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Kienzle Wanduhrwerk
#1
Andreas P. hat mir ein Uhrwerk zur Überholung zugeschickt, das es auch bitternötig hatte.
Er bat mich doch einen kleinen Bericht zu schreiben, was ich hiermit tun möchte.

So kam das Uhrwerk bei mir an:

   

   

   

Also wurde das Uhrwerk erst einmal zerlegt, die Zapfen poliert (leider keine Bilder) und die Lager erneuert.
Dazu werden die Platinen in eine s.g. KWM-Maschine eingespannt, ausgerichtet, die Lager werden auf ein bestimmtes Maß aufgerieben und die neuen Lagerbuchsen eingepresst.
Unten sieht man einen Schablone mit der man den Zapfendurchmesser der Räder prüfen kann um dann aus einem der zwei Lagerkästchen das passende Lager herauszusuchen.

   

   

   

Dann einmal ins beheizte Reinigungsbad...

   

Und gereinigt schaut nun alles doch schonmal besser aus.
Einige Verfärbungen des Messings sind nur durch polieren weg zu bekommen. Das mache ich aber nicht, weil es mMn nicht schön aussieht, zudem ist es recht gefährlich, weil sich eingenietet Anrichtstifte etwa in der Schwabbel könnten und die Platine somit in die Poliermaschine gerissen werden können.

   

   

   

Dann wurde das Uhrwerk nach gut 5 Stunden Arbeit wieder zusammengebaut, das Schlagwerk eingestellt und die Ankerbrücke ausgerichtet.
Nun läuft das Uhrwerk erstmal Probe und geht nach bestandener Prüfung zurück zu Andreas.

   

   
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#2
Hallo Phalos,
freut mich das mal ein Feinmechaniker unter uns ist der auch mit Uhren umgehen kann.

Solche Werke hab ich mehr als genug in der Sammlung. Wie ich sehe bist Du gut mit geeigneten Werkzeugen bestückt wie z.B. Lagerpresse und US-Reiniger:

Welches Reinigungsmittel hast Du da verwendet, ich denke das die Teile ja sauber geworden sind aber nicht so gut glänzen wie ich meine ?
erst Denken dann Arbeiten

Josef
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#3
Hallo Phalos,

und ich freue mich erst mal. Wenn ich das zerlegte Uhrwerk so sehe, dann fallen mir meine kindlichen Sünden ein. End der 60 er Jahr wollte diese Uhren kaum noch Jemand. Wie oft lag solch eine alte Uhr vor meinem Elternhaus. Und wie gerne habe ich die Uhrwerke zerlegt. Dann sah das etwa genauso aus. Aber da mußte ich das nicht mehr zusammen setzen.

Hier in dem Falle bin ich natürlich beeindruckt, was Du das für Arbeiten durchführen mußt und wie gut das hinterher wieder aussieht. Ich freue mich auch, dass wir hier einen Uhrenfachmann haben, der auch wirklich ein Uhrenfachmann ist.

Ich war mit einer solch alten Pendeluhr mal bei unserem hiesigen Uhrmacher. Der machte mir gleich einen Vorschlag, hier ein neues Uhrwerk verbauen zu wollen.

Also - vielen vielen Dank und auch danke für Deinen Bericht. So können wir uns mal ansehen, was da alles an Fachwissen erforderlich ist.

Natürlich schicke ich Dir jetzt gleich noch eine PN.

Und Euch schicke ich mal ein Bild vom Uhrengehäuse.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#4
Schaut mal, hier ist der Uhrenkasten von dem Uhrwerk.

Den hatte ich seinerzeit restauriert.


   


Naja und diese Uhr will auch nicht mehr. Smiley47

   
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#5
Hallo Freunde
Andreas, von dem erste Bild braucht ich bitte mal die Abmessungen und ein gutes Foto des Oberteils! Das fehlt bei unserer Uhr! Als was oben drauf sitzt, das möchte ich gerne nachbauen
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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#6
Hallo Phalos
aus Deinem Bericht entnehme ich, dass Du die Federn offensichtlich nicht erneuert hast. Gibt es Merkmale, wann und ob eine Erneuerung der Feder nötig ist und wenn ja, gibt es hierfür besondere Federkategorien ?
Ich frage das, weil im Falle meiner Schwarzwälder Uhr der Uhrmacherkollege es nicht mehr schafft, diese nach Federtausch vernünftig ( 2 Min Diff pro 7 T ) ins Laufen zu bekommen.
Gruß Franz
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#7
Eine frage, Warum musste die feder eigentlich getauscht werden?
Ging die Uhr vorher richtig? und wurde die feder nur getauscht weil sie die 7 tage nicht mehr geschafft hat?

