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EMUD Record 89 WKN , eine Ruine
#21
Familiäre Verpflichtungen rückten zwischenzeitlich in den Vordergrund, deswegen ging es nur langsam weiter.

Zunächst einmal Fotos vom komplettierten Chassis:

   

   


Die Skala ist noch nicht eingebaut, da ich mich entschlossen habe, die beiden Glasscheiben auch von innen zu reinigen. Man sieht nämlich, dass auch dorthin ein Schmutzfilm vorgedrungen ist. Sie sind ab Werk mittels Textilklebeband vereinigt, d.h. das muss noch vorsichtig geöffnet werden.
Die oben erwähnte Ersatzskala aus dem einstmals geschlachteten 89 WKN fand ich ebenfalls in meinen Beständen. Ich hatte hier ja gehofft, eine Skala mit dem ab März 1950 gültigen, neueren Wellenplan vorzufinden. In der Tat standen die Zeichen günstig, denn das zum Schlachtgerät gehörige Spulenaggregat konnte ebenfalls gefunden werden und trägt die Bleistiftmarkierung 20.4.50. Sie zeigt aber die gleiche Sendergruppierung, wie mein hier behandeltes Gerät, zudem in gleicher 'Ausbleichung'.


Ebenfalls habe ich zwischenzeitlich den Lautsprecherersatz montiert:

   

Dazu wurde rückseitig auf die sehr dünne Originalschallwand ein passend gearbeiteter dicker Karton gelegt (ehemals die Rückseite eines handelsüblichen rahmenlosen Bilderhalters), in den 4 Senkkopfschrauben als Stehbolzen eingearbeitet wurden. Diese tragen den neuen Lautsprecher, der sein bisheriges Leben in einem Grundig 196 verbrachte. Der AÜ dagegen gehört original zum EMUD 89 WKN.


Bleibt noch in technischer Hinsicht die Frage zur Verdrahtung des Spulenaggregats und damit zum Schaltplan des Geräts.
In den Spulen des hier restaurierten Radios scheint noch ein Wurm zu stecken, weswegen ich mir eine Vergleichmöglichkeit durch das vorab erwähnte Ersatzspulenaggregat vom April 1950 erhoffte, hier im Bild, von der Schalterseite her gesehen:

   

Leider bleibt festzuhalten, dass dieses Teil bereits deutlich verbastelt wurde, mithin zwar als Teileträger noch taugt, jedoch nicht mehr als Referenz. Schade.
Die Spulendrähte beider Einheiten sind (zumindest für mich) visuell unglaublich schwer nachzuverfolgen, sofern man nicht zum Lötkolben greifen möchte. Letzteres will aber wohlüberlegt sein, denn die Drähtchen sind z.T. außerordentlich filigran. Somit bleibt das Zeichnen eines brauchbaren Schaltplans schwierig. Dennoch konnte ich den im vorigen Beitrag von mir gezeigten Schaltplan verwerfen und stelle hier eine verbesserte Version ein:



.pdf   Schaltplan 89WKN modif.pdf (Größe: 288,11 KB / Downloads: 13)

Vielleicht hat ja mal ein anderes Mitglied ein vollends intaktes und unverbasteltes Spulenaggregat eines 89 WKN auf dem Tisch und möchte dies hier dokumentieren.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#22
Ich hatte bei der WKE -Revidierung eine defekte Rückkopplungsspule im LW Bereich,die einfach überbrückt wurde.Daher habe ich mir eine Skizze vom Spulen-und Schalteraggregat angefertigt.
Wenn ich diese noch finde,poste ich die hier. Braucht aber etwas Zeit,habe derzeit viel zu tun.Wie das bei Handwerkern so ist,zur Zeit.......

Die hier ist vom WKN,den ich aktuell zerlegt habe.
   
Grüße aus dem Rheinland
Roman

Die Zeit bleibt nicht stehen.
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#23
(26.10.2021, 21:03)Valvotek schrieb: ....
Die hier ist vom WKN,den ich aktuell zerlegt habe.


