Radio-Bastler-Forum (RBF)

Normale Version: Röhrenvoltmeter MV1 Clamann & Grahnert Dresden
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Hallo zusammen,

heute stelle ich nun mit einer gewissen Freude mein MV1 vor, welches sich auf dem Board zusammen mit den anderen Meßgeräten lümmeln darf.
An dem zugegebenermaßen mein Herz ein wenig hängt.

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Dazu muß ich aber erst mal etwas beichten, quasi augenzwinkernd mein Gewissen erleichtern. Denn dieses Meßgerät ist keines, welches ich geschenkt bekommen habe (das war nur ein einziges Mal - ein Oszillograf EO 1/71 - dazu in einer separaten Vorstellung später mehr). Es ist auch keines, welches ich später über das www gekauft oder via Tausch von einem Sammlerkollegen erhalten habe.

Nein, dieses Röhrenvoltmeter habe ich schlicht und einfach - geklaut. Gemaust von einem Schrottlagerplatz. Cool

Die Geschichte dazu ist schnell erzählt. Es war zur Wendezeit. Die schönen Meßgeräte - jahrelang gehegt und gepflegt und für uns Amateure normalerweise unerreichbar - sind plötzlich von einem Tag auf den nächsten nichts mehr wert. Sie fliegen auf den Müll des Betriebes.

Dieses MV1 mit der Nummer 36976 trägt auf seiner Rückseite noch den Bepper der Meßgeräteüberwachung. Der letzte Eintrag stammt von 1975. Der Rest war schon damals abgekratzt...

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Naja, ich bekam irgendwann spitz, dass der Betrieb, in dem ich damals arbeitete, besagtes kleine Schrottlager (im Freien!) hatte, welches nicht abgesperrt war. Und da stand eines Tages dieses MV1. Zum Glück...

...war es nicht achtlos hingepfeffert; vielleicht tat es der- oder diejenige, der/die es entsorgen mußte, mit Wehmut und vorsichtig
...hatte es die Tage vorher lange Zeit schönes Wetter gehabt
...interessierte sich bislang offenbar niemand für dieses Meßgerät

Das Röhrenvoltmeter schaute mich in dem Zustand, so, wie es auf dem Foto da steht, an.

Der obligatorische Dederonbeutel war schnell zur Hand und zum Feierabend schmuggelte ich das MV1 an der Pforte vorbei nach Hause. Mit schlechtem Gewissen, denn es war zwar Schrott, aber der gehörte dennoch dem Betrieb! Auf der anderen Seite dachte ich durchaus, schon um mein Gewissen zu beruhigen: Wer weiß, was aus dem Röhrenvoltmeter geworden wäre, denn Regen hatte sich angekündigt.  Smile

(Wird fortgesetzt)
Zum Äußeren des Röhrenvoltmeters muss ich keine Worte mehr verlieren und so gehe ich nahtlos zum Schaltbild über:

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Vorrangig als NF-RVM eingesetzt, kann das MV1 aber auch rauf bis zu 100 kHz messen. Es gehört ebenfalls zur Gattung der Verstärker-Voltmeter. Die beiden Röhren machen tatsächlich nichts weiter, als die Meßspannung zu verstärken. Die Umschaltung der Meßbereiche (S2), sowie die Gleichrichter- und Anzeigeschaltung liegen im Gegenkopplungspfad. Die Umschaltung mV zu V via S1 geschieht separat, dann wird ein geeichter Spannungsteiler wirksam.

