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Sachsenwerk Rubens - Auferstanden aus Ruinen
#1
Hallo zusammen,

ich habe mir "viel Spaß" gewünscht und mache mich nun an mein nächstes Projekt.

Die Aufgabe ist vom Wortlaut her recht einfach: Diesen Rubens wieder zum Spielen bringen. Und wenn das mal der Fall ist, dann könnte ich an diesem Chassis meine Meßtechnik durchprobieren.

Diese Serie wird für die geneigten Mitleser diese Serie allerdings nicht so schnell fertig. Schon weil meine Zeitfenster, wie ich schon an anderer Stelle schrieb, immer begrenzt sind und schon auch deswegen, weil ich angesichts der Meute an fehlenden Ersatzteilen erst einmal meinen Fundus durchwühlen muss und sicherlich wäre es nicht schlecht, ein Ersatzchassis zur Hand zu haben, welches man "plündern" kann.  Vielleicht wird das hier auch gar nichts, wenn ich merke, dass es partout nicht weitergehen will oder einfach spezielle Teile fehlen... Auch werde ich an späteren Stellen Hilfe benötigen. Schaun' mer einfach erst mal.

Hier seht Ihr das Chassis:

   

   

Es handelt sich um einen FE 855C "Rubens", gebaut lt. Stempelaufdruck im Chassis am 07. Dezember 1955. Gefertigt wurde es vom damaligen Hersteller, dem VEB Sachsenwerk (RAFENA) Radeberg, wobei das RAFENA für "Radeberger Fernseh- und Nachrichtentechnik" steht. Der Name entstand im November 1956 nach einem Namenswettbewerb aus dem VEB Sachsenwerk Radeberg.

Den HV-Käfig habe ich abmontiert, die Befestigung der Bildröhre nebst der Kleinteile liegt separat, ebenso wie das Schirmblech für den Zeilengenerator und die Zeilenendstufe unter dem Chassis. Der Ionenfallenmagnet liegt mit bei.

Was gibt es zum Ist-Zustand des Chassis zu sagen?

Es fehlen viele Becherelkos. Es fehlen fast sämtliche Potis auf der Chassisober- und Chassisrückseite. Sicherlich fehlen auch noch ein paar Kleinwiderstände etc. Einige der Widerstände sind angekokelt, d.h. waren thermisch belastet - möglicherweise durch Fehlfunktionen der an ihnen angeschlossenen Kondensatoren. Diese schwarzen Dinger...

Ansonsten...

Die abgeklemmte und abgelötete Ablenkeinheit ist hin. Eine der Ablenkspulen ist durchgebrannt. Man sieht das Loch, wenn man in die Öffnung hineinschaut, in der normalerweise der Bildrohrhals ruht. Ein leidiges Problem. Da muss Ersatz her. Der Netzschalter des Potis ist hinüber - wenn schon, dann ist alles richtig hin. Die Kondensatoren erwähne ich erst gar nicht...

Was die Röhren angeht - Eine Bildröhre B30M1 liegt noch verpackt in der Garage. Mal schauen, ob sie noch funktionsfähig ist. Die EL84 (Tonendstufe) fehlt und die ECC82 (Phasenvergleicher und Zeilengenerator) ist ein Luftzieher - da ist Ersatz da, kein Problem.

Entsprechend des gestempelten Datums auf dem Chassis ist der Fernseher mit einem Penthoden-Tuner ausgestattet. Der hat noch die rot gestempelten OIR-Segmente. Lediglich der Kanal 6 ist mit gelben Abziehbildern versehen. Der Deckel des Trommel-Kanalwählers fehlt leider.

   

Eigentlich soll das eine Restaurations-Serie werden. Viel Bilder, nicht soviel theoretisch-technisch-trockener Hintergrund. Aber so ganz ohne Theorie geht es bei diesen Fernsehern, damals aus der DDR, nicht. Ich versuche, mich damit kurz zu fassen.

