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SIEMENS Rfe39 (51W)
#1
Kürzlich fragte mich der ehemaliger Arbeitskollege, für den ich schon mehrere Geräte restauriert hatte (z.B. einen VE301 von TeKaDe), ob ich mal nach seinem neuesten Fund schauen könnte. Der stand bei seinem Schwiegervater im Partykeller und diente als Dekorationsoblekt. Die Bilder, die er mit seinem Handy geschossen hatte machten mich neugierig. Das Gerät entpuppte sich als ein SIEMENS 51W in hervorragendem Zustand:


Hersteller: SIEMENS
Modell: 51W
Schaltung: Dreikreis-Geradeaus Empfänger
Baujahr: 1929 - 1930
Röhrenbestückung: REN1104, REN1104, REN1104, REN1004, RE134, RGN1054
Stromversorgung:
110, 125V, 205, 220V, 235V, 250V Wechselspannung. Spannungswechsel durch Tausch von Pertinaxplättchen mit Messingbrücken am Netztrafo
Wellenbereiche: LW, MW
Bedienelemente:
   Vorderseite:
        links: 1. Abgestimmter Kreis (Preselektor), mechanisch nicht mit dem Hauptabstimmdrehko gekoppelt;
        Mitte: Abstimmknopf für Senderwahl betätigt den Doppel - Drehkondensator des 2. und 3. abgestimmten Kreises.
        rechts: Rückkopplung
   Innen: Drehschalter zum Umschalten von MW auf LW. Hebt man den Gehäusedeckel, so wird die Anodenspannung abgeschaltet; die Heizung läuft
        weiter, sodass nach Schließen des Deckels das Radio sofort ohne Anwärmphase auf dem neu gewählten Wellenbereich weiterläuft.
Gehäuse: Dunkel gebeiztes Holz mit Bakelit-Frontblende
Fabrik Nr. 194606
Abmessungen: BHT: 48,5 cm x 23,5 cm x 24,0 cm (mit Huckepack-Netzteil: T= 31,5 cm)
Gewicht: ca. 14,5 kg

Hier zunächst die Schaltung und die technische Beschreibung:

       

Und nun ein paar Bilder der Außenseite dieses ungewöhnlich gut erhaltenen Gerätes:

                               

Im Anlieferzustand war im Netzteil die 125V Brücke montiert. Im RMorg zeigte Martin Renoth wie die Brücken für andere Netzspannungen modifiziert werden müssen.

           

Die Sicherung hat E10 Gewinde wie eine Skalenbirne.

Hans (RE084), der gerade so ein Gerät restauriert, hatte mich darum gebeten, den Schalterknebel genau auszumessen. Unglücklicherweise fehlt bei ihm auch noch der gesamte Netzteil-Rucksack.

Und so sieht es unter dem Gehäusedeckel aus:

               

Abgesehen von den abgeschirmten Kreisspulen ist auch das ganze Gehäuse mit Kupferblech abgeschirmt.
Dreht man den Wellenbereichsschalter von 1 (MW) auf 2 (LW), so rotieren synchron alle 3 Filterbecher. Was für eine aufwendige Mechanik!

Entfernt man die Bodenplatte, so sieht das so aus. Nichts wurde jemals repariert:

Zunächst eine Übersicht:

   

Und nun noch einmal die einzelnen Baugruppen in Großaufnahme:

           

Nun zu guter Letzt noch Ansichten des Huckpack-Netzteils bei abgenommener Haube.

                   

Links der Netztrafo, in der Mitte die Drossel mit den 3 Anzapfungen zur Bereitstellung der Gittervorspannungen für die 1. REN1104, die REN1004 und die RE134. Darunter die Sieb- und Ladekondensatoren.

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Was war nun eigentlich zu reparieren?

Alle Blockkondensatoren hatten viel zu hohe Leckströme und wurden zunächst einseitig abgelötet und durch neue Kondensatoren ersetzt. Später werden sie dann neu befüllt.

Die Koppelkondensatoren sind durchweg Glimmer-Cs. Alle in Ordnung! Auch alle Widerstände in den Klemmfederhalterungen haben noch gute Werte und machen einwandfreien Kontakt.

Die 1. Röhre REN1104 hatte eine offene Heizung. Glücklicherweise war nur der vom Quetschfuß kommende Draht nicht mehr mit dem Röhrenstift verbunden. Nachlöten erledigte das Problem.

Die 2. Röhre REN1104 war durch eine REN904 ersetzt worden, bei der der Sockel lose um den Glaskolben wackelt. Kann man wohl noch retten. Wurde zunächst durch eine andere REN904 ersetzt. Die hier verwendete REN904 ist übrigens in Wirklichkeit eine AC2, wie der Jacob hier schon einmal erklärte

Alle Röhren haben noch eine recht passable Emission.

Was ich hier bei einem Radio zum ersten Mal gesehen habe ist ein abgeschirmtes Netzkabel. Die Abschirmung war neben dem Netztrafo mit einer schelle auf masse gelegt. Da es mal abgeknipst wurde, frage ich mich, wo ich so etwas wohl herbekomme - mit Textilummantelung.

So ist der Stand der Dinge. Das Radio spielt im Moment sehr schön an einem SIEMENS Lautsprecher von 1931 Type 050. Passt zwar eigentlich vom Farbton her nicht zum Gerät, stammt aber immerhin aus der gleichen Zeit.

