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Media Nav Evolution
#1
Hallo, 

um drohenden Beherbergungsverboten und von unseren Politikern ausgedachte Zwangsisolationen zu umgehen, habe ich mir vor 14 Tagen ein neues Radio gekauft. Den Großraumkombi darum, in dem bequem auch zwei Personen schlafen können, in Deutschland ist dies zur Herstellung der Verkehrstüchtigkeit ja kein Problem, in Schweden und Finnland sowieso nicht,  gab es für einen Aufpreis gleich dazu. Big Grin  

Das Radio um das es gehen soll, stammt vom südkoreanischen Hersteller LG. Der Modellname ist MediaNavEvolution kurz MNE und wird so von Renault, Nissan, Dacia in verschiedenen Modellen verbaut. Da es ein Neuwagen ist, ist hier auch schon das MNE ab 2018 verbaut, welches auf Linux aufsetzt. Radios vor 2018 wurden mit Windows CE 6 betrieben.


.jpg   MediaNavEvo.jpg (Größe: 56,98 KB / Downloads: 238)

Das Radio hat neben DAB+ auch noch UKW und sogar Lang- und Mittelwelle mit fantastischer Empfindlichkeit und DX-Eigenschaften. 


.jpg   Anschluss.jpg (Größe: 72,87 KB / Downloads: 237)

Es gibt drei Antenneneingänge, einen für L-Band GPS für den eingebauten Navigationsrechner, einen Eingang für HF und UKW und einen Eingang nur für DAB+. Telefonie gibt es nur über ein per BT gekoppeltes Android-Telefon oder iPhone, es wird also die Mobiltelefonhardware für diese Funkschnittstelle genutzt.


.jpg   MediaNavEvoRueck.jpg (Größe: 58,8 KB / Downloads: 236)

Die Anschlußbelegung habe ich im Netz auch gefunden.


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.jpg   Anschluesse2.jpg (Größe: 59,01 KB / Downloads: 237)

Das Radio bekommt auch ein Signal vom eingelegten Rückwärtsgang und startet dann automatisch die Rückfahrkameraanwendung. Der Nachtmodus des 7 Zoll Displays wird durch zuschalten des Abblendlichtes aktiviert, bei Tagfahrlicht bleibt das Display im Tagmodus.

Kostenmäßig liegt die hier verbaute größte Version des MediaNavEvolution bei 350 Euro Aufpreis im Basismodell, im Comfort-Modell ist es im Ausstattungspaket Technik bereits enthalten. Ich kann aber die Anschaffung nur empfehlen, im Vergleich zu Konkurrenzradios anderer Hersteller ist es nahezu geschenkt und die Empfangsleistung die es bietet, kenne ich bisher nur von gezielt für den Fernempfang modifizierten DAB-Radios oder professionellen Messempfängern.

Hier vor meinem Haus in Wellingsbüttel bekomme ich knapp 80 Programme störungsfrei herein, fahre ich entlang meiner Wanderstrecke zum Teetzpark, sind es mal für einen Moment knapp über 90 Programme die gelistet werden. 


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Ich bekomme hier sogar den rbb, also den Rundfunk Berlin-Brandenburg störungsfrei herein.


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.jpg   rbb210B.jpg (Größe: 65,74 KB / Downloads: 235)

Es handelt sich dabei um den Kanal 10 B, der nächstgelegene Sender dürfte der Sender Pritzwalk mit 10 kW sein. Immerhin eine Entfernung von gut 150 km.


.jpg   Entfernung.JPG (Größe: 101,03 KB / Downloads: 235)

Selbst der Tagesempfang auf Langwelle und Mittelwelle ist beeindruckend. Auch hier ist das Band rappelvoll und man hört mehr als es Empfangsvorhersagesoftware im Internet verspricht. Ich kann mich zu keiner Zeit erinnern einen so guten LW und MW Empfang im Auto mit damaligen Analogradios gehabt zu haben.  


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Über versteckte Menüs kann man das Radio auch funktionstechnisch modifizieren.


.jpg   verstecktesMenue.jpg (Größe: 87 KB / Downloads: 233)

Hier kann man aus einem Radio für Renault, ein Radio für Dacia oder Nissan und so weiter machen. Da ändert sich dann das Herstellerlogo beim Booten und die Farbschemas des Menüs. Darüber soll es laut Internet aber auch möglich sein, einen Kurzwellenmodus zu aktivieren, was für mich als SWLer natürlich ein Traum wäre. 

