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UHER Compact Report CR 124 stereo
#1
Hallo Freunde der antiken Technik,

Bei E..y habe ich einen Kassettenrekorder der Firma UHER, Typ COMPACT REPORT CR 124 STEREO für sehr wenig Geld erstanden. Auf den Artikelbildern sah das Gerät ja ganz manierlich aus und so habe ich ein Angebot abgegeben,- eigentlich in dem Glauben, daß das sowieso nichts werden wir. Ich hatte mit keinem Zuschlag gerechnet. Doch es kam anders, ich war der einzige Bieter für dieses Gerät und nach Auktionsablauf hatte ich das Gerät ersteigert.
Die Fehlerbeschreibung lautete: Geht nicht (ist immer eine sehr zutreffende und nichts aussagende Fehlerangabe), wird als Bastelobjekt verkauft. Dabei war auch das Netzteil Z 131, das ja bei E..y teilweise auch schon zu regelrechten "Mondpreisen" angeboten wird.
Der Verkäufer hatte insofern Recht mit seiner Fehlerbeschreibung, als das Gerät tatsächlich nichts tat,- jedenfalls nicht mit dem Netzteil. Nach Einlegen von 6 Trockenbatterien ließ sich das Gerät einschalten, das Kombianzeigeinstrument zeigte maximale Batteriespannung an und man hörte den Antriebsmotor surren. Eine Kassette ließ sich aber dennoch weder abspielen noch vor - oder zurückspulen. Antriebsriemen war die Vermutung. Hoffentlich nicht wie bei Philips üblich in flüssiger Form.
Nach Abnahme des Deckels war der erste Defekt: die Lautsprecher Kontaktleiste war abgerissen; der Lautsprecher also ,-möglicherweise,- defekt. Der Antriebsriemen für die Tonwellen war vorhanden, aber ziemlich locker (gedehnt), sodaß der keine Friktion mehr aufbrachte. Der zweite Antriebsriemen für die beiden Bandteller nebst Wickeldornen fehlte ganz. Der Zählwerksriemen ist nach wohl langer Zeit des Stillstandes in einem Oval vollkommen verhärtet. Resultat vorstehender in Augenscheinnahme: alle Antriebsriemen wechseln. An so einem Gerät habe ich diese Riemen das letzte Mal gewechselt 1975 nach einen Servicelehrgang bei Uher. Danach nie wieder. Glücklicherweise habe ich das SM (Servicemanual) für dieses Gerät mit allen Angaben drin.

Man muß für den Wechsel der Capstanriemen den Kassettenschacht ausbauen, die Frontplatte nebst allen Knöpfen außer den Drucktasten abnehmen, das Zählwerk ausbauen und den Auswurfhebel entfernen. Mit 24/25 Jahren damals war das kein Problem, aber heute mit beinahe 70 und tattrigen Fingern und Augen, die auch nicht mehr so wollen wie sie sollten bzw mal konnten, da wird sowas dann schon zum Problem. Kurzum, ich habe heute den geschlagenen Vormittag gebraucht, bis ich diesen (vermaledeiten) Wickeldornriemen endlich aufgelegt hatte. Die Damen damals in der Fertigung bei Uher haben diese Riemen im Akkord aufgelegt. Manches konnten und können die Damen eben einfach besser ..

Die Technischen Daten

   



Das Gerät von vorn

   


Mit abgenommenem Deckel

   


Der Antriebsriemen für die beiden Bandteller ist nicht da ..

   


Der Kassettenschacht ausgebaut

   


Geschafft!! Endlich; der Antriebsriemen ist wieder drauf;

   

