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Grazia 1131, ein Teenagertraum
#1
Da für heute kein Regen vorhergesagt war, nahm ich mir einen Flohmarktbesuch vor. Bereits auf
der Fahrt dorthin begann ein leichter Dauerregen, der dann auch bis zum Mittag anhielt. Den
Flohmarktanbietern sah man die "Begeisterung" über dieses Wetter an. Wer keinen Marktschirm
hatte, deckte Plastikfolie über seine Schätze und wer schlau war, nahm durchsichtige Folie.  Idea

Wie fast immer, wurde ich erst am Ende des zweiten Rundgangs fündig. Meine spätere Errungenschaft
war derart unscheinbar, daß nur ein Kenner sich dafür interessiert hätte. Ich kannte es auch nicht, aber
mir war klar, daß es ein Teil aus ca. 1960, allerdings in schlechtem äußeren Zustand war. Der Verkäufer
hatte noch weniger Ahnung davon und so ging das "seltsame" Radio für kleines Klimpergeld in meinen
Besitz über.

Ich zeige es jetzt im Kaufzustand, später wird ein Restaurierungsbericht hier angeschlossen.

Das Grazia 1131 wurde 1962 von Graetz als handtaschenähnliches Kleinradio für weibliche Teenager
herausgebracht. Anstelle eines Traggriffes hatte das Radiochen eine Trageschlaufe, in der sich die
UKW-Antenne befand (!). Die Skale befindet sich unscheinbar auf der Oberseite, sodaß das Radio
wie eine Handtasche getragen werden konnte, ohne daß es als Radio sofort erkennbar war. Da kann
man sich richtig einen heißen Teenager mit Petticoat und Radiohandtasche vorstellen aus der der
damalige Hit "Let's Twist again" von Chubby Checker oder vieleicht "Zwei kleine Italiener" von
Conny Froboess klingt. (schick, schick!).

Die Daten:

Hersteller: Graetz, Altena
Design: Peter Raacke
Typ: Superhet, kleines Reisegerät
Modell: Grazia 1131
Baujahr: 1962/63
Transistoren: 9 Germaniumtransistoren
Stromversorgung: 9V-Batterie
Wellenbereiche: MW, UKW
Bedienelemente: Versenkte Stellräder für Lautstärkepoti mit Ein/Ausschalter kombiniert, Senderwahl
Wellenbereichschalter als Schiebeschalter auf der Rückseite
Gehäuse: Kunststoff mit Kunstleder bezogen
Anschlussmöglichkeiten: Kopfhörerbuchse auf der Unterseite
Abmessungen: 16,1 x 9,7 x 4,5 cm
Gewicht: 600 g
Lautsprecher: 1
Neupreis: 198,- DM (das war für einen Teenager 1962 sehr viel Geld)


   
Hinter der Ansicht vermutet man nicht unbedingt ein Radio



   
Auch die Skale ist nicht so bestimmend, wie bei sonstigen Radios



   
versenktes Bedienrad und eine Halterung für die Antennen-Tragschlaufe



   
gut erhaltener Hinweis auf die Batterie



   
das Chassis zeigt deutlich die Spuren einer Reparatur/Ergänzung. Die Art lässt auf einen Radiobastler schließen, mal sehen,
wie es auf der anderen Seite des Chassis aussieht.


Dieser Bericht wir zu gegebener Zeit weiter geführt.

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#2
Schönes, kleines Radio! Ich bin gerade an genau so einem Modell bei ebay dran (wehe Ihr bietet mit....) Wink Mich hat auch das Design sehr angesprochen, weil es doch etwas abweichend von den sonst üblichen Modellen dieses Baujahre ist, und UKW hat.
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#3
Was mir spontan ins Auge fällt: MW von 51-180kHz??
Ist das ein "Notradio" mit Spar-Mittelwelle? Wink
Im Ernst, das kommt ja nichtmal für LW hin, Druckfeler?
Oder hast ne Fehlpressung gefunden und bist jetzt reich?
Gruß,
Uli
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#4
Moin moin,
oder der Hinweis, das mal 10 Khz zu nehmen fehlt oder ist nicht mehr sichtbar
Auf den Skalenbildern im radiomuseum.org ist selbiger Aufdruck zu sehen.....schon eigenartig
M.f.G.
harry
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#5
Bei Ami- Autoradios war es durchaus üblich, eine, oder zwei Dezimal- Nullstellen von der KHz- Angabe bei MW wegzulassen. Da gingen die Skalen entweder von "5.1 bis 16" oder von "51 bis 160". War teilweise auch dem Platz geschuldet, da die Skalen sehr kurz waren. Und wir sollten uns nichts vormachen, damals waren Skalen reine Auffindehilfen. Man suchte sich den gewünschten Sender und merkte sich die Stelle auf der Skale. Die genaue Frequenz hat keinen interessiert.
Ich wußte z.B., dass ich "Radio Luxembourg" im 49m- Band auf meinem Stern Party gefunden hatte, wenn der Plasteskalenzeiger mit seiner rechten Kante den linken Strich des "m" berührt hat. Zur Bestätigung konnte man dann schon von Weitem das Pfeifen des Stasi- Störsenders hören, der da drüber gelegt worden war.
Viele Grüße

