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DKE38 "Rundfunktechnische Erzeugergemeinschaft GmbH"
#1
Hallo zusammen,
vor ein paar Wochen, habe ich für schlappe 50 €uronen, einen kompletten "DKE38" ergattert.
Immerhin mit passender Rückwand zum Chassis und mit originalem Röhrensatz, der, wie ich später feststellte, sogar in Ordnung war.
Einziges Manko, eine Fehlstelle am Gehäuse.

Vorab das Typenschild:
   

und hier zunächst  ein paar Daten des DKEs:

Hersteller: Rundfunktechnische Erzeugergemeinschaft GmbH
Baujahr: 1938
Typ: DKE38 - Deutscher Kleinempfänger 38 (im Volksmund "Goebbelsschnauze")
App. Nr.:  35694
Geräteart: Geradeaus,  Audion mit Rückkopplung
Wellenbereiche: MW und LW,
                              Drehkondensator mit Exzenterscheibe, dadurch automatische Umschaltung von                                    
                              MW auf LW, bzw. umgekehrt
Röhrenbestückung: VCL11 und VY2
Stromversorgung: Allstromgerät, 110-130, 150, 220-240V
Leistungsaufnahme bei 230V:  ca. 13W
Lautsprecher: Freischwinger, R = 2000 Ohm
Gehäuse:  Bakelit
Gehäuseabmessungen: 24 x 24 x 12cm
Gewicht: ca. 2 KG
Preis:  35 RM
Bedieneinheiten: Front links Lautstärkeregler, Front rechts Rückkopplung, Front mittig Skalenrad mit                                          
                               Umschalter, Rückseite Netzschalter
Anschlussmöglichkeiten: Rückseite: 4 Bananenbuchsen: 3 x Antenne, 1 x Erde

Hier ein paar Fotos vom Anlieferzustand:
Ein Blick ins Gerät
   

die Vorderansicht (die Knöpfe habe ich schon abgeschraubt):
   

der Gehäuseschaden:
   

das ausgebaute Chassis, Draufsicht:
   
   

die Chassis-Unterseite:
   

Als erstes kümmerte ich mich um das Gehäuse:
Entstaubt und gereinigt war es schnell,
hier das saubere Gehäuse:
   
   

Um die Fehlstelle zu füllen, nahm ich "Wiko Epoxy  Knetmetall Kaltmetall 2K Kleber 1016"
wie z.B. diesen hier:
https://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R40...2&_sacat=0

Mit einem Messer schneidet man sich eine passende Menge ab und beginnt sie zu kneten,
ist die Masse gut durchgeknetet, kann man mit ihr die Fehlstelle ausfüllen.
Aber, man muss sputen, nach ca. 4 Minuten beginnt das Zeug abzubinden, dann ist keine Verformung mehr möglich.
Nach gut einer Stunde ist die Masse ausgehärtet und kann gefeilt und geschliffen werden.

so sah das Gehäuse nach dieser Prozedur dann aus:
   
   

mit einem passenden, wasserfesten Edding, habe ich dann die Gehäusefarbe nachgeahmt.
Anschließend wurde das ganze Gehäuse noch mit einem "Lederpflegeöl" poliert.
Jetzt ist fast nichts mehr von der ehemaligen Gehäuseschaden zu sehen:
   

Fortsetzung folgt,
viele Grüße,
Rolf
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#2
Hallo Rolf,

oder sollte ich jetzt "Sven Glückspilz" zu Dir sagen ?
Herzlichen Glückwunsch zu diesem günstigen Fang. Die Fehlstelle hast Du
klasse hinbekommen, ich werde mir das mal merken. Bei so einem schönen
Gerät lohnt sich die Arbeit, die Kondensatoren neu zu befüllen (wenn Du willst Wink ).

Gruß,
Hans
RE 084 heisst Hans und kommt aus 41844 Wegberg
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#3
Die Gehäuse Reparatur ist klasse geworden! Und das mit so wenig Aufwand. Gefällt mir gut.
Gruß aus Bremen

Enno
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#4
Hallo Rolf,
Glückwunsch zu diesem Superfang. Ist Lederpflegeöl ein bewährtes Mittel zum Polieren
von Bakelitgehäusen?

Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#5
Danke, Rolf,

wieder was gelernt. Danke!
Gruß!
Ivan
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#6
Hallo zusammen,

eigentlich nimmt Mann Paraffin, in Alkohol aufgelöst und "tränkt" damit das Bakelit,
bis es nichts mehr aufnimmt und poliert dann mit einem weichen Lappen.

Der ursprüngliche Glanz des Materials entsteht beim Pressvorgang, ist dieser durch
Verwitterung oder andere mechanische Beanspruchung weg, dann weg !
Polieren bedeutet auch nur, Material abzutragen, aber die originale Oberflächen-
struktur ist nicht mehr herstellbar. Für´s Auge bleibt dann nur die Herstellung einer
Fake- Oberfläche, aber man schaut ja nicht mit dem Mikroskop drauf und das Paraffin
schützt dann das Bakelit vor weiterer Vergammelung .
Übrigens kann man die Oberflächenbeschädigung sehr schön an dem alten W48
Telefonhörer sehen. Im Bereich wo man den Hörer mit der Hand anfasst wird die
Oberfläche durch den Handschweiss und das Angreifen stumpf, da hilft dann auch
kein Polieren mehr, der Glanz ist für immer weg !!!

