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Telefunken 1000
Hallo Robert,

nein, nein, ich hätte damit gar nicht erst angefangen. Vor der Technik fürchte ich mich nicht. Aber die Mechanik. Da passe ich grundsätzlich. Da fallen mir schon die kleinsten Arbeiten schwer.

Klar, der Harald hat es gut,  da er auf seine Institutswerkstatt zurück greifen kann.

Und eins muss man sagen im Zusammenspiel mit Harald leisten die tolle Arbeit.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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Ein richtiges Harald-Radio - einfach könnte schließlich jeder. Und hier ist von jeder Art Herausforderung mindestens eine dabei. Zusätzlich noch 3 andere, von denen man bisher nichts ahnte Wink
Toller Bericht Harald, freue mich schon auf die Fortsetzung.
Gruß,
Uli
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Ja lieber Harald, du kannst nicht nur deLonghi, das weiß ich ja schon länger. Wenn man das geistige und technische Know-how und eine gute Werkstatt im Hintergrund hat und den Willen das umzusetzen ist vieles möglich. Das zeigst du uns immer wieder, vielen Dank
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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Rechtzeitig vor Weihnachten ist nun auch die Spulenplatte fertig geworden. Als Spulen habe ich die LW und MW Antennenspulen des VE301 eingesetzt. Diese haben zwar etwas weniger induktivität als die VE-Kreisspulen, aber ich benötige ja die Anzapfungen.

Nun glaubt man es ja nicht, aber der RM.org Kollege Zylka hat auch noch einen Drehkondensator ausgebuddelt. Es handelt sich um genau den gleichen Bautyp wie der originale ARCOFAR Abstimmkondensator mit 360° Drehwinel und Schleifkontakt - mit der einzigen Ausnahme, dass es sich beim Original um einen Differenzialdrehko handelte, bei dem vom Kollegen Zylka um einen einfachen. Die Skala läuft also bei LW verkehrt herum (wie ja auch beim DKE) Die maximale Kapazität liegt bei 720 pF - so wie es sein soll.

Nachdem ich gestern alles verdrahtet habe, erfolgte abends der erste Empfangstest auf LW. Mit meiner 20m Langdrahtantenne lief das Radio prächtig. Zwar reicht der Abstimmbereich unten nicht ganz bis auf 150kHz, dafür aber aufgrund der etwas niedrigeren Induktivität der Spulen und der großen Kapazitätsvariation des Abstimmdrehkos bis zum ungarischen Sender "MR Kossuth Radio" auf 540 kHz. Sehr laut waren auf LW zu hören "Radio Europe 1" auf 184 kHz (kein Wunder, der sitzt gleich nebenan), aber auch "Polskie Radio Jedynka" auf 225 kHz und einige andere die ich noch nicht identifiziert habe.

Hier ein paar Bilder vom fertigen Aufbau:

               

Wie man sich beim Betrachten der Bilder ausmalen kann, war das eine Menge Laubsägearbeit. Der ganze Keller roch nach Phenolharzpulver. Aber da musste man durch.
Fünf der Kontaktlaschen des Wellenbereichschalters habe ich von dem überschüssigen Betriebsartenschalter übernommen, die 6. wurde aus Federbronzeblech ausgeschnitten. Die Kontaktlaschen wurden nicht auf die Trägerplatte aufgenietet, sondern mit M2-Schrauben fixiert. Genietet wurden nur die 2 Brücken zur Hauptplatine und die Lötöse für den vom RK-Drehko kommenden Draht. Ich bin nicht so der große Freund von Nietungen - vor allem nicht wenn es sich um Pertinax handelt und die Löcher dicht an der Außenkante sitzen. Da bricht das Pertinax leicht aus und man fängt wieder von vorne an.

Was nun noch fehlt ist der Wellenbereichs-Kurzschliesser, der bei Umschalten von LW auf MW die entsprechenden Spulenteile umschaltet. Das kommt dann aber erst nach Weihnachten.
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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Hallo Harald,

ich bin wirklich begeistert. Das ist doch kaum zu glauben. Das Empfangsteil sieht sowas von perfekt aus. Alle Achtung. Also eines ist schon klar, das wird ein tolles Radio. Als hätte es diese Verstümmelungen nie gegeben.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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Mit diesen Fotos der Wiederherstellung des Empfangsteils ist klar, der Telefunken ist unter deinen Händen zu einem Vorzeigeprojekt geworden.
Ganz goße Klasse, wie das wieder geworden ist.
Radiogrüße Detlef