= = = =

Schreibt man was zu diesen Fernsehern, so schreibt man was zu den Trommel-Kanalwählern aus dieser Zeit. Und schon kommt man um ein Thema nicht drumrum: Es ist das Thema "OIR(T) vs. CCIR", das heißt, speziell die aufgrund politischer Entscheidungen resultierende Umrüst- und Abgleichthematik an den Geräten. Es ist ein spezielles und sehr interessantes Thema. Das in aller Ausführlichkeit hier darzustellen, würde den Rahmen dieser Serie sprengen. Denn es ist ja nicht nur das. Hinzu kommt der Umstieg vom Parallelton- auf das Intercarrierverfahren, somit verbunden, unterschiedliche Bild- und Ton-ZF und deren Abstände in den Geräten. Dann haben wir diese beiden "Sonderkanäle Leipzig und Dresden", welche zunächst auf Schalterstellung 4 des Kanalwählers (Leipzig) und auf Schalterstellung 11 (Dresden) eingesetzt werden sollten, dann aber offenbar rastlos und unstetig hin und her geschoben wurden...

Manche der neuen CCIR-Segmente wurden bis auf weiteres für den DDR-Markt nicht gefertigt; solange, bis diese beiden Sonderfrequenzen wieder frei wurden, so daß hier die OIR-Segmente zum Einsatz kamen... *1)

Die Kanalwähler wurden auch aufgrund politischer Entscheidungen innerhalb der DDR damals nicht mit allen Segmenten ausgestattet, so dass nicht jeder alles sehen konnte (Westfernsehen!): wo der "Klasenfeind" möglicherweise einstrahlte, ließ man die Segmente ab Werk einfach weg... Zwar ließ man von diesem unsinnigen Vorhaben bald ab, weil man merkte, dass es nichts brachte - die findige Bevölkerung wusste sich zu helfen. Aber das dauerte eben einige Zeit. Hinzu kommt, dass die Tuner auch noch abweichend vom DDR-Markt für das sozialistische Ausland, wo weiterhin in der OIR-Norm gesendet wurde, unterschiedlich bestückt wurden.

Man kann grob davon ausgehen, dass die meisten der Kanalwähler ab Werk etwa um 1957 komplett für alle Kanäle bestückt sind und die 1957 noch erwähnten fehlenden Segmente nun produziert werden bzw. auch noch die Sonderfrequenzen Leipzig und Dresden aufgegeben bzw. bereinigt wurden. Der entsprechende Hinweis taucht in einer kleinen Meldung in "Radio und Fernsehen" 14/57, S. 436 auf: "Umstellung der DDR-Fernsehsender am 15.08.1957 abgeschlossen". Der letzte Sender, der noch auf CCIR umgestellt werden mußte, war Dresden. Das wurde, so eine mir in Schriftform vorliegende Aussage, im Zeitraum vom 05.08 - 15.08.1957 durchgeführt. Ende damit? Mitnichten!

1956 beschloß man ganz kleinlaut, von OIR auf CCIR umzusteigen. Der Abschluß dieser ganzen Geschichte fand sich tatsächlich erst im Mai 1960 (!), wie in einer eher nebensächlich wirkenden Notiz zu lesen ist. *2)

In Summe bedeutet das schlicht und einfach, dass jeder dieser alten Fernseher bis etwa Baujahr 1959/60 aus der DDR, die man heutzutage ersteht, nicht zwangsläufig mit allen Kanalsegmenten ausgestattet sein muss. Das hängt nämlich auch noch davon ab, wie lange er in Betrieb war, ob er vorher defekt ging und wann er repariert wurde. Strenggenommen wurden sie damals gehegt und gepflegt, aber heutzutage? Ob einfach jemand, der heute so einen alten Fernseher verkaufen möchte, irgendwelche Kanalwählersegmente da reinbastelt in Unkenntnis zu den ZF-Einstellungen des übrigen Gerätes oder absichtlich, frei nach dem Motto: Irgandwas rein, Hauptsache, da ist was drin, merkt eh' keiner...

Eine wirre Gemengelage! Smiley26

- - -

Der "Rubens" wurde bis Mai 1956 mit dem Tuner mit EF80 und ECC81 ausgerüstet und hier sieht man auch gleich seine Röhrenbestückung *3):


.jpg   DSC07676.jpg (Größe: 311,62 KB / Downloads: 546)

Das ist der FE 855C. Der zugehörige Trommel-Kanalwähler war schon im Vorgänger des "Rubens" zu finden: im FE 852E "Rembrandt". Mit vermutlichem Namen FE 852.309 war er von der Schaltung her sehr ähnlich, wenn man einen vergleichenden Blick in die Schaltpläne der beiden Fernseher wirft. Hier - schön nicht, aber selten - ein Foto aus beiden der Service-Hefte zur Verdeutlichung der Bauart:

   

Ab Mai 1956 wechselte man diesen Penthoden-Tuner (wer es ganz genau wissen möchte: "Kanalwähler FE 855.209 Pentodeneingang") gegen einen empfindlicheren Kaskode-Tuner aus: "Kanalwähler FE 855.409 Kaskodeeingang" mit den Röhren ECF82 und ECC84. Und aus dem FE 855C wurde der FE 855C1. Dieser Kaskode-Tuner ward fortan - zunächst unabhängig vom Parallelton- oder Intercarrierverfahren (!) - als VHF-Tuner unter verschiedenen Namen, wie FE 855.409B im "Dürer" (der erste Intercarrier-Empfänger der DDR, aber auch noch sowohl OIR als auch dann CCIR!) und "Format" & Co oder 1959 als FE 855.2200B im "Derby" und "Cranach" zu finden. Bis hin dann zum "Patriot", dann aber mit P-Röhren bzw. ebenfalls im "Rubens" FE 855D1. Ich habe mal hier - auch wieder schön nicht, aber selten - ein Foto dreier Abbildungen aus drei Service-Heften zum Verdeutlichen gemacht:

   

Immer mit verschiedenfarbigen Segmenten. Verschiedenfarbig??? Richtig, denn zu der obigen Gemengelage kommt noch die Farbe der Segmente des Tuners verwirrend hinzu. Und auch wieder Politik, denn selbst 1959 noch sprach man im Kundendienst-Heft des "Derby" etwas sperrig von "...DDR-Norm und CCIR-Norm bzw. Sonderbestückung (Pol)". Wenigstens schrieb man schon: "Die Segmente für DDR sind mit der Kanalzahl grün und die für CCIR-Kanäle weiß gestempelt". *4)

Zurück zum "Rubens" und was hat es mit den Segmentfarben auf sich?

Sowohl die C- als auch C1-Geräte empfingen nach der OIR-Norm im Parallelton-Verfahren mit dem gesendeten Bild-Tonabstand von 6,5 MHz. Dementsprechend waren in den Tunern ab Werk die farbig gestempelten Kanalwählersegmente zu finden:

Penthode-Tuner: rot  = OIR
                           gelb = CCIR
                
Kaskode-Tuner:  grün = OIR
                          weiß  = CCIR

Rot für alle verfügbaren OIR-Kanäle und (Abziehbild-) Gelb also für den CCIR-Kanal 6. Wer wissen möchte, was nun hier was ist, bittesehr. Das Service-Heft gibt bereitwillig Auskunft (bezieht sich allerdings nur auf OIR):

   

Das bedeutet, dass dieses Chassis offenbar noch auf OIR empfing. Aber es ist ein CCIR-Kanal mit dem Bild-Tonabstand von 5,5 MHz dabei! Wie ist das Gerät, speziell der Bild-ZF-Verstärker, abgeglichen? 5,5 MHz und 6,5 MHz ging hier nicht. Der Fernseher war kein Mehrnormen-Empfänger. Und wie sieht die Kurve des ZF-Tonverstärkers aus? Bei den Paralleltönern musste man aufpassen: Jede Änderung der Oszillatorfrequenz durch Temperaturdrift sorgte dafür, dass die Ton-ZF aus dem Maximum der Kurve des Ton-ZF-Verstärkers wanderte mit dem unangenehmen Ergebnis, dass alles verzerrte... Mit dem Intercarrierverfahren gab es dieses Problem nicht mehr dank des gemeinsamen Bild-Ton-ZF-Verstärkers und der Differenzfrequenz an der Videodiode.

Aber wie sind die ZF-Verstärker hier eingestellt? Vermutlich sind die ZF-Kurven auf den CCIR-Abstand nachträglich irgendwie "gezogen" worden. Ich weiß es momentan nicht.

