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AEG 465 - Weltmeister
#1
Ich hatte ihn bereits vor Jahren einmal. Das oben genannte Radio. Es wurde seinerzeit technisch überholt und das Gehäuse wurde neu Schellack-Poliert.
Dann kam ein Sammlerkollege und luchste mir das Radio ab. Irgendwann tat es mir dann aber doch wieder Leid und ich suchte mir wieder solch ein Radio. Mir macht halt das Restaurieren mehr Spaß als das Radio hören.

Ich bekam bei ebay - sozusagen für ein Trinkgeld - ein gleiches Gerät. Der Zustand war leider schlechter. Das Chassis hat Flugrost, der Lautsprecher fehlte. Der auf dem Chassis befindliche wurde von mir ebenfalls über ebay erworben. Standesgemäß klebte von hinten jemand Telefunken-Klebeband auf die Membrane. Das war damals im Angebot nicht sichtbar. Die Arbeit war erfolgreich, die Membrane wurde so versteift, dass sie sich nicht mehr bewegen kann. Also Tieftöne - ausgeschlossen! Ich habe neulich für wenig Geld einen identischen Telefunken-Lautsprecher bekommen. Der ist im besten Zustand.

 Der Gehäuselack konnte schön aufpoliert werden. klar hat es trotzdem Gebrauchsspuren. Das Radio ist schließlich über 80 Jahre alt. Dem entsprechend hat es auch noch die alte Röhrenbestückung:
ACH1, RENS1294, RENS1254, RES964 und eine Gleichrichterröhre RGN1064. Sämtliche Röhren fehlten! Achja, eine Rückwand ist  vorhanden. Sämtliche Radioknöpfe fehlten. Ein netter, mir bekannter Sammlerkollege vom Radiomuseum.org, stellte mir seine Originalknöpfe zur Verfügung. Ich goß mir halt welche nach. Kein Problem.

Vor den weiteren Arbeiten wurde das Chassis gründlich gereinigt und Roststellen mit Silban ausgetupft, das dann hinterher sofort mit einem weichen Lappen poliert wird. So trägt das Silban nicht auf. Trotzdem ist der Rost versiegelt und nicht mehr sichtbar.

Das waren nur die sichtbaren Mankos an dem Gerät. Erst´als die Demontage kam, wurden weitere Schäden ausgemacht. Das Gerät hat einen kombinierten Lautstärken und Tiefenregler. Außerdem einen Regler für die Empfindlichkeit, der direkt am Antenneneingang angeschlossen ist.  Beim Kombiregler waren sämtliche Nieten gebrochen. Hier wurden 2 mm Halteschrauben nach dem Ausbohren verwendet. Der Regler funktioniert einwandfrei. Er wurde nur etwas entrostet und wieder montiert. Der Empfindlichkeitsregler ist auch teildefekt. Der Schleifer hat keinen Zugriff mehr auf die Schleifbahn. Die Schleifbahn selber hat aber noch Durchgang. Im Moment wurde hier gebrückt. Das könnte man auch so übernehmen, weil es eh keine Ortssender mehr gibt, die man abschwächen müßte.

Um das Gerät überhaupt erst mal prüfen zu können, wurde der Kondensatorblock, der die Netzteilkondensatoren enthält, entkernt. Ich habe Elkos mit einer Prüfspannung von 450 Volt verbaut. Nun wurde mit dem Ohmmeter der Netztrafo geprüft. Alles ohne Befund.

Um jetzt überhaupt mal zu prüfen, wie sich die anderen Komponenten im Gerät verhalten, wurde zunächst Spannung auf das Chassis gegeben.
Achtung!!! Dieses macht man nur mit einem Regeltrenntrafo unter Beobachtung der Stromaufnahme (Ampere). Schlägt der Zeiger hier aus, sofort abbrechen.

Ich mußte ja ans Chassis, weil kein Lautsprecher angeschlossen war (der provisorisch ins Radio gestellte Lautsprecher flog erst mal raus), einen Außenlautsprecher anschließen. Man hörte ein leises Summen.