Im Betrieb ist das etwas weniger komfortabel, als vergleichsweise beim MV20 - dort sind die Schalter durch Ebenen miteinander gekoppelt, so dass man nur einen Knopf betätigen muß. Hier beim MV1 muß man separat umschalten und sollte dabei höllisch aufpassen, rechtzeitig auf Volt zu schalten. Oft genug ist mir schon der Zeiger des Anzeigeinstrumentes "rechts rangeknallt". Gottseidank ist das Instrument sehr robust und ihr werdet`s übrigens nicht erraten: es ist wieder einmal eines aus Mellenbach...  Smile

Das MV1 ist "doof". Big Grin

Denn im Gegensatz zu anderen RVM fehlt ihm eine interne Einstell- bzw. Nacheichmöglichkeit in Form ein Einstellwiderstandes. Man kann nicht mal so eben und ohne weiteres die Anzeige korrigieren, wenn sie vom Sollwert abweicht. Bei Glamann & Grahnert war man offenbar so dermaßen überzeugt von der Schaltung und Anzeigegenauigkeit dieses Röhrenvoltmeters, dass sich Nachstelleinrichtungen erübrigten.

Die technischen Daten geben Auskunft: Meßunsicherheit 20 Hz - 30 kHz: kleiner/gleich 2% vom Endausschlag und bei 30 kHz - 100 kHz sind es immer noch kleiner/gleich 3% vom Endausschlag.

Sind aber tatsächlich Abweichungen der Anzeige da, dann muss man eben eingreifen ins Gerät. Einfaches Nachjustieren ist nicht. Viele Geräte, die zum Beispiel in der Elektrobucht angeboten werden und "nur" falsch anzeigen, brauchen somit eine ordentliche Reparatur.

Wie sieht es darinnen aus, im MV1?

Schraubt man zwei der Füße ab und entfernt die frontseitigen Schrauben, dann ist das Chassis fix herausgenommen. Bilder sagen mehr als 1000 Worte:

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Dieses MV1 arbeitet komplett mit Miniaturröhren. Später zeige ich euch ein anderes MV1 aus meinem Fundus, welches noch Stahlröhren drin hat.

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Man beachte das vergleichsweise riesige Meßinstrument. Die Gerätefront zeigt davon nur einen winzige Ausschnitt.

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Interessant: die Verdrahtung des Bereichsumschalters. Die Widerstände sind - wie bei Clamann & Grahnert nicht anders zu erwarten - in ihren Werten einwandfrei.

Man erkennt trotzdem - ich war "schon drin". Zu sehen sind weiße und ein schwarzer Kondensator (Pfeil), die ausgetauscht werden mußten. Die weißen Kondensatoren sitzen auf einer modernen Lötösenplatte, denn die Originalkondensatoren waren noch die vergleichsweise großen Blöcke, die mit der unteren Isolierplatte lediglich verschraubt waren.

Auch die Unterseite, das Chassisinnere, blieb von einem Eingriff nicht verschont.

Davon mehr in der nächsten Folge!

(Wird fortgesetzt)
So ein Röhrenvoltmeter hat auch eine Chassisinnenansicht - hier ist sie:

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Bemerkenswert ist der mit einem Pfeil markierte Trimmer zum Eichen. Sicher bin ich mir nicht, aber es sieht so aus, als ist er neben Glas (?) und Metall aus demselben orangefarbenen Plastik-Isoliermaterial gefertigt, wie zum Beispiel die Lötösenleisten. Eine hausinterne Eigenkonstruktion?

Aus einem inzwischen geschlachteten MV1 habe ich eine gefüllte Dose mit Ersatzteilen - hier ist nur zum Beispiel dieser Kondensator C17 zu sehen:

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Der Pfeil zeigt auf den Schraubkern zum Abgleichen. Die Stückliste weist ihn als "Spezialtrimmer 1,5 pF 181-16/0" aus.

Auch der Glimmstabi liegt als Ersatz vor:

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Die Unteransicht des Chassis zeigt es übrigens - auch hier musste ich bereits einige der Kondensatoren auswechseln. Ganz so mit "Gebaut für die Ewigkeit" ist es offenbar beim MV1 nicht!

- -

Der Kontrollvorgang, der jedes Mal nach dem Einschalten erfolgen soll, läuft wie folgt ab: Man schaltet beide Drehknöpfe auf "Kontrolle" und der Zeiger muss nun mit der intern zugeführten "Eichspannung" in den markierten Bereich laufen:

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Tut er das nicht, so liegt mit Sicherheit ein Fehler vor.

