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VE301W mit Zubehör
#1
Hallo Freunde,

was macht man an einem Osterwochenende bei schönem Wetter? Richtig, man nimmt einen VE301W und überholt ihn mal schön und erfreut sich danach an den Klängen. Im Einzelnen. Unser Detlef (Karo200) erzählte mir, er habe noch einen alten VE301W zu Hause. Das Gerät hatte er vor Jahren auf unserem jährlichen Peiner Stadtfest mit Flohmarkt von einer alten Frau erstanden. Detlef macht viel mit seinen besonderen Plattenspielern und arbeitet gerne an transistorisierten Geräten. Ich liebe Uralt-Röhrenradios. also bot ich Detlef an, bringe das Gerät vorbei und ich mache das.

Als Detlef einige Tage später bei mir mit dem VE ankam staunte ich nicht schlecht. Da war links ein schwarzer Bakelitkasten am Buchsenpaar des VE.

   

Mensch, Mensch, dachte ich, das Ding wäre genauso teuer wie alleine der VE. Herrlich, endlich mal ein einfaches Radio dachte ich mir. Ostern nun nahm ich es mir mal genauer vor. Über den Sperrkreis berichte ich zum Schluß des Beitrages.

   

Als ich mir den VE von innen ansah, war ich begeistert. Alle 3 original-Bestückungsröhren waren noch im Gerät. Vermurkst war auch nichts.

   

Tja und der Drehko wurde natürlich nicht mehr angetrieben. Alle drei Röhren sollten geprüft werden. Die RGN354 war so taub, ich mußte wirklich schauen, ob die Heizung noch intakt war. Ja, sie war es. Leider war auch die RES164 im unteren "Unbrauchbar-Bereich". Die REN904 war "noch brauchbar".

Ein Blick unter das Chassis - naja, der Sammelblock hatte es hinter sich. Da bröckelte es schon heraus.

   

Also nahm ich mir den als Ersten vor. Nun weiß jeder, der mal einen VE gerichtet hat, dass der Sammelblock mit seinen Befestigungslaschen unter dem Spulenturm und unter dem Netztrafo sitzt. Da heißt es Komponenten entfernen. Dann läuft man noch Gefahr, dass beim Aufbiegen irgendwelche Haltezungen brechen.

Ich kam auf einen verwegenen Gedanken: Ich nahm von vorne die Pertinaxleiste ab. Bog sie mit den angeschlossenen Teilen nach hinten. Trennte vorher mit einem scharfen Messer die einzelnen Anschlüsse der Kondensatorwickel ab. Die Vergußmasse im Kondensator besteht aus sehr wenig Teer. Dafür aus solch bernsteinfarbener Masse, die hier nur noch fein wie Sand war. Ich griff mir den dicksten Wickel, zog ihn aus dem Sammler-Gehäuse. alle anderen folgten. Zeitung hätte ich mal unter die Sauerei legen sollen. Aber zu spät.

   

Nun wurde der Sammelblock mit einer feinen Staubsaugerdüse gereinigt.

   

Ich nahm wieder meinen kleinen 1mm-Handbohrer und bohrte kleine Löcher an den entsprechenden Lötösen. Hier zog ich die Drähtchen der neuen Kondensatoren durch und verlötete sie von außen mit den Lötstützpunkten. Achtung in dem Sammelblock befinden sich   k e i n e   Elko's. Zum Ersatz habe ich aber welche verwendet. Und zwar mit etwas höherer Kapazität. So konnte ich das Netzbrummen minimieren.

Die Pertinaxleiste kam wieder auf das vorher gerichtete Blechgehäuse. Ich hatte mir viel Arbeit gespart.

   

Der erste Kondensatorwickel im Sammler hat eine Prüfspannung von 450 Volt. Alleine mit Gleichrichter, ohne Röhren wird diese Spannung tatsächlich schnell erreicht. Ich habe als Verstärkung für die taube RGN 354 eine Diode darunter gelötet in Reihe mit einem 2,2 kiloohm-Widerstand.

Wenn man die schwache RES164 und die REN904 ins Chassis steckte, konnte man immerhin schon Radio hören. Leider recht leise und verzerrt. Also ein RES164-Ersatz muß her. Ich wollte nun mal eine ATP4-Röhre verbauen. Leider ist ja hier die Heizspannung geringer und Widerstände dafür - hatte ich seinerzeit vergessen zu bestellen. Also wurde eine neue PL95 genommen. Die Kathode der Röhre wurde in einem anzufertigenden Adapter über je 2 100 Ohm Widerstände mit den Heizfäden der Röhre verbunden. Anschließend kam die Röhre ins Prüfgerät. Schön, keine Kurzschlüsse. Ab ins Radio. Jetzt läuft das Gerät natürlich sehr lautstark. Tagsüber ntürlich nur über Modulator. Nachts kommen doch einige Sender lautstark herein.

