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Dual P300 BV/1 Kofferplattenspieler
#1
Hallo zusammen,

heute möchte ich auch mal wieder ein Gerät aus meiner Sammlung vorstellen.

Hersteller: Dual (Gebrüder Steidinger)
Modell: P300 BV/1 (Laufwerk Dual 300)
Baujahr: 1961
Tonabnehmer: Dual CDS520 (Stereo)-Kristallsystem mit der damals Dual-typischen Umschaltung zwischen N und M-Nadel.
Geschwindigkeiten: 16/33/45/78 U/min
Antrieb: Treibrad mit Zwischenrädern
Stromversorgung: 2x 4 Batterien 1,5V Monozellen (4 für den Motor und 4 für den Verstärker), kein Netzbetrieb möglich
Verstärker: Monoverstärker mit 4 Germaniumtransistoren und Breitbandlautsprecher

Ein solches (oder ähnlichen) Gerät habe ich schon länger für meine Sammlung gesucht, aber erst vor Kurzem konnte ich ein Exemplar erstehen.
Die gibt es offensichtlich nicht so sehr häufig...

Leider fehlt bei meinem Modell der Tragegriff. Dafür kam dann aber auch kein Ton aus dem Verstärker heraus... Smile
Der optische Zustand ist aber noch sehr gut und auch die Beschläge glänzen noch schön.

Den Verstärker konnte ich aber bereits reparieren. Der Kontakt zwischen Platine und Spulenanfang am Zwischenübertrager lag mit 4,2kOhm "etwas" außerhalb dessen, was er haben sollte - nämlich so gut wie Null Ohm. Das konnte mit einem "Überbrückungskabel" gelöst werden.

Auch gibt es bei meinem Gerät einen Unterschied zwischen Realität und Schaltplan: das laut Plan 500kOhm-Poti ist in der Realität nur ein 100kOhm-Poti.

Der Tonarm hat(te) hinten einen kleinen Riss.

Trotz sorgfältiger Reinigung und Neuschmierung läuft der Teller/Motor etwas langsam und hat sporadisch kräftige Geschwindigkeitseinbrüche.
Da suche ich noch nach Ursachen.
Tja, auch wenn er etwas langsam ist und der Klang des Lautsprechers nun wirklich nicht gut ist, macht die Kiste trotzdem Spaß... Smile

Der Motor hat übrigens unter seiner Abdeckung einen eingebauten Fliehkraftschalter, der im Schaltpaln auch verzeichnet ist.
Die Notwendigkeit erschließt sich mir nicht wirklich... Wink

So, hier nun ein paar Fotos...
       

   

       

       

   

       

       
Schönen Gruß
Martin

~ Plattenspieler-Schrauber ~
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#2
Die batteriebetriebenen Geräte hatten früher alle einen Motor mit Fliehkraftregler um ein Schwächerwerden der Batterien auszugleichen. So war gewährleistet, dass der Motor immer gleich schnell lief, auch wenn die Batterien langsam weniger Leistung hatten.
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#3
Nein, Anton, hier muss ich dich ausnahmsweise korrigieren. Der Fliehkraftregler ist bei solchen Motoren obligatorisch, denn er hält die Drehzahl konstant (die sonst frei hochlaufen würde und irgendwelche Werte annehmen würde, auch bei noch so konstanter Versorgungsspannung).

Er funktioniert so: Der Motor kriegt Strom, dreht hoch. Bei Erreichen einer bestimmten Drehzahl öffnet der Schalter, damit erhält der Motor entweder keinen Strom mehr oder (wie in diesem Dual) einen durch einen Widerstand (hier R11) massiv verringerten Strom. Dadurch fällt seine Drehzahl wieder ab, bis der Schalter wieder schließt und wieder voller Strom fließen kann und so weiter. Der Schalter schaltet also ständig und blitzschnell ein aus, so dass sich als Mittelwert (die Drehzahl unterliegt ja einer gewissen mechanischen Trägheit) eine bestimmte konstante Drehzahl, nämlich die Solldrehzahl, einstellt.

Das funktioniert grundsätzlich gut, unterliegt aber mehrfachem Verschleiß:
Erstens: die Kontakte des Fliehkraftschalters. Schaltkontakflächen verschleißen nun mal. Der große Fortschritt Anfang der sechziger Jahre war der hier involvierte Transistor. Dank ihm muss der Fliehkraftschalter nicht den vollen Motorstrom, sondern nur den wesentlich geringeren Steuerstrom des Transistors schalten (Faktor 50-100 kleiner). Die "Schaltarbeit" leistet dann der Transistor. Der Kontaktverschleiß ist verringert, aber nicht ganz vermieden.