Ich versprach, euch noch einen Vorgänger des MV1 zu zeigen. Voilá hier ist er. Aus dem Fundus mit der Seriennummer 3745 an der Rückwand und in der Ausführung in schwarzem Schrumpflack. Hat irgendwie den Charme eines alten Bildwerfers...  Big Grin

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Gut zu erkennen sind die seitlichen Griffe:

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Man beachte den Aufkleber:

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Wenn er erzählen könnte! Im Inneren dieses MV1 werkeln noch zwei Stahlröhren EF12:

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Gut zu erkennen sind auch die großen, originalen Blockkondensatoren des Meßbereichsumschalters.

Das MV1 wurde auch in einer modernen Ausführung mit heller, schlichter Frontplatte hergestellt.

Damit ist die Kurzvorstellung des MV1 schon beendet! Ich hoffe, es hat euch ein wenig gefallen und ich bedanke mich für's Lesen. Smile

Gruß Michael
Hallo Micha!

Anschaulich und ausführlich gemacht! Da steckt Fleiß und Hintergrundwissen drin.
Und darum hebe ich beide Daumen hoch.

Gruß Manfred
Hallo Michael,

Danke für die schöne Präsentation des MV1 und die hübsche Story. Meiner Meinung nach kein "Mausen", sondern aktiv praktizierter Denkmalschutz für ein technik-historisches, kaum mehr zu beschaffendes, funktionsfähiges Unikat.

Die Schaltung (äh, den Stromlaufplan) ist ganz besonders interessant. Sie zeigt einen zweistufigen Pentodenverstärker von sehr hohem Verstärkungsfaktor, der über den Messgleichrichter stark gegengekoppelt ist (d.h. durch den Zweig von der Anode der zweiten Röhre auf die Kathode der ersten.)

Die Schaltung des MV1 scheint mir äußerst gut durchdacht zu sein. Die Verstärkung des Röhrenverstärkers ist aufgrund einer starken Gegenkopplung von der (möglicherweise stark schwankenden) Leerlaufverstärkung des Röhrenverstärkers praktisch unabhängig. Sie hängt nur vom Verhältnis der Widerstände im Gegenkopplungsnetzwerk ab. Dadurch erübrigt sich im Prinzip die Notwendigkeit einer Kalibration. Das Gegenkopplungsnetzwerk besteht aus dem Brückengelichrichter mit den daran hängenden Widerständen und dem Messwerk, sowie aus dem Kathodenwiderstand der ersten Röhre und der Spannungsbereichskaskade. Sofern das Gerät tatsächlich in allen Messbereichen ein Problem mit der Proportionalität von Messignal und Anzeigewert haben sollten, würde ich meinen, dass das durch eine Korrektur des Messwerk-Shunts R20 behoben werden kann.

Übrigens, wenn ich mir den Stromlaufplan des MV20 ansehe, dann drängt sich mir der Verdacht auf, dass dieser in genau diesem Punkt falsch gezeichnet ist. Ich bin mir fast sicher, dass man hier ein ähnliches Prinzip der Gegenkopplung verwendet und dass die Auskopplung des verstärkten Messignals aus dem Röhrenverstärker im MV20 anders ist als im Plan angegeben.

Viel Spass jedenfalls mit den MV1

Hans Martin
Hallo zusammen,

ich bedanke mich!

Hans Martin, 

ich glaube, Du solltest die Geräte vorstellen - fundierter geht es nicht!   Thumbs_up Smile

Zum MV20: inzwischen habe ich mir ein zweites geordert, es müsste die Tage kommen. Das möchte ich nehmen, um die noch ausstehenden Messungen der Verstärkungsfaktore zu mache und bei der Gelegenheit kann ich mich ausgiebig der Schaltung widmen. Ich kann es mir eigentlich noch nicht vorstellen, dass der Schaltplan falsch ist, aber Studieren geht über Probieren!

