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Hanseatic alias Kaiser 2320
#1
Als ich ihm das erste Mal begegnete, konnte ich es keinem bekannten Hersteller zuordnen und da im RMorg zwar der Name "Hanseatic"
existierte, aber keine Gehäuseabbildung, bedarf es einiger Vergleiche und Überlegungen, daß es ein typischer Kaiser war. Der Hanseatic
war ein bei Kaiser gefertigtes Radio, Modell 2320, das mit anderem Gehäuse und anderer Skale vom Otto-Versand unter dem Markennamen
Hanseatic vertrieben wurde.

Auch existierten in der Datenbank des RMorg Bilder vom Chassis, aber nicht vom kompletten Gerät. Die Beschreibung war teilweise
unvollständig und falsch.

Hier erst einmal ein Bild und die technischen Daten:

   

Hersteller: Kaiser KG, Kenzingen
Typ: Superhet  ZF/IF 460 / 10700 kHz
Anzahl Kreise: 6 AM, 10 FM
Modell: Marke: hanseatic (bei Otto-Versand)
Baujahr: ~1964
Röhrenbestückung: ECC85, ECH81, EF89, EABC80, EL84, EAM86
Stromversorgung: Wechselstrom, 117, 220, 240 V
Wellenbereiche: LW, MW, KW, UKW
Lautsprecher: permanentdyn., oval
Leistung: 4 W
Bedienelemente: Tasten und Drehknöpfe
Gehäuse: Thermoplast, weiß
Anschlussmöglichkeiten Rückseite: 2. Lautsprecher, TA, Drahtantenne, Dipolantenne, Erde.
Abmessungen: 385 x 180 x 180 mm




So kam er zu mir. Tonlos, außen hui und innen pfui. Jedoch kein Fett- und/oder Niklotinbelag, vollständig und unverbastelt.


   


   


   


   


Wie immer war zuerst Putztag. Normaler Weise sind Kunststoffgehäuse gut zu säubern. Ab ins Waschbecken und warmes Prilwasser
wirkt Wunder. Hier hatte die Wascherei jedoch Grenzen. Zwischen Schallwand und Gehäuse war ein schwarzer Karton als Schattenhintergrund
eingeschweißt, der ein Wasserbad ausschloß. Dementsprechend mußte jede Lamelle der Schallwand einzeln geputzt werden. Viele Wattestäbchen
und sehr viel Geduld waren erforderlich. Bei solcher ...arbeit ist es gut, wenn man dabei alleine ist. Ansonsten würde man sich wohl Feinde fürs
restliche Leben machen.

Das Chassis war dagegen ein Putzvergnügen. Nur Staub, der sich mit Pinsel und Staubsauger gut entfernen ließ. Außerdem kommt dabei wieder
die Erinnerung an die eigene Lehrzeit, wo man vor Feierabend die benutzten Maschinen putzen mußte. Meister und Gesellen machten derzeit ein
Schwätzchen. Ich kannte aber dadurch bald jede Schraube an jeder Maschine und konnte sie auch problemlos bedienen. Heute sichtet man beim
Chassisputzen die gesamt verbaute Technik, erkennt Funktionen und auch schon Problemstellen.

Speziell hier konnte ich feststellen, daß Kaiser sehr viel Wert auf klaren, unverschachtelten Aufbau legte. Eine sehr übersichtliche Bauweise, die
man nicht bei jedem Hersteller sieht.


   


   


   
Der rote Pfeil kennzeichnet den von mir vermuteten Anschluß für den HF-Drahtfunk


Die festgestellten technischen Mängel waren:

-  unterbrochene Stromzufuhr
-  unabhängig davon kein Empfang/Wiedergabe
-  abgerissene und fehlende Ferritantenne
-  Skalenbeleuchtung defekt

Im Bereich der Stromzuführung wurden die Sicherungshalter von den "Kurzschlußdrähten" befreit, Kontaktflächen gesäubert und Sicherungen
eingebaut. Abgebrochene Drähte mußten neu verlötet werden und dann hatte ich an allen Meßstellen wieder Spannung. Selengleichrichter und
Siebelko funktionierten einwandfrei.

Vorher wurden die Röhren gezogen und mit dem Röhrenprüfgerät geprüft. Alle Röhren lagen zwischen 60 und 75 % Leistungsfähigkeit. Prima.

Bei der Suche nach der Ursache für den fehlenden Empfang/Wiedergabe machte ich erst einmal die Feststellung, daß ESR-Werte weit entfernt
von den erwarteten Werten lagen und damit hier keine Aussagekraft besaßen. Ausgebaute Elkos zeigten Meßwerte, die perfekt
waren, die jedoch unter Last versagten. 5 W-Widerstände, die völlig normal erschienen hatten enorm abweichende Widerstandswerte.

Nach Auswechslung der Elkos und mehrerer Widerstände war auf allen Wellenbereichen Empfang und Wiedergabe.

