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Eine Schaltuhr
#1
Schaltuhren wurden benutzt um technische Abläufe zu steuern.
Einfachster Fall: Schaufensterbeleuchtung ein / aus  oder Heizung ein / aus

   

Dazu hatten die Uhren eine Stundenscheibe 24h je eine Umdrehung, darauf Schaltreiter verstellbar angeordnet und daneben ein Schrittschaltwerk mit Schaltkontakten 16 Ampere Nennstrom.
Zentralminute war selten, auch nicht nötig, Minuten aber auf gesonderter Welle auf die Vorderfront herausgeführt.
Es gab Uhren, da war ein Verstellmechanismus vorhanden der nach dem astronomischen Kalender den Schaltbereich um 2 Minuten automatisch vor oder nachstellte. Die wurden eingesetzt um Straßenbeleuchtungen dem Tagesablauf angepasst ein- oder auszuschalten.

Hier eine originale Schaltuhr aus der Fertigungszeit wie die Pendeluhr.

   

Es ist ein gusseiserner Stuhl vorhanden. Mit dem konnte die Uhr an einer Rückwand befestigt werden. Das Uhrwerk wie gehabt: Federspeicherantrieb für 30 Tage, nur Zeitwerk, separate Minutenwelle, zentral angeordnete Stundenwelle. Hemmung nicht über Pendel, sondern auf einem kleinem herausnehmbaren Modul eine Unruh nach dem Prinzip Schweizer Hemmung, Glashütter Hemmung. Die Unruhwelle in Rubin gelagert, die Palletten ebenfalls Rubin. Mechanisch so gestaltet daß die Uhr auch mal einen Buff abbekommen konnte ohne gleich defekt zu sein.

   

Ein Reparaturzeichen habe ich nicht gefunden.
Als Seriennummer steht: 1 Million  402970

   

In der Energiewirtschaft waren zwei Funktionen erforderlich:
- Umschaltung der Stromzähler zwischen Tag- und Nachttarif, wurde durch die Stundenscheibe und das Schrittschaltwerk erledigt.
- Maximumtarif kontinuierlich ermitteln. Dazu gab es auf der Minutenwelle eine Anbaugruppe. Ein Kurzzeitkontakt wurde in Abständen von 15 Minuten für 10 Sekunden geschlossen und in dieser Zeit lief im Stromzähler ein Schleppzeiger mit. Damit wurde der im Abrechnungszeitraum höchste Spitzenwert ermittelt. Nach diesem Wert ergab sich dann der Tarif.
Diese Gruppe fehlt bei meiner Uhr, dafür steckt hier eine Minutenscheibe drauf.
Das Uhrwerk war völlig abgelaufen. Ich habe es aufgezogen und es ist losgelaufen. Jetzt muss ich warten bis die Feder wieder entspannt ist. Der grobe Teil wird wohl von mir gereinigt werden können. Das Modul mit der Hemmung bleibt erst mal außen vor. Da traue ich mich nicht ran. Und ich habe auch nur einen Ölgeber mit Öl für Regulator / Wecker.

Gruß Manfred
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#2
Hallo,

so waren sie die Schaltuhren, unsere I. wurde 1958 eingebaut.

Es gelang uns einen elektrischen Futterdämpfer zu beschaffen.
Dessen Aufnahmeleistung betrug um die 2 kW und wurde des Nachts von 22 Uhr bis 6 Uhr  betrieben.

Schön praktisch waren bei unserer Uhr mehrere Reiter, welche innerhalb des Tarifes verschiedene Schaltzeiten eingestellt werden konnte.

Eine Entlastung für unser Hausnetz durch den Extrazähler auch eine Entlastung des Portemonnaie.

Hersteller war m. W. die Uhrenfabrik Glashütte.


Auch die Gangreserve mit 30 h war beachtlich.

Schönes Teil was dir da in die Hände kam.
Gruß vom Jürgen

Kaum macht man es richtig, schon gehts.

P.S.
für Dateiaustausch bitte an  jermel[at]gmx.net senden.
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#3
Auch ich habe einige Schaltuhren in meiner Sammlung. Viele davon mit sehr hochwertigen Echappments.
Eine Uhr welche eine Stunden und eine Jahresscheibe drauf hat besitze ich ebenfalls. Diese war in einer Heizungsanlage eingebaut welche über den Sommer ausgeschaltet wurde.
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#4
Hallo,

die Gangregelung bei den mir bekannten Glashütter Schaltuhren, war m. W. recht genau.
Wie man sehen kann sind wohl u. a. Rubine für die Lagerung verbaut.
Gruß vom Jürgen

Kaum macht man es richtig, schon gehts.