Das Nacheichen der Anzeige ist machbar - klar: einfach den Shunt als Trimmpoti ausführen. So ist das ja auch beim MV20 realisiert. Was ich eben nur bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass man das beim MV1 erst gar nicht in Erwägung gezogen hat.

Gruß Michael
(11.02.2019, 22:41)sauerampfer schrieb: [ -> ]Meiner Meinung nach kein "Mausen", sondern aktiv praktizierter Denkmalschutz für ein technik-historisches, kaum mehr zu beschaffendes, funktionsfähiges Unikat.

Danke! Das geht mir runter wie Öl! Wat bin ich nun endlich beruhigt!   Thumbs_up Big Grin
Hallo Michael,
danke für die tollen Beschreibungen...

Viele Grüße,
Rolf
(12.02.2019, 09:54)MichaelM schrieb: [ -> ]...
Hans Martin, 

ich glaube, Du solltest die Geräte vorstellen - fundierter geht es nicht!   Thumbs_up Smile

...

Hallo Michael,

Nein, nein, das musst Du schon selbst machen. Das ist wirklich besser so. Smile 

Mich interessieren beim MV1 und beim MV20 ganz speziell die zweistufigen Vorverstärker-Schaltungen. Ich befasse mich zur Zeit mit einem Projekt zur Rekonstruktion von Messverfahren zur Frequenzanalyse von Rauschspannungen, die z.B. beim Magnetisieren von Eisenlegierungen auftreten. Dazu brauche ich einen breitbandigen (d.h. 1 - 100 kHz), hochohmigen (1....10 MOhm), effizienten (> 60 dB) Messverstärker. Das ist überhaupt nicht einfach, wie ich feststellen musste. Und das, obwohl ich eine ganze Reihe von Zeitschriftenartikeln zum Thema gesammelt und gelesen habe. Liest sich alles ganz gut, aber in der Praxis muss ich vieles neu ausprobieren. Das waren damals findige Ingenieure, oh je! Nach deinen Messgeräte-Vorstellungen bin ich sicher, dass ich bei G&G was abkupfern kann.

Weiter so, kann ich nur sagen! Mir hilft das ganz hübsch weiter.

Grüße

Hans Martin
Hallo Hans Martin,

na, dass mal meine "Ollen Kamellen" so einen Bezug zur aktuellen Realität finden, hätte ich mir nicht zu träumen gewagt. Big Grin

Aber es stimmt schon: Diese Verstärkertechnik war verdammt gut durchdacht. Ich erinnere mich nämlich an einen Artikel im damaligen "Funkamateur" (?). Dort wurde ein empfindliches Röhrenvoltmeter vorgestellt, welches angeblich von wenigen Hz rauf bis 100 kHz messen konnte und angeblich sehr gut funktionierte und linear anzeigte. Die Crux war eben nur: Zwar war ein zweistufiger Röhrenverstärker drin, der aber war ziemlich herkömmlich aufgebaut...

Naja, ich habe mir das Ding nachgebaut. Also obwohl ich sicherlich nicht der Topexperte bin hinsichtlich absolut korrektem Aufbau und so; aber sicherlich auch kein Anfänger mehr - aber das Ding zeigte sowas von daneben und alles andere als frequenzlinear an. Ich frage mich bis heute, wie das der Author seinerzeit wohl geschafft hat angesichts seiner herkömmlichen Technik und angesichts dessen, wie man eigentlich bei Clamann & Grahnert vorging. Da lagen Welten zwischen, aber bei C&G funktionierte es.

Gruß Michael
Guten Tag alle zusammen.