Im Radiomuseum.org ist nicht nur ein Schaltbild abgestellt. Man erhält auch einen Plan mit sämtlichen Spannungswerten.Die waren jenseits von gut und böse. Also schnell Gerät wieder abschalten!

Erfahrungsgemäß müssen stets die großen Kondensatorblöcke entkernt werden und es müssen neue Kondensatoren verbaut werden. Ich verrate Euch einen Trick: Ich biege die Haltelaschen dieser Blöcke zur Pertinaxplatte auf. Dann schiebe ich zwischen dem eigentlichen Block und der Pertinaxplatte ein altes Küchenmesser und durchtrenne die feinen Versorgungsdrähtchen. Den abgeschnittenen Teerblock entnehmen.  Anschließend entferne ich die feinen Drähtchen oben von den Lötösen. Dort ziehe ich die Drähte der neuen kondensatoren durch und verlöte die mit den Lötstützpunkten.  Auf diese Weise muss ich nicht jedes Mal die gesamten Sammler ablöten.

Noch ein Vorteil: Ich kann die Schaltung erst mal mit den ersetzen kondensatoren testen. Sie hängen ja zugänglich in der Luft. Anschließend entnehme ich vom Block die alten Wickel und stülpe den Blechkasten später nach erfolgter Prüfung wieder über meine Ersatzbestückung und verbiege dann die Haltelaschen wieder.

Eine neuerliche Prüfung zeigte schon, dass fast alle Spannungsangaben plausibel waren. Außer die Anodenspannung der RENS1294. Die war mit 19 Volt viel zu gering. Erst jetzt sah ich, dass die Spitzbuben das Anzeigeinstrument, das ja im Anodenkreis der RENS1294 hängt, ausgebaut haben. Vermutlich war es defekt. Es wurde mit einem Widerstand von 100 Kiloohm gebrückt. Dann wurde dieser Widerstand auch noch hochohmig  (1 Meg.-Ohm). Ich habe einen 10 Kiloohm-Widerstand verbaut. Jetzt ist auch hier alles entsprechend den Spannungsangaben.

Ich hatte zusätzlich noch den Koppelkondensator zum Steuergitter der RES964 ersetzt.

Nun kam das Unvermeidliche einmal die Antennenbuchse mit dem Antennenstecker berühren. Es ist bei voll aufgedrehter Lautstärke nur ein ganz leises Knacken zu hören. Hingegen der TA-Anschluß ist aktiv.

Wenn ds Gerät an der Antennenbuchse noch nicht einmal knackt, dann ist der ZF-Verstärker und der Oszillator verdächtig. Würde es stärker knacken, aber es ist kein Sender abstimmbar, dann muß man auf einen Oszillator-Ausfall tippen. Der ZF-Verstärker verstärkt dann das Signal geradeaus.

Eine Schnellprüfung des Oszillators und schon hat man Gewißheit. Ich mache das mit dem daneben gestellten kofferradio. Wir haben hier des Öfteren berichtet, wie das geht. Tja - und bingo - es ist kein Schwingen des Oszillators auf der MW und LW feststellbar. Ich habe jetzt auch gleich den ZF-Verstärker geprüft. die 2 Bandfilter müssen geöffnet werden. Eine komische Sache. An den unteren Spulen waren jeweils Glimmerkondensatoren verbaut. Eine Kapazitätsmessung ergab kaum Abweichungen von den Vorgaben.

Die oberen Spulen hatten die berüchtigten Hescho-Kondensatoren. 175 PF sollten die jeweils haben. Beide hatten um die 40 pf. Also viel zu wenig. Auch über diese kondensatoren wurde hier schon vielfach berichtet.

