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Pendeluhr wieder zum laufen bringen
#1
Ein frohes Neues Jahr allerseits Smile

mein Patenkind hat sich eine (Omas) alte Pendeluhr mit Gewichten vorgenommen und mich um ein paar Tips gebeten.
Nach einer ersten mechanischen Reinigung hat er die Uhr soweit ans laufen bekommen, dass sie ohne Pendel wieder läuft, wenn auch zu schnell. Mit Pendel (ca. 90cm) bleibt sie nach kurzer Zeit jedoch stehen.

Mein Verdacht: Nach mehr als 60 Jahren sollten die Lager mal gereinigt und neu geölt werden.


Bilder habe ich leider keine gemacht.
Das Uhrwerk ist mit Ziffernblatt auf einem Brett montiert, dass sich aus dem Gehäuse entnehmen lässt.

Links zu Anleitungen sind willkommen.
Ich vermute das man das Uhrwerk von Brett, Zeigern und Ziffernblatt befreien sollte/kann, um es dann mit ?? zu Spülen/reinigen.
Dann sollten wohl die Lager ein wenig vom richtigen Öl bekommen. Welches? und woher?
Sollte die Hemmung(?) und das betreffende Zahnrad auch behandelt werden?

Lieben Gruß
Henrik
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#2
Na ja - ganz so einfach wirds nicht gehen mit zuerst komplett zerlegen, reinigen, trocknen und nachölen.Viele Lager sind nach Jahrzehnten nicht mehr rund sondern zur Elypse eingelaufen - die müssen neu "gemacht" werden, soll das Werk wieder paar Jahrzehnte laufen. Aber wart mal ab was Phalos hierzu uns sagt - unser Uhren-Experte.
Der Draht ist die Seele des Radios !
We`ll never know until we try . . .
(wings of desire - Jennifer Rush)
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#3
wenn sie ohne Pendel durchläuft, kann es auch sein, dass sie beim Probe Betrieb mit Pendel nicht richtig ausgerichtet war, dass sie hinkt oder der Anker verstellt ist, was auf das gleiche hinaus läuft.
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#4
Moin,

also das was du da beschreibst, auch mit dem langen Pendel klingt nach einer sog. Standuhr. 

Leider hast du kein Foto gemacht, was wichtig wäre.  Da man Standuhren gehäusetechnisch schlecht anders stellen kann, haben sie am Pendel hinter dem Werk mehrere Verstellmöglichkeiten, damit das Pendel richtig funktioniert. 


Also Foto her von der Rückseite des Werkes und präzisieren: bleibt es gleich stehen oder erst nach Minuten?  Hinkt die Uhr? 

Thommi
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#5
Vielen Dank schon mal für die Hinweise.
Ja, es ist eine Standuhr.
Ich werde mal nach Bildern fragen. (Der Ausbau erfolgt durch den Vater, da ist er noch nicht lang genug für)
Die Aussagen waren eindeutig: Bleibt nach einiger Zeit (deute ich als Minute(n)) stehen.

Eine Lagerüberarbeitung wird wohl erstmal verschoben werden müssen. Drehbank (auch ein Uhrmacherdrechselbänkchen) oxidieren noch bei mir in der Garage. Die bekommt er erst in ein paar Jahren. (Er hat das 'Händchen' Smile )
Die Lager machen zu lassen sprengt alle Kosten/Nutzenrahmen.
Bleibt Lager säubern (IPA?) und neues Öl (woher?).

Was ist Hinken bei einer Pendeluhr?  Mal einen Takt auslassen?

Gruß Henrik
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#6
Huhu,

Hinken bedeutet, das zwischen Tick Tack Tick nicht dieselbe Zeit vergeht. Sondern auf das Tick sehr schnell das Tack folgt dann aber viel Zeit bis zum nächsten Tick vergeht.
Es hört sich an, als wenn jemand mit Gehstock humpelt. 

Thommi
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#7
Hallo, Zusammen,
Nach meinem Verständniss soll die Hemmung in beiden Richtungen nach dem gleichen Pendelausschlag 
„freigeben“. Deshalb bei stehender Uhr die Pendelposition ausmessen.

Dann in beiden Richtungen das Pendel von Hand vorsichtig bewegen, und genau das „tick“ hören. Das soll von der zuvor ermittelten Mittellage in beiden Richtungen gleich sein.

Weitere mögliche Ursache: Die Uhr steht nicht fest auf dem Boden, sondern bewegt sich minimal. Diese Bewegung nimmt Energie vom Pendel auf, die Ausschläge werden kleiner, bis die Uhr stehenbleibt.
( Teppichboden? )

Das alles ersetzt natürlich keine korrekte Instandsetzung....

