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Grundig-Reportage
#1
Hallo zusammen,

nach dem Grundig-Interview,hier ein weiterer sehr interessanter Film: 'Reportage über Max Grundig'



Herzliche Grüße
Robert
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#2
Hallo Robert.
Mein ehemaliger Chef. M.G: hat mich von "oben" angerufen und sagt:
https://www.youtube.com/watch?v=GqGf2TOWbJU
nur dieser Link geht-
Mfg mike
Klug ist jeder. Der eine vorher, der andere nachher.

mike  Smiley43  
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#3
Hallo Mike,

da hat Dein ehem. Chef wohl recht,aber mein Link geht auch.
Hoffentlich schaut er wohlwollend von oben zu.

Herzliche Grüße
Robert
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#4
Sehr interessanter Bericht, vielen Dank für den Hinweis Smiley20
Herzliche Grüße

Pitter
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#5
...hab ich auf VHS, ist seit ca. 15 Jahren ein Standard-Testprogramm für meine TV-Experimente, neben Alfreds Fernseher, falls ich mal was anderes als FuBK-Testbild haben will.

Ja, Klasse gemacht, der Niedergang der Firma ist ein schmerzliches Lehrstück, aus dem leider nicht viel gelernt wurde.

Gruß Ingo
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#6
Ja, der Film ist allseits bekannt. Einer der einseitigsten Dokumentarfilme den ich kenne. Grundig von von Anfang bis Ende als versessener, menschenfeindlicher Patriarch dargestellt, der mit seinen eigenwilligen Entscheidungen sein Werk ruiniert. Dass er in kaum mehr als 20 Jahren aus einem Hinterhofbetrieb einen Konzern mit Milliardenumsatz geschaffen hat, wird kaum herausgestellt. Geschäftssinn und konsequentes Handeln, für den Erfolg eines Unternehmers Grundvoraussetzungen, weden negativ als "gnadenlos" und "autoritär" dargestellt. Und immer wieder kommt der Film zu dem Punkt 1984, als Grundig verkaufen muss. Tenor: Der Versager muss gehen. Dass er bis dahin eines der erfolgreichsten Großunternehmen geleitet und Zigtausenden Arbeit gegeben hat - geschenkt. Dass er ein genialer Geschäftsmann war - um ein Beispiel zu nennen: Die Aktion Triumph-Adler, der aus Dreck Gold machen konnte - geschenkt.
Nun, ein sympathischer Kumpel war Grundig vermutlich wirklich nicht. Aber eine so einseitige Darstellung hat er auch in der Rückschau nicht verdient. In einem Interview sagte er mal auf die Frage nach seinem Erfolgsgeheimnis sinngemäß: Neben dem Üblichen, also vorausschauend entwickeln, den Markt von Morgen voraussagen etc sei das wichtigste, dass jede verdammte Mark die das Unternehmen verdient, auch wieder in das Unternehmen reinvestiert wird anstatt es irgendwelchen Anteilseignern in den Rachen zu schmeißen.

So Leute, und jetzt vergleicht diese Taktik mal mit der heute Üblichen. Und nennt mal einen Manager, einen einzigen nur, der 35 Jahre lang ein Unternehmen von einem großen Erfolg zum nächsten führt, bevor er Fehlentscheidungen trifft. Nicht mal Wendlin Wiedeking kann man mit Grundig vergleichen.

Im Übrigen enthält der Film im Detail unzählige falsche Aussagen und Bilder. Quick and dirty eben, so wie man in der Neuzeit eben Fernsehproduktionen macht.

VG Stefan
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#7
Guten Morgen,

Stefan, so scharf würde ich es nicht sehen, ich kann mir aber denken, was Du meinst.

Unterstellung von Menschenfeindlichkeit kann ich aber definitiv nicht erkennen (ich hab den Film schon zig-mal gesehen aus besagtem Grund). Es gibt auch noch eine andere, ausführlichere Doku wo die Ambivalenz der Persönlichkeit noch besser herausgestellt wird: Einerseits schmiß er wohl Arbeiter von der Baustelle, die sich kurz ausruhten, andererseits half er aber auch kleinen Mitarbeitern, die privat in Not geraten waren, wohl auch, weil er echte Not selbst erfahren hatte. Er schnauzte aber auch Leute an, die z.B. irgendwo das Licht haben brennen lassen und wenn die Geschichte mit dem "Gerät aus dem Fenster schmeißen" oder "Einschließen der Entwickler bis das Problem gelöst ist" stimmt, so hinterläßt das einen etwas komischen Beigeschmack "Angstmotivation", kann man diskutieren, die besten Ideen bringt man durch sowas eigtl. nicht hervor. 
Aber man darf auch nicht vergessen, daß die Kriegs- und Nachkriegsgeneration hier und da nicht so "snowflake"-mäßig drauf war, wie das heute üblich ist. Was in welchem Maß gut oder schlecht ist, ist schwer zu beurteilen...

