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Gehäuse
#1
In meinem Thread zur Restauration des Kölleda Verstärkers V125 bin ich ja schon kurz auf das Gehäuse eingegangen. Da ich bereits zwei weitere Gehäuse begonnen hatte, kam der Vorschlag, einen allgemeinen Beitrag über den Bau hier im Forum zu schreiben.

   

Für alle Interessierten sei gesagt, ich komme nicht aus der Branche. Ich arbeite als Vertriebs- und Applikationsingenieur für Partikel-Messtechnik, anwendbar in der Chemie- und Pharmaindustrie, bin also Vertreter. Ich hatte bis dato zwar noch keine Gehäuse gebaut und auch meine Lautsprecherboxen habe ich bisher immer gekauft, doch woher sollte ich wissen ob ich es kann, wenn ich es nicht mal probiere?

Gesagt, getan! Entworfen habe ich das Gehäuse am PC mit der Software Medusa4 personal, eine kostenlose CAD-Software von CADSchroer, die ich an der Stelle wärmstens empfehlen kann. Dieser Entwurf lieferte die Größen der zuzuschneidenden Gehäuseteile, die ich dann in 18mm MDF beim Toom-Baumarkt ausführen ließ. Ich hatte es schon erwähnt, das Preis-Leisungs-Verhältnis war nicht zu toppen. Millimetergenau wurden die Arbeiten von der Zuschnittabteilung ausgeführt.

In die Klebeflächen habe ich mit einer Lamellofräse Nuten gefräst und mit Hilfe der passenden Lamellos verleimt. Fixiert wurden die Gehäuseteile mit Spanngurten bis der Holzkleber abgebunden hatte. Da mir an der Stelle das richtige Maß für die richtige Menge des Klebers fehlte, hat es eine Menge aus den Fugen gequetscht. Kann nur empfehlen, diesen Kleber schnellstens weg zu wischen, sonst gibt es reichlich Nacharbeit!

   

So sieht es doch schon aus wie ein Gehäuse. Aber der gewisse Effekt kommt, wenn die Kanten gebrochen wurden. Ich habe das mit der Oberfräse erledigt. Dafür wurden diee Gehäuse mit Schraubzwingen auf der Werkbank fixiert, sonst klappt da nix! Die Rückwand wird ausgesägt und die Kanten an den Innenseiten ebenfalls designgefällig mit der Oberfräse abgerundet, genauso wie die Leiste über der Frontplatte.

       

Grob gesehen sind die fixen Sachen jetzt erledigt und es geht an die notwendigen Einbauten. Dazu gehören die Auflagen auf der Bodenplatte. In dem Fall sind sie aus 10mm Birkensperrholz, weil ich es noch liegen hatte. Die Auflagen sind notwendig, weil die Frontplatte des Verstärkereinschubs unten nicht bündig mit dem Rest des Gestells abschließt, sondern ca. 4mm übersteht. So hat man dann gleich den Anschlag für den Einschub.

   

Rechts und links an den Seitenwänden kamen Aluminiumwinkel und zur Deckplatte hin habe ich aus Restholzstücken die beiden Vorsprünge eingeleimt und verschraubt für die Frontleiste. Diese Konstruktion dient auch gleichzeitig der Stabilisierung des Gehäuses.

   

Zum Thema Schrauben fällt mir ein, dass ich die Teile immer vorgebohrt und die Köpfe versenkt habe. Versenken muss man nicht, mir gefällt es aber besser. Für die Rückwand habe ich die Leisten auch so eingeleimt und verschraubt.

Zwischendurch musste ich immer wieder probieren ob der Einschub passt. Da ich einige der Verstärker inzwischen in der Mache hatte und habe, bietet sich ein leeres Chassis für diesen Test an, ist auch leichter handhabbar Wink

   

Jetzt kam der Punkt, der völlig neu für mich war. Das Beziehen der Gehäuse mit Kunstleder, Vinyl, Tolex, PVC... nennt es wie ihr wollt, doch bei dem Schritt habe ich bisher am meisten gelernt. Für den ersten Versuch habe ich mich vorab im Internet über empfohlene Klebstoffe informiert. Ultimativ für solche Arbeiten ist nach Empfehlung der Pattex-Homepage, die Anwendung von Holzleim. Den habe ich mit einer Schaumstoffwalze auf dem Gehäuse verteilt und unter Einsatz eines Tackers das vorher zugeschnittene Kunstleder aufgezogen. Oh Gott, das war eine Strafe! Irgendwie hat es dann doch gehalten und die gefühlt 2.000 Klammern aus dem Tacker sahen dann so unglaublich daneben aus, dass ich sie wieder alle einzeln rausgezogen habe. Das sah ja dann bekanntermaßen so aus:

