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Reparatur eines Feldspulenlautsprechers
#1
Hallo Freunde,

ja da hatte ich mich zu früh gefreut. In den Kleinanzeigen von ebay wurde ein absolut schrottiges Radio angeboten. Es war zerlegt und so wanderte es wohl über sehr viele Jahre auf den Dachboden eines Hauses. Es wurde jetzt bei Renovierungsarbeiten gefunden. Man sah sofort, im Grund genommen war das alles Schrott. Trotzdem waren auf dem Chassis Teile verbaut, die ich für eine Radioüberholung gut gebrauchen konnte. Objekt meiner Begierde war aber der Feldspulenlautsprecher. Genau diesen brauchte ich und freute mich, dass ich ihn endlich gefunden hatte.

Die Ernüchterung folgte, als mir der Verkäufer ein Bild vom Lautsprecher von vorne zeigte. Ich wurde gefragt, ob ich nicht lieber vom Kauf zurücktreten möchte. Nein, ich wollte unbedingt die Teile haben.

Als ich alles bekam, entstanden in mir doch Zweifel, ob der Lautsprecher noch rettbar ist. Mit dieser Membrane wohl eher nicht. Die hatte irgendein Ungeziefer angefressen (Mäuse?). Eine Messung der Feldspule ergab aber, dass diese noch Durchgang hat. Also doch kein Schrott.

Die Membrane war ja schon völlig abgelöst vom Korb. Also raus damit. Im Keller fand ich eine passende Ersatzmembrane. Also ging es erst mal daran, den Lautsprecherkorb zu entrosten. Der Rost war schon recht fortgeschritten.

Achtung: Was ich hier beschreibe, ist sehr gefährlich. Man muss schon sehr vorsichtig sein und Schutzmaßnahmen treffen.

Ich entferne solchen Rost, wenn es denn die Umgebung des Rostteiles zuläßt, mit Salzsäure. Der Lautsprecher kommt in eine Wanne in der etwas Salzsäure ist. Nun wird mit einem Pinsel immer wieder der Rost bestrichen. Der löst sich dann sehr gut. Aber Vorsicht, die Feldspule darf nichts von dem Zeug ab bekommen.

Danach wird der Lautsprecherkorb vorsichtig mit klarem Wasser abgespült. Anschließend habe ich vorsichtig mit einem Schleifpad nach gearbeitet. Keine Stahlwolle verwenden! Die Fäden könnten in den Luftspalt für die Erregerspule gelangen. Leider läßt sich die Telefunken-Konstruktion nicht weiter zerlegen.

Ist der Korb gut vorbereitet, kann man die Feldspule abkleben, den Luftspalt verschließen und mit Silberspray den Lautsprecherkorb neu lackieren. Während der Trocknung hatte ich dann die Erregerspule von der defekten Membrane getrennt. Den Teil der Defektmembrane, an dem die beiden dünnen Drähtchen fixiert waren, habe ich einfach an der Spule gelassen.

Nach der Trocknung des Lackes habe ich die Erregerspule in den Lautsprecherkorb gebracht. Das Schwierige kam jetzt. Die Erregerspule muss nun sehr genau mit der Membrane verbunden werden. Es darf nicht irgendeine mechanische Spannung entstehen, sonst läßt sich die Erregerspule nicht sauber einstellen. Ein Schrapeln wäre das Resultat. Auch darf man nie eine Erregerspule "frei nach Schnauze" auf eine Membrane kleben. Man kann noch so genau arbeiten. Das wird nie gerade. Ich habe den oberen Teil des Lautsprecherkorbes mit Pattex bestrichen und den oberen Rand der Erregerspule mit Holzleim bestrichen. Hier muss man sehr vorsichtig arbeiten. Kommt Holzleim, der ausquillt in den Luftspalt, dann wird ein weiteres Arbeiten schwierig.

Wichtig ist, den oberen Rand der Membrane gleichmäßig mit den Fingern abzufahren, damit auch alles verklebt wird. Pattex trocknet schneller als Holzleim. Damit der Holzleim gut abbindet lege ich vorsichtig in das Innere der Membrane die Lötzinnrolle. Die wird aufrecht hinein gestellt. So wird die Membrane gleichmäßig mit der Erregerspule in Verbindung gebracht.

Nach einigen Stunden habe ich dann die Membrane bewegt. Die Erregerspule schwingt völlig frei im Elektromagneten. Ein späterer Probelauf am Radio zeigte keinerlei Störungen. Fazit - wieder einen wertvollen Lautsprecher gerettet.

