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Philips-Capella 643
#1
Hallo Freunde,

ja es muss nicht immer ein Radio aus der Vorkriegszeit sein. Vor Kurzem las ich mal wieder die Angebote in den ebay-Kleinanzeigen. Dort stand ein Philips-Capella 643 für einen vergleichsweise niedrigen Preis. Ich konnte sogar noch etwas handeln. Das Gerät stand nicht weit von uns, in Hildesheim. Also holen.

Genau dieses Radio bekam ich mal als 12-Jähriger von Bekannten geschenkt. Das Ding hatte leider einen kuriosen Fehler. Es brüllte einem förmlich die Ohren weg. Mir war in dem Alter schon klar, dass da irgendetwas nicht mit dem Lautstärkenregler stimmte. Das Gerät imponierte mir damals. Alleine die großen Lautsprecher waren ein Gedicht. Ich hatte damals auch noch keine Ahnung, wie man den Ersatz des Lautstärkenreglers bewerkstelligt. Schade, also wurde es zerlegt.

Im laufe der vielen Jahre kamen mir immer mal wieder diese Modelle unter. Meist aber recht teuer. Ich hätte mich doch gerne noch mal an einem identischen Gerät mit dem Lautstärkenregler befaßt.

Hier nun bekam ich die Möglichkeit. Die drehbare Ferritantenne heißt bei Philips "Ferroceptor". Diese Antenne wird über die Achse des Lautstärkenreglers mit bedient. D. h. die Bedienachse des Lautstärkenreglers geht durch das Poti hindurch. Am Schleifer des Potis befindet sich ein Zahnrad und gegenüber liegend befindet sich auf die Achse aufgeschoben eine Bedienvorrichtung für den Ferroceptor, ebenfalls mit Zahnrad. Ist der linke Knopf nach innen  gedrückt, bedient man die Lautstärke. Nach außen gezogen kommt der Feroceptor ins Spiel. Nach erfolgreicher Peilung eines MW oder LW-Senders wird der Knopf wieder Richtung Skala eingeschoben.

Im Laufe dieses Berichtes gibt es mehr dazu.

Wenn man sich einmal dieses Radio ansieht, erkennt man unschwer, dass es 2 EL84 besitzt. Gegentakt möchte man denken.
So ist es aber nicht. Dieses Gerät verstärkt die NF zunächst wie bei einem normalen Radio. Dann werden die Tonfrequenzen getrennt. Die Bässe werden mit einer EL 84 verstärkt. Dann werden die hohen Töne separat mit der anderen EL84 verstärkt. Das Gerät hat gewissermaßen 2 Kanäle. Es ist kein Gegentakt und auch nicht NF-Stereo. Wenn man auf die Lautsprecher schaut, ist der große ovale für die tieferen Töne zuständig. Der kleinere, runde für die höheren. Man bedenke, der kleinere, runde war damals Standardbestückung.

Was mich bei dem Radio wunderte, schon beim vorführen durch den Verkäufer war der Ton 1 A. Später dann zu Hause schaute ich unter das Chassis. Hier waren sämtliche Wima-Tropfenkondensatoren bereits ersetzt. Hm, keine Arbeit für mich... Aber auch mal schön.

Das Radio war etwas empfangsschwach. Ich tippte zunächst auf die UKW-Röhre. Die hatte beste Werte. Der UKW-Tuner hat zwei Trimm-Spindeln. Einmal für den Oszllator und einmal für die Vorstufe. Die Vorstufen-Spindel war ganz weit heraus gedreht. Sie wackelte schon. Beim nach innen drehen wurde der Empfang unheimlich kräftig. Spannung am Ratio Elko: Teilweise über 30 Volt bei kräftigen UKW-Sendern.

Achtung: Wer solch ein Gerät mal anschaffen sollte. Die Bandfilterspulen im ZF-Teil sind hochempfindlich. Es sind Papphülsen. Ich habe da früher mane Philips-Radios ins Jenseits befördert. Also Vorsicht! Am Besten nicht daran drehen.

