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Stromversorgungsgerät SV 60/58 DDE
#1
Hallo zusammen,

Wo ich es ja gerade mit Stromversorgungsgeräten habe...

Zumindest unter uns Bastlern, die aus der ehemaligen DDR kommen, ist dieses hübsche, kleine Kistchen vermutlich mehr oder weniger omnipräsent:

   

Dieser kleine Stromer wurde lt. Typenschild auf seiner Rückseite im damaligen VEB EMB gebaut. Ob das der VEB Elektro-Mechanik Berlin-Pankow war, entzieht sich meiner Kenntnis.

So ein Stromversorgungsgerät hatte ich schon einmal. Ich erinnere mich: Es war Mitte der 70er Jahre, der letzte Schultag vor den Sommerferien. Der Tag versprach heiß zu werden, die Fensterläden daheim waren schon früh geschlossen, damit es in der Wohnung kühl blieb. Aber was heißt schon "heiß": Die Luft in der Gegend, von den märkischen Kiefernwäldern des Hohen Flämings umgeben, war damals wie heute schon immer leichter und angenehmer, als vergleichsweise diese ekelhaft schwüle und schwere Luft im hiesigen Stuttgarter Raum...

Aber zurück zum Stromer. Gegen 11:00 oder 12:00 Uhr war die Schule aus, die Zeugnisse in der Hand machten wir uns auf den Heimweg. Die Badeanstalt im Ort lockte, der Weg führte an der Eisdiele vorbei - ein schöner Tag lockte! Kein Wunder: Die Ferien begannen!
 
Meine Physiklehrerin hielt mich an und fragte, ob ich ein Stromversorgungsgerät haben wollte. Sie wußte ja, dass ich so ein "Radiobastler" war. Das Ding  wurde nicht mehr benötigt. Hm, im Physiksaal der Schule hatte ich sowas vorher noch nie gesehen und bekannt war mir so ein Gerät damals sowieso nicht. Sie meinte, es wäre kaputt und somit könnte ich es bekommen. Natürlich habe ich freudig "Ja" gesagt und hielt bald schon darauf ein SV 60/58 DDE in den Händen!

Daheim angekommen, ging der Stromer sofort an die Steckdose, ein Meßgerät angeschlossen - alles lief, nichts kaputt!

Naja und so stand es und stand es und stand es... Bis ich es irgendwann umbaute. Die Steckbuchsen und das Steckkabel tauschte ich zusammen mit einer neuen Frontplatte (mit Abreibebuchstaben... Smiley26 ) gegen einen großen Umschalter zum zweckmäßigen Umschalten der Spannungen aus. Aber dennoch fand ich nie eine richtigen Anwendung dafür. Irgendwann habe ich das Gerät dann vermutlich billig verkauft. Übrig blieb ein selbstgemalter Schaltplan mit der Bemerkung darauf: "15.02.1989: Existiert in dieser Schaltung nicht mehr".

Dabei blieb es.

- - -

Nun ist also nach vielen Jahren ein schöner Ersatz (und auch noch fast zum Nulltarif) angekommen. Willkommen daheim!  Smile

Mein damaliges Gerät stammte lt. Typenschild von einer Erwin Pahl KG Berlin. On die dann zwangsverstaatlicht und in den obengenannten Betrieb integriert wurde, weiß ich nicht. Man sieht im www auch Geräte, die eine vergleichsweise eher rudimentär wirkende Frontplatte mit Abziehbildern drauf haben - wieder von einem anderen Hersteller oder von Schülerinnen und Schülern im UTP (Unterricht für die technische Produktion) gefertigt.

So schaut es von innen aus:

   

   

Die Befestigungsschrauben für die Front waren vergrießgnaddelt. Der Potiknopf war nicht original, der Netzschalter war ein falscher und auch die Kontrollleuchte war gegen eine viel zu moderne ausgetauscht. Den Schalter und die Kontrolleuchte habe ich gegen Originale aus dem Fundus ausgetauscht. Einen originalen Potiknopf habe ich nicht. Ich habe einen zum Outfit hoffentlich halberwegs passenden herausgesucht. Der grüne 100-Ohm-Widerstand rechts oben am Kabelbaum gehört nicht in das Gerät. Den habe ich eingebaut, weil ich zurzeit noch keine 12-Volt-Signallampe für dieses Gerät übrig habe - da kommt aber möglicherweise bald Ersatz und dann entferne ich auch den Widerstand wieder. Jetzt leuchtet eine 6V-Lampe mit dem Vorwiderstand, der mir die überschüssigen 4 Volt verkokelt.

   

Ich bin skeptisch, ob diese Stromer jemals ihren ihnen angedachten Auftrag erfüllt haben. Denn z.B. jeweils eine Germaniumdiode OA625 aka GA100, die ja ursprünglich für HF-Gleichrichtung gedacht ist, für eher grobe Wechselstromgleichrichterzwecke einzusetzen, halte ich für sehr fraglich. Auch die Siebung für den 6A-Ausgang ist nicht wirklich vorhanden, es ist ja nur ein Ladekondensator eingebaut.

Der rückseitig eingeklebte Schaltplan stimmt nicht mit der Belegung auf der Lötösenplatte überein. Das war auch damals bei meinem Gerät schon so. Ich habe den Schaltplan neu gezeichnet. Der Vorwiderstand und die 6V-Lampe sind jedoch sinnigerweise nicht mit dabei:

   

Ich freue mich, nun endlich wieder diesen kleinen Stromer zu haben. Wieder ein Stück aus meiner Schulzeit... Vergleichsweise zu heute hatte ich nichts. Aber man hatte so viele Träume, soviel Phantasie, hat vergleichsweise zu heute material- und ausstattungsmäßig "mit nichts" gebaut und dennoch funktionsfähige Sachen gebastelt. Und es war einfach unbeschwert schön. Ob das jemals jemand verstehen kann???

Er bekommt seinen gebührenden Platz neben dem Zittau NG IV. Ist doch klar, oder?!

Smile

Gruß Michael
Penthode?
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