Zweitens: Die Bürsten. Der elektrische Anschluss des rotierenden Fliehkraftschalters erfolgt über Bürsten (rotierende Kontakte). Auch diese unterliegt einem Verschleiß.

Der Fortschritt brachte in den 60ern erst den kontaktlosen, dann auch noch den bürstenlosen Batteriemotor. Leider hat der Dual 300B noch die beschriebene archaische Technik. Diese Motoren hatten nur eine relativ geringe Lebensdauer! Hoffentlich gelingt es MaxB, den schadhaften Motor wieder hinzukriegen.

Viel Glück!

VG Stefan
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#4
Hallo Martin,
ein schönes Gerät und in der Batterie Version nicht so oft anzutreffen. Das Laufwerk selbst ist ja baugleich mit dem Dual 300. Da lässt sich sicher ein besserer Tonarm auftreiben. Das was Stefan zum Batterie Motor geschrieben hat ist absolut richtig. Ich habe einige Philips Mignon bei denen der Motor Probleme macht. Frank (Moschti ) hat da mal einen guten Tipp gegeben den Motor eines Kassettenrekorders anzupassen. Vielleicht wäre das eine Option? Die Lebensdauer des Motors ist bei Philips in den Service Unterlagen übrigens mit 500 Betriebsstunden angegeben! Bei dem Verstärker solltest Du auf jeden Fall noch die Elkos überprüfen. Vom Wert haben die bei meinem letzten Gerät zwar gepasst aber der ESR war nicht in Ordnung und das hat sich auch klanglich bemerkbar gemacht.
Gruß aus Bremen

Enno
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#5
Danke Stefan für die Korrektur und die ausführliche Beschreibung. Das war mir so auch noch nicht bewusst, obwohl ich schon bei vielen der Geräte mit solchen Motoren die beschriebenen Probleme festgestellt habe.
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#6
Hallo,

wenn ich das von Stefan gesagte richtig deute kann ich über eine Verstellung des Fliehkraftschalters die Drehzahl anpassen. Ich müsste dafür sorgen, dass der Schalter später öffnet, womit eine höhere Drehzahl erreicht werden müsste.

@Enno: Welchen ESR kann man denn als "Gut" ansehen? Mein Bauteiltester gibt mir ja einen Wert an. Je kleiner, je besser?
Der Kondensator am Motor hat übrigens statt 5µF satte 100% mehr. Den habe ich jetzt getauscht.

[EDIT]
Die Fliehkrafteinstellung habe ich anpassen können. Er dreht jetzt mit passender Geschwindigkeit. Super!
Zum Test habe ich den Widerstand mal überbrückt. Da hat der Dreher dann bei Stellung 33 gute 78 U/min. Smile

Übrignes hat der Klangregler nicht den geringsten Einfluss auf den Klang. Das klingt immer gleich. Kann das am 100kOhm statt 500KOhm-Poti liegen? Ist ja quasi eine Parallellast für das Klangpoti.
Schönen Gruß
Martin

~ Plattenspieler-Schrauber ~
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#7
Je kleiner desto besser beim ESR ist bedingt richtig. Die Spannungfestigkeit des Kondensators ist mit entscheidend. Aber beim Vergleich mit einem neuen Kondensator gleicher Spannungsfestigkeit sieht man es sehr schnell.
Gruß aus Bremen

Enno
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#8
Hallo Martin,

freut mich dass es geklappt hat! Oft kommt man an den Fliehkraftregler nämlich schlicht nicht dran.
Wenn der Klangpoti nichts bewirkt, schau mal ob der in Reihe liegende 0,1µ-Kondensator ok ist.
Der ESR ist, wenn er nicht ganz übel hoch ist, für solche Schaltungen schlicht wurst.

VG Stefan
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#9
Hallo Stefan,

die Bauteile der Klangregelung (sind ja nur Poti und Kondensator) sind beide einwandfrei.
Dass das keine großartige Klangregelung gibt ist mir ja klar, aber dass so überhaupt kein Unterschied zu hören ist, egal ob das Poti  auf Links- oder rechtsanschlag steht, finde ich schon merkwürdig - so schlecht sind meine Ohren nun doch nicht, dass ich das nicht hören müsste.

Ich überlege, ob ich für die Lautstärkeregelung nicht testweise mal ein 500K nach lan einbaue, nur um zu sehen/hören ob das einen deutlich Unterschied macht.

Der Vollständigkeit halber hier noch ein Bild von Fliehkraftschalter:
   
Schönen Gruß
Martin

~ Plattenspieler-Schrauber ~
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#10
Hey Martin,

S-U-P-E-R ! Das nenne ich mal ein aussagekräftiges Foto! Volle Punktzahl!

VG Stefan
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