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Philips Saturn 54, Reparaturimpressionen
#1
Hallo in die Runde.

Ich habe derzeit einen Philips Saturn 54 BD633A (holländische Variante wäre BX631A) auf dem Tisch, der einer Komplettüberholung bedarf. Da sich bei rm.org zwar etliche Fotos vom Modell finden, man im Internet darüber hinaus wenig im Hinblick auf Reparatur und Restaurierung findet, dachte ich mir, ich nehme mal die Kamera zur Hand und schieße einige Fotos während der Arbeiten. Vielleicht hilft das ja mal jemandem.

Es handelt sich um dieses Modell: https://www.radiomuseum.org/r/philips_sa...633_a.html
Mein Gerät hat bereits die weißen Tasten.

Beim Umsetzen dieser 'guten Absicht' kamen mir allerdings Zweifel ob der geeigneten Rubrik. Es handelt sich vorrangig um Reparaturimpressionen, aber ich werde auch einige auf den Fotos erkennbare Details näher beleuchten (da es gerade mal so schön zerlegt ist), so dass ich mitunter nicht umhin komme, Anteile einer Gerätevorstellung einzuarbeiten. Falls es verkehrt stehen sollte, kann gerne verschoben werden. Fragen an die werte Leserschaft habe ich zur Zeit keine, freue mich aber über sachdienliche Anmerkungen / Fragen.

Nun aber zum Gerät.

Neben den ohnehin anstehenden Reinigungs- und Gangbarmachungsarbeiten erforderten insbesondere 3 Schäden den Ausbau des Chassis:
- ein gerissener Seilzug der drehbaren Ferritantenne
- fehlerhaftes Arbeiten des Schalters zur Wahl der Lautsprecher
- Die AUS-Taste schaltete das Radio nicht mehr aus, da die Sperrklinke nicht in den Tastenhebel mehr einrastete.


Hier nun zunächst das Chassis auf der Werkbank:

   

Bis man so weit gelangt, muss die Skala weg sowie der Skalenhintergrund. Wie das befestigt ist kann ich im Nachgang aufzeigen, hier soll es um den gerissenen Seilzug gehen.

Das Vorgefundene war nicht mehr komplett (ein Teil des Seiles sowie die Feder fehlten). Hilfreich war diese Dokumentation, darin sind alle 5 Seilzüge des Gerätes mit Verlauf und Länge gelistet:
https://nvhrbiblio.nl/schema/Philips_BX631A.pdf

So sieht der Seilzug nunmehr repariert aus:

   

Man sieht rechts im Bild die beiden Bowdenzughüllen, durch die der Zug teilweise geführt ist. Gleiches sieht man links im Bild für den Seilzug der Bassanzeige. Hier hat Philips sehr aufwendig gebaut, was teuer und gut gedacht war, die Reparatur aber nicht gerade erleichtert. Die gelben Hüllen sind schnöde Plastikisolierschläuche, darin befinden sich jedoch aus dünnem Kupferdraht gewickelte Röhrchen, die ihrerseits beidseitig mit einer Führungshülse abgeschlossen sind, die genau in das vorgefertigte Loch am Chassishalter passt. In diese Röhren mit kleinem Innendurchmesser passt nicht jeder Seilzug, das Ganze ist auch leicht zu beschädigen.

Zudem benötigt die Feder eine ganz ordentliche Vorspannung, damit das Ganze ruckfrei läuft. Ich musste verschiedene Federstärken nebst optimalem Auszug ertesten.
Hier nun weitere Fotos:

   

Die mittels Drahtgitter geschirmte Ferritantenne ist um etwas mehr als 100 Grad schwenkbar. Sie besitzt einen Schalter in einer der Endstellungen, der über einen Nocken betätigt wird, womit sie abschaltbar wird:

   

Bedient wird sie über einen Knebel vor der Skala. Dazu müssen wir uns nun mal kurz alle Bedienknöpfe/-knebel des Geräts ansehen:

   

Kleiner Knopf links: Bassregler (ja richtig gelesen)
Großer Knopf links: Lautstärke (ja, untypisch für Radios dieser Epoche)
Knebel links: Ferritantenne

Kleiner Knopf rechts: Höhenregler
Großer Knopf rechts: Sendereinstellung auf LMK. Wird er nach vorne gezogen, so wirkt die KW-Lupe, die wiederum einen eigenen Seilzug mit kleinem Zeiger besitzt
Knebel rechts: Schaltung der Lautsprecher: 1) Gerätelautsprecher ein. 2) Gerätelautsprecher + Außenlautsprecher ein.  3) Nur Außenlautsprecher ein.


Und damit habe ich auch gleichzeitig zur 2. der oben genannten Baustellen übergeleitet, die die Demontage von Skala und Skalenhintergrund erforderten, eben dieser Lautsprecherumschalter.

   

   

Hier waren üble Wackelkontakte vorhanden. Reinigung erfolgte mittels Glasfaserpinsel, zugleich zeigte sich ein Kontakt nicht mehr fest mit dem Pertinax verunden. Ein Drähtchen, verdrillt, fixierte ihn. Alle Kontsakte wurden sorgfältig ausgerichtet.

Das war also erledigt, aber doch zeitaufwendig. Jetzt kann es an den Wiedereinbau von Skala und Hintergrund gehen. Dabei kann ich dann ein paar Worte zur Befestigung respektive zum Ausbau derselben verlieren. Zuvor gilt es noch zu prüfen, ob die AUS-Taste weiterhin Probleme macht. Dazu muss das Chassis kurzfristig ins Gehäuse. Falls es dann klappt, berichte ich, wie ich den Schaden behoben habe.