Warum aber schwang der Oszillator nicht? Aus langjähriger Erfahrung schaut man nach den sog. Verkürzungs-Kondensatoren.  Auch diese waren nach Hescho-Machart ausgebildet. Allerdings rechteckig. Eine Kapazitätsmessung zeigte auch hier viel zu niedrige Kapazitäten. Also durch neue Styroflex-Kondensatoren ersetzen.

Wenn nun der Gitterableitwiderstand i. O. ist, keine Kriechströme vorhanden sind, die Mischröhre, insbesondere der Triodenteil und der Drehko gut sind, sollte der Oszillator sofort wieder schwingen.   Tut er nicht, ums Verrecken nicht. 3 Tage immer wieder Fehlersuche am Oszillator, verbunden mit Selbstzweifeln, brachten nichts. Das Ding wollte nicht schwingen. Da der Oszillator eine komplette Bandfilter-Einheit mit den Schaltkontakten ist, entnahm ich ihn und schaute mir mit der Lupe sämtliche Anschlüsse an. Es ist alles i. O. gewesen. Mir unverständlich. Auch eine Manipulation an den Spulen konnte ausgeschlossen werden.

Noch ein X-tes Mal wurden die Schaltkontakte gereinigt - Wiedereinbau - nichts. Ich schrieb das Radio schon ab. Ein Blick ins Schaltbild zeigte mir dann noch, dass statt des vorhandenen 450 pf-Verkürzers doch ein 0,5 µf Kondensator in die Tunereinheit muss. Wieder eine Fehleingabe in den Schaltunterlagen. Solch dicke Kondensatoren sind da nie verbaut. Wäre das anders, hätten wir den Fehler gefunden.

In solchen Fällen freue ich mich, dass ich unsere Experten belästigen kann. Eine mail an Dietmar (DiRu) - kannst Du mir bitte mal erklären, was da los ist? Hast Du evtl. ein anderes Schaltbild. Hilfsbereit, wie Dietmar ist, schickte er mir einen seiner selteneren Schaltpläne. Wahnsinn - wieder dieser Fehleintrag. Dietmar schrieb mir auch noch einige Prüfanweisungen. Aber das hatte ich schon alles geprüft.

In der Nacht kam mir die Idee! In einem Schrottchassis vom Telefunken 543 (U-Bahnhof) befand sich solch ein optisch identischer Tuner. Die Anschlüsse sind etwas anders und auch die Schaltung. Ich änderte zunächst die Bedrahtung des Oszillators. Alles wurde so ins Chassis gebaut. Ein Schaltkontakt ist hier überflüssig. Beim Originaloszillator wird die Gitterspule in Mittel bzw. Langwelle geschaltet. Beim neueren Oszillator ist die Gitterspule durchgängig, also nicht geschaltet. Tut auch nicht Not. Nur die Rückkopplungsspule (Anodenkreis) wird beim Tauschoszillator umgeschaltet.

Jetzt achtet mal im Schaltbild auf den Kontakt 4. Dieser Kontakt ist mit Masse extern verbunden und schließt im TA-Bereich die Gitterspule kurz. Es kann also keine Schwingung entstehen. Somit ist auch die ZF tot.

Nun war das aber vom alten Tuner eine Schaltnocke für eine andere Funktion, die die 4 gesteuert hat. Bei beiden Bereichen MW und LW ist dieser Kontakt geschlossen. Die Gitterspule wäre für TA kurzgeschlossen. Aber man ist ja pfiffig und hat die externe Verbindung zur Masse nicht verbaut.

Ich war bester Dinge.... Der Oszillator wird jetzt auf beiden Bereichen schwingen. Und wieder nichts. Zum Verzweifeln. Als letzten Akt schob ich ein Stück Papier zwischen den Kontakt 4. Und jetzt lief unser Oszillator!!!!! Was war da faul? Der Schaltkontakt 4 hatte auch noch eine interne Verbindung zur Masse, nicht nur von außen. Ich habe die komplette Schaltnocke entfernt. Prüfung des Radioempfanges. MW spielt schon sehr gut. LW erfordert Nachabgleich. Der ZF-Verstärker ist nach Abgleich sehr empfindlich. Man kann ihn sogar überkoppeln.