P.S.
für Dateiaustausch bitte an  jermel[at]gmx.net senden.
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#5
Hallo Phalos, da stimme ich Dir zu. Die Vorväter haben ohne Computer, nur mit Lineal und Dreieck technische Höchstleistungen erbracht. Da ist es wichtig dieses Wissen und auch die Zeitzeugen dazu zu erhalten.
Gruß Manfred
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#6
hallo Jürgen, stimmt: Hier im Osten war die Versorgung mit technischen Gütern in den 50-ger Jahren nicht so berühmt. Und gerade deshalb ist es verwerflich wenn funktionierende Baugruppen auf dem Schrott gelandet sind. Ich werde nachher noch einige Fotos von einer anderen Uhr machen und die Reihe hier fortsetzen.
Sind nicht die Schmuckuhren für das Wohnzimmer, trotzdem einige Worte der Würdigung wert.
Gruß Manfred
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#7
Am Anfang war jede Menge Schmutz!
Leichtes Cleaning ist angesagt.

   

Und darunter steckt das:

   

Mechanische Uhren mit Handaufzug waren ja die Norm. Es störte auch nicht weiter wenn regelmäßig aufgezogen werden musste.
Zu Zeiten des monatlichen Ablesens der Zähler durch Betriebspersonal war Ablesen, Aufziehen und Stellen der Zeit ein personalaufwändiger Arbeitsgang. Man suchte nach Automatisierung. Gefunden wurde die technische Lösung "Elektrischer Aufzug".

   

Es gab verschiedene Lösungsansätze. Gemeinsames Merkmal ist der Federspeicher als Gangreserve.
- Prinzip 1: Am Federhaus ist eine Anlaufscheibe angebracht, welche beim Ablauf der       Feder auf einem Gewindestück in ihrer Lage verändert und gegen einen Kontakt gedrückt wird.  Ein Schwinganker wird angeregt. Der zieht die Feder wieder auf und stellt die Scheibe wieder zurück.
- Prinzip 2: Ein Ferrarismotor läuft ständig an einem Getriebe. Die Drehgeschwindigkeit wird extrem untersetzt. Das letzte Zahnrad sitzt auf der Aufzugswelle eines Federspeichers und die Feder ist ständig voll aufgezogen.
Die Feder treibt dann ein Uhrwerk an wie zu Anfang gezeigt. Unruh-Hemmung Glashütte

   

   

   

Wieder mit separaten Unruhmodul Bauart Glashütte, diesmal mit Feststeller / Transportsicherung

   

   

   


Die Ergänzungselemente sind auf den Bedarf eines Energieversorgers zugeschnitten. Also Tarifumschaltung und 15-Minuten-Wischer
Hier fehlen die Schaltreiter auf der Stundenscheibe.
Es gibt eine separate Minutenscheibe.

Gruß Manfred
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#8
Hallo Ihr Guten  Smile

Ja, Schaltuhren sind schon eine nützliche Sache, finde ich.
Eigentlich gehört mein >>> Ansmann AES1 <<< auch dazu, oder?

