elkos ohne Gummistopfen, verspritztes Elektrolyt, geplatzte Kondensatoren oder kritische Kandidaten, sollten diese geprüft und gemessen werden. Ist kein entsprechendes Prüf- / Meßgerät vorhanden, sind diese Kondensatoren durch neu- und gleichwertige Exemplare zu ersetzen.
Insbesondere sind die Koppelkondensatoren zu überprüfen. Das sind alle die, welche die Anodenspannung vom Gitter der nachfolgenden Stufe fernhalten sollen, wie der rote Rahmen im Bild zeigt.

   

Kondensatorkur

Die problematischen Kondensatoren sind durch neuwertige Ware zu ersetzen. Hierbei ist zu beachten dass Kondensatoren mit der im Schaltplan angegebenen Spannungsfestigkeit ersetzt werden. Eine höhere Spannungsfestigkeit ist zulässig, NIE jedoch eine geringere!
Ist die Spannungsfestigkeit im Schaltplan nicht angegeben, tauscht man mit mindestens der Spannungsfestigkeit des Originaltyps. Sind die Spannungsfestigkeiten sehr viel höher (z.B. in Volksempfängern 1500V) frage man einen Fachmann, ob und welche niedrigeren Werte eingesetzt werden können.

Kleine Elkos mit geringen Spannungsfestigkeiten und / oder Kapazitäten sind in aller Regel nach 40 und mehr Jahren auch defekt. Tauscht man diese aus, so ist unbedingt auf die richtige Polung zu achten. (grüner Rahmen im Bild) Da Elkos altern sollte man schauen, ob man sie nicht durch normale Folienkondensatoren ersetzen kann, das ist insbesondere in Frequenzweichen von Lautsprechern möglich. Hier entfällt dann auch das Problem der Polung. Dazu aber immer vorher fachkundige Hilfe zu Rate ziehen!

Bei der Prüfung und Inaugenscheinnahme Kondensatoren, die betriebsmäßig hohe Spannungen führen, insbesondere in Netzteilen, gehe man immer vom geladenen Zustand aus. Die Entladung nehme man über einen Widerstand um die 3 KOhm gegen Masse vor. Eine direkte Masseverbindung bewirkt neben dem Knall und Funken eine Schädigung des Elkos.

Lautsprecher

Von Lautsprecheranschlüssen im Betrieb Finger weg! Lautsprechertypen gab es früher wesentlich mehr als heute. Lautsprecher mit mehreren Anschlüssen und einer dicken Spule zur Erzeugung des Magnetfeldes zum Betrieb des Lautsprechers, statt eines Magneten, hängen mit dieser meist an voller Netzspannung. Die Spule dieser elektrodynamischen Lautsprecher dient meist auch als Drossel für die Anodenspannungssiebung und damit als Glättungsglied für Diese.

Weitere gefährliche Lautsprecher sind die elektrostatischen Lautsprecher. Diese erkennt man an ihrer kleinen und flachen Bauweise und am sehr geringen Gewicht. Bauartbedingt sind sie nur als stark gerichtete Hochtöner verwendbar. Sie werden direkt an der Anodenspannung betrieben. Zumeist sind diese Lautsprecher sehr leise oder defekt.

Auch die vermeintlich normalen permanentdynamischen Lautsprecher bergen Gefahren, wenn sich der Übertrager am Lautsprecher bzw. auf der Schallwand befindet.

Bevor Zweitlautsprecherausgänge gar noch für Kopfhörerbetrieb genutzt werden, ist die Spannung zu messen. Es gab häufig hochohmige Lautsprecherausgänge im unteren zweistelligen Voltbereich bzw. 100V Ausgänge für größere Lautsprecherleitungslängen.

Um Beschädigungen am Ausgangsübertrager zu vermeiden, dürfen Geräte mit Röhrenverstärkern NIE ohne eine Last (Lautsprecher, einen entsprechenden Widerstand oder wenn gar nicht anders möglich mit Kurzschluss) betrieben werden.

Allstrom

Allstromgeräte sind dafür gedacht neben mehreren Spannungshöhen auch 2 Spannungsarten zu verarbeiten, Gleich- und Wechselspannung.

Äußerlich erkennt man diese Geräte teilweise an der Rückwand (Bezeichnung GW oder GWU) und daran, dass die Röhren der U und P Reihe verbaut wurden.

Allstromgeräte haben niemals einen Netztrafo, da Gleichstrom mit herkömmlichen Transformatoren nicht übertragbar ist.

Sie kommen oft als nicht spielbereit in die Hände des Bastlers. Die Röhrenheizungen liegen meist mit den Skalenlampen und einem Heißleiter in Reihe an der Netzspannung an. Bei einigen Geräten sind die Skalenlampen außerhalb des Heizkreises geschaltet, so dass bei Durchbrennen das Gerät noch spielt.

Die Schaltung dieser Geräte ist so, dass je nachdem wie der Netzstecker gepolt ist, die volle Netzspannung am Chassis anliegen kann. Hier herrscht akute Lebensgefahr! Bei Arbeiten an diesen Geräten ist ein geeigneter Trenntrafo zu benutzen. Ein normaler Regeltrafo führt keine Trennung herbei! Es ist darauf zu achten, dass wirklich TRENN Trafo oder TRENNREGELTRAFO dran steht.

Sonderfall: Der Spartransformator
Spartransformatoren kommen vor allen Dingen in Klein- und Kleinstgeräten vor. Sie sind ungewöhnlich klein und stellen nur die Heizspannung zur Verfügung. Die Geräte sind mit E-Röhren bestückt. Dennoch liegt am Chassis je nach Drehung des Netzsteckers volle Netzspannung an, das Gerät ist wie ein Allstromgerät ohne Trafo zu behandeln.

ACHTUNG: Auch alle Fernseher mit sehr sehr wenigen Ausnahmen sind Allstromgeräte! Für Fernsehreparaturen ist ein Trenntrafo daher zwingend!


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  Antwort auf: Sicherheit bei der Reparatur von Röhrengeräten Daniel 5 441 16.09.2016, 23:14
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