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Ortofon Tonabnehmer für Jukebox AMI Jensen J80
#1
   

Liebe Foristen,

als Hobbybastler habe ich mich frisch hier im Forum angemeldet. Vor ein paar Monaten habe ich mir einen großen Traum erfüllt und mir eine AMI Jukebox Jensen J80 von 1955 besorgt. Zum Glück war das gute Stück komplett, so dass es nach dem kompletten Zerlegen, reinigen und wieder zusammenbauen wieder funktionierte. Den Verstärker hat ein Fachmann wieder zum Laufen gebracht und so konnte die Box nach knapp 3 Monaten basteln in Betrieb gehen. 

Weil die Abspielqualität der Platten aber etwas schrammelig war, habe ich mir den Tonabnehmer noch mal vorgenommen. Über die abgenutzte Nadel wurde mal eine neue Nadel gelötet, was ich bereits entfernt hatte. Auf der Seite van Stamann hatte ich gelesen, dass es für diese Tonabnehmer noch neue Nadeln gibt. Um die auf der Seite von Stamann angebotenen Seite mit meiner alten Nadel zu vergleichen, zog ich sie ein Stück aus dem Tonabnehmer. Das hätte ich nicht tun sollen, denn die feine Umwicklung der Nadel kam gleich mit zum Vorschein. Nachdem ich die Nadel wieder eingesetzt hatte, blieb die Jukebox stumm. 

Jetzt meine Frage an Euch Experten: Was tun?

Stimmt Ihr zu, dass der Tonabnehmer unwiederbringlich ruiniert ist oder kann man ihn noch retten?
Weiß jemand eine verborgene Quelle für Ersatz? Im Internet konnte ich weit und breit nichts finden...
Ist es auf jeden Fall ratsam, auf ein neues System umzurüsten, weil es für die Ortofon-Tonabnehmer keine Nadeln und andere Ersatzteile mehr gibt? Die Erhaltung des Original-Systems würde mir schon sehr am Herzen liegen, ich möchte die Box aber auch tatsächlich nutzen.

Bin gespannt, was Eure Erfahrungen und Tipps sind und bedanke mich für Rückmeldungen!

Viele Grüße
Oliver

               
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#2
Moin Moin Oliver,

ich habe ja keine Kenne von den Dingern, aber ich würde, falls Du die Seite noch nicht kennen solltest, einfach mal hier um Rat fragen:
https://www.jukebox-world.de/Forum/Archi...htm#Jensen
Die sind allerdings, außer Montags und Donnerstags, telefonisch nicht zu erreichen.
Noch ´ne Frage: Steht außer Ortofon noch was auf dem Abtaster? Z.B. eine eingravierte Nummer, bzw. steht noch irgend etwas auf dem Tonarm selbst drauf?

Gruß
Heinz-Werner

PS: Gerade gesehen: Der Oliver Stramann müßte der richtige Ansprechpartner sein. Im Forum, das Schreiben ist allerdings von 2010, hat er gesagt, er hätte noch Nadeln. Fragen kostet ja nicht´s: Der Link dazu
https://forum.jukebox-world.de/read.php?1,25948,25965
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#3
Hallo, immer bedenken: Es hatte jemand eine neue Nadel aufgelötet! So eine Wärmebehandlung ist gegen Krankheiten im Knie gut, aber niemals an sensiblen Teilen wie einem Tonabnehmer.
Da schmilzt dann schon mal ein Plasteteil zu einem Klumpen zusammen. Und dieser Vorgang ist nicht umkehrbar.
Gruß Manfred
Wozu Fortschritt, wenn früher doch alles besser war?
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#4
Hallo Oliver,
ich habe schon bei der Jensen- Jukebox von Andrea mit diesen "Moving Coil"- Pickups zu tun gehabt. Ich konnte am Nadelhalter neue Lagerungsgummis einziehen, die aber nicht lange gehalten haben. Das Gummi muß jeweils 0,6mm dick sein und muß eine "Größe" von 1,5 x 3mm haben, damit beide in die Lagerungen des Spulenhalters passen. Der war bei Andrea's System noch heile. Bei Deinem System ist dieser Halter nur noch ein zerschmolzenes, unförmiges Plastikteil. Von der zerrupften Spule ganz zu schweigen. Das gesamte System ist als Totalschaden zu bezeichnen.
Du kannst nur versuchen, das ganze Innenleben aus dem Bakelitgehäuse vorsichtig auszubauen, dabei sehr sanft und mit Gefühl werken, das Bakelitgehäuse ist sehr dünn und spröde. Dann versuchen, ein modernes, mechanisch passendes Moving- Coil- System einbauen. Dabei sollte die Spulenimpedanz ca. 20Ohm betragen, da im Verstärkereingang ein spezieller Eingangsübertrager sitzt, der auf den niederohmigen Pick-Up abgestimmt ist.
Viele Grüße