Hier schließe ich aber mit 2 Fotos zur KW-Lupe, da eben gerade alles so schön offen liegt. Zunächst der kleine separate Zeiger, hier oberhalb der 2. Taste von rechts zu sehen:

   

Noch ein  -leider nicht sehr scharf gewordenes-  Foto vom mechanischen Grob-/Feintrieb zur Sendereinstellung:

   

Damit soll's fürs Erste genug sein. Wurde lang genug, der Beitrag.




(p.s.: falls jemand auf einem der Fotos eine sonderbare Röhre in Nähe des AÜ ausmacht: Darum geht's hier nicht, bleibt auch nicht so, ist eine ECC81 in Behelfszwischenlösungschaltung, wenngleich sie prächtig funktioniert).
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#2
Hier geht's nun nach einem arbeitsreichen Tag am Gerät weiter. Das Thema Seilzüge kann selbst den routinierten Bastler fordern, insbesondere, wenn der Patient 'Philips' heißt.

Zunächst einmal wurde der Skalenhintergrund angebaut.  Das sieht dann so aus:

   

Es handelt sich um eine Pressplatte, die mit einem Gemisch aus brauner Farbe und Flocken besprüht ist. Das Ganze sieht aus wie Filz, ist aber rauh und schmutzfangend. In ihr läuft der Zeiger der KW-Lupe in einer ausgebildeten Tasche:

   

Diesen Skalenhintergrund auszubauen ist schwierig, ihn wieder einzubauen nahezu eine Nervenprobe, wenn man nicht weiß wie. Daher hier beschrieben.
Zum Ausbau zunächst den großen Skalenzeiger vom Seilzug lösen. Er ist eingeklemmt und mit etwas Lack fixiert.
Beidseitig der Platte befindet sich im unteren Eck je eine M3-Schraube, die entfernt wird, hier die linke Seite:

   

Dann die Fassung der rechten Skalenlampe von ihrem Halter abziehen, die linke Skalenlampe kann in Position bleiben, sie stört nicht. Nun die Schraube im Haltewinkel rechts sowie im Haltewinkel links ausschrauben, ebenfalls je eine M3-Schraube, hier im Bild der rechte Haltewinkel:

   

Nun kann der Skalenhintergrund nach oben abgezogen und zur Seite gestellt werden. Das Ganze hängt jetzt nur noch an den 2 Zuleitungen zu den Lampenfassungen.
Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge, ABER: auf den kleinen Zeiger der KW-Lupe achten, damit er sich sauber in seine Führungstasche einfädelt. Da man hierbei den Skalenhintergrund zuächst über die beiden Bedienungsachsen sowie über die Tasten bringen muss, zugleich die Zeiger von Höhen- und Bassregler vor den Skalenhintergrund bringen muss und dann auch noch den KW-Zeiger einfädeln muss, igeht's nur wie beschrieben.
Trotzdem brach mir der KW-Zeiger ab !
Er ist ab Werk nur mit einem winzigen Lötpunkt an seinem Schlitten befestigt, und das verkraftete keinen Zug. Also wieder vorsichtig anlöten, natürlich bei entferntem Skalenhintergrund. Diesmal mit mehr Lot:

   

Der Skalenhintergrund wurde wieder montiert, alles funktionierte und die Welt hätte schön sein können. War sie aber nicht. Der Seilzug für den Antrieb der Höhenanzeige riss. Also alles wieder ab.

Nun ging's in dieses Gewirr:

   

   

Der Höhenregler sitzt hinter der Schwungmasse. Das Poti besitzt einen Schalter, der am Ende des Drehweges klickt, da es zugleich als Bandbreiteregelung fungiert. Auf seiner Achse sitzt eine Walze, um die der Seilzug geflochten ist. Geführt wird das Ganze durch 2 Seilzughüllen. Ich hatte diese Art der Seilzugführung schon oben bei der Ferritantenne beschrieben, hier nun ein Foto:

   
(schärfer packt's die Kamera nicht mehr)

Einige Stunden später funktionierte alles wieder. Ohne die oben im ersten Beitrag verlinkte holländische Reparaturanleitung hätte ich's nicht hinbekommen.
Zugleich konnte bei dieser Gelegenheit die Lage des Potis korrigiert werden. Seine Achse schaute kaum noch aus der Achse des größeren Knopfes heraus, wenn man diesen zwecks Einschaltung der KW-Lupe nach vorne gezogen hatte. Offenbar war die Sache mal gestaucht worden. Das Poti ist in einer filigranen Blechführung befestigt, die eine Lagekorrektur nach vorne oder hinten zulässt. Ein kräftiger Fingerdruck auf seinen Schalterbürzel, und es ließ sich einige Millimeter nach vorne bringen.

Nachdem 1 Seilzug mal durch den Vorbesitzer reparieren lassen wurde, ich nunmehr 2 Seilzüge erneuert habe, sind noch 2 originale drin. Ich hatte nicht den Nerv, diese bei dieser Gelegenheit auch noch zu tauschen.
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Gruß
klaus

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#3
Hier geht´s nun weiter, und zwar mit der Königsdisziplin: Reinigung einer Klarglasskala von innen und Einbau derselben sowie Justierung der Skalenanzeiger.