Wolfram

"... Bei uns tut jeder, was er kann. Aber nicht jeder kann, was er tut. ..."
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#6
Danke, scotty für die Berichtigung, werde es gleich ändern
M.f.G.
harry
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#7
Guten Morgen,

diese Abkürzerei wurde damals auch von deutschen Herstellern praktiziert, vermutlich
überall dort, wo wenig Platz und trotzdem eine ausreichende Erkennbarkeit notwendig
war. Hier zwei Beispiele:

   
Nordmende Transita


   
Grundig Micro-Boy 300


Gruß
Wilhelm

@ Anton
bei Hood.de steht ein schwarzer Grazia zum Sofortkauf
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#8
Hallo Ihr Guten  Smile

Ich hab's auch schon öfter gesehen, daß auf Skalen einfach Dezimalstellen per Komma verschoben wurden,
sodaß z.B. aus 1500 kHz einfach 1,5 (MHz) gemacht wurde, oder aber kHz stehenblieb, aber 10er oder 100er fehlt.
Im letzteren Fall gehört aber meiner Meinung nach am Rand eine Anmerkung (z.B. x10 kHz oder x 100 kHz) dazu,
so wie hier zum Beispiel:


.jpg   Bewandtnis.JPG (Größe: 135,78 KB / Downloads: 167)               .
.jpg   x10khz.JPG (Größe: 46,29 KB / Downloads: 170)

@ Wilhelm:

Ein schönes kleines Radio ist Dein Grazia 1131,
freue mich schon auf Deine weiteren Berichte zu diesem Gerät.

Viele Grüße aus MV, von Peter
~~~~~ DE - MV  /  Connected ~~~~~
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#9
Danke Peter,
wenn Anton Glück hat, bekommt er eine Grazia, bei der sogar
noch die Handschlaufen-Antenne dabei ist. Toi, toi, toi!

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#10
Ja toi toi toi, daß Anton es bekommt, dann ist das Radio in guten Händen  Blush

Beste Grüße, von Peter
~~~~~ DE - MV  /  Connected ~~~~~
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#11
(20.11.2016, 09:51)Wilhelm schrieb: Guten Morgen,

diese Abkürzerei wurde damals auch von deutschen Herstellern praktiziert, vermutlich
überall dort, wo wenig Platz und trotzdem eine ausreichende Erkennbarkeit notwendig
war. Hier zwei Beispiele:


Nordmende Transita



Grundig Micro-Boy 300


Gruß
Wilhelm

@ Anton
bei Hood.de steht ein schwarzer Grazia zum Sofortkauf

Hallo Wilhelm,
so einen habe ich 1962 von einem Freund erstanden.
Er brachte ihn als Heimkehrer vom Westen mit.
200 M Ost war der Preis.

Das Ende erfolgte durch unser Pferd damals, ich hatte es am Vorgewende der Kartoffeln dudeln lassen!!!
Beim Wenden trat der Kaltblüter drauf!!!+
Gruß vom Jürgen

Kaum macht man es richtig, schon gehts.
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#12
(20.11.2016, 19:42)Daniel schrieb: Das Ende erfolgte durch unser Pferd damals, ich hatte es am Vorgewende der Kartoffeln dudeln lassen!!!
Beim Wenden trat der Kaltblüter drauf!!!+

Mir war, als hättest Du die Geschichte neulich schonmal bei einem anderen Radio geschrieben. Offenbar war das Pferd grundsätzlich von Radiomusik genervt Big Grin
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#13
(20.11.2016, 19:34)Wilhelm schrieb: wenn Anton Glück hat, bekommt er eine Grazia, bei der sogar noch die Handschlaufen-Antenne dabei ist. Toi, toi, toi!

Danke Wilhelm. Ich hoffe es wird nicht so teuer, damit es mir holen kann. Sollte ich das Gerät tatsächlich bekommen, mach ich gute Bilder von der Kettenantenne. Vielleicht kann man sie dann Nachbauen.
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#14
@ Anton

Das war meine stille Hoffnung, Deine Originalkette dann
nachzubauen. Also gewinne bitte Big Grin

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#15
@ Daniel

Da waren aber 200 M Ost sehr preisgünstig bei 198 DM West.
Wäre ich der Kaltblüter gewesen, hätte ich einen Appel draufgesetzt, dann wäre es
weg gewesen und der Pferdeappel hätte Musik gemacht. Dafür wäre das Pferd
sicher noch Held der Arbeit geworden. Smiley26

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#16
So war die Fortsetzung ursprünglich nicht geplant, aber so ist es im Leben, es kommt anders. Meine
ehemals blonde und nun arg alt gewordene Grazia hat eine schwarze Schwester bekommen und die ist
das genaue Gegenteil von der ehemals blonden. Sie ist wie neu aus'm Laden und absolut unverbastelt.
Sie kommt aus Berlin und wurde bei Hood.de ziemlich teuer angeboten, aber wenn man miteinander redet,
wird man sich auch einig.

Hier sind die beiden Schwestern


   


und hier Bilder von der Schwester


   


   
Der Eingang des Antennentragebandes


   
das, wie ich meine, unveränderte Innere



   
hier ist das Antennentrageband gut zu erkennen, eine geflochtene Metallkette. Für einen Teenager im Petticoat
ein passendes Accessoire.


Gruß
Wilhelm


PS. Der Bericht wird weitergeführt bei der Restaurierung der blonden Grazia
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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