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RFT Sekundenpendeluhr
#1
Ich habe heute eine Sekundenpendeluhr von RFT erhalten.

   

   

   

Genauer gesagt wurden diese Uhren von der Elektrofeinmechanik Mittweida - oder kurz: ELFEMA - hergestellt.
Siemens hat dort nie eine Niederlassung gehabt, so mag es verwundern, dass man dieses aufwändige Werk nachgebaut hat. Ob es hier ein Lizenzabkommen gegeben hat oder ob man einfach gefertigt hat ohne sich um derartige Dinge zu kümmern ist mir nicht bekannt. In den Zeiten des sog. „Kalten Krieges“ war alles möglich. Nach 1964 wurde die Uhrenfertigung in das „Stammwerk Leipzig“ verlegt. Bei vielen Sammlern wird für die Geräte aus der Ostfertigung der „Hersteller RFT“ genannt, obwohl dies nur ein Warenzeichen für viele Elektroproduktionsstätten war. 

RFT hat offenbar keine Holzstabpendel produziert, während diese bei Siemens zur Standardausstattung zählten. Üblich bei RFT sind mit schwarzem Schrumpflack gespritzte Linsengewichte bei den ¾-Sekunden und auch bei den frühen Sekundenuhren. Anschließend verwendete man bei den Sekundenuhren Doppelzylinderpendel, die es für einige wenige Exemplare bei den ¾-Sekunden bis 1964 gab. Pendelstangen werden vorschnell als „Invarpendel“ bezeichnet, während in den mir zur Verfügung stehenden RFT-Prospekten nirgends dieser Begriff vorkommt. Es wird lediglich von temperaturkompensierten Pendeln gesprochen. Dies kann natürlich auch markenrechtliche Hintergründe haben. Ebenso fehlt hier die Bemerkung „nach Strasser & Rohde“, die von Händlern gerne verkaufsfördernd angeführt wird.

Das Uhrwerk wurde komplett zerlegt, gereinigt und wieder eingestellt.
Parallel zur Aufzugsspule habe ich eine Schutzdiode gelötet um die Schaltkontakte für den Aufzug zu entlasten. Auch wurden drei Kondensatoren an der Dachplatte ersetzt.

Diese Uhr kann bis zu 40 Nebenuhren (ohne Verstärkerrelais) direkt schalten und hat eine Gangreserve bei Stromausfall von etwa 12 Stunden.
Nach Rückkehr des Stromes binnen 12 Stunden, zieht sich die Uhr automatisch wieder selbst auf und stellt dabei auch alle angeschlossenen Nebenuhren wieder auf die korrekte Zeit nach.

   

   

   

   
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#2
Sehr schönes Zeitzeugnis deutscher Präzisionstechnik. Danke fürs Zeigen!
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#3
Hallo,

da werden Erinnerungen wach, wir hatten diese Mutteruhren überall an den Standorten
wo Interflug dran stand.
Danke fürs zeigen.

Wertarbeit vom Fernmeldewerk Leipzig.
Mein Ingenieurstudium fand in der BA des Fernmeldewerk Leipzig, einer  Außenstelle dieser Einrichtung.

Ein Dozent aus dem FMW hat uns das Zeitsystem nahe gebracht.

Ich bin ein wenig überwältigt.

Danke Jürgen
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#4
Hallo Phalos,

großes Lob! Wenn ich mir diese Uhr so ansehe und Deine technische Beschreibung lese, dann bewundere ich, wie man solche Zusammenhänge wissen bzw. erfassen kann. Hast Du denn irgendwelche Informationen dazu über google oder solch einen Anbieter im Netz bekommen? Wenn ich das so lese, dann ist diese Mutteruhr ja wirklich ein Wunder der Technik und ja, sie ist auch in die richtigen Hände gekommen. Ich denke, die Meisten von uns wüßten nichts damit anzufangen. Danke für's Zeigen und großen Respekt.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#5
Hallo Phalos,

das interessiert mich sehr. Wie werden die Nebenuhren nach Netzwiederkehr gerichtet? Werden die Impulse nachgesendet?
Gruß aus Bremen

Enno
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#6
@ Enno 

das ist eine gute Frage, leider fällt mir das schwer da qualifiziert zu antworten.

In meiner Erinnerung gab es auf den Flughäfen immer eine Notstromversorgung.
zusammen mit der Gangreserve von 12 Stunden, kann ich mich an ein derartiges Szenario nicht erinnern.

Eines weiß ich noch genau, wenn z. B. ein Kabelschaden vorlag, die betreffende Uhr genau den Zeitpunkt des Ereignes dokumentierte. Cool


Gruß Jürgen
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#7
Schönes Teil, ich habe ja eine ähnliche aus CSSR Produktion. Ist aber recht kompliziert aufgebaut.
hatte die hier mal vorgestellt.
Wie schafft es so eine Uhr ohne Elektronik Nebenuhren automatisch nachzustellen.
Habe immer soviel Arbeit, das ich mir eine aussuchen kann. Smile

Grüße Frank, der Moschti
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#8
Das Nachstellen funktioniert über ein speziell berechnetes Planetengetriebe.
Somit kann die Uhr 12h ablaufen und sich wieder aufziehen. Während des Aufzugs werden gleichzeitig die Nebenuhren gestellt, was normalerweise minütlich passiert.
Nach einem Stromausfall schalten die Uhren im Takt des Pendels so lange bis die Endabschaltung wieder erreicht ist.
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