Vielleicht fragt sich mancheiner, warum ich die Instandsetzung des SATURN 54 so dröge langatmig vorstelle.  Nun, die großen Philips-Modelle um das Baujahr 1953/54 tauchen gar nicht so häufig auf dem Markt auf. Wenn, dann sind es oft der kleinere JUPITER sowie der gesuchte größere URANUS, das Spitzenmodell. Die hier von mir beschriebenen Details sollen helfen, insbesondere auch den teureren URANUS fachgerecht instandzusetzen, denn vieles ist mit Sicherheit vergleichbar.

   
   


Nun aber zur Skala.

   

Philips hat, wie in dieser Zeit auch andere Hersteller (z.B. Nordmende beim 1952/53er Jahrgang), eine klare Scheibe aus leicht grünlichem Glas verwendet. Sie wird von der Seite beleuchtet, d.h. die Birnchen strahlen in die Glaskante hinein, womit die ganze Scheibe erstrahlt und die Schrift sich optisch abhebt. Damit der Effekt gut zum Tragen kommt, muss die Scheibe möglichst sauber sein, natürlich nicht nur von außen. Hierauf will ich nun eingehen.

1) Reinigung der empfindlichen Skala

Die Außenansicht reinige ich mit einem feuchten Lappen, der mit etwas Flüssigseife benetzt ist. Darf nicht tropfen, d.h. es darf nichts durch die Achslöcher nach innen laufen. Das ist einfach. Zugleich wird die Glaskante der Scheibe umlaufend gereinigt, was besonders dort wichtig ist, wo die Skalenbirnen anliegen. Mit weichem Tuch (altes Baumwoll-T-Shirt o.ä.) reiben und anschöießemd trockenpolieren. Die Skaleninnenseite dabei ebenfalls auf ein sauberes, weiches Tuch legen und die Scheibe insgesamt wenig bewegen.
Es ist wichtig, die Außenseite zuerst zu reinigen, damit wir beim Arbeiten an der empfindlichen Innenseite sehen, wo noch ein Fleck sitzt.

Nun geht's nach also an die Innenseite. Hierzu die Familie, den Hund, die Katze, den Kanarienvogel etc. außer Haus schicken oder geräuschdicht einschließen Cool  sowie Klingel und Telefon abstellen.
Im Ernst: man hat nur 1 Versuch, und wenn hier etwas verdorben wird... eine intakte Skala aufzutreiben dürfte schwierig werden.
Auf dem obigen Foto liegt die Skala bereit.

Hier habe ich auf jegliches Wasser oder gar Reinigungsmittelchen verzichtet !  Ich suchte den weichesten Baumwolllappen, den ich fand. Ja, da gibt's Unterschiede. Dann wurden zuerst die Außenbereiche rundum gereinigt, also außerhalb der Schrift. Dazu den kleinen Baumwolllappen um den Zeigefinger gelegt, man hat dann mehr Gefühl, als wenn man etwa einen Wattebausch bewegt.
Dabei natürlich immer wieder eine neue Stelle des Läppchens nutzen, sonst verschmiert man, nimmt aber keinen Schmutz ab.

Dann ging's an die von Schrift freien größeren Innenräume innerhalb der Bedruckung. Ergänzend kann man mit einem trockenen Wattestäbchen arbeiten, damit man die Grenze zu großen Linien sauber bearbeitet.
Hat man einen etwas hartnäckigeren Fleck, so kann man die Stelle leicht anhauchen und dann vorsichtig wischen. Schließlich arbeitet man sich so in die kleineren Lücken vor, denn zwischenzeitlich hat sich eine gewisse Erfahrung eingestellt. Abschließend kann man sehr leicht über die Schriftgruppen wischen. In jede Buchstabenlücke wird man nicht gelangen, hier muss die 95% - Lösung genügen.
In meinem fall war die Skal recht sauber, wies allerdings einen leichten, schmierigen Dunstbelag auf.

Nachkontrolle durch Blick auf die Außenseite - fertig, jetzt Einbau der Chose.



2)  Einbau der Skala

Hierzu zunächst die dicken Filzringe um die Achsen einsetzen:


   

   

Exkurs:  An dieser Stelle ist schön zu sehen, dass ich das Chassis mit den beiden Pressspanplatten ausgebaut habe. Das ist wichtig, da Philips den Netztrafo vom Chassis getrennt auf dem rechten Holzbrettchen verschraubt hat. Würde man nur das Metallchassis ausbauen wollen, so müsste man alle Trafoleitungen ablöten. Unnötige Arbeit.
Zugleich sieht man im Bild, dass die Ferritantenne ungleichseitig ist, d.h. ihr Ständer ist nicht mittig angebracht, so dass nur der kürzere Teil Platz findet, vor die Schallwand zu drehen. Das ist wichtig beim Einstellen des Seilzuges, dazu später mehr.

Die Skala wird nun vorsichtig hinter die Tasten gefädelt, hierzu Obacht geben, dass die beiden Drahtzeiger zur Höhen-  und zur Bassanzeige nichts verkratzen. Man dreht Höhen- und Bassregler sinnvollerweise so, dass das Zeigerende in den nicht bedruckten Bereich geführt wird, sonst kann man sich hier die Beschriftung zerkratzen.

Die Skala ist beidseitig durch eine Gummiauflage (umlaufendes Band) gedämpft, das ist wohl bei allen Geräten mittlerweile morsch. Ich habe mir 2 umlaufende Filzstreifen geschnitten.