Ich habe hier mal einige Bilder für Euch. Auch die Schaltbilder das 1. ist von mir. Das 2. vom Dietmar (DiRu)

   

Hier das Schaltbild, das mir zur Verfügung stand.

   

Das Schaltbild, das mir Dietmar geschickt hatte.

   

Hier das Gerät von vorne. Es sieht schon toll aus.

   

Das sind die Knöpfe. Kopien.

   

Hier das chassis. Der Lautsprecher wurde nur ins chassis gestellt. Schaut mal auf die Reparatur der Membrane.

   

Das Poti fällt auseinander. Sämtliche Nieten sind gebrochen.

   

Der nicht schwingende Oszillator.

   

hier sieht man die Schaltkontakte

   

   

Rettung naht. Der Oszillator aus dem telefunken 543 (U-Bahnhof).
Übrigens sind diese keramischen Kondensatoren grundsätzlich sehr gut. Die bleiben im Oszillator. Nur der 10 nf-Kondensator wurde ersetzt.

   

Diese beiden Kondensatoren wurden aus dem originalen Tuner entnommen und getauscht.

Wie geht es weiter?

Ja, die Arbeiten sind noch nicht ganz abgeschlossen. Ich berichte also weiter. Wie der neue Oszillator jetzt im Gerät sitzt, wie ich die Schaltnocken geändert habe usw. dann.

Ich weiß, dieser Bericht hier ist wieder sehr lang.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#2
Den Fehler im Schaltbild des "AEG 465 Weltmeister" habe ich im RM.org beim Modell dokumentiert.

MfG DR
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#3
Dietmar, danke für den Verweis.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#4
Hallo, Andreas,
ziemlich gemein sind die alten Radios manchmal. Aber ehrlich, wenn der Oszillator nicht schwingt und Röhre/Spulen/Kondensatoren intakt sind; noch was der Ersatzoszilator auch nicht schwingt - sprich der Fehler kann nicht da sein - was bleibt sonst als die Suche nach einem Kurzschluss zu Masse. Bloß wo? Da ist die Kunst. Glück, dass Du es doch so schnell gefunden hast.
Und die beiden Schalpläne - ein Fehler statt 41 mal 47 bei den Bauteilenummern fehlerhaft geschrieben und dann in allen Plänen übertragen - ärgerlich.
Ja, solche Dinge machen die Sudoku interessant.
Mal sehen was noch in deinem nächsten Bericht noch kommt. Ich wünsche dir auf jeden Fall keine Überraschungen mehr mit diesem schönen Radio. Zumal ich auch jetzt mit einem solchen Filter zu tun habe wo ich wahrscheinlich die Heschos auch austauschen soll...
Viel Glück weiter! Smile
Gruß!
Ivan
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#5
Hallo Freunde,

ja, gemein ist dieses Radio wirklich. Das ist fast ein kompletter Reparaturfall. Aber erst mal weiter.

Im Bild der getauschte Oszillatorkasten vom Telefunken . Man sieht, der hat nicht so viele Schaltkontakte. Aber die entscheidenden Federn lassen sich schalten. Damit funktioniert das Gerät schon mal sehr gut.

Nun hatte ich bemerkt, dass der Antenneneingang des Radios nicht richtig funktioniert. Ein Signal erhält das Gerät erst nach dem Abschwächer-Poti. Eine Messung brachte Gewißheit, das Poti hat eine Unterbrechung in der Leiterbahn.

Wo soll man nun ein Poti her bekommen, das in der Mitte eine Durchführung für eine separate Antriebsachse hat? So etwas findet man kaum. Doch - findet man. Man nimmt einfach ein Doppelpoti. Man trennt die Vernietungen auf und nimmt das Vorderteil. Das ist meist die Tonblende. Allerdings muss hier ein Wert von 1 M.-Ohm vorhanden sein. Ein Poti lag bei mir ewig schon in der Bastelkiste. Das konnte ich gut verwenden. Um mir das Aufbohren des Bedienknopfes (die Achse ist hier dicker) zu ersparen, bohrte ich in die Bedienachse, die ich vorher verkürzte ein passendes Loch und konnte nun die originale Bedienachse in die neue schieben. Das Ganze wurde mit 2 K verklebt.