Rubens (und damit lasse ich jetzt die Gänsefüßchen beim Namen weg), die man heute auf Flohmärkten ersteht, sind oft FE 855C, haben aber einen Kaskode-Tuner drin, die ab Werk offiziell eigentlich erst in die C1-Geräte kamen. Wie kommt's? Ganz einfach! Wenn jemand nämlich seinerzeit einen guten Draht zum Rundfunkmechanikermeister hatte oder wie auch immer an den Kaskode-Tuner herankam, dann wurden die Tuner auch schon bei den C-Geräten nachträglich ausgetauscht (ob die Kaskode-Tuner auch schon ab Werk in die C-Serie aufgrund eines Tuneraustauschprogrammes eingebaut wurden, weiß ich nicht). Passt hoffentlich dann die Segmentfarbe? Siehe wieder oben!

= = = =

"Der Worte sind genug gewechselt. Lasst Taten folgen!"   Smile

Los geht's in einem ersten, kleinen Schritt.

Ich wollte zu allererst testen, ob der Netztrafo überhaupt noch was von sich gibt und wie es mit dem Trockengleichrichter aussieht. Die gefährlichen Kondensatoren auf der Primärseite des Trafos habe ich abgelötet. Vorsichtig am Trenntrafo hochgefahren, machte es "Flapp" und eine der beiden Feinsicherungen verabschiedete sich sofort.

   

Ja, nee, Himmel, da wird doch nicht etwa der Netztrafo schon gleich mal primärseitig???

Nein. Es zeigte sich, dass nicht nur der Netzschalter nicht mehr schaltete, sondern er schloß intern vor der Primärseite des Netztrafos kurz. Das hatte ich beim Durchklingeln der Primärseite glatt übersehen. Ich habe den Schalter einseitig ab- und die zugehörigen Anschlüsse zuammengelötet. Nun kann er zwar nicht mehr schalten, richtet aber auch keinen Schaden mehr an.

Eine neue Sicherung eingesetzt und siehe da, die Röhren beginnen zu heizen und am Pluspol des Trockengleichrichters zeigt sich am Oszillograf eine schöne Wechselspannung. Probeweise ein 100µF-Elko - der hohe Wert ist hier entsprechend des Schaltplanes erlaubt - gegen Masse angeklemmt (im Bild links unten zu sehen) und schon habe ich auf dem Oszillograf eine schöne Gleichspannung und das mit angeschlossene Voltmeter zeigt mir was um +275 Volt an.  

   

Na prima, dann kommt gleich auch noch ein Siebelko mit 50µF hinter die Drossel geklemmt und mal geschaut, was passiert: Aha, die Drossel ist in Ordnung. Kein Köcheln, kein Müffeln, kein warm werdender Netztrafo: die Schienenspannungen aus dem Netzteil sind somit schon mal alle da. Smile

   

Ein hoffnungsvoller Anfang!

(wird fortgesetzt)



*1) RAFENA - Anleitung zur Umstellung auf CCIR-Norm, 1957.

*2) Informationen für den Fernseh-Kundendienst, Januar 1960, Nr. 12, Seite 22.

*3) Kundendienstanleitung Fernsehempfänger FE 855.

*4) Kundendienstanleitung Fernsehempfänger Cranach / Derby, S. 8.
Penthode?
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#2
Hallo Michael,

oh ja, das ist ein interessantes Projekt. Diese Fernseher haben mir früher auch viel Spaß gebracht. Man freut sich dann hinterher, wenn das Gerät dann wieder Bilder zeigt. Ich lese hier mit Interesse mit. Und nein, ich mache keine Fernseher mehr!
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#3
Hallo,

sehr interessant, werd ich weiterverfolgen !
Das defekte Ablenksystem ist natürlich etwas ärgerlich, aber eventuell noch von einem Schlachtchassis beschaffbar, andere AE von Geräten mit dieser BiRö, z.B. der WEISSENSEE o.ä., sollten auch gehen, wobei der auch nicht so oft anzutreffen ist.

Da der Kanalwähler eigentlich nur noch einen symbolischen Charakter hat, ist es nicht so schlimm, wenn der nicht voll oder korrekt bestückt ist, es reicht u.U., sich ein, zwei Kanäle hinzubasteln, um über den VHF-Eingang "empfangen" zu können.

Gruß Ingo
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#4
Hallo Michael,

vor ein Paar Monaten habe ich auch zwei Rubens zur Funktion gebracht.
Bei einem musste ich alle Potis öffnen und reparieren es waren fast alle Nieten lose.

   

   

   

Dem Netzschalter habe ich auch wieder seine Funktion zurückgegeben.

   

   

Mit großem Interesse werde ich deinem Bericht folgen.