Als ich das Gerät wieder zu schrauben wollte, fiel mir ein leises Zischen bei der Wiedergabe auf. Mist, das ist immer der Schrecken bei diesen Radios. Die Fehlermöglichkeiten sind hier vielfältig. Man muss diesen Fehler möglichst weit eingrenzen. Ist das Zischeln Lautstärkeabhängig? Wenn nein, dann sollte man die beiden Steuergitter der EL84 kurz schließen. Ist es weg, dann zunächst einen Kurzschluß beseitigen. Ist es jetzt da, diese Stufe überprüfen. Evtl. dann den anderen Kanal. Das aber nur kurz. Bei vorliegendem Fehler kann man noch mal auf diese Sache zurück kommen.  

Bei meinem Radio war der Fehler Lautstärke-Abhängig. Ich ermittelte einen Gitterableitwiderstand an einem System der ECC83.
Diese Widerstände sind hier Kohlestäbchen mit je einer Anschlußkappe. Wenn eine Kappe keinen einwandfreien Kontakt gibt, kann es zu solchen Störungen kommen. Es kann auch sein, dass wochenlang kein zischeln auftritt. Dann aber umso heftiger.

So, der letzte Fehler war beseitigt.

Nun wollte ich die rissigen weißen Bedienknöpfe ersetzen. Ich fand noch 2 gute schwarze in meiner Bastelkiste. Allerdings ohne die großen mittelkappen. Die gewann ich von den brüchigen weißen Knöpfen.

Und da, beim Abbau des linken Knopfes fiel mir auf, dass das Lautstärkenpoti an diesem Gerät ersetzt wurde. Hier wurde einfach ein normales verwendet und der oben erwähnte mechanische Trieb Ferroceptor-Lautstärkenregler ausgebaut. Tja, so kann man das auch lösen. Der Ferritstab im Radio läßt sich von außen nicht mehr verdrehen. Die beiden Seilzüge liegen tot im Chassis.

Ich hätte wahrscheinlich den Ersatz des Potis auch so ähnlich erledigt. Zumal die Mechanik Philips-spezifisch ist. Solche Potis wird man nirgends bekommen. Gut, aber damit kann ich leben. Auf alle Fälle war bewiesen, auch hier gab es Poti-Probleme. Meine Diagnose damals war also richtig.

Vielleicht hat einer von Euch solch ein- oder ein ähnliches Radio von Philips und kann uns mal im Original zeigen, wie die Mechanik hier  aussieht.

So, nun möchte ich Euch mal die Bilder von dem wirklich sehr schönen Radio zeigen.

Hier mal die Frontansicht

   

die Innenansicht

   

Chassis-Unterseite

   

Hier die gerissenen weißen Knöpfe. Die sahen sehr unschön aus.

   

Die schwarzen Knöpfe aus meiner Bastelkiste. Die Kappen müssen von den weißen übernommen werden.

   

Beim Knopftausch fiel es mir sofort auf. Die Achse vom Poti ist gekürzt. Wurde also auch ersetzt.

   

Gewißheit bringt der Blick ins Innere. Es ist keine Mechanik vom Ferroceptor mehr vorhanden.

   

Die Züge von der drehbaren Antenne liegen nur lose auf dem Chassis.

   

Der ersetzte Widerstand. Es ist kein Rauschen oder Rascheln mehr vernehmbar. Ich vermute, eine Kappe hatte keinen einwandfreien Kontakt mehr.

   

Zum Schluß noch eine unangenehme Sache: Ausgeführt durch den Vorbesitzer.

Es ist manchmal schon zu einer Unart geworden, Gehäuse die schon etwas gelitten haben großflächig mit Leinöl-Firnis zu bestreichen. Bei diesen glatten Hochglanzlacken kann das Zeug nicht ins Furnier einziehen. Es verklebt nur auf der Oberfläche. Faßt man über das Gehäuse hat man eine leicht klebrige und raue Oberfläche. Sehr unschön! Da hilft nur, das Ganze mit Autopolitur und viel, viel Kraft wieder ab zu polieren. Auch hier an dem Radio bekam ich nach viel Mühe wieder den Hochglanz zurück.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#2
Hallo Andreas,

hier eine etwas späte Antwort auf Deinen Bericht mit dem Wunsch nach den Ferroceptor-Bildern.
Ich habe gerade ein Philips-Jupiter 553/3D in Arbeit, da ist dieses Teil ebenfalls verbaut und noch intakt.
   