Wer nicht mit dem zufrieden ist was er hat, wäre auch nicht zufrieden mit dem was er hätte, wenn er es haben würde.
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Ja da kann man nur den Hut ziehen. Mit viel Geduld und großem Elan hast du es mal wieder geschafft.
Sehr schöne Arbeit. der Empfang muss ja damit auch entsprechend gut sein.
Habe immer soviel Arbeit, das ich mir eine aussuchen kann. Smile

Grüße Frank, der Moschti
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Da hat der Meister wieder in sehr präzieser Art zugeschlagen. Schade nur das da ein Gehäuse drum kommt, da sieht man die ganze Arbeit nicht mehr. Aber zur Belohnung kann man sie später hören.
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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einfach genial
Gruß Franz
eh isch misch uffreg isch mirs lieber egal
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...man Harald, das hast Du ja wieder toll hinbekommen,
da kann man nur neidisch werden...
Gruß,
Rolf
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Danke, Harald,
Deine Präzision und Entschlossenheit nicht nur begeistern, sondern motivieren auch!
Gruß!
Ivan
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Nun ist schon wieder mehr als ein Monat vergangen, seitdem ich über die letzten Fortschritte des ARCOFAR Projektes berichtet habe. Aber es fehlte ein Drehteil... und der Dreher war lange im Urlaub.

Seitdem ich dieses Teil habe, ging es mit großen Schritten voran.

Die Rede ist von folgendem: Skalenrad und Abstimmknopf des ARCOFAR sind sehr schwer und stellen für die Drehkoachse eine große Belastung dar. Nun hat die Drehkoachse einen Durchmesser von 6mm, das Loch im Spritzgussrahmen aber 8mm.

       

Schiebt man das Skalenrad auf die Drehkoachse biegt sich diese deutlich nach unten. Aus diesem Grund hatte man im Original den Spritzgussrahmen mit einem Reduzierstück 8mm -> 6mm ausgebuchst - wie hier auf dem Bild des ARCOFAR vom Kollegen Zylka zu sehen.

   

Ich habe mir also so ein Reduzierstück drehen lassen - und bei der Gelegenheit hat der Dreher mir auch noch das für die Fixierung des Abstimmknopfes notwendige M3 Loch in die Drehkoachse gebohrt. Das Reduzierstück wurde nicht in den Spritzgussrahmen eingedrückt - man riskiert, dass dieser platzt - sondern auf gleitenden Sitz gearbeitet und mit Epoxidharz eingeklebt.

       

Nun wird die 6mm Achse des Abstimmdrehkos schön entlastet und die Endmontage konnte beginnen.

   

Auf dem folgenden Bild sieht man noch die dem Original nachempfundene, etwas kompliziert geformte Massekontaktspange des Abstimmdrehkos aus Bronzedraht:

   

Bis hierhin ging es ja noch, aber jetzt wurde es kniffelig. Und zwar dewegen, weil die Stellung des Skalenrades korrekt mit der Stellung des Drehkos korreliert sein muss:
Steht die Skala auf "100", also beim Übergang von den weißen zu den roten Zahlen, wird der Wellenbereichsschalter durch den am Skalenrad befestigten Nocken von MW auf LW (bzw. umgekehrt) umgeworfen. In dieser Position muss der Drehko-Rotor voll in das eine Statorpaket eingetaucht sein. Dreht man das Skalenrad weiter im Uhrzeigersinn - also in Richtung roter Zahlen - so fährt der Rotor aus dem einen Statorpaket des Differentialdrehkos heraus und in das andere hinein. Bei Skalenteil "100" hatte der Wellenbereichsschalter nicht nur die Spuleanzapfungen umgeschaltet sondern auch den Kreishochpunkt vom 1. Stator auf den 2. Stator umgeschaltet. Wie schon früher erwähnt, liegt der Sinn dieser Umschaltung der 2 identischen Statorpakete darin, dass man gleichen Abstimmsinn erreichen wollte -> Rechtsdrehung des Abstimmknopfes führt immer zu einer Erhöhung der Empfangsfrequenz - sowohl bei MW als auch bei LW.

In meinem Fall liegen die Dinge zwar etwas anders, aber die Synchronisierung muss trotzdem korrekt sein. Da ich keinen Differential- sondern nur einen Einfachdrehko besitze, muss die Synchrinsation so erfolgen, dass bei Skalenteil "100" ebenfalls der Rotor voll in den Stator eingetaucht ist. Dreht man weiter im Uhrzeigersinn, so fährt der Rotor aus dem Stator heraus (und nicht in einen zweiten Stator hinein). Die Abstimmung läuft also auf LW und MW gegensinnig.