Grüße Falk
Grüße aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
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#5
Ja, den kenn ich aus meiner Kindheit. Mein Vater hat damals so ne Kiste gekauft und immer was zu reparieren gehabt. Trotzdem, tolles Gerät.
LG, Holger
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#6
Hallo Michael,

wir hatten ja schon per PN geschrieben.

Könntest Du Bitte mal die Kanalstreifen aus dem Tuner nehmen und fotografieren?
So, daß man die Spulen sehen kann?
Besonders die UKW- Kanalstreifen, falls vorhanden, wären interessant.
Weil man damit dann ja doch noch etwas "Free to air" empfangen kann.

Der Rubens Tuner ist dem Rembrandt ja noch sehr ähnlich.

Vielen Dank im Voraus.


Beste Grüße,

Christian
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#7
Hallo Michael,


meine Begeisterung für den FS ist grenzenlos,

Zumal ich noch in der Lehre den einen oder anderen Rembrandt reparierte.

Noch mehre begeistert mich das gesamte Equipment, fast ausnahmslos DDR.

Gruß werner
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#8
(25.06.2020, 21:46)Holly-Z schrieb: Ja, den kenn ich aus meiner Kindheit. Mein Vater hat damals so ne Kiste gekauft und immer was zu reparieren gehabt. Trotzdem, tolles Gerät.
LG, Holger

Ich habe auch so eine "Kiste".
Wahrscheinlich sid die Papier-Cs auch damals schon nach paar Jahren ausgefallen. Heute sind die jedenfalls Alle hinüber und ich habe mir die Mühe gemacht Neue in die alten Hüllen zu bauen.
Die Elkos waren auch alle hinüber, die habe ich dann durch FROLYTs der 1960er Jahre getauscht. Der Selen war etwas hochohmiger geworden, habe ich mit Si-Diode mit Vorwiderstand gebrückt.
Und das leidliche Problem mit den Bronzenieten hatte ich teiweise auch.
Glück hatte ich mit der Bildröhre, die ist noch recht gut für den damaligen leuchtschwachen Leuchtstoff.

Ja, und nicht umsonst sind die vielen Regler hinten herausgeführt. Nich nur der Parallelton sondern auch das Bild ist nach einer gewissen Einschaltdauer nachzustellen.
Vorteil du bleibst fit und schläft nicht ein Big Grin Big Grin Big Grin

Ein UKW-Kanalstreifen überstreicht etwa Zwei Sender und wurde damals auf den ein/zwei Ortsendern abgeglichen.

Viele Grüße
Bernd
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#9
Hallo zusammen,

ich bedanke mich für die positive Resonanz!  Smile

Vermutlich werde ich so etwas wie ein Schrottchassis für diverse Ersatzteile bekommen. Was da alles so dran und drin ist, werde ich dann sehen.

Sofern die 11er und 12er UKW-Kanalstreifen dabei sind, dann fotografiere ich, das geht klar.

Der defekte Netztschalter ist nicht in einem runden, sondern eckigen Bakelitgehäuse ans Poti angeflanscht. Ich dachte eigentlich, dass ich das hier im Forum bei einem meiner beiden Dabendörfer auch schon gezeigt haben, wie ich so ein Poti repariere. Aber ich kann's grad ned finden.

Mit Freude lese ich von Rubens- und Rembrand-Erprobten Reparateuren. Da werde ich Euch bestimmt noch mit den einen oder anderen Fragen nerven! Smile

Gruß Michael
Penthode?
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#10
Oh ja mach weiter, meiner wartet auch noch auf Hilfe.
Habe immer soviel Arbeit, das ich mir eine aussuchen kann. Smile

Grüße Frank, der Moschti
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#11
Hallo Michael,

als erstes erneuere die Dinge, die ich oben schrieb, sonst wirst Du nie glücklich.

Ich freue mich immer wieder, wenn Leute sich an solche Projekte wagen und nicht nur Reparieren, sondern wirklich versuchen den originalen Zustand zumindest optisch zu erhalten.

Viele Grüße
Bernd
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#12
(26.06.2020, 08:36)4malEL34 schrieb: Könntest Du Bitte mal die Kanalstreifen aus dem Tuner nehmen und fotografieren? ... Besonders die UKW- Kanalstreifen, falls vorhanden, wären interessant.