   
   
   

Gruß Wolfgang
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#3
Hallo,
beim Jupiter ist der FA-Antrieb durch einen extra Knebel realisiert. Der Capella jedoch hat eine Umschalt-Kupplung, so daß beides abwechseld mit einem Drehknopf zu bedienen war, wie von Andreas beschrieben.
Gut zu sehen hier https://www.radiomuseum.org/r/philips_ca..._bd_6.html im Forumsbeitrag unten.

Viele Grüße, Michael
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#4
Hallo Wolfgang und Michael,

ja, Wolfgang, was soll ich sagen? Vielen Dank für das Foto. Leider habe ich das Gerät schon nicht mehr. Das steht heute bei unserem Thorsten (Gasherbrum). Bei mir im Schlafzimmer steht jetzt eine etwas modernere Capella.

Und der Michael hat Recht. Diese Capella besitzt einen speziellen Lautstärkenregler. Er hat nur eine Achse und von hinten eine Art Zahnrad. Wenn man die Ferritantenne drehen will, dann muss man den Lautstärkenknopf heraus ziehen. Anschließend wird wieder gedrückt und man kann die Lautstärke regeln. Leider haben diese Regler durch die viele hin und herschieberei irgendwann mechanische Probleme und der Schleifer vom Regler wird nicht mehr mit genommen. Wenn der richtig eingestellt ist, dann fliegen einem fast die Ohren weg. Deshalb wurden diese Regler dann durch normale ersetzt und die gesamte Mimik am Lautstärkenregler für die drehbare Antenne wurde entfernt.

Wenn Du mal solch einen Knebelknopf wie an Deinem Radio finden solltest, kannst Du mal an mich denken. Der fehlt nämlich an meiner Capella.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#5
Das Radio steht momentan in der Küche. Ich lasse immer mal ein anderes Radio dort am "bösen" DAB+ Vorsatz von TechniSat spielen.

Der Klang ist aufgrund der besonderen Endstufe irgendwie anders als bei grossen SABAs und Grundigs. Sehr schön!


   
Beste Grüsse

Thorsten


"Das Leben ist nichts weiter als das Proben für eine Vorstellung, die niemals stattfindet."

(Die fabelhafte Welt der Amelie)
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#6
Sieht wirklich toll aus das Radio - und was für ein Monster Lautsprecher! Schade, daß man dem nicht das "Doppelpack EL84" gegönnt hat! Für "hochmittel", wenn die schon unbedingt separat angesteuert werden müssen, hätte man noch ne EL95 dazugepackt, fertig. Aber ja, dank des Wirkungsgrades der alten Lautsprecher reicht eine EL84 auch massig für reichlich Krach.
Beim Knopfersatz dachte ich "ochnee, die schönen weißen Knöppe" - aber die schwarzen passen wirklich auch toll - alles richtig gemacht Smile
Gruß,
Uli
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#7
Hallo Andreas,

ich habe selbst eine "angeschlagene Capella 663", da ist dieser Knopf auch defekt und leider auch die Skalenscheibe.
Diese beiden Teile suche ich selbst, leider bisher ohne Erfolg.... Und den Jupiter 553 möchte ich dafür nicht "opfern".
Falls sich mal was ergibt, denke ich an Dich (und Du vielleicht auch an mich).

Gruß aus Bayern 
Wolfgang
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#8
Hallo Wolfgang,

ich meine so ganz dunkel, ich hätte vom Recyclinghof noch ein Schrottchassis auf dem Boden. Blse mißhandelt, aber ist da noch eine Skala drauf. Es macht mich neugierig. Ich schaue da mal nach. Versprechen will ich nichts.

Ja, das mit dem Ferroceptor-Hebel sehe ich nicht so eng. Wir müssen da mal die Augen offen halten.

Thorsten, ein schönes Radio hast Du daraus gemacht. Freut mich!
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#9
Hallo Andreas,
das wäre ja super. Ich bin dann mal "guter Hoffnung".
Gruß Wolfgang
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#10
Hallo Wolfgang,

natürlich war ich am Donnerstag als Erstes auf dem Dachboden. Leider hatte sich meine Vermutung bestätigt. Die Skala an dem zerdepperten Chassis ist leider auch völlig defekt. Tut mir Leid!
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#11
Hallo Andreas,

schade. Vielen Dank das Du gleich nachgeschaut hast. Vielleicht ergibt sich ja nochmal was...

Gruß Wolfgang
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