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RFT Luxomat VT 130 - kurioser Zweitfehler
#1
Hallo,

is jetzt nix Weltbewegendes, aber eine gute Lektion, warum bei einer auch banalen Reparatur in einem (rel.) komplexen Gerät immer systematisch vorgehen sollte. Bitte erst den Text lesen und dann den Planausschnitt anschauen, wenn die "Spannung" erhalten werden soll... (...für den, der sowas spannend findet...)

Gerät: volltransistorisierter s/w-Empfänger, als Bildröhrenlieferant für 5 Eus in die Sparbüchse geschossen.
Zustand: sehrsehr gut, besser als erwartet, wollen mal sehen, ob jemand zuhause ist...

Rep.: keimige Sicherungen getauscht, voila, er lebt ! Sehr gute Bildröhre, trotz CCCP...
Zeilentrafoproblem mit RFT-Geräten vermutet, 20min, Bild immernoch sehr gut, 40 min, Bild zwar noch gut, Essiggestank, Hochspannungswickel wird heiß ... klassiker ! Also nicht lange rumbraten lassen,
POLLIN-Lager geplündert, neue Hochspannungsspule aufgezogen, Geräteinneres intensiv mit Pinsel und Staubsauger gereinigt (1. Fehler !! Hab zwar nix kaputtgemacht, dachte es aber zeitweilig!), reparierter Zeili rein... alles erledigt, schönes Bild erwartet...

Eingeschaltet: WTF !!! Bild schmal und verbrummt, Widerstand zur Videoendstufe raucht... wassn hier los ??

*grübelgrübel* was beim Zeilentrafo schiefgegangen ? Primärwickel kurzgeschlossen ? PIN verbogen ? ...
Messen geht nicht, da Widerstand raucht.... mit Ohmmeter Schiene hinter dem R durchgeklingelt, o.k. ... Also 40W-Glühbirne anstelle Widerstand, einschalten, Glühbirne leuchtet schwach, aha, nicht o.k., weil da nur Schwachstrom dranhängt (Birö-Speisungm, Helligkeitsregler, Videoendstufe... die zieht zwar bissel, aber nicht so viel das es raucht... zu faul da zu messen... erstmal Bildbreite:

Spartrafo (siehe Schaltplanausschnitt unten, bitte vorher erst zu Ende lesen, sonst spoiling ^^):
230V: o.k., abgestufte Spannung für die 190V-Schiene: o.k., Gleichspannung an 190V-Schiene (Rohspannung für Zeilenendstufe und besagtes Bildröhren Videogedönz zu klein ! kann eigentlich nicht sein !!! Erster Wichtiger Gedanke, durch den Spartrafo läßt sich da nix "lautlos" runterdrücken und die Wechselspannung (mit Glühbirne abgeschätzt^^) stimmt auch also...

Glühbirne vom "Messen" liegt noch rum, also mal an der Katode der Netzdiode kitzeln: 50Hz-Flimmern, BRUMMSPANNUNG !!! Aha ! Aber dann müßten ja 2 Elkos platt sein ... und warum raucht der Widerstand, wenn die Spannung zu klein ist ?? Vielleicht ist der dritte Elko hinter dem Widerstand noch zuhause...jaklar !!!

Also beide Elkos raus, blöder- oder intelligenterweise liegen die Hauptnetzelkos in getrennten Bechern und einer der 100+100µF ist dann der für die Video/BiRö-Versorgung... egal, erstmal alles raus und messen:

Meine sehr teuer eingekaufte Elko-Meßeinrichtung hervorgekramt, Glühbirne + 1N4007 + Netzschnur und an den Trenntrafo: NOBODY HOME !! Nur einer der Teilelkos (unten grün markiert) hatte noch etwas Kapazität, deshalb rauchte auch der Widerstand, weil der "Wechsel"strom vom Einweg-Gleichrichter nun durch die fehlenden Elkos zum letzten verbleibenden Rest-Elko floß !

Der Rest ist Geschichte, wechseln, gegrillten Widerstand zurück (DDR-Metallschicht, so viel Last hatter nicht gesehen, nur gut rustikal der Lack geröstet würd ich sagen...

Meine Fehler:
Ärgerlicher Tatendrang nach Auftreten des Fehlers... und zu zeitiges reinigen, das macht man immer erst hinterher nach jeder noch so kleinen Reparatur kommt immer ZUERST die Funktionsproble/Probelauf, dann ist das Reinigen dran...
Kurios ist wirklich, daß er erst nach Jahren aufm Boden wieder ging (ca. 40min bis Zeili anfing zu stinken..) und nach der Rep. des Zeilis dann  beide Elkos kaputt waren. Ich glaube ja, es war von vornherein nur noch EIN Elko mit Restkapazität am Start, beim ersten Probelauf hat er sich noch zusammengerissen.... eigentlich auch bissel unlogisch, das Gerät stand 2 Tage bei dem Frost im Auto und mußte erstmal aklimatisieren, erfahrungsgemäß gehen schlappe Elkos bei Wärme besser ... die Kontaktierung des Wickels ist aber bei diesen Bauformen öfters das Problem und hier könnte thermische Bewegung in beide Richtungen schädlich sein...