Wolfram

"... Bei uns tut jeder, was er kann. Aber nicht jeder kann, was er tut. ..."
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#5
@Heinz-Werner:
Mit Oliver Stamann habe ich gleich zu Anfang Kontakt aufgenommen. Er meinte, dass da nichts mehr zu retten sei und ich das System umrüsten sollte. 
   

@Grießgram:
An dem Tonabnehmer ist gelötet worden aber bis ich die Nadel raus gezogen habe, funktionierte er, wenn auch nicht so richtig gut vom Klang her.

@Scotty:
Habe den Beitrag von Andrea auch gelesen und hatte großen Respekt vor ihrer Arbeit und deiner Wiederbelebung ihres Ortofon-Systems!
Jukeland hier in Berlin bieten die Umrüstung auf ein Shure-System an, das würde allerdings die Optik total verändern. Es liegt mir sehr am Herzen, dass die Optik möglichst original bleibt. Also wenn ein neues System, dann möglichst eins, das in die alte Schale passt oder die Schale von der Optik her zur Box.

Leider kenne ich mich zu wenig aus, um einschätzen zu können, welches Moving-Coil-System in die alte Schale passen würde und die passende Spulenimpedanz hat....

Vielen Dank erstmal für Euer Feedback!
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#6
Hallo Oliver,
ich wollte eigentlich nicht so weit ausholen, scheint aber doch nötig zu sein.
Ehe man Hand anlegt und in einem Gerät herumfingert sollte man sich über die Funktionsweise des Gerätes und die Auswirkungen der eigenen Handlungen im Klaren sein.
Dieser Tonarm hatte einen elektromechanischen Schwingungswandler.
Bedeutet: In einer Spule wird ein Eisenteil hin und her bewegt und dadurch wird in der Spule eine Wechselspannung induziert. Diese enthält die Toninformation und kann verstärkt werden.
Durch die Wärmeeinwirkung wird die Beweglichkeit des Eisenteils eingeschränkt, weil Gummi aushärtet, Plaste verformt und verschmilzt. Naja, dann noch daran gezogen und es kommt nicht nur die Nadel, sondern die mit ihr verschmolzene Wicklung der Spule gleich mit raus.
Selbst wenn Du dich an einen Nachbau heran wagst bleibt das Ergebnis offen.
Wicklungswiderstand, Windungszahlen und Gewicht müssen genau getroffen werden. Und der Frequenzbereich des Tonsignals ist von der Beweglichkeit des Eisenteils abhängig.
Einfacher scheint zu sein ein System nach dem Piezo-Verfahren einzubauen.
Und auch dann sind die Auflagekräfte usw noch zu justieren.
Gruß Manfred
Wozu Fortschritt, wenn früher doch alles besser war?
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#7
Wie hoch war denn die originale Auflagekraft des Ortofon Systems?
Ließe es sich denn gegen ein Kristall- oder Bariumtitanat so einfach tauschen?

Gruß,
Achim
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#8
Hallo Achim, da steht ja das Problem. Für die Messung der Auflagekraft gab es ein Werkzeug, eine Federwaage, die sah einer Pinzette sehr ähnlich und wurde auf den (stehenden) Plattenteller gestellt und dann wurde die Nadel darauf abgesenkt. Die Nadel drückte diese Konstruktion zusammen und man konnte an einer Skala die Kraft ablesen.
Der Oliver hat ja "nur" die Nadel gezupft. Also: Nadel wieder rein und messen solange der Rest noch unverändert ist.
Wichtiger ist: Welche Signalspannung kam aus dem vorhandenen magnetischen System heraus? Das lässt sich nun nicht mehr messen. Bei einem Tausch muss dann der Verstärker nachjustiert werden.
Bei den Kristallsystemen gibt es die billige Ausführung. Da ist alles fest mit dem Arm verbaut und es kann nur die Nadel gewechselt werden.
Dann gibt es solche wo ein Block in eine Halterung eingerastet wird. und sowohl Kristalleinheit als auch Nadel getauscht werden können. Ist viel Feinmechanik und setzt Werkzeuge und Messmittel voraus wenn man sich an solche Aufgabe heran wagt.
Gruß Manfred
Wozu Fortschritt, wenn früher doch alles besser war?
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#9
Hallo,

es dürfte sich vermutlich um einen Ortofon A25D (Fonofilm) Tonabnehmer handeln, diese gab es mit Diamant

oder (anfänglich) mit Saphirnadeln.