   

Ausser der gewonnenen Erkenntnis, dass beim Gehäuse beziehen Tacker keine Hilfe sind, ist auch das „normale“ Kunstleder keine Empfehlung, wie ich inzwischen weiß. Das ist viel zu elastisch und ständig muss kontrolliert werden, ob es nicht Falten wirft, wenn man an einer Ecke zieht. Wie auch immer, das Kunstleder habe ich nach einigen Flüchen und lösbaren Knoten in den Fingern recht ansehnlich auf dem Gehäuse zu liegen bekommen. Eine Strichliste zu dem Spruch: „... aha, das machste beim nächsten Gehäuse aber ganz anders!“ habe ich nicht geführt, doch die wäre lang geworden!

   

Ein neuralgischer Punkt liegt in den Innenradien der Rückwand. Leider kann man da kein Material „dranschneiden“, so dass in den Radien Fehlstellen in Form kleiner Dreiecke entstehen. Aus Resten habe ich kunstvoll diese pfrimeligen Schnipsel zurechtgeschnippelt und mit a) Holzleim, b) Sekundenkleber und c) Pattex-Kraftkleber eingeklebt. Mein Tip ist echt der Pattex für solche Stellen. An der Stelle hätte ich gerne kenntnisreiche Kommentare, wie das Thema bei Profis gelöst wird!!!

Den Bezug für die nächsten beiden Gehäuse habe ich bei tube-town.de erworben und er wurde unter der Bezeichnung „Tolex“ extra für diese Aufgabe angeboten. Nicht so günstig wie das Kunstleder, aber guuuut!! Das Design „cocoa redwine“ kam meinen Neigungen nicht nur vom Farbton her entgegen...... Nicht erst bei Anblick der fertigen Gehäuse war eine Flasche Dornfelder fällig.

   

Geklebt habe ich das Material mit Sprühkleber. Den kann ich nur empfehlen und ausserdem sollte sich keiner zu schade sein, vor der Arbeit am Original ein paar Tests auf Probestücken zu machen. Drei verschiedene Sorten standen mir zur Verfügung und der günstigste (vom Preis) brachte die besten Ergebnisse. Wegen des Klebers und auch der Geschmeidigkeit des Tolex, ist eine Mindesttemperatur von etwa 18°C dringend anzuraten. Zum Auslüften sollte das bezogene Gehäuse aber in jedem Fall warm gestellt werden für ein paar Tage. Dann verschwinden auch die Blasen, die sich (ach du Schreck!) unter dem Tolex innerhalb der ersten Stunden gebildet hatten.

       

Zwischen den bis hierher erledigten Etappen ist dringend zu empfehlen, allen zur Verfügung stehenden Freunden und der Familie die Fortschritte beim Gehäusebau zu präsentieren und unter Androhung körperlicher Schmerzen hochgelobte Komplimente zu den eigenen Fähigkeiten abzuverlangen. Sehr motivierend an dieser Stelle!

   

Bei den Ecken habe ich mich für den Chrom-Fender-Style entschieden. Etwas tricky an dieser Stelle, weil pro Ecke zwei angesenkte Bohrungen notwendig sind, doch wenn man das gewissenhaft macht, ist das Design nur noch schwer zu toppen. Fertig? Fast! Zu guter Letzt noch die Füße. Vier Stück angeschraubt, sorgen Sie für sicheren Stand.

Die Löcher in den Aluwinkeln habe ich mit Hilfe des Chasis angezeichnet und mit 7 mm gebohrt. Dort werden dann Käfigmuttern aufgeschoben, die sich leicht in den Bohrungen verkeilen und so beim Einbau mit den Schrauben einfach zu finden sind.

   

Die typischen Anschlüsse an der Rückseite der Chassis musste ich umgehen, da ja bekanntermaßen die Federkontakt-Leisten äußerst schwierig zu beschaffen sind. So habe ich die Anschlüsse abgeschraubt und die Kabel mit entsprechenden Verlängerungen und Buchsen versehen. So konnte ich auch einen Schalter für Standby in der Rückwand aus Alu integrieren, die mir ein befreundeter Modellbauer auf seiner Fräsmaschine gefertigt hat. Wer Bedarf hat an professionell gefertigten Gehäuseteilen aus Metall oder Kunststoff, kann gerne auf mich zu kommen. Ich leite die Anfrage gerne weiter. Die Alu-Rückwand habe ich mit passend zugeschnittenen Abstandshülsen direkt an das Chassis geschraubt. So kann es beim Service immer komplett gezogen werden und keine Kabelverbindungen müssen beachtet werden.