Demnächst werden dann mal die Blockkondensatoren entleert und neu befüllt.
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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#2
Ein umfassender Bericht mit Hintergrundinformationen zum Siemens 51W ist unter
" Siemens: Der S&H Neutrodyn Empfänger 51W"
zu finden.

MfG DR
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#3
Ganz toller Bericht Harald, vielen Dank, auch Danke an die beiden anderen DR Und H.K.

Stoffkabel in Braun hab ich Harald zwei oder dreiadrig, leider ohne Abschirmung....
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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#4
Servus,
Ja, das hat doch mal Nennwert, würde Brakelmann sagen.
Klasse Arbeit!
Mit herzlichen Grüssen aus Trient
Volker

Wer mehr über meine Basteleien wissen möchte, kann meine Web Seite besuchen.


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#5
in den 70ern hatte ich mal genau dieses Modell. Es war eines der ersten Radios in meinem Heimatort. Ich hatte es von den Stadtwerken bekommen. Es kam damals unter die Räder, genau wie der Detektorempfänger von meinem Opa. Jahrzehntelang hab ich den Geräten nachgetrauert. Mittlerweile habe ich aber kein Problem mehr damit. Irgendwann überwindet man alles. Trotzdem macht es mir aber große Freude die Bilder eines so schön erhaltenen Exemplares zu sehen!
Gruß,
Jupp
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das Austreten von Rauch ist betriebsbedingt und unbedenklich

I love making things and I believe that anyone can make things, anyone can become a maker (educ8s)
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#6
Hallo Harald,

ich habe gerade 3x einsfünfquadrat abgeschirmt.
jetzt fehlt nur noch der Stoffschlauch. Am besten von einer
Leitung, die ebenfalls einsfünfquadrat Adern hat, dann an den
Enden abbinden und --- fertig !

Gruß,
RE 084

Nachtrag: Abgeschirmte Länge einsfünfundfünfzig, plus einseitigem Anschluß für den Schirm .
RE 084 heisst Hans und kommt aus 41844 Wegberg
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#7
Guten Abend, Harald,
Wunderschöner Neutrodyn mit für damals anspruchsvoller Schaltung und aufwendiger Mechanik. Der Zustand ist unglaublich gut. Ich zähle nicht unbedingt zu den absoluten Puristen, aber bei dem Gerät kann ich es mir nichts anderes vorstellen als Neubefüllung der Kondensatoren - wie ich verstanden habe, ist nichts mehr zu reparieren. Und mit Originalröhren zu bestücken. Gut, mit dem Netzkabel muss man Glück haben.
In Deinen Händen wird das Gerät zu seiner Glanz wieder kommen.
Danke für die schöne Beschreibung.
Gruß!
Ivan
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#8
(24.10.2018, 21:02)RE 084 schrieb: Hallo Harald,

ich habe gerade 3x einsfünfquadrat abgeschirmt.
jetzt fehlt nur noch der Stoffschlauch. Am besten von einer
Leitung, die ebenfalls einsfünfquadrat Adern hat, dann an den
Enden abbinden und --- fertig !

Super, dann bekommt das gute Stück auch noch ein abgeschirmtes Netzkabel. Das Abbinden kann ich dann alleine - Du hattest mir ja das schöne Abbindegarn geschickt. 

Ja, Ivan, das ist schon etwas Besoderes, ein Gerät von 1929/1930, an dem noch niemand geschraubt hat.
Die Reparatur ist fast langweilig. Überhaupt keine Probleme!

Gut, dass Hans und Dietmar mich ermuntert und unterstützt haben, die Geschichte hinter dem Gerät mal etwas genauer darzustellen. Ohne die Hilfe der beiden wäre das nichts geworden.
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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#9
Hallo Harald,

ich hatte das ja schon in meiner Mail an Dich geschrieben. Ein sehr schönes Radio. Unberührt sind die alten Geräte ja alle nur noch selten. Jedenfalls wurde da von dir auch wieder eine sehr schöne Arbeit geleistet. Dass Dietmar und Hans sich da wieder mit eingebracht haben finde ich sehr schön. Ja, die Hilfe der beiden ist wirklich immer sehr zielführend. Ich weiß das, so lange ich sie kenne.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#10
Hallo, Harald,
was mir einfällt - die gleichen Schraubsicherungen mit E10 Gewinde hat mein Imperial Junior. Die Sicherungen hatte ich nicht. Da sind jetzt Lämpchen eingesetzt und die funktionieren auch.
Gruß!
Ivan
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#11
Hallo zusammen,

bei meinem Gerät hat das Gehäuse an der Seite einen Riß, also an der Stelle,
wo 2 Teilstücke senkrecht zusammen geleimt wurden. Ich werde versuchen,
mit einer Spritze Holzleim in den Riß einzubringen und das Teil dann mit Spann-
zwingen wieder zusammen zu fügen. Ich hoffe, das hält.
Das Gehäuse zu zerlegen um besser an das Seitenteil heranzukommen ist nicht
möglich. Das Ganze Gehäuse ist innen mit Kupferblech ausgeschlagen und
teilweise versteckt mit dem Chassis verschraubt.
Auch bei mir sind alle Widerstände im Toleranzbereich. Besonders bei den
dünnen Silit-Widerständen erstaunlich ! Aber da kann man auch welche
mit modernerem Innenleben nachbauen, ohne das man von aussen etwas
sieht ... Cool 

Gruß,
RE 084
RE 084 heisst Hans und kommt aus 41844 Wegberg
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