Bislang hatte ich nur gelesen.
Sehr interessant.
Nur, warum musste ein Gerät vom Schrott entwendet werden?
Ich habe 1975-1978 im WF gelernt bzw gearbeitet.
Selbst einem Lehrling wie mir, war es möglich in der Baracke Teile z.Bsp Halbleiter legal zu kaufen.
Das Alublech für mein Verstärkergehäuse habe für wenige Mark der DDR dort erworben
und eigenhändig in der Werkstattbaracke an der grossen Tafelschere und Blechbiegemaschine verarbeitet.
Den Pförtner konnte ich ruhigen Gewissens passieren.
Für die gekauften Teile konnte ich die Quittung vorweisen.
Tja, manche haben das schon sehr weit getrieben, mit dem Motto
"Aus unseren Betrieben ist noch viel mehr heraus zu holen".
Das bezog sich zwar auf die Steigerung der Arbeitsproduktivität.
Aber so mancher hatte das ganz anders durchgezogen.
Alles, was nicht angeschweisst war, wurde weggeschleppt.

Das war mein Senf dazu.
Ansonsten gefällt es mir auf diesem Forum als Nur-Leser.
Der Ton erscheint mir um ein Vielfaches respektvoller als in diversen unterwandeten RFT Robotron usw benamsten Foren.
Danke.

Pitterchen

Hallo Namenloser,

ja, Du hast völlig recht, wir gehen hier sehr respektvoll miteinander um und jeder hilft dem anderen, soweit es ihm möglich ist.
Zum Respekt gehört aber auch, dass man sich im ersten Beitrag vorstellt und auch seinen Namen nennt.
Dieser Respekt scheint so manchem zu fehlen.
Soweit mein Senf dazu.

Wenn etwas auf den Müll landet, bedeutet das, es hat für den letzten Besitzer keinen Wert mehr.
Eer will sich davon trennen und hat damit abgeschlossen.
Wenn nun jemand anders in diesem "Müll" einen gewissen Wert erkennt, gerne an dem elektronischem Müllgerät bastelt und somit seine Handwerklichkeit und sein Wissen erweitert, so hat der "Müll" plötzlich wieder einen Nutzen und einen neuen Liebhaber gefunden.
In meinen Augen ist das absolut legitim und KEIN Diebstahl oder ähnliches.

Dieser Absatz hier ist nicht nur gemein, sondern zieht das Niveau dieses Forums hier stark nach unten.

"Zitatanfang"
Tja, manche haben das schon sehr weit getrieben, mit dem Motto
"Aus unseren Betrieben ist noch viel mehr heraus zu holen".
Das bezog sich zwar auf die Steigerung der Arbeitsproduktivität.
Aber so mancher hatte das ganz anders durchgezogen.
Alles, was nicht angeschweisst war, wurde weggeschleppt.
"Zitatende"

Mit diesem Absatz unterstellst Du nämlich dem Michael sehr deutlich, dass er es weit getrieben hat usw.

Für einen allerersten Beitrag sehr schade, aber sei es drum.

Kopfschüttelnde Grüße

Peter


@ Michael,

sehr schöner Bericht zu einem spannenden Gerät.
Ich hätte es auch nicht auf dem Müll liegenlassen, sondern ihm, genau wie Du, ein neues Leben geschenkt.
Du hast alles richtig gemacht, mach Dir bitte keine Gedanken.

Viele Grüße

Peter
Ja Pitter, ich denke wie Du, leider hast Du mit der Meinung nicht Recht!
Wenn jemand etwas auf den Sperrmüll (gibt es den noch irgendwo) wirft und Du steckst es ein, dann hast Du es gestohlen - daran gibt es nichts zu rütteln oder zu deuteln. Ich hatte mir zu meinen Sperrmüllzeiten angewöhnt, wenn ich etwas interessantes sehe, zu klingeln und danach zu fragen. Oft waren die Leute dann sogar so nett, das Gerät nochmal unterzustellen, bis ich es abholen konnte.
Klar, Michael hat dem Betrieb nicht geschadet, dennoch hätte das für ihn bestimmt keine nette Folgen gehabt, wenn er beim Pförtner damit aufgefallen wäre. Ob aber nach all den Jahrzehnten der mahnende Zeigefinger noch angebracht ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber das ist wohl unter "typisch deutsch" zu verbuchen.