Dabei stellte ich fest, daß wenn ich die Wurfantenne über ein stromführendes Kabel hängte, waren hervorragender Empfang und Lautstärke.
Erklärt mir bitte mal, warum das so ist.

Die fehlende AM-Ferritantenne werde ich nicht mehr ersetzen. Mit deren Wicklung wäre ich derzeit überfordert und einen Dummy möchte
ich nicht.

Ein neues 6 V-Birnchen erzeugt hinter der Skale jetzt Weihnachtsstimmung.


   


   
Die EAM86 stellt ein magisches Band dar, das gefällt mir besser, als das sonst übliche Maggiauge


   
fertig und rein in die Kiste


   
warum die Rückwand links oben dreieckig ausgeschnitten ist, lässt ein letztes Rätsel offen


Gruß
Wilhelm

PS. Im RMorg ist das Radio nun auch mit Gehäuse zu sehen
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#2
Schönes kleines Radiochen, mit schöner halber EM84, sieht richtig gut aus Wilhelm.
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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#3
Danke für die nette Vorstellung des Hanseatic/Kaiser. Ich gehe mal davon aus, daß es gar nicht so häufig ist.
Die EAM86 finde ich auch interessant, gibt nur wenige Radios damit. Eigentlich erstaunlich, daß man diesem Kleinradio noch EL84 und EABC80 gegönnt hat. Eine ECL86 wäre sicher preiswerter gewesen und die AM-Diode war gratis in der EAM86 mit dabei...

Grüße
Frank
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#4
(26.12.2016, 19:03)Wilhelm schrieb: Dabei stellte ich fest, daß wenn ich die Wurfantenne über ein stromführendes Kabel hängte, waren hervorragender Empfang und Lautstärke. Erklärt mir bitte mal, warum das so ist.

Soweit ich es erkennen kann, hat das Netzkabel 3 Adern, obwohl am Stecker kein Anschluß für Schutzleiter vorhanden ist. Demnach sollte die dritte Ader eine Netzantenne darstellen. Wenn Diese nicht mehr am Chassis angeschlossen ist, wurde vielleicht diese extra Leitung gelegt, die vermutlich im Original länger war. Kommt diese Extra Leitung nun in die Nähe einer Netzleitung, wird die Empfangsleitung verstärkt (Laienhafte Vermutung).
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#5
@ Dietmar

Danke Dietmar, das Radiöchen an der richtigen Antenne ist ein richtig großer Brüller  Big Grin


@ EQ80

Danke Frank, ich habe schon einige Stunden im Netz gesucht, aber nichts über dieses Radio gefunden (außer RMorg).
Es scheint tatsächlich nicht sehr häufig zu sein (trotz Versandhausware)


@ Anton

Die mittlere Ader der Zuleitung geht an die dritte Lötöse von links der Trafoanschlußplatte (Pertinaxplatte mit den Sicherungshaltern)
und von dort an das von mir vermutete Anschlußkabel für den HF-Drahtfunk (ist aber wohl nicht so). Sonst keine weitere Verbindung.
Die Zunahme der Empfangsstärke kommt zustande, wenn die Wurfantenne (schwarzes Kabel) über ein stromführendes Kabel gehängt
wird.

   


Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#6
Hallo,

weiß jemand eine Quelle für Infomaterial für dieses Radio (außer RMorg)?
Vielleicht eine Bedienungsanleitung?

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#7
Tja Wilhelm, die wirst du selber schreiben müßen so wie es aussieht. Meine Quellen haben nichts ergeben. Das erklärt sich doch alles von alleine, nur TA/TB wie wird das Umgesetzt?? LW/MW gleichzeitig Drücken??
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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#8
Danke Dietmar, daß Du nachgesehen hast.

Wie TA/TB einschalten? Keine Ahnung. Ich habe es bisher nicht ausprobiert, aber ich erinnere mich, daß man
manchmal 2 Tasten gemeinsam drücken mußte, um T zu aktivieren. Ich muß gelegentlich mal nachsehen, ob ich
noch irgend ein Gerät zum anschließen habe (mit DIN-Anschluß). Mich interessieren bei der Bedienungsanleitung
mehr die Ausführungen über den Drahtfunkbetrieb. Und außerdem mag ich diese alten Bedienunganleitungen.

Servus
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#9
Ein drei/fünfpoliges DIN-Kabel und am Ende ein Klinkenstecker, den ins Smartphone.

Hier noch Infos welt-der-alten-radios.de/a--g-drahtfunk
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
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#10
Ja, da haste recht, das wird gehen zum Ausprobieren.
Mal sehen, wie Charly Pride aus dem Hanseatic klingt. Smile

Danke für den Link zu Wu. Ich habe mittlerweile viel über
Drahtfunk gelesen, Hans hat auch sehr informativ darüber
geschrieben.

Servus
Wilhelm
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so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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