Ja, so einfach dachte ich mir das. War es aber nicht. Denn schon vor Einbau stellte ich fest, im Poti ist etwas nicht in Ordnung. Ja, wohl durch mechanische Beanspruchung ist der gesamte Schleifer zerbrochen. Vorher war noch alles gut. Ich habe das Poti noch nicht mal irgendwie mechanisch groß beansprucht. Die Achse war beim Bohren im Schraubstock eingespannt. Auch konnte man danach ohne Probleme die Achsen ineinander fügen.

Das baut natürlich ungemein auf. Also auf zum 2.! Ich habe ein Doppelpoti entnietet. Auch hier konnte man gut das obere Poti ausbauen. Das entsprechende Führungsloch ist jetzt auch hier vorhanden. Doof nur, oben die Tonblende hatte 100 K.-Ohm. Aber die untere Leiterbahn hatte 1 M.-Ohm. Trotz der unterschiedlichen Achsen konnte man beide Leiterbahnen tauschen. Sie sind identisch. Bis auf die Ohmwerte. Das so erhaltene Poti wurde mit 2 mm Schrauben verschlossen. Alles funktioniert bestens. Das Poti wird übrigens von hinten an einer Haltestrebe verschraubt. Das ging auch problemlos.

Nun hatte das Radio zwar ein neues Poti. Der Antenneneingang funktioniert wieder. Er läßt sich abschwächen und - bei gewissen Sendern ist das wirklich noch notwendig.

Soweit wurde wieder eine Funktion des Radios wieder hergestellt. Aber es folgt dann schon die nächste Problematik...

Hier ist der Tauschoszillator. Paßt mechanisch und technisch perfekt.

   

Hier die Antennenabschwächer-Potis. Rechts das defekte und links das neue mit der erweiterten Bedienachse.

   

Hier sieht man. Die Bedienachse vom alten Poti paßt perfekt in die neue.

   

Ach und hier habe ich die Gleichrichterröhe zerstört. Sehr ärgerlich! Man sieht im Hintergrund das neue Poti provisorisch an seinem Platz.

   

Bei der anstehenden Durchgangsprüfung merkte ich, da stimmt etwas nicht am Poti.

Ein Öffnen zeigt den Schaden: Der Schleifer ist völlig zerbrochen. Da läßt sich nichts mehr retten. Schade!

   

Nicht lange ärgern. Hier schon das nächste Poti. Die Leiterbahnen müssen getauscht werden.

   

Hier nun das neue Poti. Es funktioniert bestens. Die Funktion ist gegeben und passen tut es auch.
Wieder ist eine Komponente am Radio wieder hergestellt.

   

Es folgt dann die nächste Katastrophe...
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#6
Servus,
Wie hast du den die GL-Röhre kaputt gemacht, Hammer ausgerutscht?
Mit herzlichen Grüssen aus Trient
Volker

Wer mehr über meine Basteleien wissen möchte, kann meine Web Seite besuchen.


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#7
Hallo Volker,

das chassis ist so konstruiert, dass man es hochkant über den Netztrafo stellen kann. Dann steht das Chassis sehr stabil. Intelligent, wie man ja manchmal ist, mußte ich in einer verborgenen Ecke arbeiten. Und habe das Chassis hochkant auf die andere Seite gedreht. Der Trafo hing in der Luft. Nun waren beide Hände am Arbeiten. Der Trafo zog das Chassis natürlich über Kopf in die Tiefe und die umgesockelte, etwas höhere RGN1064 ist auf den tisch geknallt. Gut, dass nicht noch mehr Schaden entstanden ist. Ja, so geht das manchmal. Smiley26
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#8
Hallo Freunde,

noch lange nicht bin ich fertig mit diesem Reparaturbericht. Hier mal zwischendurch eine Frage. Wie ich schon schrieb, spielt das Gerät sehr gut. Es hat e
eine sehr schöne, basslastige Wiedergabe. Eines macht mir allerdings Kopfzerbrechen. Es geht um den Netztrafo. Am Sonntag spielte das Gerät auf meinem Arbeitstisch mal für ca. 2 Stunden zur Probe.