Pitterchen

@ Uli... Thumbs_up

War das damals auch schon "Diebstahl" oder ist das eine Erfindung der Neuzeit?

Viele Grüße

Peter
Morgen,

ich finde auch, daß der Einstiegsbeitrag von Peter_S etwas überdenkungswürdig ist... egal, jeder muß selbst wissen, was er für einen ersten Eidnruck hinterlassen möchte.

on topic: Ich hab auch so ein Gerät, leider wenig in Benutzung aber ich werde es niemals entsorgen, so eine tolle Fertigungsqualität !! So richtig für die Ewigkeit gebaut. Und die Herkunft ... nunja ... es gab da so eine Rampe neben keimigen Müllcontainern ^^

... Streng genommen ist es schon Diebstahl, einfach irgendwo etwas wegzunehmen, denn wenn irgendwo etwas liegt, ist es in Deutschland so, daß trotzdem noch jemand Eigentümer davon ist (teils ohne es zu wissen). Im Fall Betriebsgelände ist das eine haarige Angelegenheit ! Das Thema hatte mich in meiner Lehre praktisch die gesamte Zeit (auch schon als Schüler) beschäftigt.
Wurde man da mit einem Widerstand, den man vorher im Dreck auf dem Betriebsgelände gefunden hatte, am Einlaß erwischt, war man streng genommen ein Dieb! Das hatte man uns schon als Schüler (es gab ja ab der 6. Klasse betriebliche produktivie Ausbildung (ESP) und PA praktische Ausbildung..) eingebläut und ich hab mich da auch tunlich dran gehalten.
Aufgrund der allg. Versorgungslage war es nämlich wirklich und LEIDER an der Tagesordnung, daß geklaut wurde, teil in bedenklichem Umfang. Und dann ist es so, daß die ehrlichen Bastler darunter zu leiden hatten, weil dann nämlich die "Schotten dicht" gemacht wurden und garnichts mehr ging... also z.B. ein Karton mit Schrottbauteilen zum Basteln mitrausnehmen. Es wurden UNMENGEN an Bauteilen entsorgt, palettenweise!, teils nicht nachvollziehbar, hochwertige Bauteile, teils aus dem "Westen", originalverpackt. Es gab sogar extra Maschinen zum Zerstören von Bauteilen! Selbst gefertigt im sog. "Rationalisierungsmittelbau", also der Eigenfertigung von Maschinen...ganzen Fertigungslinien, Werkzeugen usw.

Aber es gibt auch immer das "reale Leben": Wir mußten z.B. in der Lehre selbst unser Werkzeug kaufen (das ist KEIN WITZ!), also privat eine Werkzeugtasche jeden Tag in den Betrieb schleppen... wenn da mal ein gesuchter IC zwischenrumbaumelte ... ^^ Aber Ihr erkennt bestimmt das Problem.

Dann Sperrmüll: Auch hier ist es so, daß nach dem Gesetz die einfach Wegnahme Diebstahl ist ! Streng genommen hat das Rausstellen während einer Sperrmüllaktion "abtretenden" Charakter, d.h. in dem Moment gehört der Gegenstand der Stadt...Kommune. Man darf es also nichtmal mehr zurückholen ^^ (...wobei ich da kaum glaube, daß sowas je ein reales problem machen könnte ^^ Es muß ja BEWIESEN werden, daß ich es willentlich zum Sperrmüll hinstellte! Ich kann es ja auch zum Abtransport hingestellt haben..) Es gab da sogar reale Probleme mit DEUTSCHEN Sperrmüllsammlern (bei Sammler-Kollegen aus dem Ausland ist man da deutlich toleranter), wo die lieben Deutschen sich gegenseitig angeschi55en haben, wie jetzt verstärkt auch zu beobachten.

