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Sachsenwerk Dürer - der Fortschritt hält Einzug
#41
...den Effekt der einbrechenden Betriebsspannung kann man aber ganz einfach durch höhere (oder überhaupt zusätzliche) Siebwiderstände vor der Endstufe erreichen, ich hatte damit auch mal experimentiert, bis hin zu Glühlampen, die erst garnicht, dann aber umso stärker "nachgeben".

Schließlich zeigen "self-biased" Endröhren (also die mit automatischer Gittervorspannungserzeugung) ja schon von natur aus diesen Effekt, wenn sie in die Sättigung getrieben werden. Dadurch erhöht sich der (quadratische) Mittelwert des Kathodenstromes und dadurch wird auch kurzzeitig bei hoher Aussteuerung der Arbeitspunkt verlagert, was das Endstufenclippen "verbessert".
Ich hatte mal eine ECL81-Endstufe gefrickelt, wo beide Effekte wunderbare Auswirkungen hatten, diese hatte ich als Ersatz in einen 1x10'-combo gebaut, als Ersatz für die A2030 Endstufe mit gewöhnlicher OV-Dioden-Zerre.
DAS war der Durchbruch, ein "Erhellungsmoment", ab dem ich mich dann mit der Röhrenverstärkerthematik näher beschäftigte... (ca. 1999)

Grundsätzlich muß man aber sagen, daß sich nahezu "alles" elektronisch und systemtheoretisch erklären und reproduzieren läßt, wie z.B. auch das Verhalten unperfekter Kondensatoren. Die "klangen" im Neuzustand auch anders als heute, die Magnete waren frischer usw. ...
... wobei es schon gewisse "Dunkelfelder" gibt, z.B. das Großsignalverhalten von Endröhren, das Verhalten alter Lautsprecher mit unperfekten Magneten etc. Schon das Zusammenwirken Lautsprecher mit Röhrenendstufe über bestimmte Übertrager (niedriger Dämpfungsfaktor, Ausschwingen des Lautsprechers...) sind Felder für sich, wo es nicht so einfach ist, das zu "simulieren", d.h. z.B. durch Digitaltechnik (Amp-Simulation).

Daneben steht aber auch der vintage-hype mit vielen Mysterien und Gefühlen, die nur Musiker und überdurchschnittlich Musik- und Instrumenteninteressierte nachvollziehen können. Das ist dann ein bischen wie in der Kunstszene... Man darf nur nicht vergessen, daß die Instrumentenerfinder, -Bauer und Anwender (Musiker) einfach mit dem, was da war, etwas machten und dies empirisch verbesserten, fertig (Bildersuche "Frankenstrat" ... ein Extrembeispiel ^^)! Da hat niemand tausene Möglichkeiten und Materialien probiert ("von 16-jährigen Jungfrauen in einer Neumondnacht handgewickelte Bambuskondensatoren für 1670,- das Stück"), vorüberlegt und probegehört, schon garnicht auf hohem Nievau !! Das kam erst in den 90-ern und teure Zeitschriften für Musiker und HIFI-Fetischisten füllten sich ^^ ... letztlich mit "Träumen und Traumwelten" die es so nie gab und geben wird. ... man mußte also die Magneten, Bauteile und Konstruktionen nehmen, die es gab... und so "klang" dann diese Zeit, aber natürlich ist es eine tolle Beschäftigung, das alles zu ergründen und zu versuchen, das zu reproduzieren. Aber man muß eben auch an psychoakustische Tatsachen denken, z.B. wie stark ein "Höreindruck" vom momentanen Befinden geprägt wird, da sind manchmal Größenordnungen im Spiel im Vergleich zu realen Unterschieden...

...und im Bandkontext versagt oftmals eh sofort jede klangliche Nuance !! Zwischen "Wohnzimmersound", Proberaum und Bühne liegen oft Welten... aber wem sag ich das.


...vielleicht einen Extrabaum dazu aufmachen ?

Gruß Ingo
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#42
Servus Ingo,

(04.05.2021, 14:32)ELEK schrieb: ... Aber man muß eben auch an psychoakustische Tatsachen denken...
...vielleicht einen Extrabaum dazu aufmachen ?

Wenn wir Hobbymucker über so etwas schreiben, dann haben wir immer Psychoakustik im Blick, auch hinsichtlich des Klangtunings (Z.B. weise ich jeden Kunden, der mir seinen Amp zur Reparatur bringt, darauf hin, dass ich kein Voodoo betreibe). Anders geht es nicht, das ist Grundvoraussetzung. Daher übrigens auch aus meiner Sicht die vielen Kollisionen vieler Leser*innen mit "Physik der Elektrogitarren" von Zollner.

