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Restauration RAFENA Patriot (1961)
#1
Meine Lieben,

heute biete ich mal was anderes an: einen Fernseher. Es ist der zweite, den ich gemacht habe und einiges ist sicher nicht ganz so toll gelaufen.

auch hier handelt es sich um eine bereits abgeschlossene Reparatur

Zuerst also das Gerät wie ich es bekommen habe.

       

Nun nimmt man den Deckel ab und guggt erstmal....

                   


die PY 88 hat ein Kollege für die Vitrine bekommen und eine neue wurde eingesetzt, die alte hatte ein bleistiftdickes Loch im Anodenblechle. Man sieht auf den folgenden Bildern schon, das wird einiges an Arbeit.... Auf dem Stempel steht, sofern ich das entziffern konnte: Meine Hand für mein Produkt Brigade John Scheer.

               

mehr gibts später.

Thommi
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#2
Und weiter gehts...

heute mit der Rubrik: qu'est ce que tu fais pfui bäh!
Was macht der Fachmann zur Entspannung? Richtig, erstmal macht er sauber.
An den Knöpfen sieht man die Fettlöserwirkung schon sehr gut.
   

Als nächstes kommt das Chassis heraus und wird weggepackt.
               

Dann wird die Bildröhre weit weg, möglichst auf einem weichen Untergrund abgestellt.
   

Die Pappmaske sieht stabiler aus, als sie ist wenn man sie in der Hand hat, packen wir also auch erstmal gut weg.
   

Dann wischen wir mal grob drüber....
   

Dann stellt sich die Frage wie putzt man etwas, dessen zu säubernde Fläche dick, dessen Handhabung gefährlich und dessen Hals ein Aufstuken auf den Boden, selbst wenn man es auf die Knie nähme, höchst ungünstig ist? Man hängt das Ding wieder an seinen Platz! Sieht ja auch nicht soooo dreckig aus, bis man den Abzug drückt. Erst Fettlöser, dann Glasreiniger.

       

beim nächsten Mal wird der Lötkolben angeheizt, versprochen!

Thommi


Angehängte Dateien Bild(er)
   
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#3
...und wenn Du das nächste Mal so ein Ding hast, dann schnallst's auf ein Skateboard und fährst's durch die Waschstrasse Smiley34
Gruß,
Uli
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#4
Wouw, was für ein Dreck! Ich hatte diese Schattierungen für eingebrannt von Innen gehalten. Übrigens ein sehr schönes Gerät!
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#5
Ja das habe ich auch noch vor, Habe da einiges noch stehen. Bei einigen Geräten kann man die Glasscheibe nach unten herausziehen um alles zu reinigen. Problem ist aber immer, wie gut ist die Bildröhre noch und ist der Zeilentrafo noch intakt.
Das schreckt mich immer ab, so ein Gerät wieder zum laufen zu bringen.
Bin mal gespannt wenn dein Gerät fertig ist.
Habe immer soviel Arbeit, das ich mir eine aussuchen kann. Smile

Grüße Frank, der Moschti
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#6
So meine Lieben,

Morningstar: deswegen kann man es doch saubermachen. Wie gut Bildröhre und Zeilentrafo sind siehst du eh erst im Betrieb.

Heute kommt der nächste Teil, nach dem die Bildröhre sauber war kam sie nochmal raus und dann wurde erstmal die Scheibe ganz super sauber geputzt.

       

Danach wurde die Bildröhre außen abgepinselt und der Warnhinweis, der abgefallen war wieder angeklebt, es soll ja original bleiben...

       

Man sieht hoffentlich eine Verbesserung....

       

Nun wurde im nächsten Schritt das Chassis entstaubt. Es ist erstaunlich gut erhalten, keine Spur von Rost.

       

Hier sieht man nochmal einige Kandidaten, deren Lebenszeit deutlich überschritten wurde. Der VK der auch Mitglied im RFT Forum ist hat das Gerät vor dem Verkauf noch betrieben, was man den Sahnebonbons auch ansieht. Normalerweise ist die Vergussmasse außen etwas gelblich. Hier ist sie bei einigen Exemplaren strahlend weiß und bei dem dicken hat sie eine Beule nach außen.
Für mich ein Zeichen, dass die Masse erhitzt wurde.
Darauf, dass ich die Cs gewechselt habe, erntete ich großes Unverständnis seitens des Collega, weil das Gerät ja lief, also gewissermaßen steckerfertig war.
Wo Glasrohr Cs verbaut waren, habe ich diese neu befüllt und zur Kennzeichnung mit einem Tippex punkt am Rand versehen.