Gruß,
RE 084

Ich habe gerade mal im Netz geschaut, da gibt es ohne Ende und oft sich wiedersprechende
Ratschläge. Das deutsche Kunststoffmuseum hatte hier mal einen fundierten Beitrag publiziert,
der leider nicht mehr verfügbar ist. Wenn man hier (https://www.radiomuseum.org/forum/bakelit_stumpf.html)
mal durchliest, sieht man die Problematik der unterschiedlichen Meinungen und Vorgehensweisen.

Hier noch ein interessanter Link: https://design20.eu/2009/bakelit-pflegen-und-bewahren/
RE 084 heisst Hans und kommt aus 41844 Wegberg
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#7
Das wird es tolles Projekt. Da bin ich mir sicher!
Beste Grüsse

Thorsten


"Das Leben ist nichts weiter als das Proben für eine Vorstellung, die niemals stattfindet."

(Die fabelhafte Welt der Amelie)
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#8
Ergänzend zum Beitrag von Hans:

Wenn das Bakelit nicht beansprucht wird, durch Anfassen o.ä., dann kann man auch eine Schellackpolitur aufbringen. Das glänzt auch sehr schön. Friedrich Kutnik aus dem Wumpus-Forum hat das so praktiziert.
Viele Grüße, Mark

Radioten aller Länder, vereinigt euch!
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#9
Hallo,
ich glaube, da hat wohl jeder seine Ticks, eine Bakelitoberfläche zu verschönern.
Da mein DKE aber nach der Fertigstellung ins Regal wandert und nicht mehr angefasst wird,
reicht die Politur mit einem Lederpflegeöl...

Viele Grüße,
Rolf
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#10
Das ins regal stellen hat auch den vorteil das die meisten beschädigungen (so wie hier ) auch nicht mal wenn  sie nicht repariert wurden,sichtbar sind.
Auch ein kaputes radio sieht im regal Schöhn aus.
Bei diesem hier ist es aber recht gut gelungen den knackser zu beseitigen.
Glückwunsch zum neuem exponat
Printed on recycled Data
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#11
So, nachdem das Gehäuse nun wieder vorzeigbar war, ging es ans Chassis:
Als Ziel hatte ich mir gesetzt,
es sollte elektrisch funktionieren und möglichst original erscheinen.
Zunächst musste ich es gründlich vom Staub der Jahrzehnte befreien,
hier und da etwas reinigen und entrosten.
Dann tauschte ich alle Kondensatoren, das recht schnell vonstatten ging,
weil ich mir schon vor einiger Zeit, einen Satz im DKE-Stil gelabelt hatte.

Mit den beiden Drehkondensatoren hatte ich auch Glück, sie waren leichtgängig,
was beim DKE leider nicht immer der Fall ist.
Auch die restlichen Bauteile (Widerstände, Siebdrossel, Heizvorwiderstand, der Spulensatz, Netzschalter) waren in Ordnung.
Nur der vom Exzenter des Drehkondensators betätigte Schalter, musste gereinigt und etwas nachjustiert werden.

Ein paar Schaltungsänderungen nahm ich jedoch vor:
In die Anodenleitung der VY2 schaltete ich einen 450 Ohm Strombegrenzungswiderstand,
das schont die VY2 während der Aufheizphase.
Den Lade- und den Siebkondensator ersetze ich durch 8µF Folienkondensatoren.
Die Netzsicherung wurde von 0,5A auf 0,1A verkleinert.

Zum Schluss spedierte ich dem Chassis noch ein neues Netzkabel.
So sah das ganze dann aus:
   
   
   
   

Jetzt konnte ein erster Funktionstest vorgenommen werden,
dazu setzte ich das Chassis ins Gehäuse und lötete den Lautsprecher an,
steckte die beiden Röhren in ihre Fassungen und setzte das ganze unter Strom.
Nach etwa einer Minute, solange dauert nun mal die Aufheizphase beim DKE,
war aus dem Lautsprecher ein leises Brummen zu vernehmen.
Ich schloss meinen Heimsender an, stimmte den DKE auf die richtige Frequenz ab und schon
ertönte aus dem Lautsprecher Musik, natürlich mussten dabei auch Antennen- und Rückkopplung richtig eingestellt werden.
Was mich erstaunte, war der gute Klang, den der kleine Freischwinger erzeugte.

Danach nahm ich noch ein paar Spannungsmessungen am Gerät vor,
die Ergebnisse habe ich im nachfolgenden Schaltplan eingetragen.
   

Zum Schluss montierte ich Rückwand und Drehknöpfe,
damit war der DKE38 betriebsbereit.
Hier noch ein paar abschließende Fotos:
   
   
   

Viele Grüße,
Rolf
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#12
Hallo Rolf,

und wieder ein Gerät gerettet. Schöne Arbeit. Ich bin immer neidisch, wie Ihr das mit diesen Kodensatorlabeln hin bekommt. Tja und dann ist das wie bei mir. Ab dafür ins Regal.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#13
Hallo Rolf,
sehr schön gemacht. Sieht ja wieder aus wie neu. Smiley20
Gruß Detlef

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#14
Hallo, Rolf,
wunderbar wie das Gerät aussieht!
Gruß!
Ivan
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#15
perfekt Rolf, Gratulation !
Gruß Franz
eh isch misch uffreg isch mirs lieber egal
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#16
Guten Morgen Rolf,
das nenne ich eine saubere, fachmännische Arbeit Thumbs_up

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#17
Vielen Dank für die positiven Bewertungen...

Viele Grüße,
Rolf
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