Wie aber wird die feste Synchronisation zwischen Skalenrad und Drehko erreicht?

Die Hohlachse des Skalenrads und die Drehkoachse sind durchbohrt und durch ein 2mm Splint, der beidseitig einige Millimeter aus der Hohlachse heraustritt, gegen Verdrehen gesichert. Auskerbungen in der Hohlachse des Abstimmknopfes greifen um diesen Splint. Das ist der eigentlich Skalenantrieb. Die M3 Schraube des Abstimmknopfes die man in späteren Bildern sieht, dient nur der Sicherung.Der Abstimmknopf sieht so aus:


       

Während man die Hohlachse des Skalenrads bei irgendeinem Drehwinkel durchbohren kann, muss das Splintloch durch die Drehkoachse also bei genau dem richtigen Drehwinkel liegen. Wenn das nicht stimmt, springt der Wellenbereichsschalter bei einem Drehwinkel des Skalenrades um, bei dem der Drehko nicht in seiner Position maximaler Kapazität steht. Na gut. bekommt man schon hin, aber es ist eine fummelige Angelegenheit. Die Splintbohrung in der Drehkoachse:

   

Jetzt konnte also das Skalenrad auf die Drehkoachse geschoben und mit Splint gesichert werden.

   

Nun wurden die beiden Frontblenden montiert: die Holzblende und der im linken Teil mit Lausprecherstoff bespannte Bakelit-Zierrahmen. Durch das Loch unterhalb des Skalenfensters sieht man die 9mm Achse des Skalenrads mit dem besagten Splint.

   

Knöpfe montiert und schon ist das Werk vollendet:

       

Nein, es ist natürlich noch nicht fertig.
 
- Die 3 von einem der Vorbesitzer durch die Frontplatte gebohrten Löcher müssen noch verschlossen werden. Da hat sich der Andreas_P anerboten. Wenn ich das machen würde, gäb's wahrscheinlich ein Unglück!

- Der Deckel ist teilweise entleimt und es fehlen Furnierstücke - das bekomme ich vielleicht selbst hin.

- Da ich die entsprechende Schaltbrücke am Wellenschalter noch nicht angefertigt habe, spielt das Gerät bisher nur auf LW. Davor drücke ich mich noch, da das eine diffizile Arbeit wird.

- Der Plattenspielerantrieb hat nach wie vor zu wenig Traktion, sodaß bei Auflegen des Tonarms die Drehgeschwindikeit des Plattentellers nachlässt. Das kommt später!
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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Vor diesem Restaurationsprojekt, und es ist fraglos ein Riesenprojekt, kann man nur staunend und in Ehrfurcht den Hut ziehen. An so etwas wäre ich nie heran gegangen, davor hätte vermutlich aber auch so mancher professionelle Museumsrestaurator kapituliert. Man kann beim Lesen dieses spannenden Berichtes wirklich nur erahnen, wieviel Mühe, Schweiß und vieleicht auch so manche Träne in diesem Projekt drinsteckt. Mein allergrößter Respekt und meine Hochachtung für diese Herkulesaufgabe.
[Bild: smiley47.gif][Bild: thumbs_up.png]
Schade eigentlich nur, daß das Radio bald fertig ist und wir auf den Fortgang dieser so spannenden Restauration dann verzichten müssen.
Grüße aus BL

Peter

Röhrenradios: das Gute daran ist das Gute darin
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Hallo Harald,

wir hatten ja schon telefonisch über die weiteren Fortschritte an dem Radio gesprochen. Also, ich bin begeistert, was aus dem verbastelten Radio wieder geworden ist. Sehr schön! Ja, aber man sieht auch, als normal Sterblicher wäre man hier schnell an seine Grenzen gekommen. Da hast Du aber auch alles mit ins spiel gebracht. Beziehungen, der Herr Z. vom radiomuseum.org. Die mechanische Werkstatt. Natürlich und nicht zuletzt Dein Können. Ich stelle fest, das Radio ist gerettet.

Die Frontblende schickst Du mir, wie vereinbart, wenn es etwas wärmer ist. Ich habe mir da auch schon einige Gedanken gemacht. Ich werde mir vielleicht eine von der dicke her passende Sperrholzplatte besorgen, die neu furnieren und die Löcher dort neu bohren. Es wird wahrscheinlich besser sein, als die überflüssigen Löcher zu verstopfen.