Alle hellgelben auf den Bildern sind schon die neuen Teile (es waren ne ganze Menge!)


                               

Nachdem nun fleißig gelötet wurde heißt es demnächst: Etwas mehr Takt bitte!

Thommi
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#7
Alter Falter, aus der Pampe kann man mit ein wenig Karamell noch Nikotin-Bonbons herstellen... Der Köter ist übrigens auch klasse. Big Grin
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#8
Moin moin,

heute der nächste Teil. Die Kondensatorkur war ziemlich aufwendig und langwierig, jeder Wert wurde dreimal kontrolliert, die Umrechnungen auch, dann war es aber soweit, alles was so an typischen Kandidaten drin war, war raus. Ich betete, mein Reparaturprotokoll gut geführt zu haben, denn würde das Gerät nachher nicht arbeiten wäre es schwierig wenn nicht unmöglich den Fehler zu finden.
Der Netzschalter war gebrückt worden. Der wurde auseinandergenommen und gereinigt, weil er nicht mehr schaltete. Beide Pole ließen sich nicht wieder in Dienst stellen, aber immerhin einen konnte ich dazu überreden und so kann das Gerät mit dem schönen *Klack* doch geschaltet werden. Durch Draht durch die Nietenlöcher fest verzwirbelt hielt das Ganze dann zusammen.

       

Dann folgte der Einsatz in das Gehäuse. Das hatte ich nur mit der Bildröhre drin, die Tage so stehen gelassen. Diese kleine Plasteschraube an der Seite war so ein Zitterteil, die durfte weder verlorengehen noch zerstört werden, da unersetzlich.

           

Vor der Inbetriebnahme müssen logischerweise die Knöpfe wieder dran.

               

Hier ist schon alles verkabelt, in diesem Stadium hatte ich noch keinen Trenntrafo, daher verbot sich ein Anfassen des Geräteinneren fürs erste. Darauf kam es aber noch gar nicht an. Zunächst sollte ganz langsam die Spannung hochgefahren werden um das Gerät zu wecken.
Vorher gab es noch eine neue PL81. Der alten war die Kappe abgefallen und der entsprechene Draht bis zum Glas abgebrochen. Da ich die noch in meinem Röhrenkoffer hatte, habe ich gleich ausgetauscht.

   

Die Röhren glühen hier schon auf voller Spannung, Bei genügend Spannung wurde gemessen ob am Chassis die Phase anlag und entsprechend der Naetzstecker gedreht. Nun konnte man dem Gerät auch ein Signal geben. Es wurde direkt in die Videoröhre eingespielt. Die Zuführung der ZF auf diese wurde dafür abgelötet. Nach einem Dreh an der Zeilenfrequnez gab es dann auch ein Bild.

               

Damit wäre das erst einmal fertig...dachte ich. Nach 3 Minuten wurde das Bild dunkler und es knisterte. An der Hochspannungsspule: Funken. Und dann war es vorbei.....
aus die Maus....

Demnächst: Wir sehen uns.

Thommi
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#9
Kopf hoch! Du findest den Fehler.
Immer guten Empfang und viele Grüße - Uwe
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#10
So,

nun der nächste Teil. Diesmal mit sehr vielen Bildern, weil ich denke, das könnte interessant sein.
Die Hochspannung soll im Übrigen um die 13kV sein.

Bei meinen Versuchen war ich etwas unvorsichtig und ein Krokokabel kam an den Heißleiter, es gab es kleines Feuerchen und einen *knack*, schöner Mist. Den genauen neuzeitlichen Gegenwert kennt auch keiner. Also wird das Ding kurzerhand gebrückt. Ich fahre es jetzt eh jedes Mail hoch.