Wie ist das ersatzteil eingebaut worden ¿neue feder im alten federgeheuse? oder komplet neue federtrommel.
Wie fühlt sich das aufziehen an? Ist es gleichmäsig und über die gesamte strecke mit dem selben drehmoment?
Federmaterial ist tückisch wenn es nicht gleichmäsig auf der länge ist.
Materialstärken unterschiede können da je nach abwicklungs position unterschiedliche kräfte wallten lassen.
Wurde sonst noch was am Uhrwerk gemacht?
Printed on recycled Data
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#8
Dietmar, Kronen für Gründerzeitregulatoren werden regelmäßig in der Bucht angeboten. Habe da auch schon mal eine zum moderaten Preis gekauft...
Beste Grüsse

Thorsten


"Das Leben ist nichts weiter als das Proben für eine Vorstellung, die niemals stattfindet."

(Die fabelhafte Welt der Amelie)
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#9
(16.01.2020, 17:00)Franz schrieb: Hallo Phalos
aus Deinem Bericht entnehme ich, dass Du die Federn offensichtlich nicht erneuert hast. Gibt es Merkmale, wann und ob eine Erneuerung der Feder nötig ist und wenn ja, gibt es hierfür besondere Federkategorien ?
Ich frage das, weil im Falle meiner Schwarzwälder Uhr der Uhrmacherkollege es nicht mehr schafft, diese nach Federtausch vernünftig ( 2 Min Diff pro 7 T ) ins Laufen zu bekommen.
Gruß Franz
Wenn die Federn an den Ösen keine Risse zeigen, oder ermüdet wirken, dann wechsel ich sie nicht aus.
Mag sagt wenn die ausgebaute feder noch mindestens doppelt so groß im Durchmesser ist wie das Federhaus, geht das noch. Ansonsten wäre sie ermüdet.

Natürlich kann es sein, dass eine Feder auch nach derRrevision reißt. Mirkorisse kann man selten ad hoc finden.
Aber das ist eben Mechanik.

Und die Gangabweichung ergibt sich vorallem bei ermüdeten Federn, weil die Kraftübertragung ans Uhrwerk nicht mehr richtig funktioniert - das Pendel keine richtige Amplitude mehr macht und dadurch das Räderwerk "ungenauer" abläuft.
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#10
(16.01.2020, 20:11)Chingachgook schrieb: Eine frage, Warum musste die feder eigentlich getauscht werden?
Ging die Uhr vorher richtig? und wurde die feder nur getauscht weil sie die 7 tage nicht mehr geschafft hat?

Wie ist das ersatzteil eingebaut worden ¿neue feder im alten federgeheuse? oder komplet neue federtrommel.
Wie fühlt sich das aufziehen an?  Ist es gleichmäsig und über die gesamte strecke mit dem selben drehmoment?
Federmaterial ist tückisch wenn es nicht gleichmäsig auf der länge ist.
Materialstärken unterschiede  können da je nach abwicklungs position unterschiedliche kräfte wallten lassen.
Wurde sonst noch was am Uhrwerk gemacht?

Die Federn wurde nicht getauscht.
Sie wurden nur aus dem Federhaus genommen um zu sehen ob die Ösen Risse zeigen und zum Reinigen.

Am Uhrwerk wurde außer der o.g. Maßnahmen nichts weiter gemacht, weil es nicht von Nöten war.
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#11
(15.01.2020, 21:32)Antikefan schrieb: Hallo Phalos,
freut mich das mal ein Feinmechaniker unter uns ist der auch mit Uhren umgehen kann.

Solche Werke hab ich mehr als genug in der Sammlung. Wie ich sehe bist Du gut mit geeigneten Werkzeugen bestückt wie z.B. Lagerpresse und US-Reiniger:

Welches Reinigungsmittel hast Du da verwendet, ich denke das die Teile ja sauber geworden sind aber nicht so gut glänzen wie ich meine ?