   
(Die hellen Stellen neben den Knöpfen sind Lichtreflexe vom Kamerablitz, also Spiegelungen von den davor liegenden Knöpfen)

Sieht dann so aus: Die Skala ist ab Werk seitlich durch je eine kleine Blechnase gehalten, die fest zur Scheibe angedrückt wird. Jede Nase ist mit einem Stückchen Plastikschlauch umgeben. Das möchte man nicht mehr anklopfen, zu hoch ist die Gefahr einer Beschädigung. Also sollte die Skala saugend zwischen die beiden Nasen passen. Dann nimmt man einen winzigen Klecks Klebstoff, den man über Nasen und Glasrand gibt (Pattex ist geeignet).
Unter die beiden Knebelköpfe kommt eine Filzscheibe. Die Skala wird letzlich durch die beiden Knopfreihen gehalten, da bewegt sich nichts.

Hinweis: vor den rechten Knebelknopf (Umschaltung der Lautsprecher) kommt ein dünner, federnder Drahtring auf die Achse. Die Achse hat hierzu eine Nut. Fehlte bei meinem Gerät und musste selbst gebogen werden.

Jetzt, da die Skala sitzt, sollten natürlich die Zeiger auf korrekten Sitz kontrolliert werden, d.h. Übereinstimmung mit der Bedruckung. Außerdem müssen sie auf Abstand zur Beschriftung laufen. Hier kann gar nicht zu viel Sorgfalt aufgewendet werden.
Passte, puh !
Naja, fast...
Den Perfektionisten wurmte, dass der Drehknebel für Ferritantenne nicht den gesamten Bereich seiner Skala bestrich.

   

Das war heilbar, erforderte aber Fingerspitzengefühl, da der Antrieb nach Einbau von Skala und Skalenhintergrund nicht mehr in Gänze zugänglich war. Wir erinnern uns: das Gerät wurde bereits mit gerissenem Zug erworben, zudem fehlte ein abgerissenes Teil des Zuges samt Feder. Der Fehler lag in der Justierung der Ferritantenne zum Seilzug:

   

Man muss wissen, dass die Antenne an ihrem Drehfuß 1 Endanschlag für die Seilführung hat, nämlich dort wo der Schalter gerade ausgelöst wird. Endanschlag Nummer 2 sitzt aber nicht an der Antenne, sondern an der Drehwalze hinter dem Knebelknopf, hier links im Bild:

   

Nun galt es zu fummeln: Die untere Plastikführung des Seilzuges aushängen:

.jpg   Antrieb Ferritantenne_2.jpg (Größe: 86,17 KB / Downloads: 912)

Dazu übt man erheblichen Druck aus, denn die Führungshülse des Außenzuges muss ja aus der Gehäuseaufnahme ausgehängt werden, d.h. man dehnt sozusagen die Zugfeder des Zuges. Ist der Außenzug frei, so ist der Seilzug lockerer und man kann nun die Ferritantenne so unter dem Zug verschieben, bis man mehr Drehweg gewonnen hat. Nun den Außenzug wieder einhängen. Eine Fummelarbeit, aber es klappte.

Reicht für heute, die Skala ist drin, alle Regler samt ihren Anzeigen tun, was sie sollen.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#4
Wahnsinn. Ein Madenschräubchen in der Mimik des Antennenantriebs wär kein Luxus gewesen.... Aber gut, normal muss man da ja nie ran.
Gruß,
Uli
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#5
Hallo Klaus,

Na da lacht doch das Mechanikerherz...
Von aussen sieht man dem Gerät auf den ersten Blick garnicht an, was da für Technik drin ist.

Danke fürs Zeigen!


Viele Grüße,

Axel Smile
Womit fährt der Norweger zur Mittagspause?
...Na mit einem Fjord Siesta!
 Wink
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#6
(18.12.2019, 20:18)Axel schrieb: ....Na da lacht doch das Mechanikerherz...
Von aussen sieht man dem Gerät auf den ersten Blick garnicht an, was da für Technik drin ist....

Hallo Uli und Axel.

Dazu sage ich nur: es ist ein Philips.
Will sagen: Philips hat meines Erachtens gerade im oberen Preissegment High-End-Geräte gebaut, allerdings habe ich den Eindruck, man hat sich speziell in der mechanischen Umsetzung dabei auch oftmals gerne "verkünstelt".
Als Reparateur muss man sowas mögen, denn sonst ist man mit einem Spitzengerät eines anderen Herstellers sicherlich reparaturfreundlicher unterwegs.
Ich für meinen Teil überlege derzeit noch, ob es mir gefällt Undecided , vor allem die fipseligen Bandfilter nach Philetta-Manier überzeugen mich noch nicht bei einem Gerät, das 1954 DM 420,- gekostet hat. Dafür überzeugt der Klang, auch wenn die elektronische Überholung des Radios noch nicht abgeschlossen ist.
_____________
Gruß
klaus

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#7
Hier geht es nun weiter mit den Reparaturimpressionen.

Wir erinnern uns, ein Fehler bestand darin, dass sich das Gerät nicht mehr ausschalten ließ. Das äußerte sich so, dass beim Niederdrücken der AUS-Taste der Stromkreis durchaus getrennt wurde, sobald der Tastenhebel in seine Normallage zurückschnappte der Stromfluss aber wieder hergestellt wurde. Alle anderen Tasten rasteten normal. Durch die Bodenklappe war dies schwer zu erkennen, bei ausgebautem Chassis / Skala / Skalenhintergrund sah man die Mechanik gut.