Den Holzdeckel schraubst Du am Besten ab und schickst ihn mit zu mir. Ich habe mir auch mit dem Bakelitrahmen meine Gedanken gemacht. Für die Allgemeinheit: Der Bakelitrahmen hat da so eine Art Bogen von der nachträglichen Bohrung. Nun soll der Originalstoff möglichst am Rahmen bleiben, sonst wäre ein Ausgießen völlig problemlos. Wenn man nun von vorne und von hinten Kunststoffolie verwendet und diese von vorne und hinten mit Klebeband sorgfältig abdichtet.... Dann sollte doch eine Reparatur möglich sein. Es wäre nur der Supergau, wenn man den Lautsprecherstoff versaut. Also, wir schauen da mal.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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Hut ab vor den damaligen Konstrukteuren und dem heutigen Restaurator!

Herzliche Grüße
Robert
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Mit diesem Restaurationsbericht werden neue Maßstäbe gesetzt. Diese meisterliche Leistung muß erst mal getoppt werden. Nirgends habe ich so detaillierte Reparaturberichte gelesen, wie hier im Forum. Das spornt an und man gibt sich bei den eigenen Projekten sehr viel Mühe.
Sehr mühselig sind ja solche Radios, sie haben es verdient, so aufwendig und sorgfältig wieder hergerichtet zu werden.
Hier kann man wirklich von einer Restaurierung sprechen. Noch wesentlich aufwendiger ist es aber, das ganze in Wort und Bild dem Leser zu vermitteln und ihn sozusagen mit an die Werkbank zu holen.

Klasse gemacht Harald Smiley32
Radiogrüße Detlef

Wer nicht mit dem zufrieden ist was er hat, wäre auch nicht zufrieden mit dem was er hätte, wenn er es haben würde.
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Vielen Dank liebe Freunde für die anerkennenden Worte, aber ich muss schon zugeben, dass ich ohne die Hilfe der mechanischen Werkstatt meines ehemalgen Institutes nie zum Ziel gelangt wäre. Bei manchen Arbeiten waren Feinmechaniker gefragt. Selbst wenn ich eine Drehbank besessen hätte, wäre das Ergebnis nicht so schön ausgefallen.

Desweiteren muss man sagen, dass ich ohne die Hilfe des RMorg Kollegen Zylka nie herausgefunden hätte, wie die Wellenbereichsumschaltung funktioniert. Ich fuhr zu ihm - von Karlsruhe nach Lahr ist es nicht weit - und er hat doch tatsächlich die Frontblenden von seinem Gerät abgeschraubt, damit ich hineinschauen und Photos machen konnte. Das nenne ich Team-Geist!

Zuvor hatte ich einen anderen ARCOFAR - Besitzer angerufen und um Hilfe gebeten. Die Antwort war kurz und bündig: "Kaufen Sie doch einfach mein Gerät, dann sehen Sie ja wie es innen aussieht. Den Preis ersehen Sie ja aus der RMorg Übersicht der Sammlerpreise".
Ja, solche Kollegen gibt's auch.

Ich hatte übrigens noch ein Detail vergessen, das an meinem Gerät bisher fehlt: Die Schleppzeiger. Aber die sind schnell aus Bronzeblech ausgeschnitten - kein Vergleich mit den anderen Arbeiten.
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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Seit meinem letzten Bericht im Februar dieses Jahres hat es große Fortschritte bei der Restauration meines ARCOFAR 1000 gegeben, über die ich heute berichten möchte.

Zunächst einmal waren der Deckel und die Frontblende des Gerätes bei Andreas_P, und der hat natürlich wieder ein Meisterwerk an Holzbearbeitung abgeliefert! Beim Sammlertreffen in Nauen habe ich die Teile zurückbekommen. Aber das ist nicht die einzige positive Neuigkeit!


Kurz vor dem Sammlertreffen war ich nämlich bei einem anderen Sammler, dem RMorg Mitglied Christoph Steinecke in Berlin-Adlershof, und der hat doch tatsächlich zwei Arcofars in seinem Gerätelager zu stehen; beide in recht desolatem Zustand, aber einer noch mit originalem HF-Teil. Nun waren es ja gerade die Spulen und die Umschaltung derselben, die mir immer noch Rätsel aufgaben, da ich beim Kollegen Zylka zwar Bilder machen durfte, aber eben keine Messungen. So habe ich dann in der Garage des Sammlerkollegen Steinecke einige Bilder geschossen - aber irgendwie war ich danach eher verwirrter als vorher. Nachdem ich dann den Besitzer lange genug traurig angeschaut hatte, hat er sich erweichen lassen und mir die Haupteinheit aus dem Gehäuse ausgebaut und gegen eine angemessene Kaution ausgeliehen ... mit der Bitte alles genau zu untersuchen, damit er nachher den HF-Teil seines 2. Gerätes nach meinen Vorgaben restaurieren kann. Eine Sache musste ich ihm allerdings versprechen: Keine Lötverbindungen zu öffnen! Alle Lötpunkte müssen nachher genauso aussehen wie vorher. 