Ich finde den Film durchaus ausgewogen, viell. sogar ein wenig zu romatisch in Richtung "Der große Unternehmer und sein strahlendes Werk".

Gruß Ingo
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#8
Hallo Ingo,
ja da bin ich in der Tat anderer Meinung. Immer wieder werden die Bilder des gebrochenen Mannes von 1984 den frühen Jahren des Aufbaus gegenübergestellt. Einmal der alte Grundig, der sein Werk gegen die Wand gefahren hat (was so isoliert dargestellt auch Unfug ist), einmal der junge Grundig, der durch rücksichtsloses Regieren nach oben kommt. Immer negativ.

Tatsache ist, Grundig hat sich Ende der 70er mit dem Videosystem "2000" verrannt - aber in Kooperation mit Philips, Video 2000 war das gemeinsame Kind beider Konzerne! Das wird im Film natürlich nicht erwähnt. Tatsache ist auch, das war nur eines von vielen Problemen. Die japanische Konkurrenz war ab Ende der 70er Jahre besonders im Hifi-Bereich zu stark und vor allem billiger (auch weil durch den japanischen Staat subventioniert). Im Bereich Farbfernseher konnten sich die deutschen Hersteller bis etwa 1981/82 behaupten, aus dem simplen Grund, weil die PAL-Lizenzen noch liefen, welche den europäischen Markt für außereuropäische Anbieter sperrte, soweit es sich um Geräte mit großer (66cm) Bildröhre handelte. Als diese Bastion fiel, bließ Sony in D zum Angriff. Die Deutschen hatten KEINE CHANCE, nur die kleinen Läden konnten Marktnischen erobern, wie Loewe und Metz. Der Gigant Grundig hatte kostenmäßig langfristig keine Chance, Grundig musste zwangsläufig untergehen. Auch die anderen größeren sind ja, zum Teil viel früher, insolvent geworden: Nordmende 1978, Telefunken und Saba 1981/82 an Thomson, Dual pleite usw. Nur Philips lebte noch lange, hatte aber auch die meisten Standbeine außerhalb der unseligen Unterhaltungselektronik.

Ein Kapitel, das der Film nicht mit einem Wort erwähnt: Um 1957 kaufte Grundig die völlig maroden Büromaschinenhersteller Triumph und Adler, beide so gut wie pleite, für nen Appel und n Ei. Er brachte beide Firmen in Schwung. Nach gut 10 Jahren, um 1968, verkaufte er beide, inzwischen boomenden, Unternehmen für ein Irrsinnsgeld. Vom Erlös baute er das riesige Fernsehgerätewerk in Langwasser, das extreme Fertigungskapazitäten und hohe Rationalisierung ermöglichte, denn das Farbfernsehen hatte begonnen. Dank Langwasser, Inbetriebnahme 1970, wurde Grundig in kürzester Zeit zum Marktführer im lukrativen Farbfernsehgeschäft und blieb es für bald 20 Jahre.

Was die vielen Legenden betrifft, die sich um M.G. ranken: Dass er Bauarbeiter wegen Kleinigkeiten stante pede gefeuert hat, ist zumindest in den 50er und 60er Jahren, die von massivem Arbeitskräfttemangel (!!) gezeichnet waren, unglaubwürdig. Der Mann war ja nicht blöd. Gerade im Baugewerbe hat man damals auch offensichtliches Krankfeiern und Bummeln geschluckt, denn Arbeitgeber wussten, sie finden so schnell keine anderen - die Gefeuerten aber gleich morgen einen neuen Job, womöglich sogar besser bezahlt. Dies nur als Beispiel. Die Story von den im Labor übers Wochenende eingeschlossenen Entwicklungsingenieuren, das muss um 1952 gewesen sein, stand in dem Spiegel-Artikel (Titelstory), der im Film erwähnt wird. Vielleicht weiß Hans darüber mehr. Die Geschichte von den aus dem Fenster geworfenen Prototypen wurde schon so oft kolportiert, dass sie fast wahr sein muss - zumindest sehr schön erfunden.

Was von ihm verbürgt ist, ist der Ausspruch "Oiles vum moin Göld!", wenn es um gewährte Sozialleistungen ging.

VG Stefan
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#9
Hallo Stefan

da hast Du natürlich mehr Hintergrundinfos, Danke dafür !!
Das beeinflußt meine Ansichten durchaus !

Gruß Ingo
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