   

Nun nahm ich die verzogene Zelluloid-Skala vom Drehko. Der Drehko muss immer gründlich gereinigt werden, insbesondere die Rotorlager. Hinterher werden die schön mit Ballistol geölt. Der Rotor muss fast von selber wieder in die Ausgansstellung zurück fallen. Nun wird die Zelluloid-Skala plan auf eine Holzplatte gelegt und mit dem Heißluftfön erwärmt. Man drückt sie jetzt schön plan. Aber es half nicht, sie griff nicht in die beiden Blechscheiben.

Diese Skalen kosten heute schon reichlich Geld. Also wurde ein Kantholz genommen und vor dem Dreko zweimal mit dem Hammer vorsichtig auf das Holz geschlagen. Perfekt, die Skala nimmt wieder mit. Auffallen tut die Maßnahme nun wirklich nicht.  

Der nächtliche Probebetrieb war sehr interessant. Man wundert sich doch, wie gut diese Geräte die noch vorhandenen Europa-Sender empfangen. Man bedenke, die einzige HF-Röhre ist die REN 904. Das ist eine Triode! Ja das war als die Überholung des VE301W. Abschließend entfernte ich noch die häßliche Gummilitze vom Radio und spendierte ihm etwas Stoffkabel und einen schwarzen Schuko-Stecker. Hier das Radio mit angestecktem Sperrkreis.

   

Es folgt dann eine Funktionserklärung und Bilder vom Inneren des Sperrkreises.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#2
Servus,
Sehr schön, aber hast du die neue 47 mal ins Radio gesteckt, um zu hören, ob das jetzt tadellos funktioniert?
Mit herzlichen Grüssen aus Trient
Volker

Wer mehr über meine Basteleien wissen möchte, kann meine Web Seite besuchen.


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#3
Sehr schön Andreas,
hast du ja wieder gut hinbekommen. Hab allerdings auch nichts anderes von dir erwartet. Smiley58
Gruß Detlef

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#4
Hallo Detlef und Volker, danke für Euer Lob!

Volker, die 47 benötige ich doch für mein Franzosenradio. Das ist doch Goldstaub. Das mache ich aber auch heute oder morgen und berichte.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#5
Hallo Andreas,
wie immer, Arbeit sauber ausgeführt und ein spannender Bericht dazu.
Mit dem Kondensatorblock hast Du aber Glück gehabt, dass sich das "Gerümpel" so leicht entfernen ließ,
oft sitzen die Wickel so extrem fest in der Büchse, dass da nur noch erwärmen hilft...

Viele Grüße,
Rolf
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#6
Servus,
Bravo Andreas!
Na Goldstaub ist die Röhre 47 nicht gerade, ich habe wieder welche bekommen zusammen mit anderen ollen Ami Kamellen aus immer noch (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!) Restbeständen aus Camp Darby. Weiss der Himmel, aus welchen Ecken die die dort zusammenfegen auf der Basis.
Ansonsten Glückwunsch zu der Goebbels Quäke, sehr gut gelungen!
Mit herzlichen Grüssen aus Trient
Volker

Wer mehr über meine Basteleien wissen möchte, kann meine Web Seite besuchen.


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#7
meinen letzten VE hab ich ähnlich überarbeitet. Rechts und links zwei Schnitte mit der Millimeterscheibe und dann die ganze Seitenfläche (die mit dem Aufdruck) hochgebogen. Ich muss gestehen ich hab den Deckel am Ende nur beigedrückt. Er steht immer noch ein Stück offen. Es stört aber niemanden.
Gruß,
Jupp
-----------------------------
wenn man nur den Hammer kennt, sieht jedes Problem aus wie ein Nagel
--------
Zensur findet im Endgerät statt (CCC)
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#8
Jupp,

ich muss es ja zugeben. Du hattest mich seinerzeit animiert, so etwas ähnliches mal auszuprobieren. Nur bei mir ging es einfacher, weil ich das alte Zeug von vorne entfernen konnte. Aber der Rolf hat schon Recht, ich habe da manchmal ganz andere Sachen.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#9
Hallo Freunde,

ja, wir wären keine Bastler, wenn wir nicht neugierig wären und so habe ich für uns alle mal den Sperrkreis geöffnet. An sich trifft es die Bezeichnung Sperrkreis noch nicht richtig. Seinerzeit nannte man das Gerätchen Antennenschalter mit Sperrkreis.

Für die, die den VE 301W nicht so kennen. Dieser Volksempfänger ist einer der ersten Volksempfänger-Serie. D. h. er besitzt seitlich mehrere Antennenbuchsen und zwar für Mittelwelle und Langwelle. Ich schrieb hier Mittelwelle. Wer genau schaut: Auf dem Umschaltknopf vorne am VE steht K und L. K (Kurzwelle) bedeutet hier noch Mittelwelle. Ds nur mal am Rande. Wenn man nun ins Innere des Gerätes schaut findet man den Spulenturm. Er hat viele Anzapfungen. So war es möglich, sehr lange und auch recht kurze Antennen anzupassen.

