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Tornisterempfänger Berta/Torn. e.b. - ein Geradeausempfänger der besonderen Art
#1
Hallo liebe Freunde des Sondermülls und Elektroschrotts, 

Es war ja gerade Weihnachten, da sitzt der Geldbeutel etwas lockerer. Und wie es so ist, wenn man sich ganz lange etwas wünscht, dann klappts auch irgendwann. Kurz und Knapp - ich habe mir eine Berta gekauft. Sie war zwar nicht gerade günstig, allerdings wesentlich günstiger, als die Modelle, die normalerweise so in der Bucht über die Theke gehen. Da sieht man ja zum Teil fürchterliche, fast vierstellige Preise. Das ist eben der Winkelelementmultiplikator, den es ja auch in anderer Form, aber mit ähnlichem Resultat - absonderlichen Preisen - auch mit Klangfilm und anderen Zauberwörtern gibt.

Das Gerät an sich wurde schon mal, vermutlich vor nicht allzu langer Zeit überholt, jedoch dazu später mehr.

Was ist überhaupt eine Berta? Der Torn. E. B. Vormals Spez. 976/Bs der Firma Telefunken ist ein tragbarer Batterieempfänger, der hauptsächlich für die Wehrmacht, jedoch vor dem Kriege auch für kommerzielle Anwendungen und für den Export gebaut wurde. Später, soweit ich weiß, dann auch von anderen Firmen wie z. B. Mende. Zum Empfängerhalbtornister gehört noch ein Zubehörhalbtornister, in welchem die Stromversorgung und Kabel untergebracht worden sind. Rein technisch kein Hexenwerk und doch ein Hexenwerk. Es ist ein 2V1, sprich ein Geradeausempfänger mit zwei HF Vorstufen und einer NF Stufe. Empfangbar ist der Frequenzbereich von ca. 100 kHz bis 7 MHz, aufgeteilt in acht Bereiche. Diese Umschaltung wird über den großen Trommelwähler realisiert. Zuschaltbar ist ein Filter, Tonsieb genannt, um den Empfang von Telegraphiesignalen zu erleichtern. Zur Ausstattung der ersten Baujahre zählte ein umschaltbares Messwerk, welches die Heiz- und auf Knopfdruck die Anodenspannung anzeigt, eine Skala mit Zeiger für die Rückkopplungseinstellung und mit Schildchen aufgebrachte Frontplattenbeschriftung. Nach und nach fielen diese Merkmale weg, dazu wurde später das ganze aus billigerem Guss hergestellt, was in einem höheren Gewicht resultierte - die Späten Bertas hatten auch mit der Zinkpest zu kämpfen.
Bestückt ist der Empfänger mit vier RV2P800. Diese Röhre ermöglichte einen Wechsel eben dieser, ohne die drei Empfangskreise neu abzugleichen, da die P800 eine sehr eng gesteckte Toleranz der Gitterkapazitäten hat.

Der ganze Apparat steckt in einem Kasten aud Panzerholz, Sperrholz mit Blech verkleidet. 

Was habe ich geplant? Teilrestauration der Frontplatte, da bei mir die Schildchen mehr als unfachmännisch getauscht wurden. Komplettrestauration des Innenlebens, inkl Empfindlichkeitsmessung nebst eventuellem Neuabgleich.

Bilder mache ich nachher noch, geduldet euch.
Viele Grüße, Mark

Radioten aller Länder, vereinigt euch!
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#2
Hallo Mark,