Oberhalb der auf dem Foto sichtbaren Tastenfedern liegt eine Sperrklinke:


.jpg   Sperrklinke Tastatur.jpg (Größe: 28,41 KB / Downloads: 781)

Auf den Fotos ist UKW gerastet. Man sieht den kleinen Haken, der über die Sperrklinke greift:

   

Nunmehr mit ausgebautem Chassis funktionierte dies auch bei der AUS-Taste. Huh 
Der Gedanke ging dahin, dass die Mechanik verbogen oder massiv verschlissen sei, was aber nicht verifiziert werden konnte. Also wurde vermutet, dass die AUS-Taste selbst im Gehäuse anschlug, so dass der Mechanismus nicht komplett auslösen konnte. Diese These zu stützen schien der Umstand, dass das Plastik der AUS-Taste sich farblich ein wenig von allen anderen Tasten unterscheidet, der Verdacht nahelag, dass diese Taste einmal durch ein Fremdfabrikat ersetzt worden war:


.jpg   Tasten.JPG (Größe: 54,5 KB / Downloads: 777)

Diese Frage konnte ich nicht schlüssig klären. Von unten betrachtet hat die Taste die gleiche Aufnahme für den Tastenhebel wie alle anderen, die Dimensionen der Taste stimmen, die typischen Alterskratzer finden sich, nichts wackelt oder sieht nachträglich verklebt aus, sprich: bis auf den Farbunterschied findet sich keine Differenz.

Also, Fehlerbesitigung stand an, denn: mit ausgebautem Chassis funktioniert der Mechanismus ja einwandfrei.
Die Idee: Das Chassis geringfügig anheben. Das Chassis sitzt wie bei den meisten Radios auf 4 Gummistopfen, die Vibrationen vom Gehäuselautsprecher dämpfen bzw. Brumm mindern sollen. Diese waren bei näherer Betrachtung arg zusammengedrückt.
Oben hatte ich beschrieben, dass Philips das Chassis beidseitig auf kleine Pressspanplatten gesetzt hat, die dann wiederum mit dem Gehäuse verschraubt werden. Ich fügte folglich Unterlegscheiben zwischen die 4 Gummistopfen und das Chassis:

   

Dadurch konnte 1 mm gewonnen werden. Zu viel darf man nicht, sonst ragt die Unterkante der Tasten über den Gehäuserand. Ein erster Versuch mit ins Gehäuse geschobenem Chassis scheint erfolgversprechend, das Gerät lässt sich ausschalten. Freuen wir uns mal nicht zu früh, das Chassis ist noch nicht endgültig verschraubt, auch wenn zwischen Pressspanplatten und Holzgehäuse nichts mehr zwischenliegt, also eigentlich sich auch nichts mehr setzen dürfte.
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Gruß
klaus

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#8
Donnerwettter, was für ein detaillierter Reparaturbericht! Sehr gut Klaus. Die PHILIPS Geräte dieser Epoche sind der mechanische "Overkill". Konsequente Fortsetzung der PHILIPS Einknopfgeräte der späten dreißiger Jahre.  

Die Geschichte mit der AUS-Taste, die nicht ausschaltet, ist ja schon interessant. Sollte PHILIPS das so knapp bemessen haben, dass bei altersbedingter Schrumpfung der Gummipuffer das Tastengestänge unten aufschlägt und dadurch die Sperrwippe beim Drücken der AUS-Tatse nicht freigibt? Komisch!

Ansttatt das Chassis etwas höher zu setzen, hätte man die Spanplatte unterhalb des Tastengestänges natürlich auch mit dem Dremel ein wenig ausknabbern können.
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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#9
Hallo Klaus

Danke für den schönen Bericht!

Ja, die Philips! Ich für meinen Teil liebe die. Daher habe ich auch den grösseren Bruder des von Dir vorgestellten Gerätes: BD733A

13 Röhren, 3 KW-Bereiche: 16,65...27,3 m; 30,6...50,8 m; 50...96,8 m. MW-Ortssendertaste. Bandbreite schaltbar "schmal", "mittel", "breit". 2 Lautsprecher permanentdynamisch die einen gewaltigen Klang erzeugen - in einer Zeit vor dem 3D-Hype.

Übrigens ist bei meinem Gerät auch die Aus-Taste dunkler gefärbt. Schaltprobleme gab es aber bei mir keine. Die hatte ich aber vergleichbar bei einem Philips A5X83A. Ob die Taste im BD733A ersetzt ist? Ich habe das Gerät vom Sohn des Erstbesitzers übernommen und es war m.E. weitestgehend im Originalzustand.

Die Bandfilter finde ich übrigens nicht fipselig sondern genial. Oder welcher andere Hersteller hat schon für AM/FM getrennte Filter verbaut? Die Güte dürfte gegen grosse Kombi-Bandfilter wie sie z.B. Nordmende gebaut hat auch besser sein. Aber da könnten wohl Berufenere mehr dazu sagen.