Es wurden keine Auffälligkeiten festgestellt. Nur der Netztrafo wird im Betrieb recht heiß. Er stand bis dahin auf 220 Volt und wurde über Regeltrenntrafo auch mit 220 Volt betrieben. Man kann ihn nicht für längere Zeit mit den Fingern berühren. Wird das Gerät gestartet und man hat vorher die Gleichrichterröhre gezogen, erwärmt sich der Netztrafo überhaupt nicht. Ich habe im Gerät sämtliche alten Kondensatoren ersetzt. Natürlich wurden auch die beiden Netzteilelkos getauscht. Ich hatte sie auch mal provisorisch durch 2 Prüfkondensatoren ersetzt. Trotzdem erhitzte sich wieder der Netztrafo.

Ich bin mir hier etwas unsicher. Lasse ich das so. Oder sollte ich vorsorglich mal einen Test mit einem anderen Netztrafo machen? Ich habe den Netztrafo auf 240 Volt eingestellt und betreibe das Radio über Regeltrenntrafo mit 220 Volt. Das schont zwar etwas den Trafo, unterheizt aber nun wieder die Röhren. Das Gerät soll ja nicht im Dauerbetrieb laufen. Andernfalls möchte ich nicht warten, bis vielleicht der Netztrafo verbrennt.

Was ist Eure Meinung? Tauschen oder abwarten?
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#9
Nach zwei Stunden.
"Nicht für längere Zeit berühren" bedeutet Blechtemperatur um die 40 Grad, das muss nach 2h nicht bedenklich sein, oder?
Ich kann auch nicht beurteilen, ob damals "für die Ewigkeit" gebaut wurde oder ob es auch schon Sparvorgaben gab, kann mir aber gut vorstellen, daß auch damals schon nicht "aus Spaß" überdimensioniert wurde. Wenn die Ströme stimmen und der Trafo auch nicht heißer wird, würde ich mir wenig Gedanken machen. Hast Du evtl einen kleinen Temperaturfühler, den Du weiter innen ins Wicklungspajet schieben kannst? Bei einem meiner Multimeter war so etwas dabei, vielleicht auch bei Dir?
Gruß,
Uli
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#10
Na, Uli,
Andreas wird schon genug Erfahrung haben, dass er beurteilen kann wann ein Netztrafo zu warm wird. Ich weiß nicht zu helfen, aber vielleicht zieht das Gerät mehr Strom als geplant. Hast Du gemessen, Andreas? Vielleicht liegt es an die Endröhre. Oder die Gleichrichterröhre. Sonst wird es komplizierte Suche.
Gruß!
Ivan
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#11
Servus,
Die auf Kante genähten Grundig Trafos mit ihren Kühlblechen werden noch heisser und pegeln sich nach 2 Stunden so auf 50-55 Grad ein. Und überleben auch, jedenfalls bisher.
Bei 40 Grad würde ich mir auch um einen alten Trafo keine Sorgen machen.
Mit herzlichen Grüssen aus Trient
Volker

Wer mehr über meine Basteleien wissen möchte, kann meine Web Seite besuchen.


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#12
Hallo Andreas  Smile

Da hast Du einen wirklich schönen alten AEG, der paßt ja super zu Dir  Rose

Ich glaub, ich würde es so machen mit dem NetzTrafo, wie Du es schon beschrieben hast,
also den NetzTrafo auf 240V stellen. Das bißchen Unterheizung der Röhren wird sie schon nicht zerschießen.