Interessant. Da scheint es doch zumindest in optischer Hinsicht Unterschiede zu geben. Der mittlere Spulenkörper sieht gänzlich anders aus, als bei meinen beiden Spulenaggregaten des WKN.
Mit Blick auf die Kondensatoren fällt auf, dass meine beiden Spulenaggregate
 - den auf Deinem Bild vorhandenen 122 pF - Kondensator nicht besitzen
 - einen 10 nF - Kondensator besitzen, der von der unteren Buchse des TA-Eingangs zum G3 - Anschluss der AF7 führt.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#24
Ich konnte das Radio heute fertigstellen. Smiley34 
(zumindest zum 'Stapellauf', denn der versierte Bastler weiß ja, dass im Betrieb dann doch noch die eine oder andere Macke auftaucht).


Hier einige Fotos:

   

Mit Blitz aufgenommen. Es spiegelt sich unterhalb der Knöpfe das Frotteetuch, auf dem das Gerät steht, zugleich sieht man hinter den Knöpfen deren Spiegelbild. Beides zeigt, welch einen schönen Glanz ich dem Gehäuse noch entlocken konnte. Verwendet wurde nach der Nassreinigung mit Wasser und Seife nur Autolackreiniger und anschließend Autopolitur (beides von SONAX).

Die beiden Glasscheiben, zwischen denen die Papierskala liegt, wurden außen und innen gereinigt. Was man jetzt noch sieht, sind Falten des Papiers sowie Spuren, die sich über die Jahre in den Druck gegraben haben. Das Ganze ist dünnstes Papier, dessen Mittelteil nur an 2 sehr schmalen Stegen mit dem Großteil der Skala verbunden ist, weswegen ich den Gedanken verwarf, es zu befeuchten und anschließend glattbügeln zu wollen. Ohne Blitz, d.h. im täglichen Gebrauch, fällt das weniger ins Auge.

Die gesamte Skala war ja ab Werk beidseitig in diesen roten, umlaufenden, einmachgummiähnlichen Riemen gelagert. Das wollte ich bei einem späteren Ausbau nicht wiedererleben müssen. Andererseits benötigt die Skala einen Klapperschutz in den sonst zu großen U-Profilen des Skalenrahmens.
Ich habe daher folgende Lösung umgesetzt:

Transparentes Klebeband zum Verkleben von Wundverbänden ist etwas geriffelt und lässt sich gut verkleben. Davon kam beidseitig der Skala ein umlaufender Streifen auf die Glasplatten, jeweils zweifach umlaufend. Aufpassen, dass davon nachher nichts im Skalenausschnitt des Gehäuses zu sehen ist. Das anschließend noch vorhandene minimale Spiel wurde beseitigt, indem ich die Skala an den Seiten mit einem dünnen etwa 1 cm breiten Streifen Karton zum Metallrahmen hin unterfütterte.

Die Stoffbespannung wurde insgesamt 2x zügig gewaschen, so dass sie sich auf ihrem Papprahmen hielt. Trotz Einsatzes von verdünntem JAVEL und von viel Seife ließ sich der Gilb der Jahrzehnte nicht mehr vollständig entfernen. Ein Raucherradio halt.



Innen sieht's nun so aus:

   

Der Ersatzlautsprecher samt seines Stützrahmens aus ca. 5 mm dicker Presspappe ist jederzeit entfernbar, sofern man dennoch einen Originallautsprecher auftreibt und verbauen möchte. Das fehlende FELD wurde durch einen Widerstand von nunmehr 3,8 k ersetzt, der oben auf dem Original - AÜ verlötet ist. Er besitzt ein dunkelgrünes Keramikgehäuse und ist visuell zunächst kaum auszumachen. Der Originalkabelbaum konnte damit unangetastet erhalten bleiben.



Die Rückwand wurde mit dem Sperrkreis komplettiert und eingesetzt:

   


Originalrückwand und -sperrkreis fanden sich ja im heimischen Bestand, indes fehlte der Originaldrehknopf zum Sperrkreis. Per Internet brachte ich dessen Aussehen in Erfahrung und fand ein solches Exemplar in meinem Bestand, wenngleich dieser wohl von einem EMUD - Radio mit rötlicherem Bakelitgehäuse stammt, was hier nicht stört und im Zweifelsfall noch nachgefärbt werden könnte:


.jpg   Knopf Sperrkreis.jpg (Größe: 19,57 KB / Downloads: 171)

Einziges Manko war, dass dieser Knopf für eine leicht abgeflachte 6 mm - Achse vorgesehen war, so dass an der Drehkoachse des Sperrkreises noch ein wenig Feilen angesagt war.