Bei MM Tonabnehmern kann man ja die Nadel durch Wechsel des Nadeleinschubs erneuern.

Dein System ist aber ein MC, dort ist der Nadelträger mit dem Generator verbunden, Du hast

leider das System durch Deine Aktion zerstört, das wird man nicht mehr reparieren können, sonst

wäre eine Wiederherstellung durch den ein oder anderen Spezialisten noch möglich gewesen.

Sehr schade um dieses sehr seltene und gesuchte System.

Ab und an werden diese Tonabnehmer noch angeboten, oft in Japan, selten zu einem erschwinglichen Preis,

meist muss man 1500.- oder mehr hinlegen.

Es wird also nur ein Umbau eines Tonabnehmers ins vorhandene Ortofongehäuse übrig bleiben, unter

Beachtung der Anpassung auf den eingebauten Phonoverstärker.

Liebe Grüße

Thomas
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#10
Eine Federwaage habe ich leider nicht. Das Gewicht des Tonabnehmers beträgt 29 Gramm. Die Gehäuse hat die Innenmaße 2,8 cm Länge, 2 cm Breite und 1,8 cm Höhe.
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#11
Hallo Oliver, Du hast eine PN.
Kannst ja mal den Link genau studieren. Der Anbieter schreibt sinngemäß "... als Ersatz für magnetische Systeme..."
Und was die Auflagekraft betrifft: da ist am Tonarm in der Nähe des Drehlagers ein verschiebbares Gewicht.
Gruß Manfred
Wozu Fortschritt, wenn früher doch alles besser war?
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#12
Hallo Leute,
als ich das Ortofon- System von Andrea auf dem Tisch hatte, habe ich auch ein, wenngleich unscharfes, Foto von den Einzelteilen des Nadel-, Spulenträgers machen können. Für den Größenvergleich dient eine Büroklammer.

   

In dem Plastikteil, ich nenne es mal MC- Spuleneinheit, sind zwei Klemmlager ausgearbeitet, in die mit Hilfe von zwei Gummistreifen ein Stück Eisendraht als Spulen- und Nadelträger eingeclipst wird. Durch die Gummis wird diesem Träger ermöglicht, sich entsprechend der Auslenkung der Nadel in den Rillen der Schallplatte ein wenig zu drehen. Das ist die "Moving Coil", oder besser gesagt, "rotating coil". Der kleine Winkel in der Mitte über der Büroklammer ist ein Messing- oder Bronzeblech, ca. 1mm breit, das mit einem Schenkel auf den Spulenkern in ein auf dessen linkem Ende befestiges, oval plattgedrückte Röhrchen eingesteckt wird und auf dem anderen Schenkel die Nadel (Diamant?, Saphir?) trägt. Der schwarze "Punkt" über dem Spulenträger ist einer der originalen, zerbröselten und spröden Lagerungsgummis, von dem ich die Maße für den Ersatz noch abnehmen konnte. Ob das Gummi ein "normales", oder ein Silikongummi ist konnte ich nicht mehr feststellen. Ich habe damals als Ersatz kleine Streifen aus einem Haushaltshandschuh genommen, die aber nicht lange gehalten haben.
Die Spule aus 0,08mm CuL ist mit ihren Enden an zwei Kontaktdrähten der Magneteinheit des Tonkopfes angelötet. Diese gesamte Einheit kann durch Lösen einer langen M2- Messingschraube aus dem Bakelitgehäuse ausgebaut werden.
So, wie es sich mir im vorliegenden Fall dastellt, ist der Plastik- Spulenträger ein Totalverlust, dessen Führungsnuten in der Magneteinheit sind durch das brutale Löten wahrscheinlich auch hinüber, sodaß man sich absolut keine Gedanken mehr über eine Reparatur des Systems machen braucht.
Viele Grüße

Wolfram

"... Bei uns tut jeder, was er kann. Aber nicht jeder kann, was er tut. ..."
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