ja, ich kenne das Gerät auch. Ich bekam es Anfang der 80 er Jahr als Beigabe zu einem Radiokauf geschenkt. Nun lebten wir Radiobastler ja damals in der Steinzeit. Kein Internet. Keine Sammlerkontakte und erst Recht keine Unterlagen. Ich öffnete das "Eisending"... Hm, gar keine Röhren drinnen. Dann die große Anschlußbuchse mit diversen Pin's. Ja, wie anschließen? Man wußte also nicht, was mit dem Gerät anzufangen ist, also tauschte ich es damals mit einem Amateurfunker gegen einen DKE. Ich erinnere mich noch an das längliche Zeichen in der Mitte "Feind hört mit". Achja und Röhren waren schon drinnen - nur eben über Kopf. Smile
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#3
Hallo Mark,
vorab Glückwunsch. Seit langem beschäftige ich mich theoretisch mit diesem Empfänger, studiere auch immer wieder den Schaltplan und habe mir diverse Bilder insbesondere vom Innenleben abgespeichert.
Für einen Erwerb konnte ich mich bisher nicht entscheiden. Mein Vorbehalt, die Kontakte des Kanal-Wählers aufgrund jahrzehntelanger rustikaler Nutzung.
Mark, mal wieder ein Bericht der interessante Erinnerungen anspricht. Ich wünsche viel Freud und Erfolg mit dem Erwerb.
Mit freundlichem Gruß,  Wolfhard
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#4
Hallo Andreas, hallo Wolfhard,

die Geschichte kenne ich schon von Andreas, und ihr könnt euch sicher sein, ich habe ihm dafür schon Verbal in den Allerwertesten getreten Big Grin
Aber es ist vorbei -  lässt sich eh nix mehr dran ändern. Ich vermute ja, dass es ein richtiges Tornisterfunkgerät war, da dort die genannte Textpassage aufgebracht ist.

Die Kontakte des Trommelwählers sind eigentlich unverwüstlich, siehe Bilder. Auf sie drücken federbelastete Zungen, verschleiß ist bei dieser Berta und bei meiner Teileträgerberta nicht wirklich zu erkennen.
Warum Teileträgerberta? Matt hatte mir vor ein paar Jahren schon mal ein solches Gerät verkauft, mit entstellter Frontplatte, jeder Menge Fehlteilen und ohne Gehäuse. Das ganze war auch wieder Spielfähig, nur dann irgendwann wieder eingeschlafen. 

Nun zum neuen Torn. E.b.

   

Das Gerät macht einen optisch guten Eindruck, Farbe der Frontplatte und des Gehäuses passen nicht zusammen, das kann man aber später noch anpassen. Der Deckel sowie die Hebelage, die den Zubehörtornister und den Haupttornister verbinden, fehlen.  

   

Sämtliche Beschriftungen sind als Schilder ausgeführt und auf die Fronplatte genietet, wobei einige der Schildchen aus frühen Baujahren zu stammen scheinen und für Senkkopfschrauben gedacht sind. Dass ich damit ein kleines Problem habe, dürfte spätestens hier eindeutig werden:

   

Ein schönes Detail ist die Skala für die Rückkopplungseinstellung:

   

Auf dem Gehäuse ist noch etwas der originalen Gehäusefarbe zu erkennen, sowie eine Seriennummer:

   


Das Gerät ist durchaus Spielfähig, allerdings befriedigt mich die Empfindlichkeit absolut nicht und das einsetzen der Rückkopplung ist zu früh und mehr als zu hart. Wenn man sich den HF-Teil anschaut, ist alles auch kein wunder:

   

Dieser scheint gänzlich unrestauriert zu sein, überall noch Teerkondensatoren und unangetastete Lötstellen. Ein weiteres schönes Spezifikum dieses Gerätes ist, dass jedes Bauelement und jede Verbindungsstelle eine eigene Nummer hat - das ist nicht nur toll, das ist genial! Die alten Kondensatoren versuche ich so gut es geht zu reinigen und neu zu befüllen. Baugrößentechnisch sollten da ja keine Probleme entstehen.

Zwischen HF und NF Teil sitzt der Trommelwähler mit den von Wolfhard angesprochenen Kontakten:

   

   

Irgendwas klappert da drin herum, da muss ich auch mal sehen, was Phase ist. Ob das Phänomen, dass über die gesamte Langwelle der Ungarische Großsender auf 540 kHz zu hören ist, am Trommelwähler hängt, ist herauszufinden.


Der NF-Teil wurde augenscheinlich schon überarbeitet, hier muss allerdings auch nochmals die Marksche Hand angelegt werden:

   

Die Kabelfarben gehen gar nicht - die Art und Weise der Verlegung ist auch mehr als gruselig, genau wie die Plastkabelbinder. Auch scheint der eine Widerstand oben im Bilde etwas Temperatur gehabt zu haben, zeigt er doch etwas bräunliche Verfärbung.
Hier kommt dann wieder die Schlachtberta ins Spiel, dort werde ich die Fehlenden kabel und defekten Bauteile entnehmen.