Vielleicht kennt Ihr das: Ich repariere mit Vorliebe auch die ekeligsten Krücken .. aber wenn ich denke, daß ICH den Fehler verschuldet hab, kommt ein Ärger ins Spiel, der zu gefährlichen Schnellschüssen incl. Eigengefährdung führen kann, hab ich grad wieder deutlich gemerkt... das mit der Eigengefährdung konnte ich im Lauf der Zeit schon ganz gut beherrschen und es hängt ja auch nix dran, trotzdem... Früher, als die Oma abends wieder kucken wollte, war das manchmal ne andere Hausnummer...

Hoffe, das war etwas unterhaltsam, ich hatte eigentlich was anderes vor mit dem Restsonntag, egal...
Bis dann, Gruß Ingo

   
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#2
Schade ohne Bilder vom Gerät.
Gruß Richard


Jeder kann die Welt verändern!
Er muss nur bei sich selbst anfangen.






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#3
Hallo Richard,

da laß ich mich doch nicht 2x bitten, ich dachte nicht, daß da Interesse besteht ^^, im rm ist er auch gelistet, aber natürlich kann ich auch welche liefern zu meiner aktuellen Errungenschaft, hoffe, das reicht so, sonst müßte ich noch mehr Aufwand in eine geschmackvolle Kulisse stecken ^^:

Das instandgesetzte Gerät mit einem wirklich tollen s/w-Bild ("wie neu" würde ich sagen, kein Auseinanderlaufen der Linien am Bildrand, das waren immer erste Anzeichen für BR-Verschleiß.
Geringe Lage- und Linearitätsfehler lassen sich noch korrigieren...:

         

Schön dezent-geschmackvolles Bedienteil mit charme der 70-er, Lautstärkeschieberegler, die Programmiereinheit und ein paar Steller (Hell.,Kontrast, Klang) sind hinter einer unauffälligen Klappe oberhalb des sichtbaren Teiles angeordnet.

   

Ansicht des herausgezogenen Chassis, rechts in der Nähe des Zeilentrafos und Netzspartrafos sind die beiden Becherelkos, die bereits gegen gut gebrauchte Ersatzteile getauscht wurden (einer von 1984, einer ist aus den 60-ern vom STELLA/INES)

   

Und noch der ungestellte Arbeitsplatz mit abschließenden Eindrücken der Zeilentraforeparatur und Elkoprüfung nach meiner Methode mit Glühbirne und Netzdiode.

   

Gruß Ingo

Ergänzung: Die Geräte wurden unter dem Markenname BRUNS auch in Westdeutschland und ELIN sogar in Österreich vertrieben, beim ELIN kann es sich auch um den Nachfolger gehandelt haben...
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#4
Da müsste ich auch noch drei auf dem Dachboden stehen haben. Mit großer und auch mit kleiner Bildröhre.
Wobei ich nicht glaube, das die Zeilentrafos noch intakt sind. Den Kleinen davon hole ich im Sommer in meine Ausstellung. Vielleicht habe ich Glück und einer tut es noch.
Habe immer soviel Arbeit, das ich mir eine aussuchen kann. Smile

Grüße Frank, der Moschti
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#5
Danke Ingo,
jetzt kann auch ich mir ein Bild machen um was es geht ohne erst im Netz zu suchen um was es genau geht.
Gruß Richard


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#6
Hallo,

Frank, die Zeilentrafos sind ähnlich anfällig wie bei den 4000-er Farbgeräten.
Probiers aus, aber anfangs nur unter Aufsicht... weißt Du ja...
Wenns soweit ist, schreib nochmal...

Gruß Ingo
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#7
Hallo Ingo ,

zu den dort verbauten Bildröhren aus der UdSSR fällt mir noch ein, dass es mindestens eine Serie gab, bei der der Kleber, der die Graphitschicht auf der Röhrenrückseite fixieren sollte hygroskopisch war und in Verbindung mit Luftfeuchtigkeit zur Bildung leitfähiger Graphitflocken geführt hat, die dann auf das Chassis fielen und für Kurzschlüsse und Brandgefahr sorgten. Die Werkstätten bekamen die Aufforderung, die Geräte zu öffnen und die Röhrenrückseite mechanisch von lockerem Belag zu befreien, was natürlich den gewollten Kapazitätsbelag weitgehend vernichtete. So jedenfalls erfuhr ich es von einem Freund in einer (privaten) Potsdamer Fachwerkstatt.

Glückwunsch zum schönen Gerät. 

Gruß Ingo
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#8
Hallo,

Danke für den Hinweis, Ingo. Bei diese Röhre ist augenscheinlich alles o.k. mit der Graphitschicht. Ich hab das aber auch schon gehabt, da sieht die ganze Graphitschicht aus wie ein "Streuselkuchen" . Wußte aber nicht, daß es da eine Werkstattmitteilung gab.

Gruß Ingo
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#9
Ja Ingo, genau so einen habe ich !
Den wollte mein Vater damals einschalten, es blitzte und funkte innen.
Nach Abnahme der Rückwand, sah ich das Dilemma.
Nun steht der auf meinem Dachboden.
Habe immer soviel Arbeit, das ich mir eine aussuchen kann. Smile

Grüße Frank, der Moschti
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