VG Henning
Schlau ist, wer weiß, wo er nachlesen kann, was er nicht weiß.
Nur Messungen liefern Fakten, alles andere ist Kaffeesatz.
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#8
[attachment=71183]
.jpg   Pendel.JPG (Größe: 261,46 KB / Downloads: 398)
Die Pendelgabel und der Anker sind in aller Regel nicht abs. fest mit einander verbunden. Es kann passieren, dass beim Transport und oder bei grossen ungewollten Auslenkungen des Pendels das Verhältnis Anker zur Pendelgabel verschiebt.
Das Ergebnis ist genau, wie zuvor geschildert. Man kann das leicht prüfen, indem man das Werk resp. die Uhr leicht in die eine oder entgegengesetzte Richtung verdreht . Kann ein gleichmässiges Ticken erreicht werden, muss das Verhältnis Gabel zum Anker justiert (durch Verdrehen d. Ankers auf der Welle )  werden. Es gibt allerdings auch Konstruktionen wo das an der Pendelgabel selbst vorgenommen werden kann.
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#9
Bilder sind angefragt...
in der Zwischenzeit: Welches Öl? Und Woher?
Einfach kleines Gefäß mit zum Uhrmacher nehmen und fragen?

Gruß Henrik
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#10
Moin moin Henrik,

ich benutze ab und an das hier und nicht nur für Uhren: https://www.uhrmacherwerkzeuge.com/epage...DEQAvD_BwE
M.f.G.
harry


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Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.
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#11
Hallo!
Es gibt da so genanntes Groß Uhrenöl. Einfach mal bei Ebay schauen. Dazu brauchst du noch die passenden Ölgeber kosten nicht viel.
Gruß Chris B.
Rettet den analogen Rundfunk!! Kauft UKW Radio's!!!
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#12
(02.01.2020, 20:32)Henrik_V schrieb: ...Was ist Hinken bei einer Pendeluhr?...

Das bedeutet, wie schon geschrieben, dass die Hemmung der Uhr nicht mehr gleichmäßig ins Gangrad eingreift und von ihm korrekt abfällt.
Denn genau das (in der Reihenfolge richtige) Tack - Tick, was man hört, ist dieses Abfallen der (wahrscheinlich) einfachen Blechanker- oder präziseren Grahamhemmung (eine solche zeigt übrigens das Bild) aus bzw. von den Zähnen des Gangrades. Ist das Abfallen nicht mehr gleichmäßig, so "hinkt" oder "humpelt" die Uhr.

Daher nennt man das Justieren der Symmetrie des Pendelausschlages "den Abfall einstellen".

Die Ursachen des Humpelns sind vielfältig. Das können verölte Lager ebenso sein, wie ausgeschlagene Lager. Oder die Uhr steht schief oder hat sich verzogen oder die bereits gezeigte Pendelgabeleinstellung hat sich aufgrund einer heftigen Bewegung im Lager zur Ankerwelle verschoben, da dies beweglich zueinander angeordnet ist. Oft ist auch einfach nur die Pendelfeder verbogen, wenn es denn ein entsprechendes Gehwerk überhaupt ist.

Es git eine einfache Methode, den Abfall wieder einzustellen. Das erfordert etwas Fingerspitzengefühl und setzt ein korrekt = senkrecht stehendes Gehwerk (und damit i.d.R. die senkrecht stehende oder hängende Uhr) voraus.

UND bevor man das macht, sollte das Gehwerk gewaschen und deren Lager (und nur die und nicht das ganze Gehwerk!) sauber geölt sein. Uhrenöl und Ölgeber gibt es u.a. auch bei Amazon - dort habe ich das gekauft.

Gruß Michael

PS:

Bei mir im Haus gehen fünf Pendeluhren einwandfrei. Und ja - jeder hat so seinen Vogel. Daher finde ich, dass in jede Radiobastlerwerkstatt eine Pendeluhr dazugehört:

   

Smile
Penthode?
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#13
Abfall gibts auf der Müllhalde.
Bei der Uhr wird nur die Symmetrie eingestellt  Tongue

Egal, jedenfalls wird das Humpeln der Uhr dadurch verursacht, dass der Anker so seitlich verdreht ist, dass die Uhr schräg gehangen werden müsste um nicht mehr zu humpeln.