Als Uhrmacher hat man so eine Werkstatt eben...

Ich nutze entweder Flume "U" - wenn es eine antike, seltene Uhr ist bei der aggressive Reinigungsmittel nicht angebracht sind oder ELMA 1:9 - das hat Aufheller drin, stinkt aber wie Hulle.
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#12
Hallo Phalos,

Zitat:Ich frage das, weil im Falle meiner Schwarzwälder Uhr der Uhrmacherkollege es nicht mehr schafft, diese nach Federtausch vernünftig ( 2 Min Diff pro 7 T ) ins Laufen zu bekommen.

Gruß Franz


Es ging bei der Frage nicht um die von Dir reparierte Uhr.
 Aber auch ich finde es auch gut das ein richtiger "Uhrmacher" unter uns weilt Smiley58 .
Magst Du auch über Preise einer Reparatur reden (gerne PM) ?

Gruß Gerd
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#13
Danke Phalos für Deine Erläuterung. Sie hilft mir sehr.
Gruß Franz
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#14
(16.01.2020, 23:33)petzi schrieb: Hallo Phalos,

Zitat:Ich frage das, weil im Falle meiner Schwarzwälder Uhr der Uhrmacherkollege es nicht mehr schafft, diese nach Federtausch vernünftig ( 2 Min Diff pro 7 T ) ins Laufen zu bekommen.

Gruß Franz


Es ging bei der Frage nicht um die von Dir reparierte Uhr.
 Aber auch ich finde es auch gut das ein richtiger "Uhrmacher" unter uns weilt Smiley58 .
Magst Du auch über Preise einer Reparatur reden (gerne PM) ?

Gruß Gerd

Servus,

also es kommt auf die Uhr an. Wenn es ein Holzräderwerk ist dann sind 2 Min pro Woche schon VERDAMMT gut. Zu gut.

Ansonsten mein Stundensatz sind normal 40€.
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#15
Hallo Freunde,

ja mittlerweile habe ich meine beiden Uhrwerke zurück bekommen. Sie sind bereits wieder in den Gehäusen. Ganz klar, ich mußte die Gonghammer wieder justieren und die Pendel einstellen.

Jedenfalls muss ich sagen, hat der Phalos hier eine sehr schöne Arbeit geliefert. Die beiden Uhren laufen sehr genau. Stehen bleiben sie sowieso nicht mehr. Wenn ich mal wieder ein Uhrwerk habe, das nicht so will, werde ich mich wieder an Phalos wenden. Meine Empfehlung hat er auf alle Fälle. Das Schöne: Er behält keine Teile über, wenn er denn ein Uhrwerk zerlegt. Smile

Auch hier noch mal: Phalos meinen herzlichen Dank für die tollen Arbeiten.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#16
Smiley53 Dankeschön

Wieder zwei Uhren erhalten können.
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#17
(16.01.2020, 21:15)Phalos schrieb: Die Federn wurde nicht getauscht.
Sie wurden nur aus dem Federhaus genommen um zu sehen ob die Ösen Risse zeigen und zum Reinigen.

Am Uhrwerk wurde außer der o.g. Maßnahmen nichts weiter gemacht, weil es nicht von Nöten war.

Ich habe diesen sehr interessanten Bericht  Thumbs_up  heute erst gelesen.
Eine Frage hätte ich noch zu den Federn. Wurden diese beim Wiedereinbau gefettet / geölt oder trocken ins Federgehäuse gebaut?
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#18
Fetten oder Ölen geht beides.

Gefettet müssen die Federn im ausgebauten Zustand werden.
Ölen finde ich besser und einfacher, weil man die Federn problemloser einwinden kann und das Öl dann einfach oben drauf gibt bevor man den Deckel schließt.
Das Öl zieht sich dann zwischen die Federumgänge, was Fett nicht macht.
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#19
(06.02.2020, 23:12)Phalos schrieb: Fetten oder Ölen geht beides.

Gefettet müssen die Federn im ausgebauten Zustand werden.
Ölen finde ich besser und einfacher, weil man die Federn problemloser einwinden kann und das Öl dann einfach oben drauf gibt bevor man den Deckel schließt.
Das Öl zieht sich dann zwischen die Federumgänge, was Fett nicht macht.

Danke für das Feedback, Phalos !
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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