Einen Extrabaum möchte ich hierzu nicht aufmachen (was selbstverständlich jede*r andere gern darf), denn das ist vergleichsweise zu hier eine andere Welt. Ich schrieb's hier nur kurz und als OT an

a) weil Detlef mir die Stichworte dazu gab und - zum Topic zurück:
b) weil ich mir - allerdings nur kurz zusammen mit Bernd - über die Güte der KO's damals wie heute schon beim Rubens in Verbindung mit dem Design der Schaltungen Gedanken gemacht hatte.

Gruß Michael
Penthode?
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#43
...ah. o.k. !
Nein, wir "müssen" da keine Diskussion eröffnen... war nur so ein Gedanke wg. o.T. ich muß mich da selbst oft zur Ordnung rufen... Ich hab das Thema (Gitarrentechnik ... -amps mit Röhren) auch seit Jahren erstmal in die Zwischenablage gepackt (z.Z. ist TV-Technik immernoch aktueller), und ich versuche, eher zu spielen ... "üben" wäre übertrieben, notfalls ohne Amp.

Gruß Ingo
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#44
(04.05.2021, 10:55)MichaelM schrieb: ...
Die Frage, die ich mir stelle: Hat man solche frühen TV jemals so exakt einstellen können, wie wir das von moderneren TV gewohnt sind oder nahm man geringe Linearitätsabweichungen in Kauf, weil es einfach nicht besser ging?

Hallo Michael,

bei den frühen S/W-TVs war es immer ein Kompromiss, wie gut man die Bildgeometrie eingestellt bekommen hat. Perfekt war sie wahrscheinlich nie. Man darf nicht vergessen, dass da ja auch hauptsächlich das Ablenksystem bestimmend ist und die damals nicht so genau gefertigt werden konnten, wie sie später gefertigt wurden. Spätere Ablenksysteme, eigentlich oder insbesondere die Sattelspulen dieser, wurden direkt nach dem Wickeln mit selbstverbackendem Wickeldraht durch hohen Induktionsstrom oder mit Infrarotstrahlern erhitzt und formstabil verbacken.

Gruß

(Reflex-)Kalle
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#45
Hallo Kalle,

die Geräte mit 70° Ablenkung waren aber nach meiner Erinnerung geometrisch um einiges besser hinzubekommen als die späteren 110°-Geräte, bei denen Kissenverzerrungen und Randunschärfen dazukamen und nach meiner Erfahrung (ausschließlich DDR-Geräte) oft ein Kompromis einzugehen war.

VG Ingo.
Die Konvergenz der Apokalypse führt unweigerlich zur Hybris.
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#46
Richtig, mit größerem Ablenkwinkel (und kürzerem Ablenkweg zum immer flacheren Frontglas) nehmen die Linearitätsprobleme zu. Anfangs hat man neben schaltungstechnischen Maßnahmen dann festmontierte und einstellbare Korrekturmagmete an der Bildrohre verwendet, um dann später die elektronische Ost-West-Korrektur (horizontal ist der Ablenkwinkel größer als vertikal) einzuführen. Außer bei synthetischen Bildinformationen wie eben genaues Gitternetz oder Schachbrettmuster, fallen aber kleinere Bildunlinearitäten an den Bildrändern/in den Bildecken bei üblichen Videos nicht weiter auf. Auch hier gilt, Einstellung so genau wie nötig (und eventuell mit den Einstllern möglich) und nicht wie theoretisch erforderlich.
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#47
Ja so sehe ich das auch. Bei Gitternetz oder Schachbrettmuster sieht man immer die Unschärfen und leichte Verzerrungen am Bildschirmrand. Macht man dann ein Video sieht es schon wesentlich besser aus und man merkt kaum diese Unschärfen.
Ich habe es auch mal versucht genau einzustellen, macht aber keinen Sinn sich am Gerät tot zu suchen wie es noch besser geht.
Habe immer soviel Arbeit, das ich mir eine aussuchen kann. Smile

Grüße Frank, der Moschti
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#48
Servus zusammen,

Kalle, Deinen letzten Satz kann ich nur unterstreichen. Diese "analogen Unebenheiten" des gesamten Ablenksystemes, hervorgerufen durch mechanische Verwerfungen von Wicklungen in den Spulen (?) oder was weiß ich nicht alles, fallen beim statisch festen Testbild sofort auf. Im Film sieht man dann das nicht oder eben erst dann, wenn die Proportionen so nicht stimmen, so dass man wieder "zu Ungunsten" des  statischenTestbildes verstellt.