Hier der Lautsprecher wie ich ihn erhalten habe

   

   

   

Diese Membrane wollte ich verbauen. Nicht nur der Durchmesser, auch die Tiefe muss stimmen.

   

Der Korb vorne und hinten dicker Rost

   

   

Ergebnis nach der Behandlung mit Salzsäure

   

   

Nach der Lackierung

   

Die Membrane im eingebauten Zustand

   

   

Der Lautsprecher von hinten

   
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#2
Klangfilm!  Smiley58

Gut gemacht Andreas!
Beste Grüsse

Thorsten


"Das Leben ist nichts weiter als das Proben für eine Vorstellung, die niemals stattfindet."

(Die fabelhafte Welt der Amelie)
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#3
Das sieht ja wieder gut aus, Klasse. Bist halt wie ich , ja nichts wegwerfen, man kann alles noch mal gebrauchen.
Interessant ist auch, das der Lautsprecher verschweißt wurde, sowas hatte ich noch nicht gesehen.
Habe immer soviel Arbeit, das ich mir eine aussuchen kann. Smile

Grüße Frank, der Moschti
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#4
Wow Andreas,

das ist Dir ja mal wider gut gelungen! Glückwunsch. Kommt vorne auf die Membran noch eine Art Deckel der verhindert, dass Schmutz z.B. Eisenspäne in den Schlitz zwischen Magnetkern und Schwingspule gelangen kann?

Wo hast Du denn die Membran her? Das würde mich auch interessieren.
Viele Grüße
Semir
---------------------------------
"Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer der wußte das nicht, und hat es gemacht."
(Prof. Hilbert Meyer, Uni Oldenburg)
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#5
Da erkennt man eben wieder den echten Meister. Smiley14
Gruß Detlef

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#6
Welchen Gefahren setzt man sich nur aus!!!
- Erst ist es der Albtraum mit Allstrom
- Dann giftige Chemikalien
Aber wenn man sich damit auskennt und Historie bewahrt,
meine absolute Hochachtung!!!
VG Micha
Historische Radios zu reparieren ist gut machbar durch die problemlose Schaltungsentflechtung, scheitert final leider oft daran, das Skalenseil wieder zu montieren ...



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#7
Bravo, für mich wäre das ein Fall für den Schrotthändler gewesen Smiley32
Herzliche Grüße

Pitter
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#8
Hallo Freunde, vielen Dank für Euer Lob!!

Naja, ein Klangfilm-Lautsprecher ist das nicht. Eher einer aus der AEG - Siemens - und Telefunken Produktion. Das Gerät ist bereits ein Kriegsgerät und man sieht schon gewisse Materialeinsparungen. Auch hier an dem Lautsprecher wird das sichtbar. Eben, wie Frank schon schreibt, die geschweißte Halterung für die Feldspule.

Semir, der Lautsprecher ist für das Chassis, das uns neulich beschäftigt hatte. Kannst Du Dich noch entsinnen, ich sagte, dafür gibt es nie einen passenden Lautsprecher.
Einige Tage später kam er. Die Seltenheit ist ja der Kompaktstecker.

Ich bin am Schauen, was ich dort vorne als Deckel verwenden kann. Es wäre ja besser, das Loch ab zu decken. Später wurde das ja generell gemacht.

Ja und ich schaue viele Jahre nach einzelnen Membranen. Hin und wieder tauchen noch mal welche auf. Ich habe mich schon ewig mit dieser Lautsprecher-Bastelei befaßt. Aber so langsam werden meine Membranen knapp. Mit den Beständen habe ich schon manchen Lautsprecher retten können.

Allerdings würde ich solch ein Verfahren nicht bei einem höherwertigen Lautsprecher, der einen extremen Bass verarbeiten muss, anwenden.

Ja, Micha, und dann die Gefahr mit der Chemie. Recht hast Du. Das Zeug hat es ja in sich. Da braucht man bloß mal in die Nähe der Wanne schnuppern. Da kommt ein beißender Gestank, wenn die Salzsäure aktiv wird. Also größte Vorsicht. Ich habe auch eine Soda-Strahlpistole, habe aber Angst gehabt, dass mir da etwas in die Zwischenräume kommt, was sich nicht oder nur schlecht entfernen läßt. Ganz wichtig noch: Metall, das so behandelt wurde muss zeitnah lackiert werden. Ich hatte mal ein mit diesem Verfahren behandeltes Metallstück. Das mußte etwas länger auf die Lackierung warten, ach war das wieder rostig.

