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Dual 621
#1
Hallo zusammen,

hier stelle ich mal einen "modernen" Plattenspieler vor, der nicht aus meiner Sammlung stammt, sondern Harald gehört.
Er stand bei ihm schon länger und Harald wusste nur das irgendetwas nicht in Ordnung war, aber nicht mehr genau, was es war.
Da Plattenspieler aber nicht so sein Gebiet sind, habe ich ihn mitgenommen und so steht er nun auf meinem Tisch.

Der Dual 621 ist ein vollautomatischer Einzelspieler (also keine Wechselfunktion) mit elektronischem Direktantrieb.
Er verfügt über zwei Drehzahlen (33 und 45 U/min) mit elektronischer Tonhöhenregelung (Pitch) und Leuchtstroboskop.
Baujahr dieses Spielers mit dem Tonabnehmer DMS240E sollte 1977 sein. Spätere Versionen wurden mit dem DMS242E ausgerüstet.
Antiskating und Liftfunktion sind natürlich auch vorhanden.

Eine Besonderheit ist das  Ausgleichsgewicht des Tonarmes, das als sogenannter 2fach Antiresonator ausgeführt ist.
Das Gewicht ist federnd aufgehängt und soll mögliche Tonarmresonanzen im Bereich von ca. 8-12Hz dämpfen, zumindest theoretisch.

Hier noch ein Link zum Prospekt.

       

   

Der 2fach Antiresonator ist bei vielen dieser Geräte defekt, da die Feder häufig gebrochen oder so sehr ausgeleiert ist, dass das Gewicht schief hängt und in seinem Gehäuse aufliegt. Damit ist die schwingungsdämfende Funktion natürlich nicht mehr gegeben und aussehen tut so ein schiefes Gewicht auch nicht besonders... So auch bei diesem Exemplar.

   

Da hilft nur in die Bestandteile zerlegen und nachsehen, was mit der Feder los ist.
Hier ist die Feder stark abgeknickt, aber noch nicht gebrochen. Die 45° Verdrehung gehört da nicht hin...

       

Nach vorsichtigem Richten der Feder ist die Funktion wieder gegeben, wenn auch das Gewicht nicht ganz mittig hängt. Vermutlich wird das Gewicht zukünftig wieder weiter absacken. Dann hilft nur ein Ersatzteil (was es praktisch nicht mehr einzeln gibt) oder den Antiresonator stilllegen und das Gewicht mit einem Gummi- oder Schaumstoffring zentrieren - oder ignorieren und hängen lassen.

   

Zur Standardprozedur gehört auch noch der Tausch der berüchtigten "Knallfrösche", also der Entstörkondensatoren.
Der 621 hat derer zwei, einen auf der Netzteilplatine und einen im Motorschaltkasten.

Der im Motorschaltkasten ist eigentlich nur ein "Funkenlöscher" für den Motorschalter und hängt parallel über dem Motorschalter.
Den habe ich natürlich gerade nicht mehr auf Laer und werde ihn später tauschen.
Der auf der Netzteilplatine ist aber der gefährlichere Kandidat, da der ständig an Netzspannung hängt.
Es wurde höchste Zeit, dass der da raus kam, denn er zeigt schon deutliche Risse.
Wenn der mit Qualm und Gestank platzt, ist das nicht wirklich schön...


.jpg   Knalli.jpg (Größe: 46,71 KB / Downloads: 433)

Ach so, einen Kanalausfall hatte der 621 auch noch.
Das lag aber an stark oxidierten Kontakten im Tonarmkopf - auch ein bekanntes Problem bei eigentlich allen Dualdrehern.

Zu guter Letzt habe ich noch die beiden weinroten ROE-"Mülltonnen" auf der Steuerplatine ausgetauscht.
Gut dass ich mir vom Sammlertreffen gerade ein paar 47µF Kondensatoren mitgenommen habe, die Frank dort verschenkt hat - Danke!

   

Die Haube hat noch eine leicht Politur bekommen und das Gehäuse eine schonende Reinigung.
Sobald ich Ersatz für den Schalterkondensator habe (0,01µF 275V X2) tausche ich den aus und der Dreher kann bei seinem Besitzer den Dienst antreten.
Schönen Gruß
Martin

~ Plattenspieler-Schrauber ~
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#2
Oh Mann Martin,

ich bin wirklich begeistert von dem tollen Bericht zu meinem DUAL Dreher. Die Geschichte mit dem baumelnden Gewicht kam mir ja schon etwas eigenartig vor, aber diesmal hatte die Vernunft über die Neugierde gesiegt. Ein Glück, dass ich die Finger davon gelassen habe!

Endlich kann ich mal wieder meine alten Platten auf einem vernünftigen Dreher anhören .... mein alter DUAL 601 Belt Drive macht nämlich schon lange Mucken. Wir sprachen neulich darüber: Der Steuerdödel ist zerbröselt und ich weiß bis heute nicht so richtig, wie er aussah. Jetzt brauche ich mir den Kopf nicht mehr darüber zu zermartern. Vielleicht sollte ich ihn ja wirklich mal über Kopf laufen lassen, um zu sehen, wie die Ablaufsteuerung funktioniert. Ich kann immer noch nicht glauben, dass das funktioniert.
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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#3
Hallo Harald,

nur so am Rande und hier eigentlich OT: der Dual 601 ist durchaus auch ein sehr vernünftiger Dreher, den ich auch in meiner Sammlung habe.
Die Mucken können ihm auch noch ausgetrieben werden, wobei der 601 gerne etwas zickig ist und oft als "Diva" bezeichnet wird.
Nicht ganz zu Unrecht, es braucht etwas Gelduld und Ruhe, um die Automatik sauber abzustimmen - ist aber auch machbar.
Der Dödel, der eigentlich Steuerpimpel heißt, ist ein bekanntes, aber eher kleines Problem.
Schönen Gruß
Martin

~ Plattenspieler-Schrauber ~
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