Ich werde mich in den nächsten Wochen mal mit dem kleinen Wohnmobil die Ostseeküste bis zur Polnischen Grenze durchschlagen und dann nach Schweden übersetzen und Empfangsversuche wagen. Beherbergungsverbote sind mir so ausgerüstet erstmal egal, falls welche kommen sollten. Das Auto bekommt morgen noch Firmenschilder und einen professionellen Messempfänger mit Antennensatz zum Vergleich stelle ich auch rein, die nötigen Papiere zur Durchreise, Nachweise das meine Tätigkeit dringlich ist und Fährtickets sind schnell aus dem Laptop und mobilen Protokolldrucker gezogen. Dann bin ich halt dienstlich unterwegs und begehe zum Zwecke der Vermessung von Sendeanlagen Republikflucht.

Otto.
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#2
Hallo,

mit meinem neuem Otto-Mobil trotze ich den Beherberungsverboten, die dank wehrhafter Bürger und Gerichte nun ja auch Geschichte sind !  Smiley18 

Ich habe mich also in den letzten Tagen entlang der Ostseeküste in Richtung Rügen vorgeschlagen um aus dem Auto heraus in der fast unberührten Natur zu Dxen. Tagsüber wurden sogenannte Lost-Places durchstöbert und fotografiert, am Abend dann im Scheinwerferlicht kuschelig am Auto die Antennen aufgebaut und bis spät in die Nacht gefunkt und Radio gehört! Die zusätzlichen Batteriebänke laden dann am Tage über den Motor wieder auf. 

Ich bin schon seit Donnerstag auf und um Rügen unterwegs, die klassischen Orte wie Peenemünde aber auch das alte Kernkraftwerk Lubmin wurden besichtigt. Im KKW habe ich sogar durch einen Kontakt eine Einzelführung bekommen und Fotos aus dem inneren des Reaktors machen können. Nachdem auch verschiedene alte Flugplätze und Lostplaces aus der Zeit des II.WK und Sendeanlagen abgelichtet wurden, war es Zeit die Flucht nach Norden anzutreten. Hierzu fuhr ich nach Neu-Mukran südlich von Sassnitz. Südlich des alten Fischerdorfes wurde in den achtziger Jahren hier ein großer Eisenbahnumschlaghafen gebaut, der der damaligen  DDR zum Warenaustausch mit Russland, unter Umgehung der Transitländer, diente. Man wollte halt nicht mehr für jeden Eisenbahnwagen der über Polen rollt, an Polen eine Transitgebühr bezahlen. Unter dem Strich war ein Hafenneubau in Neu-Mukran und der Gegenstelle in Klaipeda, inklusive der Bau von neuen Fähren des Typs EGF-321 https://de.wikipedia.org/wiki/Typ_EGF-321 auf der Mathias-Thesen-Werft in Wismar für die DDR günstiger. Die Schiffe waren wohl die größten jemals in der DDR gebauten Schiffe und zur damaligen Zeit durch das doppelstöckige Eisenbahndeck auch die größten Eisenbahnfähren weltweit! Hier ziehe ich als Westdeutscher ohne zu zögern den Hut vor den Leistungen der ostdeutschen Werft! Nach der Wende wurde über Mukran dann der Abtransport der Roten Armee inklusive ihrer Atomwaffen in Richtung Russland abgewickelt, danach gab es für diese Fährverbindung keine Verwendung mehr. Eine andere geschichtlich bedeutende Fährlinie, die von hier aus operierte, sollte 28 Jahre später das gleiche Schicksal ereilen. Die über 111-Jahre alte Königslinie https://de.wikipedia.org/wiki/Königslinie , in der Zwischenzeit von schwedischen Unternehmen Stena betrieben, stellte unter dem Vorwand der Covid-19-Pandemie den Betrieb im März 2020 dauerhaft ein! Damit war die schnellste Verbindung von Deutschland nach Skandinavien vorerst Geschichte. Von Seiten Deutschlands wollte man das nicht akzeptieren und hat eine Nachfolgelinie auf die Beine gestellt. Seit dem 17. September 2020 bietet die Förde Reederei Seetouristik hier eine Katamaranverbindung ins schwedische Ystand zu ganz moderaten Preisen an. Innerhalb von nur noch 2.5 Stunden fliegt man geradezu über die Ostsee, auf der alten Königslinie nach Trelleborg brauchte man immerhin 4 bis 4.5 Stunden. Die Verbindung wird 2020 noch bis Ende Oktober angeboten, danach geht man in die Winterpause und startet erst ab dem Frühjahr 2021 wieder in die Saison.