Viele Grüsse, Walter
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#10
Servus,
Diese getrennten Philips ZF Filter sind sehr gut in ihrer Güte. Ich bekomme jetzt wieder ein Boliden Chassis 6BX94A auf den Werktisch und freue mich schon auf die Instandsetzung. "Fipsig" ist an diesen Filtern absolut nichts.
Mit herzlichen Grüssen aus Trient
Volker

Wer mehr über meine Basteleien wissen möchte, kann meine Web Seite besuchen.


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#11
Hallo in die Runde.
Danke fürs Lob !
@Harald: vor dem Aushöhlen des Gehäusebodens bin ich noch zurückgeschreckt. Als ultima ratio würde ich dies aber in Betracht ziehen.

@Walter: bei meinem Gerät fehlt die originale abnehmbare Bodenplatte, die die Wartungsöffnung abdeckt. Diese muss entweder aus Metall gewesen sein oder einseitig metallisiert und war wohl mit dem Chassis verbunden. Da Du mit dem BD733 ein Gerät aus der gleichen Familie hast: könntest Du bei Gelegenheit ein Foto dieser Abdeckung einstellen? Das würde helfen, mich der Originallösung anzunähern.

Ich wusste, dass der Begriff "fipselig" hier und dort Widerspruchsgeist wecken würde Smiley53 .
Aber im Ernst: an der Empfangsgüte dieser Bauteile gibt es nichts zu kritteln.
"Spaßig" wird es dagegen, wenn sich bei den AM-Filtern der Kern aus seiner Kunststoffhülle gelöst hat und abgesackt ist. Oder wenn man einen Schraubkern der FM-Filter gesprengt hat, was auch routinierten Schraubern trotz Warmmachens und trotz aller Vorsicht mitunter gelingt. Bei zeitgenössischen Filtern anderer Hersteller kommt man dann wenigstens noch von unten ran. Zumindest ich verwünsche dann den Konstrukteur ob der gewählten Miniaturbauweise.
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Gruß
klaus

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#12
Hallo Klaus

Hier ein Bild:

   

Es ist ein Karton, einseitig mit Folie beschichtet und mit Draht, der durch eine Lötöse verlötet wird, mit dem Chassis verbunden.

Viele Grüsse, Walter
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#13
Erstklassig, Walter, vielen Dank !

An alle Leser:

Ich hatte mir das so in etwa vorgestellt, da man beim Saturn 54 in der hinteren Bodenleiste die Nut sieht, in die die Abdeckplatte einseitig eingeschoben wird, und in der vorderen Leiste kleine Löcher zur Aufnahme von Holzschrauben vorfindet. Indes fand ich im Netz kein Foto, das mir Aufschluss gab, etwa darüber, ob die Platte mit Lüftungslöchern durchbrochen ist und vor allem, wieviel Fläche des Unterbodens abgedeckt wird und wie die Masseverbindung realisiert ist.

Philips hat bei diesen Geräten einiges an Aufwand in die "Entbrummung" gesteckt. Dazu gehört auch die Bodenplatte. Gemeinhin denkt man bei einer geschirmten Bodenplatte zunächst an eine Störschutzmaßnahme, also eine Kapselung des Gerätes zur Störminderung nach außen. Dessen unbeschadet wird man beim Saturn 54 jedoch feststellen, dass das Gerät deutlich mehr brummt, sobald die Platte fehlt. Ich hatte hierzu die Probe aufs Exempel gemacht, und eine (nicht passende) Platte untergeschoben und mit dem Chassis verbunden. Gleiches war mir vor vielen Jahren bei einem Philips Sirius von 1951 aufgefallen, die Erinnerung blieb haften.

Ebenfalls auffällig in Sachen Brummminderung:  Die ECC40 (also eine Rimlockröhre) besitzt ab Werk eine aufgesteckte Blechhülse zur Schirmung !
Sie fehlte bei meinem Gerät, ihre Existenz konnte jedoch anhand von Fotos im Netz sowie vor allem durch die holländische Reparaturanleitung zweifelsfrei nachgewiesen werden. Walters BD 733 besitzt diese Blechhülse ebenfalls.

Weiterhin in Sachen Brummminderung: Ein Teil des Netzkabels ist geschirmt ! Ich hatte überlegt, das originale schwarze Netzkabel mit seiner nach heutigen Sicherheitsmaßstäben nur dünnen Einfachisolierung gegen etwas optisch passendes mit doppelter Isolierung zu tauschen. Davon habe ich vorerst Abstand genommen, nach dem ich die Schirmung entdeckt hatte. Zu groß ist mir die Gefahr, die Originalschirmung durch Herausziehen des alten Kabels und Einführen des neuen, sicherlich etwas dickeren Kabels zu schädigen.
Foto folgt:

   

Man sieht dort, wo das Kabel in den schwarzen Isolierschlauch mündet, einen silbrigen Ansatz. Dieser Schirmschlauch ist mit Chassismasse verbunden.