[Bild: Anchor_escapement_animation_217x328px.gif]
Oben: Anker
Unten: Ankerrad
Stab im Hintergrund: Ankergabel


Der Anker muss dazu auf seiner Welle so verdreht werden, dass bei ausgelotetem Gehäuse (die Uhr und das Pendel hängen lotrecht) der Abstand zwischen dem Zahn des Ankerrades und je der Eingangs- und Ausgangspalette gleich ist. Das Ticken also gleichmäßig ist. Das braucht etwas Fingerspitzengefühl und gutes Gehör. Ist aber auch vom Laien zu schaffen - vorrausgesetzt der Anker lässt sich verdrehen. Das ist nicht immer der Fall.
Dann hilft nur ein fachmännisches Nachstellen der Paletten des Ankers oder, wenn Anker und Paletten aus einem Teil bestehen, ein nachbiegen der Ankergabel.

Kleine Korrektur meines Vorredners: Die Hemmung greift nicht in das Gangrad ein. Hemmung ist der Gruppengebriff für Anker und Ankerrad. Bzw. bei Hemmungen ohne Anker umfasst er Gangrad und Zylinder (spezielle Form der Unruhwelle).
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#14
Hallo,
nun haben es wirklich viele Beiträge insbes. auch der von Phalos wirklich ausfürlichst erklärt. Hendrik müßte es halt mal machen.....
ich bin raus.
Franz
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#15
(04.01.2020, 15:32)Phalos schrieb: Kleine Korrektur meines Vorredners: Die Hemmung greift nicht in das Gangrad ein. Hemmung ist der Gruppengebriff für Anker und Ankerrad. Bzw. bei Hemmungen ohne Anker umfasst er Gangrad und Zylinder (spezielle Form der Unruhwelle).

Hallo Phalos,

stimmt! Danke für die Korrektur!

Gruß Michael
Penthode?
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#16
Vielen Dank für die vielen und ausführlichen Hinweise.
Öl und Ölgeber sind bestellt Smile
Ich warte noch auf die Bilder, sobald ich die habe, stelle ich die hier rein.

Wie und womit sollte die Reinigung der Zapfenlager(?) erfolgen?
Oder einfach erstmal nur neues Öl und schauen ob's reicht?


Zum Hinken, bzw. Einstellen des Pendels bin ich gerade am schauen ob ich ein Stück Software bastel. Soundkarteneingang ein bischen Autokorrelation ... damit sollte das Hinken schön zu visualisieren sein. Da gibt es zwar auch schon Fertiges (Zeitwaage&Soundkarte gurgeln), aber ich will ja auch meinen Spaß Big Grin
Da der LineIn ja Stereo ist, könnte man einen GPS Sekundenpuls dazugeben und sogar den Soundkartenquarz kalibrieren... ich weiß... Kanone auf Spatz Wink

/Rumspinnen
GPS disziplinierte Pendeluhr hätte aber was ... mh Konstantandraht als Heizung um den Pendelstab???
/Rumspinnen

Ich werde mich melden, wenn es was neues gibt. Nochmal Danke

Gruß Henrik
(der jetz erstmal Laserdopplervibrometerlaufzeiten messen geht)
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#17
Wenn man es richtig machen will, dann muss das Uhrwerk komplett zerlegt werden, Alle teile müssen in Seifenlauge im beheizten Ultraschallbad gereinigt und danach Verschleißteile nachgearbeitet/neu gemacht werden. Alles wieder zusammenbauen, einstellen und an den richtigen Stellen nachölen.

Wenn man pfuschen will, dann ölt man das Werk einfach ordentlich an den Lagern nach, in der Hoffnung dass der Dreck rausgeschwemmt wird.
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#18
(06.01.2020, 15:41)Phalos schrieb: Wenn man pfuschen will...

Es wird von den Fachleuten nicht gern gesehen, ist aber sogar in einem Buch beschrieben - allerdings sieht man aber seitens vieler Fachleute den Author als Pfuscher an, da er von einem Zerlegen des Gehwerkes absieht: Man nimmt das ausgebaute Gehwerk und wäscht es komplett in Verdünnung. Dabei die Lager alle durchpinseln, dennoch aber sehr vorsichtig zu Werke gehen. I.d.R. wird die Verdünnung dann meistens schwarz vor Dreck. Vorher aber unbedingt prüfen, ob das Metall durch die Verdünnung angegriffen wird.

Ich gebe das hier neutral wieder, bin ab jetzt raus.

Gruß Michael
Penthode?
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#19
Im beitrag zu der Glasen Uhr habe ich so wie der Buchautor das Uhrwerk lediglich ausgespühlt und abgepinselt.
Auf dem Teller kann man gut sehen das da sehr fiel dreck runtergewaschen wurde.

Fein kann man denken. Die uhr ist Sauber............... Aber diese metode ist nur die halbe Arbeit !!!!