Im Verlauf der letzten Wochen habe ich nun den HF-Teil des guten Stücks bis ins letzte Detail analysiert ... und alles ist klar. Eigentlich auch garnicht so kompliziert - nachher!

Hier zunächst ein Bild von Herrn Steineckes ARCOFAR "Main Unit" von vorn:

   

Spulenaufbau

Auf den 1. Blick sieht sie genauso aus wie die vom Kollegen Zylka - aber nur auf den 1. Blick! Sieht man sich nämlich die Spulen und deren Verdrahtung an, findet man einige Unterschiede:

Der Spulensatz des Gerätes von Wolfram Zylka:

   

Unten im Bild die MW-Spule mit 2 Anzapfungen, oben die LW-Spule ebenfalls mit 2 Anzapfungen, von denen allerdings nur eine verwendet wird. Beide Spulen sind mit HF-Litze gewickelt.

Der Spulensatz des Gerätes von Christoph Steinecke:

       

Verglichen mit Herrn Zylkas Gerät:

(i) sind die MW und LW-Spule in ihren Positionen vertauscht.
 
(ii) sind beide Spulen mit CuL-Draht gewickelt - nicht mit Litze. Die MW-Spule trägt relativ dickem CuL-Draht mit schwarzer Lackisolation , die LW-Spule trägt dünneren seideumsponnenen CuL-Draht. Die Wickelsektionen wurden durch Abbundgarn fixiert - vermutlich weil sich sonst die Spulen aufgewickelt hätten. Auf einem in RMorg von Wolfgang Lill eingestellten Bild (auf der Modellseite 3. Bild von oben rechts) kann man auch so eine mit Abbunden versehene MW-Spule erkennen.  

(iii) sind alle Spulenanschlüsse vertauscht. Geht z.B. bei Zylkas Gerät das äußere Ende der MW-Spule an den Abstimmdrehko, so ist es bei Steineckes Gerät das innere Ende. u.s.w.

Hier noch einmal eine Nahansicht der LW-Spule mit den Abbunden.

   

Obwohl die Lötstellen in Steineckes Gerät sicher nie berührt wurden, und ich bei Zylkas Gerät nicht so sicher bin, will das immer noch nicht heißen, dass sich das eine Gerät noch im Originalzustand befindet und das andere modifiziert wurde. Vielleicht gab es hinsichtlich des HF-Teils zwei Geräteversionen. Auf jeden Fall ist bekannt, dass es 2 Versionen mit unterschiedlich Plattenspieler-Motoren gab; warum also nicht auch zwei HF-Teile mit unterschiedlichen Spulen? Das soll uns aber im Moment nicht weiter interessieren.

Schaltung des HF-Teils

Schaut man sich nun die Verdrahtung der Spulen untereinander und mit dem Wellenschalter an, so sieht man, dass diese unabhängig von all den erwähnten Unterschieden zwischen den Steinecke und Zylka Spulen äquivqalent ist - und so versteht man nun endlich, wie das korrekte Schaltbild aussehen muss.

Blicken wir noch einmal zurück auf den HF-Teil im "Lange-Nowisch".

   

Das ist natürlich totaler Kohl. Wenn man akzeptiert, dass die MW-Spule diejenige ist, an die die Antenne gekoppelt wird, wie soll denn wohl das rückgekoppelte Signal an die Spule kommen.... usw. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, nachzuforschen, von welchem Gerät sich der Zeichner hat inspirieren lassen. 

Viel besser ist hingegen - wie man ja auch erwarten sollte - das originale Telefunken Schaltbild. Nur, dass man die Schalterfunktionen nicht so richtig begreift. Mein IQ reichte dafür jedenfalls nicht aus.