Herzliche Grüße, von Peter
~~~~~ DE - MV  /  Connected ~~~~~
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#13
Oh - Peter - Das alte Radio paßt zu mir? Mensch, der ist 83 Jahre alt und alles war kaputt Smile
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#14
Ach, Andreas, ich meinte doch, daß das ein Radio nach Deinem Geschmack ist?
Oder irre ich mich damit?

Beste Grüße, von Peter
~~~~~ DE - MV  /  Connected ~~~~~
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#15
Hallo, Andreas,
dann passt es zu mir bin zwar 20 Jahre jünger aber ziemlich kaputt Big Grin
Gruß!
Ivan
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#16
Na, lieber Peter, Du weißt doch, wie ich das meine.

Und Recht hast Du - das Radio gefällt mir sehr gut.

Nun wollen wir mal weiter über die Restauration schreiben.

Im Radio fehlte ja der bekannte Feldspulenlautsprecher. Er wird an zwei kräftigen Laschen am Chassis befestigt und die beiden oberen Löcher werden mit dem Gehäuse verschraubt. Wie ich schon schrieb, hatte ich mir einen passenden Lautsprecher bei ebay gekauft. Die Ernüchterung kam, als ich den Lautsprecher erhielt. Die Membrane war bis oben zum Scharnier mit Papierklebeband früherer Jahre geklebt. Das ist insofern ein Wahnsinn, weil sich die Membrane überhaupt nicht bewegen läßt. Der Ton wäre also so, wie bei einem Hochtonlautsprecher anzuhören gewesen.

Man macht es sich einfach und schaut immer mal nach einem anderen Ersatz. Der wartete nicht lang. Maße von dem Lautsprecher gab es bei ebay nicht. Also trotzdem gekauft. Nun lag er schon länger bereit. Als ich nun den Lautsprecher verbauen wollte, stellte ich fest, der ist ja geschrumpft. Mist. Die Lautsprecher gibt es natürlich in verschiedenen Größen. Meine ist zu klein. Ärgerlich. Also, was bleibt über, der andere Lautsprecher muss gangbar gemacht werden.

Es gab früher Ersatzmembranen. Mit Erregerspule und hier ohne Spule. Die Membranen mit Erregerspule passen garantiert nie in unsere defekten Lautsprecher. Das waren Ersatzteile, die nur für einen bestimmten Lautsprecher passen. Wenn man heute solch eine passende Membrane incl. Erregerspule sucht, wird man ewig suchen.

So schaut man, ob eine Membrane mit passendem Durchmesser und der entsprechenden Tiefe vorhanden ist. Hat man so eine - wie in meinem Fall, kann der Ersatz beginnen. Vorab, die ursprüngliche Erregerspule muss mit einem Stück der alten Membrane erhalten werden. Niemals die Spule von der Membrane abtrennen. Alles wäre verloren. Auch bleibt die Restspule mit dem Stück Membrane justiert im Lautsprecherkorb. Würde man die jetzt mit dem Membranenrest "nach Schnauze" auf die Ersatzmembrane leimen, dann könnte man das nicht genau ausrichten. Auch hier wäre alles verloren.

Die Klebungen oben am Korb kann man mit einem Heißluftfön verflüssigen. Das stinkt furchtbar und die alte Membrane kokelt an. Bevor die alte Membrane von außen gelöst wird, trennt man wie beschrieben die Schwingspule mit einem Membranenrest ab. Würde man das nicht machen, kann schnell die Spule beschädigt werden. Mit einem Cuttermesser wird der Kreis gezogen. Nun kommt erst der Fön zum Einsatz.

Die alte Membrane entfernen und den Lautsprecherkorb sorgfältig säubern. Auf das Stück alte Membrane kommt Holzleim. Der Lautsprecherkorb nimmt die Membrane mit Pattex auf. Die Membrane wird von innen schön auf den Papprest der alten Membrane gedrückt. Anschließend macht man das oben am Korb genauso.