   

Wie schon vermutet, hat der Hochspannungswickel gekokelt, an der Innenseite der spule sind verbrannte Windungen zu sehen und der Zuführungsdraht ab. Ein erneutes Anlöten unter Verzicht auf einige Windungen brachte dasselbe Ergebnis - Funken.

           

Hier sieht man das Brandloch, dadurch war der Zuleitungsdraht geführt und zwischen Kern und Korrekturdrossel gequetscht. Ich bezweilfe dass das original so war.

   

Aus dem RFT Forum schrieb mir einer, sein Lehrmeister hätte diese Spulen in NEU da. Für 20 Euro könnte ich eine haben. Ich dachte nur: Haahaa! Ließ mich aber auf das Experiment ein. Zeilentrafos dieser Periode gab es ja nur 2-3 Typen. Und siehe da, eine Spule 1:1 tolle Vergussmasse, keine Risse drin. Und die Korrekturdrossel in der Mitte fest eingeklebt.
Ich dachte, sollte ich wirklich so viel Glück haben???


               

Beim ersten Versuch war der Zuleitungsdraht der HV-Spule an die Isolierung gekommen, es gab einen winzigen lila leuchtenden Lichtbogen. Spannung war also schonmal da.
Vorsichtshalber erstmal Käfig drauf. Bloß war nun schon zum x-ten Mal diese Kralle des Anodensteckers vom Draht gebrochen. Da mußte man was tun!

Und wie Dietrich Drahtlos sagte: Ohne Schrott im Haus kommt der Erfinder nicht aus. Hab ich also was gebastelt.

       

beim nächsten Mal: Sternstunde

Thommi
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#11
Ein schönes Sammlergerät mit überschaubarer Technik. Das Bildrohr scheint noch ok zu sein. Der Zeilentrafo erinnert mich an Neckermann SW Geräte aus dieser Zeit. Vom Aufbau waren diese sehr ähnlich.
13 KV eine recht niedrige Anodenspannung. Wenn man bedenkt wie hoch die Anodenspannung bei Röhrengeräten der letzten Generation war (2005) ca. 27KV.
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#12
Der letzte Theil,

Nachdem ich nun den Trafo drin hatte gab es nun endllich Licht in der Bude.

   

Nun wurde nachjusitert gekurbelt und gedreht DIe Bildgröße stimmte dann, nur: Es ließ sich kein Bild einstellen. Die Zeilenfrequenz war ums Verrecken nicht hinzukriegen. An allen Einstellmöglichkeiten wurde gedreht...aber: Das Bild wurde mehrfach nebeneinander geschrieben. Bis zu 8 mal war zu erreichen. Auf dem Foto ist schon die beste Einstellung zu sehen. Eigentlich sollte auf dem Bildschirm das zu sehen sein "+" über den ganzen Bildschirm. Immerhin fing er das Bild sehr ordentlich, wenn auch die Zeile noch nicht ging...

   


Ich war am Verzweifeln! Woran lag es, waren die Abstandsplättchen zu dünn? Eine Ecke davon fehlte... War vielleicht die Spule schuld, dass sie eine falsche Anpassung an den Primärteil hatte?
Ich war sowas von am Boden. Am meisten hat mich geärgert, dass ich über TVs, und insbesondere die Synchronisation, so wenig weiß. Ich habe in Werner / Barth nachgelesen, im Finke, ich habe mir sogar eine ältere Finkeausgabe besorgt - nix. Monatelang blieb das Gerät so stehen. Zwischendrin überlegte ich ob es nicht ne schöne große Mülltonne dafür gäbe...

Ich stieß dann darauf man solle den Schwungradkreis überbrücken. Ja, was zum Teufel ist denn ein Schwungradkreis??? Wie sieht sowat aus??? Warum wird das nicht in den Büchern aufgemalt??? Ich grübelte wochenlang. Dann probierte ich was. Der Schwungradkreis ist ein Schwingkreis, der mit seiner Schwingung, die Schwingung des Zeilengenerators überlagert um sie zu stabilisieren oder so ähnlich. Also wurde nun das, was ich für den Schwungradkreis hielt, mit einem Krokokabel überbrückt.