   

Links liegt die MW-Spule mit der Antennenankopplung und dem linken Ende (Anschluss 1) am Abstimmdrehko, rechts die LW-Spule mit dem rechten Ende (Anschluss 1) am Rückkopplungsdrehko. Das rechte Ende der MW-Spule (Anschluss 4) ist mit dem linken Ende (Anschluss 3) der LW-Spule verbunden. Auch korrekt. Aber welche Spulenanschlüsse wann und wie umgeschaltet wurden, blieb mir bis zur Aufnahme der Schaltung von Steineckes Gerät  verborgen.

Nun noch das "ART "- Schaltbild, das bis auf einen kleinen Fehler korrekt ist:

   

Übereinstimmend mit dem Tfk-Schaltbild sind die Anschlüsse 1 von MW und LW-Spule mit dem Abstimm- bzw. dem RK-Drehko verbunden. Ebenso sind die anderen Endanschlüsse 4 und 3 mit einander verbunden. Aber es gibt einen Fehler! Der Umschalter links unten ist falsch gezeichnet. Masse wird nicht wahlweise auf Anschluss 2 der LW-Spule (Stellung "M") oder auf den Fußpunkt der beiden Spulen Anschlüsse 3 und 4 (Stellung "L") gelegt!

Richtig muss es so aussehen:

       

Es ist der Anschluss 2 der LW-Spule der umgeschaltet wird: bei LW-Empfang auf Masse und bei MW-Empfang auf das untere Ende (Anschluss 3) der LW-Spule überbrückt. Der untere Teil der LW-Spule wird also bei MW-Empfang kurzgeschlossen.
Schaut man sich im Licht dieser Erkenntnis noch einmal das Tfk-Schaltbild an, so kann man schon erkennen, wie die Positionen der eingezeichneten Schaltbrücken gemeint waren. Ist aber wirklich ein bisschen schwer zu erkennen - oder?

Funktion

MW-Empfang:
  • Punkt 3 der MW-Spule wird über den rechten Schalter auf Masse gelegt. Der untere Teil der MW-Spule (Sektion 3-4) fungiert als Rückkopplungsspule.
  • Die Sektion 2-3 der LW-Spule wird über den linken Schalter kurzgeschlossen. Wie man sieht, führt das untere Ende der Rückkopplungsspule nun aber nicht direkt über die kurzgeschlossene Sektion 2-3 der LW-Spule an den RK-Drehko, sondern über die als Drosselspule wirkende Sektion 1-2 der LW-Spule.  Nun muss man bedenken, dass der durch diese Drossel fließende Rückkopplungsstrom in der kurzgeschlossenen Sektion 2-3 der LW-Spule einen Kreisstrom induziert, der die Induktivität der Drossel aufgrund der engen magnetischen Kopplung stark absenkt. Die Induktivität dieser Drossel wurde mit LARU gemessen und ergab folgende Werte: 82µH wenn die untere Sektion 2-3 der LW-Spule offen ist, aber nur 40µH wenn die Sektion 2-3 kurzgeschlossen ist. Schaut man sich den induktiven Widerstand RL= 2*pi*f*L der Drossel bei den Mittelwellen-Eckfrequnzen an, so erhält man  RL=125 Ohm bei 500kHz und RL=375 Ohm bei 1500kHz. Dies musste bei der Dimensionierung der Rückkopplung natürlich berücksichtigt werden.  
  • Die für die Abstimmung auf MW relevante Kreisinduktivität liegt bei 116µH (Sektion 1-3 MW-Spule) - die volle MW-Spule hatte wie oben erwähnt L= 230µH.
  • Der bei Steinecke eingebaute Differential-Abstimmdrehko hat eine C-Variation ca. 25pF - 1 nF. Daraus folgt rechnerisch ein durchstimmbarer Frequenzbereich von 467 - 2955 kHz. Mit dem Exciter misst man dagegen einen geringeren Bereich von nur: 460 - 1890 kHz. Daraus kann man schließen, dass bei MW die Schaltungskapazität (Spuleneigenkapazität + Verdrahtungskapazität) bei etwa 36pF liegt. Von der Cgk der REN904 habe ich jetzt mal abgesehen.
   