Zu guter Letzt noch der Röhrensatz, obwohl sie alle sehr neu aussehen, sind sie alle schrecklich mikrophonisch, da werde ich die aus der Matt`schen Berta nutzen.

   
Viele Grüße, Mark

Radioten aller Länder, vereinigt euch!
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#5
Hallo Mark,
ein tolles Schätzchen und Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Man munkelt sogar, dass Andreas Vegetarier sei  Big Grin  
Die Modulbauweise ist in der Tat eine feine Sache.
---
Viele Grüße aus dem Ruhrgebiet...Dirk
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#6
Hallo Dirk, das größte Gerücht!!!

Hallo Mark,

ja das ist das Teil. Ich sehe das noch genau vor mir. Allersdings in der originalen Farbe. Das Ding hat Lockenwickler-Röhren. Ich dachte immer, da wären die P2000 verbaut.

Aber ich muss ehrlich sagen, diesen Trum würde ich auch heute noch gegen ein schönes Uralt-Radio tauschen. Trotzdem viel Spaß mit dem Gerät. Was mich immer noch wundert, warum war an meinem Gerät das Schild "Feind hört mit". Das ist doch nur ein Funkempfänger.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#7
Hallo zusammen,

heute habe ich in der Schlachtberta die Kondensatoren geerntet. Die sind mächtig eingestaubt - aber seht mal, wie prächtig die sich putzen lassen:

   

   

Eine Reicheltbestellung mit hochwertigen kondensatoren ist schon auf dem Weg, habe ein wenig Bammel, dass die von den Maßen nicht in die alten Hüllen passen. Mal sehen.

Die Berta ist in wunderbarer Modulbauweise aufgebaut, alles lässt sich mit wenigen Schrauben demontieren und zerlegen. Gut, hier und da müssen Drähte abgelötet werden, aber man hat sämtliche Module innerhalb von 20 min getrennt. Da liegen dann auf dem Tisch:
  • HF-Teil
  • Drehko
  • Trommel
  • NF-Teil
Dazu dann später mehr Bilder, schließlich muss ich den ganzen kram noch zerlegen zum Lackieren.
Viele Grüße, Mark

Radioten aller Länder, vereinigt euch!
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#8
Zeig mal Foto, wie Vorbesitzer mit Berta angetan hat.

Ich schreibe mal:  Vorbesitzer hat   Rahmen  so abgeschliffen, dass es ebenbündig mit Front  ist.  ich dachte anfangs dass Front  zweiteilig ist, bis ich Schleifspur an Front fand.
Auserdem: Fehlteil gibt gratis.   Allerdings ist elektrische Seite nicht wirklich grossartig defekt, nach kurze Reparatur funktioniert laut Mark recht gut.


Ist deine Berta  eine frühe Modell aus Aluminum-Guss ?

Grüss
Matt
Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
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#9
Diese schrecklichen Bilder kann man eigentlich keinem zeigen....
Dafür hattest du sie mir ja recht günstig überlassen, sogar mit doppeltem Röhrensatz.


   
   
   
   
   

Man sieht, dass da richtig einer Spaß am vergewaltigen hatte. Schlichtfeile und los gehts. Der Aufwand, die ganzen Fehlteile zu besorgen oder anzufertigen, war einfach zu groß. Hatte unseren hiesigen Wehrmachtsspezi gefragt, der meinte nur "lass es, bekommst du nie alles zusammen". 

Und ja, Matt, beide haben den leichten Guss - deine Berta sollte ein 41er Baujahr sein, zumindest sind alle Kondis von 40/41. Das Paket hat 14 Kilo gewogen, somit dürfte das Chassis auch ein frühes sein. Das Typschild lügt - 44er Baujahr glaube ich nicht.
Viele Grüße, Mark

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#10
Hallo Mark,
herzlichen Glückwunsch zu Deinem neuen "Fang",
zumal sein Zustand doch richtig gut ist.
Da habe ich schon richtige Krücken gesehen, die für sehr viele Euronen angeboten wurden
und dafür auch über den Tisch gegangen sind.
Ich mal gespannt, wie die Berta nach der Restauration aussieht...