Bis hierher ist es ja geschafft; jetzt kommt der Capstan dran. Dafür muß mit ziemlicher Sicherheit die Kopfträgerplatte ausgebaut werden, was nicht so einfach werden dürfte. Außerdem ist mir ein kleines Teilchen entgegen gefallen, als ich die Bodenabdeckung abgenommen habe. So, wie das aussieht, ist das ein Teil von einem Schiebeschalter. Bei den Schiebeschalter handelt es sich um den Umschalter Aufnahme/Wiedergabe. Wenn der abgebrochen sein sollte (wofür einiges spricht), dann war das Gerät vielleicht doch kein so guter Deal. Ich habe zwar noch ein Schlachtgerät, allerdings eines aus deutlich neuerer Fertigung. Wenn Uher da diesen Schalter geändert haben sollte, dann war es das. Schalterkontakte sind an dem abgebrochenen Schieberteilchen keine zu sehen; vielleicht habe ich ja Glück und dieser demolierte Schieber läßt sich so platzieren, daß eine Wiedergabe möglich ist. Das würde zwar eine eingeschränkte Funktion bedeuten, wäre aber nach meiner Ansicht immer noch besser als zu verschrotten.

Zum besseren Verständnis hier einmal Bilder vom Sollzustand und wie es jetzt ist:

   


... und so ist es jetzt ..

   

Nach dem Äußeren kann man bei diesen Schiebeschaltern nicht gehen; äußerlich sehen die alle mehr oder weniger gleich aus. Hersteller von diesen Schaltern dürfte Valvo (Philips) gewesen sein, vermute ich mal. Philips hatte diese Sorte Schalter stets in allen möglichen Geräten der U-Branche. Meistens sind die abgebrochen oder die Schaltfläche bekam an den Kanten oben, wo es auf die Gegenseite geht, Haarrisse. Das waren dann immer ganz besonders beliebte Fehler,- vor allem, wenn man dann diesen Schalter auswechseln mußte/sollte und der auch noch auf der Oberseite verdrahtet war. Richtig neckische Spielereien von Philips. Heute noch so einen Schalter her zu bekommen, dürfte aussichtslos sein.
Dennoch werde ich weiter machen; könnte ja sein und es klappt doch. Das würde mich riesig freuen. Ich berichte hier weiter, wenn ich einen Fortschritt oder  eben eine Pleite erlebe.   Cool
Grüße aus BL

Peter

Röhrenradios: das Gute daran ist das Gute darin
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#2
Danke für diese Vorstellung. Bei so einem Gerät geht mir das Herz auf.
Da kann man noch messen, verfolgen, Fehler finden und Teile ersetzen.

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#3
Hallo,

ich habs an anderer Stelle schon geschrieben: Die orange-roten Elkos sind störanfällig, hatte in einem VARIOCORD mehrere stark fein- bus kurzschlüssige drin.
Die würde ich alle rausschmeißen, mindestens aber prüfen.

Gruß Ingo
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#4
Morgen will ich mich dann mal mit dem anderen Antriebsriemen befassen. Meine Chefin ist morgen Mittag nicht da, dann werde ich höchstwahrscheinlich auch nicht zu "tätigkeitsfremden Arbeiten" abkommandiert. Diese orangefarbenen Elkos sind von Röderstein; die haben auch früher schon Probleme gemacht. Nicht immer, aber hin und wieder schon. Als problematischer stufe ich die vielen Tantalelkos in dem Gerät ein. Selbst wenn die spannungsmäßig noch in Ordnung sind, so offenbaren die ihr wahres Gesicht zumeist erst bei einer Fremdspannungs - bzw Geräuschspannungsmessung. Aber dafür braucht man ein geeignetes Instrument, zum Beispiel das Sennheiser RV 55 mit Bewertungsfilter. Das Röhrenvoltmeter RV 55 hatte Grundig für Sennheiser gebaut. Bis jetzt habe ich noch nicht das Glück gehabt, sowas zu erwischen. Kommt aber vielleicht noch .. kommt Zeit, kommt vielleicht RV 55?

Zunächst muß aber erst mal der Capstan-Antrieb ordentlich laufen, danach geht es dann weiter Schritt für Schritt. Das Netzteil ist inzwischen auch wieder gangbar, sodaß ich mich nicht mehr mit Trockenbatterien abgeben muß. Der 2200µF/25 Volt Elko da drin hatte sich auf 3000 µF verändert; also wurde der ersetzt. Auch der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.
Grüße aus BL

Peter

Röhrenradios: das Gute daran ist das Gute darin
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