LW-Empfang:
  •  Punkt 2 der LW-Spule wird über den linken Schalter auf Masse gelegt. Der obere Teil der LW-Spule (Sektion 1-2) fungiert als Rückkopplungsspule.
  • Die Sektion 2-3 der LW-Spule hängt in Reihe zur MW-Spule, deren oberes Ende (Punkt 1) am Abstimmdrehko liegt. Nun muss man bedenken, dass die LW- und MW-Spule senkrecht zu einander angeordnet sind. Dies führt dazu dass die magnetische Kopplung zwischen  den beiden Spulen sehr gering ist. Die Korrektheit dieser Annahme kann man leicht überprüft werden, indem man den Induktivitätswert einer Spule einmal bei offener und einmal bei kurzgeschlossener Nachbarspule misst. Im vorliegenden Fall war mit LARU nur ein minimaler Unterschied zu erkennen.
  • Im Fall nicht koppelnder Spulen darf man deren Induktivitswerte einfach addieren. So ergibt sich rechnerich ein für die LW-Abstimmung relevante Kreisinduktivität von 1,05mH (2-3 LW-Spule) + 230µH (volle MW-Spule) = 1,28 mH. Gemessen wurde L=1,23mH.
  • Mit einer C-Variation von 25pF - 1 nF (wie oben) würde sich rechnerisch ein durchstimmbarer Frequenzbereich von 144 - 908kHz ergeben. Mit dem Exciter misst man dagegen einen geringeren Bereich von nur: 141 - 589 kHz. Daraus kann man schließen, dass die Schaltungskapazität bei etwa 34pF liegt.
   

Die Verwendung von VE301 - Spulen

Nun stand ich bei der Rekonstruktion meines Arcofar vor dem Dilemma, dass mir die Originalspulen fehlten. Wie ja bereits berichtet, hatten mir Andreas_P und DiRu VE-Spulen geschickt und ich hatte damit angefangen zu experimentieren. Glücklicherweise waren auch LW- und MW-Antennenspulen dabei, denn man benögte ja die Anzapfungen (die Kreisspulen des VE sind ja nicht angezapft)
Der LW-Empfang funktionierte auch schon ganz ordentlich, aber da ich ja im Februar 2017 weder die korrekten Induktivitätswerte der Originalspulen noch die Umschaltung der Spulenanschlüsse kannte, stockten hier die Aktivitäten.

Jetzt, nachdem ich Herrn Steineckes Gerät unter die Lupe genommen hatte, konnte ich zum ersten Mal systematisch an die Sache herangehen und die Induktivitätswerte der VE-Spulen mit den Originalen vergleichen.

Daten der VE-MW-Antennenspule

Für die Messungen standen mir 2 Spulen zur Verfügung - eine mit weißer Litze und eine mit grüner Litze gewickelte - ansonsten sahen sie identisch aus.

   

Im Gegensatz zur Originalspule mit 2 Abgriffen hat die VE-Antennenspule für den MW-Bereich 3 Abgriffe. Die folgende Tabelle zeigt die L-Werte der VE-MW-Antennenspule, und zwar in 3 Messvarianten: (i) L zwischen benachbarten Anschlüssen, (ii) L zwischen dem äußeren Ende der Spule und einem anderen Anschluss und (iii) L zwischen dem inneren Ende der Spule und einem anderen Anschluss. Zur besseren Übersichtlichkeit wurde folgende Nomenklatur eingefürt:
(a) äußerer Anschluss, "Aa" der dem äußeren Anschluss nähere Abgriff, "Am" der mittlere Abgriff, "Ai" der dem inneren Anschluss nähere Abgriff, "i" innerer Anschluss.

   

In den Gesamtinduktivitäten unterscheiden sich die beiden untersuchten Spulen nur wenig, jedoch liegen die Abgriffe nicht genau an denselben Stellen.
Der interessantste Wert ist die Gesamtinduktivität von 222µH bzw. 220µH. Wir erinnern uns: Die Gesamtinduktivität der Arcofar-Originalspule lag bei Steiecke bei einem Wert von  230µH. Das ist schon einmal erfreulich ähnlich!
Die wirksame Kreisinduktivität der Originalspule lag im MW-Bereich bei 116µH. Um diesem Wert bei Verwendung einer VE-Antennenspule möglichst nahe zu kommen, würde man die Schaltungsvariante der vorletzten, grün markierten Spalte wählen: Anschluss "i" wird an den Anstimmdrehko gelegt- das wäre in den Schaltungen also der Anschluss 1; als RK-Spule verwendet man die Sekton "Aa" - "a" mit 25µH - in der Schaltung die Anschlüsse 3-4. Die Antenne - wird an Anschluss Ai oder Am gelegt.

Facit: Die VE-MW-Antennenspule eignet sich also als Ersatz für die Arcofar MW-Spule!