Ich habe viele (.. wirklich viele !) solcher Sperrmüllsammelaktionen gemacht, bin also auch ein böser... Hab sogar Geräte "getauscht", d.h. einen alten TV mit def. BR von mir hingestellt und dafür einen mitgenommen, zudem also noch illegale Müllentsorgung ^^
An ... standen manchmal recht hochwertige Altgeräte rum... im öffentlichen Bereich, neben normalen Müllcontainern... Kofferraum auf und ab dafür ^^

Man muß das aber sorgfältig abwägen ! Wenn möglich, ist fragen immer eine gute Sache, möglichst mit einem Zeugen, dann ist man im Zweifelsfall erstmal aus der Diebes-Schußlinie raus und ggf.- Unstimmigkeiten sind dann eher vom Typ "gutwilliger Irrtum". Selbst wenn man fragt, weiß man aber nicht sicher, ob der Gefragte die Kompetenz...Eigentumsrecht an der Sache hat ! man kann ja im Supermarkt auch keinen Kunden fragen, ob man einen Schokoriegel einstecken darf, der kann aus Spaß "ja" sagen...

An meinen Beschreibungen sieht man, daß ich mir bestimmte Jacken auch anziehe, ich tendiere zu von Peter genanntem "gesunden Menschenverstand" und hoffe, daß ein Richter das im ggF. auch so sieht. In Gefahr ist man auch bei legalem Erwerb, denn wenn die Herkunft der Ware ungeklärt ist oder man in gutem Glauben von einem Bekannten etwas kauft, besteht auch immer ein gewisses Risiko.

Ich glaub, die Deutschen müssen wieder lernen, vernünftig miteinander umzugehen. Da können wir aus südlichen Ländern etwas (nicht alles ^^) lernen ! Regel Nr. 1 ; man schei55t sich nicht gegenseitig an und steht füreinander ein ! Was nützt es dem Universum und der allgemeinen guten Sittlichkeit, wenn ein Gerät in der Presse landet, nur weil der Eigentümer es dem heißblütigen Bastler nicht geben WILL ? Wem ist damit geholfen ? Niemandem !
Ich hab von Fällen an deutschen Hochschulen gehört, wo große LKW-Container voller guter Meßtechnik entsorgt wurden, die Container wurden bis zum Schreddern der Geräte bewacht, damit jaaaaa niemand Nutzen davon hat. Sowas ist doch PERVERS hoch oo
Deshalb sollte das Recht nicht nur im Sinn der sog. "Elite" bis zur Kotzgrenze gebogen werden, sondern eher für die (in dem FallSmile Bastler...

Soweit meine Meinung und Selbstkritik^^

Gruß Ingo
Ich glaube, jeder hat dahingehend schon mal geklaut. Trotzdem driften wir hier ganz schön vom eigentlichen Thema "Röhrenvoltmeter" ab. Bitte daher wieder zurück zum Startbeitrag. 

radio-volker

Servus,
In einem südländischen Land wie z.B. Italien ist das je nach Gemeinde geregelt, also zig tausenmal  unterschiedlich.
I.d.R. gilt, was du ausserhalb deines Grundstückes auf öffentlichen Boden zur Abholung stellst, egal ob privat oder Firma, gehört der Gemeinde. Spermülltage gibt es hier nicht, die Gemeinde holt ab innerhalb 48 Stunden, was du auf den Gehweg gestellt hast und was du mit ihr vereinbart hast. Dazu musst du eine Liste per Mail an die Gemeinde schicken.
I.d.R. prüfen die Fahrer des LKW aber dieses nicht nach, ob weniger oder etwas mehr ist egal, Hauptsache Platz auf der Ladefläche.
Alles was nicht auf öffentlichen Boden zur Abholung steht und trotzdem verschwindet ist Diebstahl, aber eine rein privatrechtliche Angelegenheit, dauert normalerweise zwischen 3 und 5 Jahren und wird meistens wegen Geringfügigkeit eingestellt, jeder zahlt die Kosten seines Anwaltes. Also Geld, und auch viel, verlierst du dabei immer.
Also besser nichts unternehmen.
Ja, und Mirag hat Recht, zurück zum eigentlichen Thema.