Das war natürlich schon damals eine sehr lästige Maßnahme. So kam halt dieses Zubehör auf. Wenn man sich weiter oben ein Bild dieses Zubehör-Gerätes ansieht, dann erkennt man, dass es für jede Buchse im VE einen Stecker gibt. Wie man auf diesem Bild hier sieht, gehen von jedem Stecker kräftige Kontaktfedern aus. Die lagern auf einem isolierten Metallstab. Sie haben also keinerlei leitende Verbindung. Nun befindet sich davor eine Art Nockenwelle. Wird die von außen betätigt, werden immer andere Kontakte berührt. Diese Nockenwelle hat leitende Verbindung mit der Außenantenne. Man kann sich also vorstellen, was die Antennenanpassung für eine Erleichterung war.

Weiter besaß das Gerätchen eine HF-Spule und einen Drehko. Dies stellte den Sperrkreis dar. Die Funktion ist auch heute noch gegeben. Ich hatte meinen Modulator in Betrieb genommen. Der konnte sehr wirksam "ausgesperrt" werden. Ein - wie ich meine - sehr nützliches VE-Zubehör.  

Hier seht Ihr schön den Antennenschalter:

   

Dann seht Ihr hier den Sperrkreis

   
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#10
im Nachbarforum hatten wir vor Jahren mal über die K und L Bezeichnung gesprochen:

Frage zu VE 301W
Gruß,
Jupp
-----------------------------
wenn man nur den Hammer kennt, sieht jedes Problem aus wie ein Nagel
--------
Zensur findet im Endgerät statt (CCC)
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#11
Danke Jupp,

ich wußte, das das in irgendeinem Forum schon mal Thema war. Wußte aber nicht mehr wo.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#12
Andreas,

Du bist ein echter Künstler um nicht zu sagen, ein Zauberkünstler.

Deine unendliche Geduld und grenzenlose Liebe zum Detail möchte ich auch haben, also gib mir bitte etwas davon ab.

Viele Grüße

Peter
„Keiner ist perfekt, aber die kölsche sind verdammt nah dran“

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#13
Oh, Peter, danke für das Lob! Ach das kannst Du doch auch.

Übrigens hatte mir der Dietmar (DiRu) gerade mal einen Link auf das Radiomuseum.org geschickt. Hier könnt Ihr den Sperrkreis noch mal sehen.

https://www.radiomuseum.org/r/kaco_sperr...301_s.html
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#14
...es gab sogar so was:
https://www.radiomuseum.org/r/kaco_krach...ve301.html
Gruß!
Ivan
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#15
"...es gab sogar so was:"

Der "Krachschlucker" ist nichts anderes als schaltbare Kondensatoren parallel zur RES164 zwischen Anode und Masse.

"Gleichzeitig wird der Klang des Lautsprechers nachgedunkelt und dadurch reicher und wärmer."

Der geeignete Werbespruch macht den Unterschied! Hauptsache, man glaubt daran.

MfG DR
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#16
Hallo Andreas  Smile

Auch wenn ich nicht unbedingt ein Freund von Volksempfängern bin, hat mir Dein Bericht trotzdem sehr gut gefallen.
Toll, wie Du das Radio wieder ingang bringen konntest => Respekt  Thumbs_up  Thumbs_up

Erstaunlich finde ich, daß man damit sogar noch gut Sender empfangen kann, sehr schön  Cool


Viel Spaß damit & herzliche Grüße, von Peter
~~~~~ DE - MV  /  Connected ~~~~~
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#17
Hallo,
heute war ich bei Andreas und habe meinen VE abgeholt.
Endlich spielt er wieder. Smiley20
Ich hatte ihn 1973 in Peine auf dem Flohmarkt für 5 DM gekauft
und nie etwas am Gerät gemacht. In dem Betrieb in dem ich meine
Ausbildung gemacht habe, hatten wir keine so alten Röhren.
So stand das Gerät für Jahrzehnte im Heizungskeller meiner Eltern.
   
Ein wenig Arbeit hat mir Andreas noch übergelassen.
Den Sprung werde ich mit Sekundenkleber kleben.
   
Die Lautsprecherkabel werden gewechselt,
   
und den Lautsprecherstoff wird neu gespannt und geklebt.
   
   
Die Kabel sind jetzt erneuert,
   
der Stoff gespannt und das Gehäuse geklebt.
Nun braucht er nur noch aufpoliert werden.
   
Andreas nochmals vielen Dank für deine großartige Hilfe!

Viele Grüße aus Peine

Detlef
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#18
Hallo Detlef,

ich freue mich, dass Dir das Gerät jetzt auch etwas - wenn auch bescheidenen - Radioempfang ins Haus bringt. Schön finde ich auch, dass das Gerät nach so vielen Jahren endlich in Deiner Sammlung angekommen ist. Ehrlich gesagt, von dem Bakelitriss war ich irgendwie abgekommen. Ich hatte da auch schon angefangen. Aber nun hast Du das ja erledigt. Auch gut, dass Du dem Lautsprecher noch ein neues Kabel verpaßt hast.

Ich muss es sagen: Dieses Gerät hatte mir mal wieder richtig Spaß gemacht. Da konnte ich über Ostern mal an etwas Einfachem basteln. Also, Detlef, gerne geschehen. Viel Spaß damit.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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