   

An der Stelle ein Hinweis für die Oberflächengestaltung von Aluminium. Ich habe sie mit einem Schwingschleifer bearbeitet, den ich mit einem abgelatschten Schleifpapier bestückt hatte. Das kaschierte selbst tiefere Kratzer und mit etwas Klarlack führte es zu einem ansehnlichen Finish.

So, dass war mein Bericht über den Bau der Gehäuse für Kölledaverstärker. Wer Fragen und Anregungen dazu hat ist herzlich eingeladen diese hier zu posten. Sicher habe ich viel richtig gemacht, doch sicher auch viel umständlich und nicht professionell. Gerade konstruktiver Kritik gegenüber bin ich aufgeschlossen, damit meine nächsten Projekte noch besser werden….
Strom ist gefährlich..... der macht klein, schwarz und hässlich!
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#2
Da hst du uns ja einen sehr schön gemachten Bericht geliefert Schemus. Klasse gemacht und aus Fehlern lernt man eben so wird es immer sein.
Im ersten Bild ist im Hintergrund aber ein Sonneberg Consul zu sehen den du auch mal bitte zeigen solltest, auch wenn er nicht perfekt ist. Dieses Gerät hätte ICH gerne.Smiley20Smiley18
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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#3
Hi, ich habe vor zig Jahren mal eine Eckbank mit Kunstleder überzogen und kann daher sehr gut deine Arbeit bewerten: Top Thumbs_up

Das mit der Alu-Oberfläche kann ich nur bestätigen.
Im März 1985 habe ich ein Netzteil gebaut und die Kratzer in der Frontplatte mit eben dieser Methode beseitigt.
Ich habe die Oberfläche aber nicht mit Klarlack lackiert, sondern mit selbstklebender Klarsichtfolie überzogen.
Warum? Bei einem vorher gebauten Gerät hatte ich Klarlack aus dem Baumarkt verwendet,
dieser verfärbte sich nach verhältnismäßig kurzer Zeit gelb.
Besser geeignet ist der Lack aus dem Autozubehör, besser noch vom Lackierer.

   
Viele Grüße aus Loccum, Wolfgang

Wer niemals fragt, bekommt nicht einmal ein Nein zur Antwort.
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#4
Doppel Netzteil 385, klasse deine Bezeichnung Wolle. Mit dem neu Beziehen hat meine Frau den Bogen eher raus, die macht schon mal von Zeit zu Zeit die Eckbank neu, die ist mittlerweile fünfzehn, aber alle paar Jahre muß da ein neuer Stoff drauf. Ich muß dann immer sehen wie ich die wieder zusammen bekomme. Auch die Stuhlkissen müßen da passen, also auch neu. Da kann man Wertschätzen was der Schemus da geleistet hat,
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
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#5
Du hast Recht Dietmar, den Consul im Hintergrund werde ich hier bestimmt noch zum Thema machen. Vorerst muss er mich noch lautstark bei meinen Basteleinsätzen in der Gartenlaube unterstützen, doch er braucht auch mal wieder etwas Pflege, da derzeit z.B. lediglich UKW funktioniert. Mit dem Gerät szartete mal meine Sammelleidenschaft. Alle meine so um die 30 Geräte, die ich mal hatte, haben andere "Liebhaber" gefunden, nur den Consul musste ich behalten. Das war auch rein aus praktischen Überlegungen. Immerhin ist die Uhr funktionstüchtig und als Wecker zu gebrauchen, der mich mit einem satten Netzbrumm so manches mal aus tiefstem Schlaf gerissen hat.

@ Wolfgang, das mit der Klebefolie, bleiben denn da keine Luftblasen zurück unter der Folie? Ich habe schon überlegt, ob ich die Fläche lackiere und auf er Fräse schön graviere. Oder umgekehrt, erst gravieren und dann die Gravuren füllen und die Fläche schleifen..... es gibt viel zu tun merk ich gerade.
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#6
Das mit der Folie hatten wir woanders schonmal - hab aber den Thread vergessen und bin zu faul zum suchen Big Grin
Alter "Trick" beim Folieren, wurde auch dort angesprochen: Nass machen! Dann lässt sich die Folie noch ein bisschen ziehen bei Bedarf und die Blasen lassen sich ziemlich leicht ausstreichen.
Einfach mal ausprobieren, schlimmstenfalls hast "für ne Markfuffzich" Folie in den Sand gesetzt.

Edit meint: So tolle Gehäuse bauen incl "Bekunstlederung" und allem Komfort und -zurück aber vor ein paar Bläschen Angst haben?? Wink
Gruß,
Uli
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