Verloren wäre der Lautsprecher übrigens gewesen, wenn die Schwingspule defekt gewesen wäre. Ein evtl. Ersatz muss ja auf den Zehntel Millimeter paßgenau sein. Das dürfte unmöglich sein. Gott sei Dank, sind die Spulenteile meist noch vorhanden und verwendbar.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#9
Großartig Andreas, noch noch ein Tip, beim Abspülen der Säure ist ein wenig Spülmittel oder auch Flüssigseife zur Restneutralisation empfehlenswert.
Gruß Franz
eh isch misch uffreg isch mirs lieber egal
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#10
Hallo Franz,

danke für das Lob. Ich etwas Seife habe ich dann auch noch aus dem Spender dazu gegeben. Gut, dss Du es erwähnt hast.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#11
...ich sag es ja immer wieder:
Es gibt nichts, was unser Andreas nicht wieder hinbekommt... Thumbs_up Thumbs_up Thumbs_up

Viele Grüße,
Rolf
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#12
(04.02.2020, 02:15)Andreas_P schrieb: ...Naja, ein Klangfilm-Lautsprecher ist das nicht. Eher einer aus der AEG - Siemens - und Telefunken Produktion. Das Gerät ist bereits ein Kriegsgerät und man sieht schon gewisse Materialeinsparungen. Auch hier an dem Lautsprecher wird das sichtbar. Eben, wie Frank schon schreibt, die geschweißte Halterung für die Feldspule....

Hallo Andreas,

auch von mir ein Bravo-gut-gemacht !

Dieser Lautsprecher erinnerte mich an etwas, denn über die eingeschweißte Feldspule hatte ich auch schonmal geflucht. Hab's dann gefunden, siehe Beitrag #49 und #52:
https://www.radio-bastler.de/forum/showt...881&page=3

Meiner stammt aus einem 1939 Telefunken Condor und besitzt auch einen 4-Polstecker.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#13
Hallo,

so eine Reparatur, Hut ab.

Noch schöner, dass wir alles im Bild erfahren.

In der Lehrzeit habe ich gefühlte 3 oder 4 Lautsprecher instand setzen dürfen.
Mein Meister hatte dafür in einem Kistchen alle Werkzeuge, wo mir noch die Lehren für das Zentrieren oder wie die heißen, um den Luftspalt zu gewährleisten.
Gruß Jürgen


"Wer andern eine Grube gräbt, hat noch lange kein Baugeschäft"
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#14
Mensch Andreas , was du aus dem rostigen Lautsprecher wieder gemacht hast , mein lieber Scholli .   Smiley14

Manch einer hätte das Teil in die Tonne gehauen .
mit freundlichen Gruss

Uli

Erzähle es mir – und ich werde es vergessen.
Zeige es mir – und ich werde mich erinnern.
Lass es mich tun - und ich werde es behalten.

(Konfuzius)
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#15
Mensch, Andreas,
So ein Glück mit der Spule und so eine Meisterarbeit!!!! Gratuliere und bewundere! Thumbs_up
Gruß!
Ivan
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#16
Thumbs_up   Hallo Andreas,

ich ziehe den Hut bei der Leistung alle Achtung hätte ich nicht gedacht das sowas möglich ist.

Weiter so SUPER

Freundliche Grüße aus dem hohen Norden

Jürgen Lorenzen
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#17
(03.02.2020, 20:51)Semir schrieb: Wo hast Du denn die Membran her? Das würde mich auch interessieren.

Hallo Semir,
schau mal unter https://allegro.pl/
Das ist eine polnische Seite, ähnlich ebay daher ist alles auf POLNISCH!
Gib oben links unter czego szukasz "Glosnik" ein und wähle oben rechts Wszystkie kategorie drücke SZUKAJ und laß ihn suchen,
   
dann sucht er in allen Kategorien es kommen Lautsprecher jede Menge Membranen und Zubehör, selbstverständlich neu.
Wenn Du Hilfe brauchst, melde dich einfach.
Beste Grüße aus Polen
Klaus
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#18
Hallo Klaus,

ja ich habe mich auch schon damit befaßt, wo man Ersatzmembranen neu kaufen kann. Leider eignen sich diese modernern Membranen überhaupt nicht, auch wenn sie durchgängig aus Papier sind. Die Innenlöcher sind wesentlich zu groß. Bei den alten Lautsprechern sind die Schwingspulen viel kleiner im Durchmesser.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#19
Hallo 
ls Teile gibts auch bei Audio Parts.de
Andreas  die haben auch die Kappen zum Schwingspulle abdecken.

Gruß Jens
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#20
Freundliches Hallöchen,
eine kurze Nachfrage bitte:
ist eigentlich die Polarität der Feldspule egal? Oder muss irgendwo "Nord" sein?
Dankeschön und beste Grüße
Klaus
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