Das Spulensatzproblem ließ sich damit beheben, dass die Kontakte der Wellenbereichsumschaltung noch einmal nachgesäubert wurden. Es lag, wenn man das (vorläufige) Schaltbild heranzieht, das ich oben anhängte, überall Durchgang vor und die Widerstandmesswerte, die an den Spulen je nach geschaltetem Wellenbereich gemessen wurden, waren damit plausibel.
Man empfängt nun auch auf LW und KW abends sehr schwach Sender. Ich habe allerdings auch nur eine sehr kurze Werkstattantenne. Das bleibt b.a.w. so, denn KW und LW sind auch bei größeren Radios keine Bereiche, die ich höre.




Fazit der Restaurierung

Hat Spass gemacht !
Die Ausgangsbasis war sehr schlecht, und gekauft hatte ich die Ruine ja letztlich nur, weil ich wusste, dass noch einige passgenaue Originalteile zu diesem Typ im heimischen Fundus lagerten. Ich baue nämlich gerne ein Gerät auf, das eigentlich in die Tonne gehört, wenn man dazu vor Jahren die fehlenden Teile beiseite gelegt und verwahrt hat.

Nicht original sind der Lautsprecher sowie der mittlere Frontknopf. Letzteren könnte man sicher per 3D-Druck nachfertigen, aber der Gesamtaufwand einschließlich der Postwege erscheint mir zu hoch, und vielleicht hat ja ein Radioteilemarkt irgendwann mal sowas im Angebot.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#25
Hallo Klaus,

danke für den spannenden Bericht,
mit einem Ergebnis,
das sich sehen lassen kann...

Viele Grüße,
Rolf
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#26
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Danke, Klaus!
Gruß!
Ivan
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#27
Ist doch super geworden.

Zur Skala mit den "Einmachgummis" hätte ich noch eine kleine Anmerkung: Die Vorkriegsvariante WKE hatte bei mir dickere Glaselemente,die mit einer einfachen
Lage Gewebeklebeband zusammengehalten,genau in den Einschub paßten.

Zum Spulensatz: Der ominöse C- Trimmer aus dem Schaltplan ist nahezu bei keinem Record vorhanden.Der WKE hat da so eine kreative Konstruktion aus
Kupferlackdraht.

Spulensatz aus dem WKE:
   
Grüße aus dem Rheinland
Roman

Die Zeit bleibt nicht stehen.
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#28
Die Linierung ist für meinen Geschmack etwas "zu weiss", aber sonst echt top. Ich nehme immer Elfenbein/ Taxi Aqualack.
Beste Grüsse

Thorsten


"Das Leben ist nichts weiter als das Proben für eine Vorstellung, die niemals stattfindet."

(Die fabelhafte Welt der Amelie)
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#29
Eingefärbt hat er doch. Das Schneeweiße liegt wohl am Blitzlicht.

Ich muß dazu aber noch sagen daß bei meinem WKE die restlichen Linienfragmente nach all den Jahren immernoch eher weiß als vergilbt waren.Ich nehme dafür
ganz simple Dispersionsfarbe.Die kann man bei Bedarf abtönen.
Grüße aus dem Rheinland
Roman

Die Zeit bleibt nicht stehen.
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#30
(27.10.2021, 19:04)Gasherbrum schrieb: Die Linierung ist für meinen Geschmack etwas "zu weiss", aber sonst echt top. Ich nehme immer Elfenbein/ Taxi Aqualack.

Hallo Thorsten.
Ja, ist eingefärbt. Nicht ganz elfenbein oder gar taxibeige, sondern geringfügig heller; aber deutlich "angegilbt". Liegt hier am verwendeten Blitz.

