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Sachsenwerk Rubens - Auferstanden aus Ruinen
Servus zusammen,

(25.06.2020, 18:31)MichaelM schrieb: ...ich habe mir "viel Spaß" gewünscht und mache mich nun an mein nächstes Projekt

Die Aufgabe ist vom Wortlaut her recht einfach: Diesen Rubens wieder zum Spielen bringen....

zunächst einmal kann ich hier wohl schreiben: "Aufgabe erfüllt". Smile

Und meine Werkstatt:

   

ist nun mit einem soweit spielenden Fernseher ausgestattet.

Wobei "spielend" ist relativ:

- die Bildlage ist schief
- das Bild zeigt links die typischen Einschwingstreifen ("Gardinen")
- der Kanalwähler kann nur extrem feinfühlig eingestellt werden, sonst sieht man nur diagonales Flimmern
- es ist sehr schwierig, das Bild "einzufangen"
- Bild und Ton "ziehen" sich erst nach geduldigen Abstimmen "zueinander".

Es gibt also noch einiges am Rubens zu tun, so dass sich prompt die nächsten Aufgaben herauskristallisieren. Smile

- -

Speziell für unsere ostdeutschen "Fernsehkieker" hätte ich noch eine kleine Nachlese zum Ozillografieren.

Viele von uns kennen den Werner / Barth "Kleine Fernseh-Reparaturpraxis", VEB Verlag Technik Berlin, 1963, 3. oder 4. Auflage:


.jpg   DSC08406.JPG (Größe: 140,72 KB / Downloads: 98)

Auf der Seite 155 dieses sehr lesenswerten Büchleins findet sich ein Plan für die Impulsverfolgung:

   

Dieser Plan ist allgemein gehalten für die damaligen Fernseher und er ist schon mal sehr gut verwendbar.

Worum geht es mir hier?

Ich habe mich beigemacht und diesen Plan speziell für den Rubens angepasst und zwar genau für den Schaltplan des FE855C, der dem Kundendienstheft beiliegt. Desöfteren hatte ich ja schon geschrieben, dass einige der darin abgebildeten Kurven falsch sind. Und wenn man sich anhand dieses Schaltplanes orientieren will, aber ansonsten im wahrsten Sinne des Wortes "keinen Plan hat", so geht das sehr schnell schief.

Nur zum Beispiel sei hier nochmal erwähnt, dass die Kurven 13 und 16 im Originalschaltbild spiegelverkehrt abgedruckt sind. Und aus meiner Sicht sollte auch der Meßpunkt 10 an der Kathode der Boosterdiode bzw. deren Verbindungsleitung zu C51 dort überhaupt nichts zu suchen haben (in späteren Schaltplänen taucht der nämlich nicht mehr auf), denn der Hinweis mit den 4000 Volt da dran ist doch zu kleingedruckt und bei mir war es zum Glück nur ein Tastkopf, der dran glauben musste...

   

Ich habe die Nummerierung der Meßpunkte des Originalschaltbildes verwendet (rot) und dazu einige zusätzliche Meßpunkte angetastet, die ich grün gekennzeichnet habe. Alles weitere seht Ihr auf dem Bild. Insbesondere findet man dort auch Informationen zu den beiden Oszillografen, die ich verwendet habe. Vielleicht ist ja noch jemand so "oszillografiersüchtig" wie ich, dann hat er hiermit eine kleine Hilfe:

   

Wenn man sich die beiden Bilder runterlädt und gemeinsam abspeichert, kann man die Änderungen schön durch Scrollen mit dem Mausrad nachvollziehen.

Dass es die beiden Oszillografen tun, sieht man schön hier. Meßpunkt 7 im Originalschaltbild, Kathode Rö14 Schwungradkreis. EO 1/77U:

   

und EO 1/71a:

   

Wobei man klar sagen muss, dass bei etwas komplexeren Kurvenformen und insbesondere beim Oszillografieren auf Basis der Zeilenfrequenz der EO 1/77U die deutlich bessere Wahl ist.

Gruß Michael
Penthode?
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Hallo zusammen,

kurz noch zwei Fotos. Das Bild steht jetzt ohne zu rollen oder ohne langwierige Synchronisationsprobleme, quasi "sofort und wie eine Eins", sobald ich nur die Geräte einschalte:

   

   

Ich habe den Zeilengenerator am Schwungradkreis nochmal nachgezogen und anschließend alle Röhrenfassungen gesäubert, die Sockelstifte der Röhren blank gemacht und die Fassungskontakte mit einer in Wellenschalteröl gesteckten Kanüle gereinigt. Es zeigte sich nämlich, dass beim Bewegen einiger Röhren; insbesondere natürlich der beiden am Kanalwähler, die Bildqualität sehr stark schwankte. Auch ein geringes Bewegen von Rö7, der Videoverstärkerröhre EL83, ließ das Bild von ganz allein immer flauer werden, bis es völlig grau wurde, um nach einiger Zeit von selbst dann wieder auf Normal zurück zu kommen.

Also habe ich hier gesäubert und ich muss gestehen: die Fassungen waren auf ihrer Oberseite ziemlich versifft und verdreckt. Im Zuge der Arbeiten am Rubens hatte ich das glattweg übersehen. Das kostete Wattestäbchen und Alkohol.

Nun läuft alles sehr stabil, bis auf die Bildlinearität. Die ist mächtig nach oben und nach unten verzerrt, wie man gut sehen kann. Es läuft von der VHS-Kassette vom Videorecorder über mittels Scartkabel angeschlossenem Modulator (vorn auf den Fotos gut zu sehen) ein bekannter Film, den ich vor Jahren mal aufgenommen hatte. Komischerweise bekomme ich diese fehlerhafte Bildlinerarität noch nicht sauber justiert. Ich kann weder das Bild schmal genug und in der Höhe symmetrisch zur Bildröhre einstellen, noch diese Unlinearität beseitigen.