Betrachten wir einmal Walter's Gerät im vorherigen Beitrag von unten, so sieht man zahlreiche Schrauben. Vier große M5-Schrauben sind auf diesem Foto noch durch die Bodenplatte verdeckt. Sieht beim Saturn genauso aus, und ich will auf eine Besonderheit eingehen.
Ich schrub ja oben schon, dass das Chassis auf 2 Spanplatten montiert ist. Die dazu verwendeten Schrauben sind die größeren und kräftigeren und man meint zunächst, zum Chassisausbau diese M5-Schrauben lösen zu sollen. Tatsächlich empfiehlt es sich aber, die dünneren M4-Schrauben zu lösen, deren Unterlegscheiben von Philips extra mit roter Farbe markiert wurden :

   

Man nimmt auf diese Weise die Trafoeinheit, die nicht mit direkt mit dem Chassis verschraubt ist, mit hinaus.
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Gruß
klaus

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#14
Hallo Klaus

Danke für die weiteren Präzisierungen! Ja, hier hat Philips für Wartungsfreundlichkeit gesorgt. Die zwei folgenden Bilder können das ev. noch etwas mehr verdeutlichen:

Chassis mit zwei Bodenelementen:

   

Unterboden und daneben Chassis mit angeschraubten Bodenelementen - allerdings zueinander verdreht:

   


Viele Grüsse, Walter
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#15
Hallo in die Runde.

Ich habe mal einen Uranus 724 (das ist der optisch fast gleiche Vorgänger vom 733) generalüberholt und auf einwandfreie Funktion gebracht (ich mag das Wort restaurieren dafür nicht).
Ein paar Erinnerungen:
Mechanisch arg verbaut (so nenne ich es, wenn so vieles so umständlich konstruiert ist, wie auch beim hier vorgestellten Saturn). Die Skalenscheibe am Gehäuse befestigt anstatt am Chassis, wer denkt sich sowas aus??
Elektrisch solide und problemlos. Ein paar Philips-typische Unsinns-Details (wie zwei EZ 80 parallel statt einer EZ 81), aber sonst okay. Meiner war die Version mit der zusätzlichen, auf ein Pertinax-Brettchen montierten Vor-Vorstufe für UKW (also eine EC 92 vor der Vorstufen-EF), das fällt eigentlich schon unter Pfusch.

Das Ergebnis: Guter Empfang, sehr hohe Lautstärke (klar, 2x EL 41 im Gegentakt). Aber der Klang: in meinen Ohren fürchterlich. Muffig, topfig, mittenbetont, gepresst. Daher habe ich es verkauft. Allerdings, ich habe das ach so gesuchte Spitzengerät angeboten wie sauer Bier. Habe es schließlich billig an einen Freund abgegeben.

VG Stefan
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#16
(23.12.2019, 11:58)Klarzeichner schrieb: Ich habe mal einen Uranus 724 (das ist der optisch fast gleiche Vorgänger vom 733) generalüberholt und auf einwandfreie Funktion gebracht (ich mag das Wort restaurieren dafür nicht).

Genau. Die Bezeichnung ist gerade im technischen Bereich sehr "schwierig", da eine Restaurierung auch immer die Reversibilität des Eingriffs erfordert. Das macht die Sache sehr, sehr aufwändig und ist für die allermeisten Radios nicht lohnend.

Reparatur oder "Restauration ohne Wiederherstellung der Funktion" sind da wohl eher die möglichen Wege.
Beste Grüsse

Thorsten


"Das Leben ist nichts weiter als das Proben für eine Vorstellung, die niemals stattfindet."

(Die fabelhafte Welt der Amelie)
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#17
(23.12.2019, 11:58)Klarzeichner schrieb: Hallo in die Runde.

Ich habe mal einen Uranus 724 (das ist der optisch fast gleiche Vorgänger vom 733) generalüberholt und auf einwandfreie Funktion gebracht (ich mag das Wort restaurieren dafür nicht).
....Aber der Klang: in meinen Ohren fürchterlich. Muffig, topfig, mittenbetont, gepresst. Daher....

Auch ich hatte überlegt, welchen Titel ich meinem Beitrag gebe. Letztlich entschied auch ich mich dafür, nicht von Restaurierung sprechen zu wollen. Bei dem hier behandelten Saturn 54 BD633A handelt es sich um ein Gerät aus ebay-Kleinanzeigen, das in der Nähe erworben wurde. Das Gerät hat wohl unzählige Betriebsstunden auf dem Buckel, wenn man sich nur betrachtet, wieviele Röhren bereits getauscht wurden und teilweise wieder verbraucht sind.
Es war ein "Garagengerät", das optisch schon bessere Zeiten sah, aber nicht in dem Zustand ist, dass man nun mit der Lackfräse dem Gehäuse zu Leibe rücken wollte. Vieles wird optisch hergerichtet werden, Macken kaschiert bzw. betupft etc.  Auch innen wurde es grundgesäubert, aber nicht bis in jeden Winkel zerlegt, somit also keine Wattestäbchenschlacht geschlagen.

Was nun den Klang anbelangt: damit bin ich, nachdem der defekte elektrostatische HT durch ein baugleiches, intaktes Exemplar ersetzt wurde, eigentlich sehr zufrieden. Sehr stark klangverändernd wirkt die 'gehörrichtige Lautstärkeregelung' am LS-Regler. Das ist mir in der Tat etwas zu viel, denn wenn man mal Lautstärke abfordert merkt man, wie das Gerät beim Lauterdrehen verschiedene Klanggegenden durchläuft. Sowas missfällt mir, so dass ich hier dezent eingegriffen habe:

https://nvhrbiblio.nl/schema/Philips_BD633A.pdf

Der 68k am LS-Regler wurde abgeschwächt, indem ihm ein optisch identischer 100k parallelgelötet wurde. In Summe ergibt sich mit den entstandenen rund 40k ein etwas dunklerer Klang bei Leise-Stellung, der aber immer noch konturenscharf ist und den Übergang aus dem Wirkungsbereich der gehörrichtigen LS-Regelung nicht mehr so deutlich hervortreten lässt.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#18
Bisher ging es in diesem Thema hauptsächlich um die Wiederherstellung der Mechanik. Die AUS-Taste funktioniert nunmehr bei eingebautem Chassis, die Seilzüge sind wiederhergestellt. Natürlich wurde die übliche Kondensatorkur durchgeführt, Einzelheiten würden langweilen, daher hier ein Foto:

   

Man sieht, dass auch 3 Röhren aussortiert wurden, da völlig verbraucht. Zwei Stück EC 92 waren zur Hand, die dringend benötigte ECC 40
wurde zwischenzeitlich aus heimischen Beständen beschafft. Das im Gerät vorgefundene Exemplar stammte von Tungsram, war mithin also schon einmal ersetzt worden, aber dennoch auf beiden Systemen in einer Weise verbraucht, dass sich das Funke W19S nur zu einer Anzeige jeweils bis mittig des "Unbrauchbar"-Bereichs bereitfand. Zum Testen des Radios auf noch versteckte Mängel diente zwischenzeitlich ja eine ECC 81, die fliegend in die Rimlockfassung gelötet war und sehr brauchbar ihren Behelfsdienst versah.

Folgendes konnte aus den Tiefen des dislozierten Bestandes geborgen werden:

   

Kleiner Exkurs: die im Bild links sichtbare ECC 40 mit dem Aufdruck "EVER" fällt durch ihre Form auf. Tatsächlich ähnelt der Glaskolben sehr stark einer ECC 85 von FUNKWERK, so wie einer ebensolchen von RSD, die sich im Besitz befinden. Das fotografierte Exemplar zeigte auf dem RPG Bestwerte, obgleich der hartnäckige Dreckrand auf dem Röhrendom anzeigte, dass es bereits längere Zeit genutzt wurde.


Zwischenzeitlich werkelt eine gebrauchte ECC 40 von Siemens, ebenfalls mit Bestwerten auf dem RPG, im Radio. Die fehlende Abschirmhülse wurde ergänzt:

   

(ja, die Abschirmhülse gehört ab Werk wirklich dorthin)



Ergänzt, d.h. nachgefertigt, wurde auch die fehlende Bodenplatte. Das gezeigte Exemplar fand sich ebenfalls in heimischen, dislozierten Beständen und musste nur minimal verkleinert werden. Wichtig ist, dass die Platte von innen leitend beschichtet ist und diese Abschirmung Verbindung zur Chassismasse hat. Es ergibt sich eine deutlich Brummminderung.

   

Das Original ist wohl ohne Luftlöcher, diese stören aber hier nun nicht.
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Gruß
klaus

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#19
Irgendwie ja schon komisch, diese extreme Brummempfindlichkeit. Der Gitterableitwiderstand der ECC40 ist doch nur 1,8 Mohm. Es gibt auch Geräte die zur automatischen Erzeugung der Gittervorspannung durch den Anlaufstrom 10MOhm verwenden. Selbst da habe ich nie diese extreme Empfindlichkeit beobachtet - klar, wenn man den Finger nähert, dann schon.

Die perforierte Bodenabdeckung mag ja nicht dem Original entsprechen, aber für die Konvektionskühlung ist sie allemal gut.
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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#20
(30.12.2019, 20:48)radioljub01 schrieb: Irgendwie ja schon komisch, diese extreme Brummempfindlichkeit. Der Gitterableitwiderstand der ECC40 ist doch nur 1,8 Mohm. Es gibt auch Geräte die zur automatischen Erzeugung der Gittervorspannung durch den Anlaufstrom 10MOhm verwenden. Selbst da habe ich nie diese extreme Empfindlichkeit beobachtet - klar, wenn man den Finger nähert, dann schon.....

Konkret gesprochen Harald, ich höre keinen Unterschied, wenn die ECC40 haubenlos ist. Dennoch haben sich Ingenieure wohl etwas dabei gedacht.

@all: Bevor darüber gerätselt wird, ob die Haube nicht auf eine andere Röhre gehört -> Sie ist im holländischen Reparaturmanual des BX631A als zur "Buizen 7", welches ein-eindeutig die ECC40 ist,  gehörig abgebildet und findet sich auch in den zeitgleichen URANUS-Geräten über der ECC40.

   

Eine fehlende Abschirmung seitens der Bodenplatte hat indes tatsächlich einen deutlich heraushörbaren Effekt.


Wie geht es nun weiter mit der Instandsetzung des SATURN 54? Auf der To Do - Liste stehen abschließende Gehäusearbeiten, die bislang immer ein wenig zeitgleich zur Technikrevision gelaufen sind, deswegen habe ich darüber nicht berichtet. Weiterhin eine bessere EM34 sowie ein "dicker Brocken": An 2 ZF-Filtern (FM) ist jeweils einer der Kerne vernudelt, d.h. der Schlitz weggebrochen. Da hat sich schonmal jemand versucht.
Von unten kommt man an diese Philips-Kerne nicht heran. Ich habe mal eine etwa bauzeitgleiche Schrott-Philetta (Typ 283) aus meinem Bestand geborgen, ebenso einiger solcher Filter gefunden, die ebenfalls aus einer anderen Philietta stammen, vielleicht findet sich da passender Ersatz. Dennoch: die derzeitige Empfangsleistung des Geräts ist nicht schlecht, d.h. es besteht kein dringender Handlungsbedarf.
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Gruß
klaus

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