Hallo Christian,

so, bin vom Wander-Ausflug zurück. Sorry, wenn es etwas dauert - ich bitte einfach nur um Geduld.

Hier die beiden Kanäle:

   

HTH!

Gruß Michael
Penthode?
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#13
Thumbs Up 
Hallo Michael,

besten Dank für das Foto Smiley20 

Dann bin ich mit meiner Wickelei ja ziemlich dicht dran.

Funktioniert auch gut so.

Beste Grüße,

Christian
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#14
Hallo zusammen,

die nächste Aufgabe war einfach. "Teste die Bildröhre".

Der Karton mit der Bildröhre lagerte 'zig Jahre in der Garage. So sieht er aus:

   

Zugegeben etwas martialisch. Aber bedenkt bitte, dass ich das Bildrohr verpackte, als meine Kinder noch klein waren. Und etwas Abschreckung musste nun mal sein.

Die Überlegung: Ich nehme meinen Rubens, von dem ich weiß, dass dessen Hochspannung und Ablenkungen da sind. Somit habe ich "Hell" und somit kann ich die Bildröhre aus dem Karton testen, ob und was sie überhaupt noch so drauf hat. Ich habe sie noch nie in Funktion gesehen. Vielleicht ist sie ja längst im Eimer?

Der Rubens läuft inzwischen am Trenntrafo hoch und seine eingebaute Bildröhre B30M2 zeigt nicht mehr die beste, aber eine noch ganz gute Helligkeit.

Der Test kann beginnen.

Ich habe es mir grundsätzlich angewöhnt, die Stellung des Ionenfallenmagneten mit einem dünnen Strich auf dem Bildröhrenhals zu markieren. Bei jedem Fernseher, bevor ich überhaupt das Bildrohr anfasse. Das erleichtert mir später das zeitsparende Justieren auf optimale Helligkeit.

   

Das Herausnehmen des Bildrohres beim Rubens ist einfach zu erledigen. An dieser Stelle erlaube ich mir den unbedingten Hinweis auf die Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Bildröhren: Plexiglasgesichtsmaske, dicke, lange Stulpenhandschuhe für den Schlagaderschutz und eine dicke Jacke (z.B. gefütterter Anorak), die den Hals schützt. 

Macht sich "echt gut" bei der Hitze und jeder mag das bitte für sich handhaben, wie er will. Für mich gilt das aber ohne jedes Wenn und Aber: Sicher ist sicher! Smiley37  

Schaut man in das Innere des Rubens, dann sieht man zwei Pratzen (siehe Pfeile):

   

Die beiden Schrauben löst man etwas und schwenkt die beiden Pratzen nach unten. Dann kann man die Frontplatte, die die Bildrohrmaske und die Schutzscheibe trägt, einfach nach vorn abnehmen und beiseite legen. Das macht sich besonders dann gut, wenn man die Schutzscheibe innen säubern möchte.

Nun liegt das Bildrohr frei. Man löst die Spannschraube (oben links auf dem Foto. Das geht von vorn mit einem kleinen Schraubenzieher gut) und nun kann man das Spannband nach unten ab- und heraus nehmen. Dadurch liegt es nicht lose im Gerät herum, womöglich noch spannungsführende Anschlüsse der Ablenkeinheit berührend und knallt mir vor allem nicht auf den Bildröhrenhals, wenn es nach innen umkippt und die Bildröhre liegt noch im Gerät!

Der Ionenfallenmagnet wird gelockert und abgeschoben. Jetzt ist die Markierung gut zu sehen:

   

Sehr schön übrigens zu erkennen: Das schräg eingebaute Elektrodensystem der Elektronen(strahl)kanone. Nun kann man das Bildrohr vorsichtig und möglichst nicht verkantend nach vorn gut herausziehen. Keinesfalls nur von hinten schieben!!!

Diese Ausbaumethode hat einen Vorteil: Das Chassis des Rubens ist nicht gerade verwindungssteif. Zieht man es nach dem Lösen der Befestigungsschrauben aus dem Gehäuse, so biegt sich das ganz schön - zu schön, wie ich finde: der Bildröhrenhals liegt ziemlich eng in der Ablenkeinheit und ich möchte eine allzu große Biegebeanspruchung mit der Bildröhre auf dem Chassis sicherheitshalber vermeiden. Daher bevorzuge ich den Ausbau des Bildrohres aus dem Gehäuse, wenn das Chassis noch fest drin sitzt.