Spielt mir der Bildgenerator dieses Ur-Rubens etwa doch einen Streich?  Huh

Übrigens - nach den schon erwähnten 65 Jahren gibt der Ur-Rubens offenbar nun sein kleines Geheimnis preis: Bestes Bild und zugehörigen Ton bekomme ich völlig problemlos auf dem Kanal 10 sowohl am Modulator als auch am Rubens. Bei allen anderen Stellungen des Kanalwählers am Fernseher und bei anderen Kanälen am Modulator stimmt der Bild-Tonabstand nicht so richtig. Auch nicht beim Kanal 6, dem damaligen DDR-Fernsehsender Brocken. Offenbar ist alles noch nach OIR-Norm abgeglichen. Aber der Kanal 10 funktioniert bestens! Da war doch was! Wir erinnern uns: Kanal 10 war das damalige "West-Fernsehen" aber nach CCIR-Norm! Da hat doch nicht etwa jemand damals klammheimlich diesen Kanal von OIR auf CCIR abgeglichen?

1955? Westfernsehen in der offiziellen Fernseh-Stube des Rates der Gemeinde, also der sozialistischen Bürgermeisterei? Nee, ne?! Bestimmt nur, um sich "den Klassenfeind" genauer anschauen zu können.  Big Grin  Thumbs_up  

Gruß Michael
Penthode?
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Hallo Micha,

schöner Bericht, schöne Bilder, schönes Ergebnis !

Linearität liegt nie (*hust* ...fast nie ) am Bildgenerator, sondern entweder in der Sägezahnbildung bzw. in den Gegenkopplungsnetzwerken von der Endstufe nach vorn, das sind gern mehrere... (hab jetzt nicht konkret nachgesehen...). Da die Cs schon erneuert sind, eventuell ein gedrifteter Widerstand (?). Bei mir waren es fast immer nur die Kondensatoren. Der Übertrager kommt erst in Frage, wenn die Verzerrungen wirklich sehr stark wären, das Bild sieht eigentlich ganz gut aus (ohne das Geometrieproblem sogar SEHR GUT ^^ und das is das eigentlich Wichtige, denn das Geometrieproblem bekommt man zu 99,x% gelöst).

Gruß Ingo

...jetzt hab ich doch nochmal geschmökert im Plan, is ja alles schön im Beitrag zu sehen:
Wenn ich nicht falsch liege, ist es auch in dieser Schaltung so, daß der Sperrschwinger eigentlich nur der "Kurzschließer" für den Sägezahn"generator" ist, ein Konzept, das sich durch sehr viele Vertikalablenkschaltungen bis hin zu moderneren Konzepten (zb. bei RFT, von GRUNDIG abgekupfert ^^) erstreckt:

- der eigentliche Sägezahn wird an einem von der Boosterspannung (über den Bildhöhensteller einstellbar) gespeisten Kondensator gebildet (...dadurch Aufladung des "Haupt-Sägezahnkondensators" wie von einer Konstantstromquelle).

- Der Sperrschwinger (oder Multivibrator...oder Unijunktiontransistor bzw. ...Thyristor-Sperrschwinger...) hat nur die AUfgabe, den sägezahnbildenden Kondensator zu entladen (Rücklauf) und dadurch die synchronisierte Sägezahnfolge zu ermöglichen... Ohne Signal passiert das mit der Leerlauffrequenz, damit dann überhaupt Vertikalablenkung entsteht...

- Der Sägezahn steuert zunächst die Endstufe, aber über diese wird der Sägezahn in der Gegenkopplung (...) vorverzerrt, wodurch die Hauptinduktivität und damit der Aufwand für den Ausgangsübertrager kleiner werden darf UND die Linearität an die Gegebenheiten des gesamten Ablenkkonzeptes einstellbar gestaltet werden kann (siehe Schaltung... oft Einstellung der Linearität allgemein von außen einstellbar und als Abgleich "oben" ).

Ein falsch geformter Sägezahn ist also ab dem Hauptkondensator zu suchen bzw. in dessen rückspeisenden Netzwerken... bei symmetrischer Linearitätsverzerrung oben UND unten ohne Korrigierbarkeit durch die Einsteller könnte man auch mal den Ablenkstrom oszillografieren, über 1 Ohm im Sekundärkreis, den Widerstand am kalten Ende gegen Masse einfügen, nicht daß noch was anderes in Frage kommt... anhand des Oszillgramms könnte man nachweisen, daß nicht etwa der Ablenkstrom zu sehr S-förmig verzerrt ist.


(Ich hatte letztens einen wunderschönen, selbst eingebauten Fehler in einem meiner "Bastelfernseher", der zu dramatisch verschlechterter Vertikalablenkung incl. Linearität führte ! Extrem dramatisch sag ich nur, die Linearität war noch das kleinste Problem... aber man konnte den Fehler sehr schön durch Oszillografieren des Ablenkstromes herausmessen, deshalb erwähne ich das hier kurz ^^ war ne tolle Erfahrung, wenn auch mit viel "ärgern" verbunden, aber als ich es gefunden hatte, entschädigte die "Freude" über den gefundenen Fehler ^^ bei Gelegenheit dokumentier ich den Erpel im enspr. Beitrag...)
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Wunderbar, nun noch eine Glashaube drüber und als funktionierendes Gerät in ein Museum damit. Smile
Bei mir dauert es noch eine ganze Weile, aber die Kondensatoren habe ich schon sortiert bereitgelegt.
Habe immer soviel Arbeit, das ich mir eine aussuchen kann. Smile

Grüße Frank, der Moschti
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