(p.s.: ...und an meiner Digitalkamera. Die ist rund 15 Jahre alt und wird tatsächlich ausschließlich genutzt, um Bilder für meine Berichte zu produzieren. Fotografiere ansonsten gar nicht, aber wäre an der Zeit, mal eine neue zu kaufen Blush   ).
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#31
(27.10.2021, 17:50)Valvotek schrieb: Zur Skala mit den "Einmachgummis" hätte ich noch eine kleine Anmerkung: Die Vorkriegsvariante WKE hatte bei mir dickere Glaselemente,die mit einer einfachen Lage Gewebeklebeband zusammengehalten,genau in den Einschub paßten....

Jetzt wo Du's erwähnst:   Stimmt, ich habe ja noch den 89 WK, also das allererste Modell dieser Serie (ECL11). Bei dem war, als ich ihn bekam, die hintere Glasscheibe gerissen, so dass ich zwecks Ersatz die ganze Einheit ausbaute. Das ist zwar viele Jahre her, aber dort ist mir kein solcher Kampf erinnerlich; das hatten die früher besser gelöst.
_____________
Gruß
klaus

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#32
....außerdem hatte man aus dem WK einen EWK gemacht.Wahrscheinlich war das ein Überfluß an WK-Schildern,die man dann "umgelabelt"hat.

   
Grüße aus dem Rheinland
Roman

Die Zeit bleibt nicht stehen.
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#33
Hallo in die Runde.

Hier gibt es einen Fortschrit, oder neudeutsch ein Upgrade zu vermelden.
Dem Gerät fehlte ja der Originallautsprecher, ich hatte mich mit dem oben fotografierten Ersatz beholfen. Das funktionierte gut, aber originaler ist natürlich schöner.

Hier nun das vorhin verbaute Upgrade:


   


So sieht's doch fast zu 100 % original aus. Natürlich hatte ich keinen EMUD 89 WKN-Lautsprecher bekommen. Wie der Teufel will, ist die WKN-Variante zwar noch auffindbar, aber ein funktionsfähiger Einzellautsprecher selten im Angebot. Hinzu kommt, dass dieser Lautsprecher wohl auch im VE dyn W passt (habe ich nicht überprüft, aber es gibt hier im Forum einen thread dazu).
Der Zufall wollte es jedoch, dass ich in einem großen Online-Auktionshaus ein Teilekonvolut eines geschlachteten EMUD 179 W fand, von dem ich eigentlich nur den Lautsprecher benötigte. Der sieht nämlich zu 99 % genau so aus, wie der des 89 WKN:

   
   
   


Der Vk erklärte sich auf Vorabanfrage bereit, die Feldwicklung auf Durchgang und die Tauchspule auf Freigängigkeit zu prüfen; Funktion war gegeben.

Wermutstropfen:  Der gezeigte Lsp. hat nur ca. 1800 Ohm Feldwicklungswiderstand. Benötigt im 89 WKN werden jedoch ca. 3700 - 4000 Ohm. Ich habe daher einen Widerstand von 2k in Reihe zur Feldwickung verbaut. Funktioniert bisher prächtig, das Gerät ist natürlich noch nicht im Dauerbetrieb erprobt.
Es musste aber auch etwas Metallwerkeln sein. Der AÜ im 89 WKN ist direkt auf den Lsp.-Korb verschraubt, im geschlachteten 179 W sitzt er separat auf der Schallwand.  Die beiden Bohrungen im Korb für den AÜ sind beim gezeigten Lsp. durch eine Lötleiste besetzt, die ich beließ, da dort 5 Lötösen bestückt sind. Ich montierte den AÜ darunter, das passte geradesoeben:

   


Ich habe allerdings die zuvor aus einem alten Bilderhalter gefertigte Zwischenschallwand für den einstmaligen Fremdlautsprecher drunter belassen (natürlich ohne die Stehbolzen).  Das macht die extrem dünne Originalschallwand des 89 WKN etwas stabiler. Man benötigt allerdings 4 etwas längere M4-Schrauben. Jederzeit rückbaubar, da an Gehäuse und Lsp. dazu nichts verändert werden musste.

Optik:   Der "neue" Lsp hat Patina in Form von zahlreichen kleinen Rostfleckchen. Da ich keine Lust hatte, einen intakten Feldspulenlautsprecher zwecks Beschleifens und Lackierens zu zerlegen, habe ich diese Patina belassen.
_____________
Gruß
klaus

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