Herzliche Grüße, von Peter
~~~~~ DE - MV  /  Connected ~~~~~
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#9
Ja Peter, auch das ist eine Schaltuhr, da kann man noch viele Beispiele anführen.

Ich stelle Euch hier noch eine Uhr aus der jüngeren Zeit vor. Naja, immerhin schon 32 Jahre alt.
Aber nicht mehr viel Mechanik.

   

   

   

Das Schrittschaltwerk ist noch da, ebenso die Schaltreiter auf der Stundenscheibe.
Es gibt keinen Federspeicherantrieb und keine Hemmung.

Statt dessen eine elektronische Leiterplatte und einen Schrittmotor.

   

Und die Gangreserve von 120 Stunden wird durch eine Box mit zwei kleinen Akkus  realisiert.
Die Uhr ließ sich stillsetzen durch Umstecken des Akkus.


   

   

Damit will ich es hier belassen.

Gruß Manfred
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#10
Die Gangreserve von 120 Stunden finde ich sehr beachtlich.
Auch die mechanische Ausführung macht einen sehr stabilen Eindruck.
„Keiner ist perfekt, aber die kölsche sind verdammt nah dran“

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#11
Naja, mit der Gangreserve ist das so eine Sache:
2 Akkus in der Bauart wie heute CR 2032, nur etwas dicker.
Die stecken praktisch als Puffer zwischen Netz und Uhrwerk und werden ständig geladen. Da muss man alle paar Jahre ersetzen, sonst keine Gangreserve. Die hier drin sind jedenfalls platt.

   

Gruß Manfred
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#12
Ist doch gut Manfred.

Mit minimalen Mitteln maximaler Erfolg.
Die Lösung mit den zwei quasi 2032 ist allemal besser als irgendwelche NiHm Akus, die ständig leer sind.
Zumal die zwei Knopfzellen Jahre halten.
„Keiner ist perfekt, aber die kölsche sind verdammt nah dran“

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#13
Hallo,

ich darf doch diese Grafik mopsen.
[Bild: attachment.php?thumbnail=61914]


Genau diese aus dem Baujahr 1984 habe ich zur Speisung des Warmwasserboiler mit Nachtstrom installiert, mit dem obligatorischen Zähler.

Ich hatte mal Glück und die Uhr blieb stehen, verhakt oder wie auch immer, und bis zur Fehlerbehebung lief sie durch.

Es war Winter und der Warmwasserboiler 300 L korrespondierte mit dem Heizkörper im Bad, das brachte morgendliche Wärme im Bad, nicht lange, dann war wieder alles im Lot.
Gruß vom Jürgen

Kaum macht man es richtig, schon gehts.

P.S.
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#14
Hallo Jürgen, diese Uhr gab es in diesem Gehäuse als traditionelles Uhrwerk mit Federwerk, Motoraufzug und Unruhhemmung und später dann die oben beschriebene Elektronik-Variante.
Die waren vorgesehen um Wärmegeräte in Niedrigtarif-Zeiten zu betreiben. Dabei wurden vom Energieversorger nur die Tarifgrenzen blockiert. Sieht man hier auf der Stundenscheibe schön.
Außen/außen die Sperre festgeschraubt und dazwischen verschiebbare Schaltreiter, konnten mit dem Bedienelement im Schauglas in die gewünschte Position geschoben werden.
Gruß Manfred
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#15
Bisher waren die Schaltuhren immer ein separates Bauteil. Und in einem gesonderten Gehäuse untergebracht.
Es geht auch anders.

   

Diese Schaltuhr war fest in einem Schaltkasten eingebaut. Gefertigt 07/85
Zusammen mit zwei Etagen Leiterplatten und allerlei Einstellreglern.
Hat zur Steuerung einer Dampfheizung gehört.

   

Merkmal: Kein Federspeicherwerk, keine Gangreserve, Ferrarismotor als Antrieb, Untersetzungsgetriebe, Stundenscheibe mit Steuerstiften.
Ausprobiert habe ich sie noch nicht.

   

   

Die Genauigkeit ist abhängig von der Netzfrequenz. Ständige Kontrolle ist erforderlich weil schwankende Netzfrequenz oder Kurzzeitunterbrechung das Zeitdiagramm durcheinander bringen.
Die Programmstifte  sind fest in der Stundenscheibe verbaut und werden zum Programmieren gedrückt oder gehoben. Programmschritte sind nur im Abstand der Stifte möglich.
Elektrisch arbeitet ein Mikrotaster als Schaltelement. Die gedrückten Stiftebetätigen über diesen Taster über einen Hebel. Mehr Stifte gedrückt ergibt längere Zeit.
Der Stufenschalter  wird direkt über gleich große Zahnräder von der Stundenwelle angetrieben.

Gruß Manfred
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#16
Hallo Manfred,

diese Schaltuhr ist mir nicht bekannt und zeigt aber wieder, dass in der DDR einiges an Abwechslung gab.


Mir erscheint diese Uhr filigraner mit einem Hauch von Klaperatismus.
Gruß vom Jürgen

Kaum macht man es richtig, schon gehts.

P.S.
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#17
Da muss ich doch glatt mal meine Uhr raussuchen. Eine im Zählergehäuse und nur für 110 Volt. Deshalb war die wahrscheinlich auch noch nie eingebaut worden.
Habe immer soviel Arbeit, das ich mir eine aussuchen kann. Smile

Grüße Frank, der Moschti
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#18
Ich denke auch die Ganggenauigkeit lies zu Wünschen übrig, denn in der DDR betrug die Netzfrequenz selten
konstant 50 Hz.
Gruß vom Jürgen

Kaum macht man es richtig, schon gehts.

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#19
Hallo, die Uhr nach #15 ist eine sehr einfache Variante.
Gehört in die Kategorie "Programmschalter / Walzenschalter"
So etwas wird u.a. in Waschmaschinen verbaut. Da kommt es auch nicht auf sekundengenaues Schalten an.

Da bleibt dann noch die Gruppe der Kurzzeit-Uhren.
Da tauche ich noch mal in die Aufhebe-Kiste. Eventuell ist da was drin.

Gruß Manfred
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#20
Hallo allerseits,

Falls ich eine Schaltuhr hinzufügen darf, meine hier ist eine etwas andere Variante wie die im Beitrag #15.

Auch vorgesehen zum Einbau in Schaltschränke, allerdings mit Türchen vor der Einstellscheibe:
   

Hienten eine Leiterplatte mit elektronischem Quarz(?)Uhrwerk.
Vorgesehen wohl für Netzbetrieb mit Stützbatterien (Knopfzellen):
   

Leider die letzten Jahre lieblos in einer Garage gelagert, aber nach einer groben Reinigung schon wieder recht ansehnlich.
Ich werde mal probieren, die Uhr mit Batterien in Gang zu bringen.
Netzspannung lasse ich lieber erstmal weg...


Viele Grüße,

Axel Smile
Womit fährt der Norweger zur Mittagspause?
...Na mit einem Fjord Siesta!
 Wink
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