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Nebenstellenanlage im öffentlichen Einsatz
#1
Die Geschichte einer Luftnummer.
 
Hallo,
in der DDR war das Telefonnetz sehr schlecht ausgebaut und es gab nicht wenige Menschen warteten bis zu 20 Jahre auf einen Anschluss.
Mit Sicherheit war die militärische Versorgung das Non plus Ultra und die Bevölkerung hatte das Nachsehen.
Ich denke auch die Kommunikation der breiten Masse war auch nicht erwünscht.
 
Wir bezogen 1974 eine Wohnung in einem Hochhaus im Leipziger Süden.
Dieses wurde mit ~ 50 Doppeladern auf einem HV im Keller an das Amt Süd angeschlossen.
Durch die Zweiertechnik GUM konnten 100 Haushalte mit einem Zweieranschluss versorgt werden.
Die Anmeldungen wurden versorgt und der Rest wurde mit dem Füllhorn ausgestreut.
 
Nur das war eher die Ausnahme.
 
19981 erwarben wir ein Grundstück im Leipziger Westen, diese Siedlung  mit ~ 150 Haushalten hatte 8 oder 9 Amtsanschlüsse.
Eine Telefonzelle und das war’s.
Düstere Aussichten für ein Telefon nach dem Einzug, ich wollte wieder on werden.

Selbst meine Verbindungen beruflich mit dem Fernmeldeamt brachten keinen Lichtblick.
Die Flugsicherung Interflug war an allen Standorten für die Nachrichtentechnik verantwortlich.
Anfang der achtziger Jahre haben wir am FH Leipzig stark umgebaut und ich konnte eine MSN 7/70 isolieren.
 
Nun kam mir der Gedanke eine Gemeinschaft zu gründen, ähnlich wie die Antennengemeinschaften.
 
Mit dem Fernmeldeamt Leipzig hatte ich gute Verbindungen, nun begann ein schwieriger Weg.
 
Neue Amtsanschlüsse bekam ich nicht in Aussicht gestellt.
 
Also erstellte ich ein Projekt:
 
  • Die Inhaber ihrer Amtsleitungen überzeugen, dass sie ihn der Gemeinschaft zur Verfügung stellen.
  • Die Genehmigung zum Errichten einer Verkabelung mit den Querungen der Straßen.
  • Mit dem Nutzer der Kaufhalle die Genehmigung zum Aufstellen der MSN 7 / 70
  • Ein Finanzierungsmodell für die Nutzer, Ø 10 Mark / Monat zzgl. Gesprächs Gebühren
  • Pachtvertrag mit der Interflug über die MSN
  • Nebenstellenpflege, Service usw.
  • Versicherung für die Anlage
  • Zugangsrechte der Anlage
  • Belegung der Adernebenstellen und die verschiedenen Berechtigungen optimieren.
 
So ausgerüstet und fast wirr im Kopf bin ich losgegangenen, habe agitiert und Treffen organisiert.
Das Ergebnis ging voll in die Hose.
Reichliche vier Leute wollten ihren Amtsanschluss einbringen.
Die Wenn und Aber würden mich heute noch beschäftigen.
1988 gelang  mir ein Zweieranschluss noch paar andere auch und das war’s.
Dann kam die Wende und alles wurde gut.
 
 
 MSN 7 / 70
Gruß vom Jürgen

Kaum macht man es richtig, schon gehts.
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#2
Hallo,

dazu muss man wissen, dass Fernmeldekabel mit 200 DA das maximale war was die Kabelindustrie im Ostblock damals für zivile Zwecke herstellen und liefern konnte. Ob es Kabel mit größerer DA-Zahl für militärische Zwecke gab entzieht sich meiner Kenntnis. Bei der Deutschen Bundespost waren Ortsverbindungskabel mit 1000 oder 2000 DA Standard. KVZ wurden, je nach zu versorgenden WE mit 200 bis 500 DA angefahren. Von da aus ging es weiter zu den einzelnen Teilnehmern. Kollegen, die nach Oktober 1990 zur Bestandsaufnahme von der DBP zu den FÄ der Deutschen Post kamen konnten über die vorgefundene Infrastruktur nur den Kopf schütteln. Dazu kam, dass in den Kabelschächten, KVZ-Kästen, Kabeleinführungen bei den Vermittlungsstellen Kabel direkt an der Einführung gewaltsam abgetrennt worden sind. Eine Nachverfolgung, welches Ziel diese Kabel hatten hätte nur durch umfangreiche Freilegungsabarbeiten festgestellt werden können. Aber diese waren nicht nötig, es war bald klar wohin diese Kabel führten. Es war auch bald nachzuvollziehen warum es in der DDR maximal 200 DA-Kabel gab. Einen höheren Fernmeldeverkehr hätte die Fa. Horch und Guck nicht bewältigen können!

Gruß
Hohenbogen
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#3
...und nach der Wende gab's das "gute" Signo zum "Westanschluss" geschenkt.
Die alten Telekommer erzählen heute noch von den wahnwitzigen Erlebnissen ihrer Dienstzeit, als sie in die neuen Bundesländer versetzt wurden - Und die Fernmelder Ost davon, dass ihnen West-Beamte mal so richtig zeigen sollten wie man entstört - was in Anbetracht des Zustandes des ostdeutschen Fernmeldenetztes, das in weiten Teilen noch aus den 20er und 30er Jahren stammte, einen Entstörer mit den schönsten Fehlern aller Art ausreichend versorgte und schulte...
Da hätten die "Wessis" in Sachen "kreativer Enstörung" vielleicht auch noch was von den "Ossis" lernen können Smile
Demnach was ich da so gehört habe, war das für viele Kollegen, die damals 'gen Osten ziehen mussten die interessanteste und aufregendste Zeit ihrer Laufbahn...
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