Viele Grüße,
Rolf
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#11
Guten Morgen Rolf,

danke! Ja, da hat einer schon mal Hand angelegt... Ich muss mir mal noch einen Stempel mit Zahlen zulegen, dass ich die Gehäuseteile wieder beschriften kann. alternativ klebe ich kleine Papierschildchen auf.

@Wolfhard, ich habe gestern die Kontakte an den Zungen angeschaut, auch dort keine stark destruktiv aussehenden Verschleißspuren. Die Zungen an sich dürften aus Federbronze sein, die Kontakte sehen aus wie Silber.
Viele Grüße, Mark

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#12
Hallo Mark,

Meinen Glückwunsch und viel Spaß mit dem Gerät!

Ja, der mechanische Aufbau von miltärischem Gerät ist immer wieder Beeindruckend.
Da geht kaum was kaputt, oder verschleisst.

Mein Interesse gilt ja mehr der nachfolgenden Zeit (NVA), aber ich werde wieder gern mitlesen.
Bin ja mal gespannt wie gut solch' militärisches Audion empfängt, du machst dann ja sicher wieder Videos?


Viele Grüße,

Axel Smile
Womit fährt der Norweger zur Mittagspause?
...Na mit einem Fjord Siesta!
 Wink
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#13
Falls jemand eine Wartungsanleitung/Abgleichhinweise hat, schreibt mir mal! 
Viele Grüße, Mark

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#14
...hier gibt es auch noch ein paar Infos:
https://www.kriegsfunker.com/radios/torn..._1937.html
bzw.
https://www.kriegsfunker.com/radios/torn...b_1942.php

Viele Grüße,
Rolf
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#15
Danke, diese Seiten sind mir leider schon bekannt.
Viele Grüße, Mark

Radioten aller Länder, vereinigt euch!
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#16
Hallo Mark,
Glückwunsch zur erstandenen Berta. Herr Wolfgang Schröer ( DL7HZ ) hat Publikationen zu Wehrmachtsempfängern geschrieben. Ausführlich hat er sich mit der “Berta“ befasst. Unter anderem Restaurierung und Abgleich des Gerätes.
Link zur Internetseite:

http://www.dl7hzpublications.magix.net/index.htm

In meinem Besitz befindet eine zivile “ Berta“ vom Typ “E575 X“ Sie hat einen größeren Empfangsbereich und ist mit den neueren Röhren RV2,4 P700 bestückt. Identisches Gerät wurde als AE 1020 ( AE = Auslandsempfänger ) an die Schwedische Armee geliefert.

Kalle
Die einfachsten Lösungen sind die Besten!
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#17
Hallo,
in den Tiefen dieser Seite findet sich einiges an Literatur .
https://www.qsl.net/dl6vw/
Gruß
Cris
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#18
Glückwunsch Mark und viel Spass damit. Ebenso wie bei Andreas ist die die "Grauware" nicht so mein Ding. Zum Glück ... wenn ich damit auch noch anfangen würde...
Beste Grüsse

Thorsten


"Das Leben ist nichts weiter als das Proben für eine Vorstellung, die niemals stattfindet."

(Die fabelhafte Welt der Amelie)
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#19
Hallo zusammen,

Die CD von Herrn Schröer habe ich in der Ausführung 2 gerade geordert, mal sehen, was da alles drin steht.
Danke für die Links.

Kalle, kannst du den E575 X mal hiet vorstellen, würde mich sehr brennend interessieren!

Thorsten, wie schnell der Wandel geht, siehst ja bei Dirk/Hilti. Der ist ja jetzt ganz heiß auf den Plunder Big Grin
Viele Grüße, Mark

Radioten aller Länder, vereinigt euch!
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#20
Die CD ist gestern angekommen, ich bin begeistert. Die ist jeden einzelnen Cent wert. Auf 236 Seiten erklärt hier Herr Schröer (fast) alles, was man zu dem Gerät wissen kann. Allerdings werde ich mir das Werk drucken und binden lassen, bei der menge bekomme ich Augen wie eine Eule, so vor dem Rechner.
Viele Grüße, Mark

Radioten aller Länder, vereinigt euch!
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