Daten der VE-LW-Antennenspule

Für die LW-Spule stand mir nur ein Exemplar zur Verfügung - von dem ich auch kein so schönes Photo habe. Das hier muss genügen - die wesentlichen Punkte kann man erkennen:

   

Im Gegensatz zur Original-LW-Spule mit nur 1 Abgriff hat die VE-Antennenspule für den LW-Bereich 2 Abgriffe, von denen aber nur der äußere verwendet wird. Die folgende Tabelle zeigt die L-Werte der VE-LW-Antennenspule. Aufgrund der klaren Präferenzen hinsichtlich der Anschlüsse wurden hier weniger Messungen durchgeführt:

   

Die vorletzte, wieder grün markierte Spalte zeigt das günstigste Anschlussschema:

Die Induktivität zwischen dem inneren Wickelende "i" und dem äußeren Abgriff "Aa" liegt bei 1,08mH. Der entsprechende Wert der Originalspule lag bei 1.05mH! Die Spulensektion zwischen "Aa" und "a" wird als Rückkopplungsspule verwendet.

Facit: De VE-LW Antennenspule eignet sich als Ersatz für die Arcofar MW-Spule!

Wenn das keine guten Neuigkeiten sind!?

Nun gibt es aber hinsichtlich der Restauration meines Arcofar immer noch einen kleinen  Wermutstropfen:

Da mir ja nur ein 750pF Abstimmdrehko zur Verfügung steht, das Originalgerät aber einen 1000pF Drehko verwendet, ist bei mir der Abstimmbereich etwas kleiner. Die folgende Tabelle zeigt noch einmal den Vergleich:

   

Wie man sieht, überlappen sich bei Verwendung der Originalspulen die Empfangsbereiche von LW und MW etwas weiter. Kein gravierender Punkt.

Der Wellenbereichsschalter

Was mir ja nach dem Phototermin beim Kollegen Zylka immer noch nicht klar war, das war das Schließschema des Wellenschalters.  Da sich das Chassis im Gehäuse befand, konnte man von rechten Seite her, also da wo der Wellenschalter sitzt,  keine Photos machen. Glücklicherweise ist auch dieser Punkt jetzt geklärt. Das 1. Bild zeigt den

Wellenschalter in Position MW:


   

Man sieht 6 Schaltzungen "a" - "f", die dem Schaltbild folgendermassen zugeordnet sind:

   
  • Die beiden Statoranschlüsse des Differential-Abstimmdrehkos liegen an "a" und "c", Schaltzunge "b" am Hochpunkt der MW-Spule (Punkt 1). Eine Brücke (rote Linie) zwischen "b" und "c" legt Punkt 1 der MW-Spule an ein Statorpaket.  
  • Schaltzunge "d" liegt am Abgriff 3 der MW-Spule und verbindet diesen mit Masse. Die Masseverbindung des zugehörigen Schleifkontaktes erfolgt durch einen Cu-Niet (gestrichelte rote Linie), der den oberen mit dem unteren Schleifkontakt verbindet; letzterer ist über einen Draht mit dem Chassis verbunden.
  • Schaltzunge "e" liegt an Abgriff 2 der LW-Spule.
  • Schaltzunge "f" liegt an den miteinander verbundenen Fußpunkten "3" und "4" der LW und MW-Spulen.
  • Bei MW-Empfang werden die Schaltzungen "e" und "f" gebrückt (rote Linie).
Wellenschalter in Position LW:

   

   
  • Schaltzunge "b", der Hochpunkt der MW-Spule (Punkt 1), ist jetzt über eine Brücke mit dem an Schaltzunge "a" liegenden Statorpaket verbunden.
  • Schaltzungen "c", "d" und "f" sind offen. Damit ist der untere Teil der LW-Spule nicht mehr kurzgeschlossen.
  • Die mit Abgriff "2" der LW-Spule verbundene Schaltzunge liegt nunmehr an Masse.
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Nachdem nun durch die Mithilfe von Andreas_P, DiRu und der Herren Zylka und Steinecke klar ist, wie die Schaltung funktioniert, brauche ich nur noch die Schleifkontakte des Wellenbereichsschalters zu komplettieren.
Dann bricht die große Langeweile aus? NEIN! Der Plattenspieler läuft immer noch zu langsam! Da muss ich noch einmal dran.
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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Sehr, sehr guter, wissenschaftlich fundierter Erfahrungsbericht Harald, Chapeau! Das Gerät ist bei Dir in den besten Händen gelandet, die es hätte finden können.
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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Harald macht seinen Doktor. Unglaublich, spannender als die Sportschau ist das hier! Harald, wenn das Teil wieder läuft muß ich Dich wohl mal wieder besuchen kommen Smiley20
Gruß,
Uli
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