Vorsichtig in das Lautsprecher Innere eine leichte Rolle Lötzinn o. Ä.  legen. Nur rund muss es sein.  So dass die Membrane gleichmäßig nach innen gedrückt wird. Nun habe ich einen Tag gewartet. Das Resultat : Bestens! Die Membrane läßt sich ohne Probleme im Luftspalt des Elektromagneten hin und her bewegen. Optisch fällt die Ersatzmaßnahme auch nicht auf.

Nun wurde von der verkleisterten Membrane der Pappring abgeschnitten und hier auf den Membranenrand geklebt. Nun kam einer der Filzreste, die mir mal der Richard geschenkt hatte, zum Einsatz. Es wurden Streifen geschnitten, die wieder auf den Lautsprecherkorb kamen.

Ich schleife nie an rostigen Lautsprecherkörben herum. Die Schleifspäne kommen ins Magnetinnere und lassen sich kaum entfernen. Ich habe nur mit einem Lappen den Korb gereinigt und sehr dünn mit Silban abgerieben. Das Thema Lautsprecher konnte erfolgreich beendet werden. Wie Wiedergabe ist sehr gut. Nichts klirrt oder scheppert. Hier mal ein paar Bilder:


Hier sieht man links den geklebten, aber passenden Lautsprecher. Dieses rechte Exemplar ist zu klein. Scheidet also aus.

   

Hier sieht man, wie unfachmännisch die Lautsprechermembrane verklebt wurde.

   

Aber hier ist die Rettung. Ich hatte noch eine Ersatzmembrane.

   

Hier nochmal die mit Klebeband verklebte Membrane

   

   

Die neue Membrane paßt von den Abmessungen in den Lautsprecherkorb.  

   

Hier sieht man, wie die Schwingspule getrennt wird. Mit einem Stück der alten Membrane.

   

Jetzt erst die Membrane von außen entfernen. Ziehen, drehen usw. würde die empfindliche Schwingspule zerstören. Der Leim wird mit der Heißluftpistole erhitzt.

   

Die neue Membrane wie oben beschrieben verkleben. Pappring und Filzstreifen werden ebenfalls verklebt.

   

Hier sitzt der Lautsprecher wieder im Gerät. Er gibt einwandfrei wieder.

   
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#17
Wow, Super, Andreas  Thumbs_up  Thumbs_up

Du bist wirklich ein Ass  Smile
Es freut mich, daß Du die neue Membrane so gut einpassen konntest.

Beste Grüße, von Peter
~~~~~ DE - MV  /  Connected ~~~~~
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#18
Servus,
Mit dieser Top Superduper Luxus Arbeit hat er sich eine RGN1064 verdient, die ich ihm demnächst zuschicken werde.
Solche Spezialistenarbeit muss einfach belohnt werden!
In diesem Forum sollte man den "Pour le merite" am langen Bande für Radiobastler wieder einführen!
Mit herzlichen Grüssen aus Trient
Volker

Wer mehr über meine Basteleien wissen möchte, kann meine Web Seite besuchen.


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#19
Manchmal eindeutig ein Vorteil, nix wegzuschmeißen. Top!
Gruß,
Uli
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#20
(Gestern, 17:12)radio-volker schrieb: Servus,
Mit dieser Top Superduper Luxus Arbeit hat er sich eine RGN1064 verdient, die ich ihm demnächst zuschicken werde.
Solche Spezialistenarbeit muss einfach belohnt werden!
In diesem Forum sollte man den "Pour le merite" am langen Bande für Radiobastler wieder einführen!

wenn wir alle zusammenlegen ist das aber immer noch heftig

Orden POUR LE MERITE mit KRONE in GOLD
Gruß,
Jupp
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Ziel der vollkommenen Sammlung ist es, unseren unruhigen und abschweifenden Geist zu kontrollieren.
(Buddhistische Weisheit)
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