Nun wurde die Zeilenfrequenz ganz auf niedrig gestellt, das Bild war nur noch ein verwaschener dunkler Keil, der Zeilengenerator machte blob blob blob. Dann wurde ganz langsam aufgedreht und plötzlich stand das Bild, wie eine Eins! Ich mußte nochmal hinsehen. Ich hielt das für einen Zufall, hab wieder runtergedreht und an selber Stelle wieder ein stehendes Bild! Jetzt habe ich weiter aufgedreht, das Bild wurde noch heller und es blieb noch an 2 weiteren Stellen stehen.
Ich habe dann eine der anfänglichen Positionen erstmal genommen, ich wollte ja den Zeilentrafo nicht über Gebühr belasten.

So, nun die Brücke weg, Schwungradkreis wieder aktiv = Synchronisation weg. Nun nur die Schwungradspule gedreht, plötztlich stand das Bild! Da merkte ich, um die Synchronisation zu treffen hätte ich Zeilenfrequenz und Schwungrad gleichzeitig bedienen müssen und hätte es dennoch nur zufällig getroffen.

Mittlerweile gugge ich sehr gerne Nachrichten auf dem Gerät :-) Das ist irgendwie ein ganz anderes Fernseherlebnis so mit Holz und dem Röhrenton.
Es ist irgendwie richtig fernsehen, nicht nur auf einen dröhnenen seelenlosen Flätscreen guggen. Eine DVD-einspielung mittels Modulator und Antennenweiche.

   

Dieser Fred ist ein echt langer Riemen geworden, aber animiert vielleicht auch andere, sich einmal an einem TV zu versuchen.

Thommi
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#13
Ja das ist wirklich was, was du da geschaft hast. Ich habe noch den Ines und ein Sachsenwerk hier stehen. Die haben eine noch ältere röhre drin, die ist Rund und kleiner. Eigentlich juck es mich ja in den Fingern, aber ich habe noch soooooo viel andere Baustellen. Naja vielleicht kommt ja ein langer harter Winter, wo man nicht vor die Tür kann. Wink
Habe immer soviel Arbeit, das ich mir eine aussuchen kann. Smile

Grüße Frank, der Moschti
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#14
Hallo Thommi,

ja, an diesen Beitrag kann ich mich noch im alten Forum erinnern. Das war so etwa zeitgleich mit meiner Clivia. Dort mußte ich ja die Bildröhre ersetzen, weil sie Luft gezogen hatte. Ich muß allerdings sagen, dass mir heute diese Bildröhrenumbauten nicht mehr so gut von der Hand gehen, wie früher. Also, ich hatte dabei ganz schön geschwitzt. Ja, man wird halt älter. Ich muß wirklich sagen, dieser neuerliche Beitrag ist von Dir wirklich nochmals schön aufbereitet worden. Nutzt Du denn das alte Gerät auch? Also, meine Clivia kann die Nutzungsstunden zählen. Eigentlich schade.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#15
Hallo Thommy,
ein beeindruckendes Beispiel von Restaurationserfolg und Sammelfreude.
Herzliche Gratulation!
Ich möchte noch hinzufügen, dass ich anlässlich der Fußball WM 1978 mir so einen Patriot gebraucht zulegte, da das Budget unserer jungen Ehe einen neuen TV noch nicht zuließ.

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#16
Ende gut, alles gut.
Thommi, ich liebe Deine Berichte! Und so Geschichten wie von Heiner würzen das ganze dann Smile
Unser erster Fernseher kam 72 zu Olympia, sogar schon in Farbe! Kann mich noch ganz dunkel erinnern. Bis dahin ging nur s/w bei meiner Oma.
Gruß,
Uli
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#17
Toller Bericht Thommi! Dank Deiner Hilfe durfte ich ja auch die Erfahrung machen, wie schön es ist auf einem alten Fernseher wieder schauen zu können. Mein Loewe Opta Atrium läuft und läuft und läuft...
Als Nächstes werde ich mir meinen kleinen Graetz Fähnrich vornehmen. Mal sehen, ob der auch wieder ins Leben gerufen werden kann...
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#18
Toller Bericht, ich suche noch so einen schönen Fernseher...

Ach und 72 war ich noch lange flüssig. Angel
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