Hier seht Ihr die Bildröhre, vermutlich eine B30M1, aus dem Karton:

   

In der Vergrößerung im Bild seht Ihr zwei Markierungen (Pfeile), die ich auch auf dieser Bildröhre für deren Lage des Ionenfallenmagneten irgendwann einmal angebracht hatte...

Das Bildrohr war dreckig und nikotinverschmiert. Ich musste erst einmal mit Wasser, Lappen und mildem Spulmittel ran.

Hinzu kommt die eben aus dem Rubens herausgenommene Bildröhre. Bei ihr ist linksseitig beim Herausziehen ihr Gummiband etwas verrutscht, siehe Pfeil:

   

Das lässt sich aber problemlos wieder justieren. Erstaunlich - das Band ist nicht bröselig oder mit den Jahren hart geworden, sondern elastisch geblieben.

Habe ich Euch eigentlich schon geschrieben, dass ich nach wie vor einen Heidenrespekt vor diesen alten Sch****dingern von Rundbildröhren habe?! OK, es sind keine Sprengbomben, aber ich sehe sie dennoch lieber hinter ihren Schutzglasschirmen in den Geräten oder gut verpackt im Karton.

Die Probierbildröhre wanderte nun vorsichtig in den Rubens. Einlegen genügt, das Spannband ist für den Test nicht nötig.

Den Ionenfallenmagneten nicht vergessen, Bildrohrfassung dran und den Rubens am Trenntrafo hochgefahren. Etwas den Ionenfallenmagneten nachjustiert und schaut mal, sie strahlt mich regelrecht in ihrer ganzen Pracht an.

   

"Test mit Bravour bestanden", würde ich sagen! Ich bin begeistert. Das habe ich so nicht erwartet und der künftige Rubens hat nun schon mal ein gut funktionierendes Bildrohr.  Smile

Gut auf dem Foto zu sehen ist der freiliegende Bereich des Gehäuses bei abgenommener Frontplatte.

(wird fortgesetzt)

Gruß Michael
Penthode?
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#15
..schöner Bericht, schöne Fotos, das wird ein schönes Bild werden..

Gruß Ingo
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#16
Hallo,

ich kann meine Begeisterung kaum in Worte fassen.

Eine Meisterleistung und wir dürfen daran teil haben, danke dafür.


Tatsächlich war das Handling mit diesen Bildröhren nicht ohne.

In der Lehre habe ich an einigen Rafena Derby diese 30 cm Bildröhren gegen die mit 43 cm  getauscht.
Da gab es Umbausätze mit der neuen Maske und Zubehör.

Zum Umgang mit diesen Bildröhren, oder auch generell, musste immer ein schlagfestes Visier getragen werden.
Das war Pflicht, der Meister hat uns seinerzeit auf den Weg gegeben, Augen kann man nicht reparieren, die Pulsadern schon eher.

Bei uns damals waren der Kanal 11 und 9 wichtig.

Gruß werner
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#17
(Gestern, 10:03)PL500 schrieb: ...Eine Meisterleistung und wir dürfen daran teil haben, danke dafür...

Gruß werner

Neee... Blush 

Das ist einfach nur Freude am Schaffen daran. Und Hilfe brauche ich noch genug, wartet's nur ab! Smile 

Nachtrag:

Hier noch der Rubens mit seiner B30M2, die drin war, bei voll aufgedrehter Helligkeit:

   

Kein Vergleich zur Bildröhre aus dem Karton. Aber ich werde möglicherweise die helle Bildröhre dem Rembrandt spendieren, der bei mir noch herumsteht. Dessen Hochspannung (mit seiner 1Z1, da ist nichts umgebaut) ist ohnehin nicht sooo der Brüller. Mal sehen.

An dieser Stelle habe ich gleich mal noch die Hochspannung "gemessen" (mit meinem URV1 + HV-Tastkopf "anzeigen lassen", ist wahrscheinlich richtiger formuliert), die an der Bildrohranode anliegen. Es sind 8,6 kV.

Jo, es wird jetzt unspektakulär weiter gehen. Denn nun heißt die Aufgabe sinngemäß "Chassis wohldosiert wiederbefüllen". Smile

Gruß Michael
Penthode?
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