Genau wie Du und Ingo schreiben: ein Kompromiß.

Beim mechanischen Justieren ist mir noch etwas aufgefallen. Und zwar saß der Topf mit den Spulen mit seiner einzigen Befestigungsschraube S nicht mehr sonderlich fest in seiner Halterung. Hier nochmal das Foto:

   

Beim Scharfstellen, also dem Verdrehen des Magneten mittels des gummierten Hebels, drehte sich ungewollt die ganze Abkenkeinheit etwas mit, weil das Alugewinde noch etwas scheps war. Dabei verdrehte sich nun nicht nur das Bild, sondern es veränderten sich auch an einigen Stellen die Abstände der Linien im Testbild. Ein Verdrehen des Bildes hätte ich erwartet, eine stellenweise Abstandsänderung hingegen nicht.

Inzwischen sitzt der Spulentopf fest (Schraube festgezogen) und das Gewinde der Magnetmimik habe ich mit Ballistol leichtgängig drehbar gemacht.

Gruß Michael
Penthode?
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#49
Servus Fernsehfreunde,

nur nochmal kurz.

Die Kontrastregelung lief nicht sonderlich befriedigend, als Übeltäter war der 10µF-Elko ausgemacht, den ich austauschte. Er war hochohmig geworden. Auch der 5µF-Ratioelko flog raus und wurde gegen einen neuen ersetzt.

Die übrigen Elkos sind in erstaunlich gutem Zustand und verbleiben im Gerät.

Das Typenschild der rechten Drossel werde ich durch eine Fotokopie ersetzen (hier noch einmal ein älteres Foto dazu):

   

Die Drosseln aus dem Zweitgerät als Ersatz scheiden aus: Sie sind mit anderem Ölpapier und anderen Etiketten verschlossen und außerdem ist eine dieser beiden Drosseln hochohmig geworden. Optisch möchte ich jedoch zwei gleich aussehende Drosseln im Fernseher haben. Auch das kleine Hinweisschildchen für den Grobregler der Horizontalfrequenz oben auf dem Chassis werde ich ersetzen.

Die Bildröhre ist vorn links und oben auf ihrem Schirm fleckig - Dreck und vermutlich Nikotin. Das sieht man auch gut auf dem hier gezeigten Foto des Dürers. Da ist mal eine Reinigung angesagt.

Beim Abklemmen des Anodenclips von der Bildröhre ging mir das Kabel ab - die Verlötung war offenbar nicht mehr fest. Vor vier Tagen lief der Fernseher zum letzten Mal, danach stand er still. Dämlicherweise langte ich nun gedankenverloren im Reflex mit den Fingern an die Metallklammer des Anodenclips, die noch im Anodenanschluß der Bildröhre steckte...

Der Schlag, den ich bekam, war nicht sonderlich stark, aber dennoch deutlich spürbar.

Es steht ja auch z.B. im "Finke" klar und deutlich drin und ich kann diese selbst verschuldete Gelegenheit nutzen und alle Fernsehbastler noch einmal darauf hinweisen:

Vorsicht! Die Bildröhre speichert ihre Ladung noch tagelang! Smiley37

Im eingebauten Zustand mag das "kein Thema" sein, außer, dass man sich - schlimm genug - beim Zurückzucken den Arm verletzt (ist mir nicht passiert). Aber das sieht ganz anders aus, wenn man z.B. die nicht entladene Bildröhre in der Hand hat, den Anodenanschluß versehentlich berührt und dann durch den Schreck des Schlages die Bildröhre fallen lässt...

Ich habe den Annschluß wieder angelötet und dann mit einem 2K-Kleber fixiert (die Enden der Metallklammer bleiben beweglich)...

   

...da mir der Verschlußdeckel des Clips abhanden gekommen ist. Hier ist er, etwas angeknackst, am Zeilentrafo des Zweitgerätes zu sehen:

   

Wie heißt es so schön? "Bild läuft, Ton läuft, Kamera läuft -> und bitte!" Die Helligkeit stimmt jetzt durch die nun funktionierende Kontrastregelung. Der Dürer wird mir als schönes Studien- und Probierobjekt für meine TV-Meßtechnik zum Einarbeiten ins Prüfen und Abgleichen dienen, wie ich schon schrieb. Das ist aber nicht mehr Inhalt dieses Threads.

Danke an alle für's Mitlesen und für die konstruktiven und hilfreichen Beiträge!  Smile

Gruß Michael
Penthode?
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