Ich nutzte also diesen Weg noch schnell um aus Deutschland wegzukommen. Das Buchen geht online direkt über das Mobiltelefon und schon darf man sich im Hafen von Neu-Mukran in die Reihe der parkenden Autos einreihen.

   

Die Wartezeit kann man gut mit alten Karten über den Hafen verbringen. So sind auch heute noch Spuren der alten Fährlinie Mukran-Klaipeda sichtbar. Man kann auch gut nachvollziehen wie hier damals die russische Breitspur auf europäische Normalspur und zurück umgespurt wurde. Die DDR wollte absichtlich keinen Containerverkehr haben, da man befürchtete, das man die Container aus Russland nicht wiedersieht und diese dort massenhaft als Wochenenddatschen enden. Für die DDR wäre das ein teurer Materialverlust gewesen, weshalb man lieber auf eine halbautomatische Umspurung zurückgriff.  Zur Zeit dient der Hafen Mukran übrigens auch als Lagerstätte für die restlichen Kilometer der Ostseepipeline Nordstream 2! Ein Grund warum der Amerikaner dem Hafen mit der totalen wirtschaftlichen Zerstörung droht, wenn denn Nordstream 2 in der letzten Phase doch noch zu Ende gebaut wird. Ebenso liegt im Hafen ein norwegischens Kreuzfahrtschiff auf, die M/S VIKING SUN, der Grund ist klar, CORONA.  KopfWand 


Nach dem Bording, das geht in Minuten, ist man dann ratzfatz mit dem SKANE JET aus dem Hafen, an Sassnitz mit seinen schönen alten Häusern und der Steilküste vorbei und auf offener See. In der Ferne passiert man einige Windkraftfelder und keine drei Stunden später findet man sich im beschaulichen Hafenstädchen Ystad an der schwedischen Südküste wieder. Nach Besichtigung der Stadt führte mich meine Reise auf der Küstenstraße 9 in Richtung Osten weiter. Wie an der ganze Südküste Schwedens findet man hier einen Golfklub nach dem anderen und Landschaften die im Sommer an manche Windows XP-Hintergrundbilder erinnern.  Smile  Mein erster DX-Stop war gleich hinter dem Örtchen Nybro auf einem kleinen Platz direkt an der Ostseeküste.

   

   

   
 
Von hieraus habe ich meinen ersten DAB Bandscan mit dem Media Nav Evolution gestartet. Viel habe ich nicht erwartet denn DAB war in Schweden lange Zeit eigentlich nicht gewollt. Man wollte nicht so sein wie der Nachbar Norwegen, der UKW abgeschaltet hat und DAB stattdessen nutzt. Erst 2018 kam langsam die Einsicht, man könne DAB ja mal ausprobieren und fand offensichtlich Gefallen daran. Zunächst wollte man bis 2019/20 40-50 % der Schweden erreichen, weshalb man kleine Sender in Großstädten wie Stockholm oder Malmö installierte, nun sollen in den nächsten Jahren auch die restlichen Schweden DAB+ bekommen, UKW bleibt aber wie in Deutschland erhalten.  Nybro ist nun fernab von Malmö und Stockholm ist auch weit weit weg, ich habe also gar kein DAB+ Empfang erwartet, dennoch bekomme ich mit dem Media Nav Evolution und der Autoantenne die Ausläufer aus Malmö rein. Ebenso der Dänische DAB+ Mux aus Ronne auf Bornholm, ungefähr 60 km entfernt ist kein Problem. Überrascht war ich als mein Finger auf die Absolut - Stationen des vor wenigen Wochen gestarteten 2. deutschen Bundesmux gekommen ist.  Fehlerfreier Empfang auf dem Parkplatz direkt an der Küste, hier der Beweis.

[video=youtube]youtube.com/watch?v=AzmYos_SZJc[/video]

Empfangen wird hier der Sender aus Züssow, dieser steht östlich der Kreuzung von Bundesstraße 111 und 109.

   

Das Entspricht einer Entfernung von gut 158 km quer über die Ostsee.

   

Hier zeigt das Radio und das verbaute Antennensystem im Auto wieder was es kann. Ich hatte oben schon vom Empfang des Senders Pritzwalk in HH berichtet der ähnlich weit entfernt ist.  Auch auf MW und ganz besonders auf LW zeigt das Radio Stärke, aber davon werde ich später berichten. Die Reise geht morgen weiter in Richtung Norden, es sind noch viele Sachen anzusehen, Empfangsversuche und QSOs zu führen. 

Otto.
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#3
Danke Otto, für diesen interessanten Beitrag, auf dessen Fortsetzung ich mich freue.
M.f.G.
harry


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Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.
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