Die Uhr wird auf diese weise zwar vom dreck befreit, aber nicht die lager!!!
Durch diese metode und der kapilarwirkung des flüssigen reinigungs mittel wird der abrasive dreck in die Lager passungen gesaugt.
Lager gehen dadurch sehr schnell kaput.

Für den lauftest hatte ich dieses risiko auf mich genommen, und nur die einheit mit der Unruhe extra und separat sauber gemacht.
Der grund war das ich da mechanisch was mit Abrasiven metoden bearbeitet hatte.

Phalos hat damit recht das die Uhr Komplet auseinander genommen werden muss. Alles andere is Pfusch

Meine Glasen Uhr steht seit dem ich das problem mit dem falschen öl bemergt hatte unaufgezogen still.
Sie wartet darauf das ich meine Heimwerkstat mit einer spezialvorrichtung ergänzt habe, um die nägsten aktionen zu starten.
Das dauert noch ein par wochen, da ich nebenbei auch zur arbeit muss, und die familie vorrang hat.

Danach kann ich mich der Reparatur widmen.
Ein lager ist bereits sichtlich ausgeschlagen, weshalb ich das so oder so neu ausbuchsen muss.
Bei der gelegenheit im auseinander gebauten zustand werden alle lager kontroliert.
Sowas geht im zusammengebauten zustand nicht, es sei denn der schaden ist schon im zusammengebauten zustand offensichtlich.
Und wenn so ein Schaden Offensichtlich ist, dann sind die anderen Lager bestimmt auch nicht mehr 100% in ordnung.

Nachdem ich die ausgeschlagenen lager neu ausgebuchst habe wird das ganze Uhrwerk mit Sidol blank gerieben und hinterher im ultraschallbad behandelt.
Dazu gibt es spezielle lösungenmittel welche nur für diese art von Bauteilen vorgesehen sind.

Wellen noch auf Hochglanz poliert (habe dafür spezielles material und werkzeug ) und alles wieder zusammengebaut.
Neutrale Gummihandschuhe tragen damit nicht gleich wieder Fingerabdrücke drauf kommen.
Passendes Uhren öl in der GENAUEN dosierung an den RICHTIGEN stellen, und zulätzt und die Unruhe neu einstellen- feder ausrichten.

In meinen fall bedarf dieser letzte teil noch ein par gesonderte arbeitschritte.
Das kommt aber alles erst im dazugehörigen beitrag.

Hier wollte ich nur darauf hinweisen das die von mir gemachte reinigung in dem beitrag zur Glasenuhr eine grobreinigung wahr.
Der zweck diente nur dazu den groben Dreck runterzukriegen. Auf dem Teller sieht man gut was da auf anhieb alles rausgewaschen wurde.
Stellt euch diese schwarzen partikel Im inneren eines Lagers vor...............autch.
Und das pasiert durch die kapilarwirkung beim auswaschen auf jeden fall.

NUR ausspühlen, wie der Buchautor andeuted ist wirklich ein starkes stuck.
Der will die Uhr wohl so schnell wie möglich wieder auf die Werkbank bekommen und dann eine grossreparatur kassieren
Printed on recycled Data
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#20
Der Grund warum man eine Uhr zerlegt reinigen muss ist ganz einfach.
(Neben den "beiläufigen" Vorteilen, dass man so auch direkt ausgelaufene Lager ersetzen kann, sowie die Zapfen der Räderwellen polieren kann)

Wenn eine Uhr, 20 Jahre oder länger gelaufen ist, dann ist in den Lagern sowohl altes Öl drin (das wenn es auf tierischer Fettbasis ist verharzt) als auch feiner Messing- und Stahlabrieb vom Lager und dem Zapfen.
Wenn man jetzt hergeht und nachölt, dann verwandelt sich das alte Öl, zusammen mit dem neuen, und dem Metallabrieb, zu einer richtig schönen Schmirgelpaste, die Zapfen und Lager nur noch weiter, und vor allem SCHNELLER verschleißen lässt.

Man kann die Lager natürlich durchspülen, aber man wird nie alles raus bekommen. Kann man glauben oder nicht, ist aber so.
Da bin ich nicht der einzige Uhrmacher der nach dem vermeintlichen Waschen nochmal die Uhr zerlegt hat und geschaut hat, was da noch alles im Lager drin rum-suppt.

Ich sag immer:
Man lernt den Beruf nicht umsonst 3 Jahre und verlangt für eine ordentliche Überholung eines "einfachen" Uhrwerks im Schnitt 150€, wenn das "nur mal kurz auswaschen und nachölen" ist. Das kann man sich ja mal im Hinterkopf behalten...
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