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Verständnissfrage TDA4661
#1
Hallo, liebe Fernsehfreunde,

bekanntlich wurde bis Ende der 1980er-Jahre bei PAL und SECAM das Farbträgersignal im modulierten Farbträger zeilenweise in einer Ultraschallverzögerungsleitung gespeichert. Danach kamen die Eimerketten-ICs, wie zB der TDA4661 zum Einsatz, womit erst die beiden demodulierten FD-Signale jeweils gespeichert wurden. Soweit, so gut.

Bei diversen Multinormgeräten liegt dieses IC auch im NTSC-Modus im Signalweg, auch im Datasheet ist von einem NTSC-Modus die Rede. NTSC braucht die Zwischenspeicherung jedoch nicht. Eine Zwischenspeicherung bei NTSC halbiert ja nur die horizontale Chromaauflösung, ohne Vorteile zu bieten.

Auf Grund der verminderten Horizontalauflösung aller 3 Systeme sagten sich die Macher von PAL und SECAM, wir können diesen Auflösungsverlust auch vertikal vertreten, um andere Systemvorteile zu erzielen. Alles bekannt und eine vertikale halbe Chromaauflösung wird auch die Qualität eines NTSC-Bildes nicht beeinträchtigen.

Nun zu den Fragen;

Kann es sein, der Hersteller meint, NTSC benachteiligt dieser Line-Delay nicht, jedoch werden Umschaltaufwendungen gespart?

Wird die Verzögerung an das andere Zeilentiming, also CCIR zu NTSC angepasst?
    Viele Grüsse, Micha

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#2
(14.11.2020, 21:31)hardware.bas schrieb: ...
Nun zu den Fragen;

Kann es sein, der Hersteller meint, NTSC benachteiligt dieser Line-Delay nicht, jedoch werden Umschaltaufwendungen gespart?

Wird die Verzögerung an das andere Zeilentiming, also CCIR zu NTSC angepasst?

Genau so ist es und der interne PLL-VCO für den Eimerkettentakt, der die Verzögerungszeit bestimmt, wird mit der Zeilenfrequenz (externer Sandcastle-Impuls) synchronisiert, so dass die Verzögerungszeit genau der Zeilenfrequenz entspricht.
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#3
Hallo Micha,

das kann unter Umständen Sinn machen diese Leitungen bei NTSC zu verwenden. Ich hatte hier ja bis in die 90 er Jahre AFN Empfang und habe da einige Erfahrung. In meinen damals umgebauten Sony KV-2705 habe ich auch eine spezielle NTSC 1H Verzögerungsleitung (Glas) eingebaut was die Bildqualität dramatisch verbessert hat.

Hintergrund: Bei NTSC ist der Farbträger so gewählt, dass er in jeder Zeile um 180° in der Phasenlage verschoben ist. Das erreicht man indem der Träger ein ungeradzahliges vielfaches der H-Frequenz ist. Nimmt man nun eine 1H Verzögerungsleitung und addiert deren Ausgangssignal invertiert zum Eingangssignal addieren sich die Farbträgerkomponenten.

Übersprechen (Cross Color) aus dem Luminanzsignal hingegen löscht sich durch die Invertierung aus. Durch den niedrigen Farbträger bei NTSC von nur 3,57545 MHz ist das Übersprechen (bunt schillernde Jackets und Zäune) recht störend mit der Verzögerungsleitung verschwindet es fast komplett. Solche eine Anordnung nennt man auch Kammfilter, da die Spektren des durchgelassenen Signals wie ein Kamm aussehen. Eine solche Anordnung reduziert auch das Farbrauschen, da die Nutzanteile sich linear addieren das Rauschen aber nur Quadratisch also um den Faktor Wurzel aus 2 geringer.

Der Auflösungsverlust ist übrigens nur an elektronisch generierten Signalanteilen wie dünnen horizontalen roten Linien erkennbar. Realsignale habe meist ohnehin weniger Auflösung und keine ausgesprochen scharfen kanten. Bei NTSC ist außerdem die Bandbreite des Chrominanzsignals deutlich geringer als bei PAL und liegt bei ca. 0.6MHz

Ich hoffe ich konnte etwas Licht in diese Sache bringen...
Viele Grüße
Semir
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"Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer der wußte das nicht, und hat es gemacht."
(Prof. Hilbert Meyer, Uni Oldenburg)
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#4
Erstmal vielen Dank für die kompetenten Antworten.
Beim TDA4661 steht tatsächlich was von Verminderung von Crosscolor bei NTSC.
Also wird dieser Chip fest bei mir in den Signalweg integriert. 
Darf ich davon ausgehen, dass die Verstärkung bei diesem IC etwa bei 1 liegt?
    Viele Grüsse, Micha

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#5
Es gibt ja noch den TDA4660, im Datasheet bezieht sich alles auf negative FD-Signale im Gegensatz zum TDA4661, welcher beide Polaritäten erwähnt.
Nur im Datasheet des TDA4661 ist die Crosscolorreduktion bei NTSC erwähnt, darum nehme ich den
    Viele Grüsse, Micha

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