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SABA 311 WL, eine Langzeitbaustelle
#41
Hallo in die Runde.

Weiter geht's mit den Arbeiten an der Langzeitbaustelle. Heutiges Thema: Wir basteln einen neuen Drehko in das Originalgehäuse.
Wir sind also bei Drehko Nummer 3 angelangt, nachdem mittels Forenhilfe ein Originalbauteil aufgetrieben werden konnte.

Wie sowas funktioniert, wurde im Forum an anderer Stelle immer mal wieder gezeigt, deshalb hier nur in Zeitrafferfunktion. Letztlich läuft es immer auf eine Individuallösung hinaus, je nachdem, welche Bauteile man zur Hand hat.

Das war das Original: 


   

Beide Statorpakete stark von Zinkpest befallen, die auf einer Achse sitzenden Rotorpakete waren in Ordnung. Dennoch war der Schaden nicht mehr reparabel.

Also muss alles raus, das sieht dann so aus (Kleinteile wie Trimmer und Schrauben nicht im Bild):


   



Vorgehensweise:

1)  Rotorachse entfernen. Das geht tatsächlich in einem Stück.
Dazu muss der Rotor ausgefahren werden, das funktioniert wegen der Zinkpestverklemmung mit etwas Kraftaufwand. Dann werden die geschraubten Rotorlager in den Stirnwänden des Drehkos entfernt; man sieht diese beiden Teile oben in der Bildmitte. Dadurch bekommt der Rotor 'Spiel', so dass man sein hinteres Ende anheben kann, ihn also verkantet. Sein Achsstummel liegt dabei nach wie vor in der nun groß gewordenen Öffnung der vorderen Stirnwand. Jetzt kommt es auf jeden Millimeter an, denn die mittlere Trennwand ist irgendwie im Weg. Das hintere Rotorpaket drückt mit seiner innen liegenden, gefiederten Lamelle gegen diese Mittelwand, aber: Man kann jetzt behutsam weiterziehen, die gefiederte Rotorlamelle schrappt an der Mittelwand entlang, ohne Schaden zu nehmen, und der Gesamtrotor ist draußen !

Nichts für Grobmotoriker, aber genauso stelle ich mir vor, dass der Rotor im Werk eingesetzt wurde. Die drei Wände des Drehkos sind nämlich massiv vernietet/verschränkt, und diese schwere Vernietung hätte man sicherlich nicht vorgenommen, wenn die fragilen Bauteile Rotor & Statorpakete bereits eingesetzt gewesen wären.


2)  Dann die Statorpakete und die Trimmer herausschrauben. Das ging leicht und muss hier nicht gezeigt werden.


3)  Jetzt muss im Drehkogehäuse Platz geschaffen werden, also die Mittelwand entfernen. Dazu schleift man deren 2 Verstanzungen weg:

   

Nun lässt sich die Mittelwand mittels wechselseitiger Hammerschläge heraustreiben und man hat Platz im Gehäuse.


4)  Das Leergehäuse kann nun gereinigt und je nach Besitzerwunsch farbbesprüht, silberpastenberieben oder einfach patiniert belassen werden. Während ich diese Zeilen tippe, ist das Gehäuse gerade in Seifenlauge eingeweicht.



Drehkoersatz

Man kann nun weitere Aussägungen am Gehäuse vornehmen, je nachdem, wieviel Platz der Neudrehko beansprucht. Soweit wollte ich erstmal nicht gehen.
Aber: Die vordere Achsführung des Neudrehkos ist kritisch, sie muss in gleicher Höhe wie im Original durch die Stirnwand geführt werden, da ansonsten der Friktionsantrieb nicht mehr funktioniert. Das hat Auswirkung auf die Auswahl eines geeigneten Ersatzdrehkos.

Ins Auge gefasst habe ich nach langem Suchen dieses Altexemplar:


   
   
   

Die Kapazität wurde mit ca. 2x 550 pF gemessen, und es ist vollgekapselt. Wir haben weiter oben festgestellt, dass Arbeiten am Drehko und dessen beiden Trimmern nicht ganz trivial sind, so weit es unerwünschte Schwingneigung anbelangt.
Das Bauteil muss leider waagerecht montiert werden, es ist in Bezug auf die Achsführung für eine senkrechte Montage etwas zu hoch, d.h. seine Achse käme etwas zu hoch durch die Stirnwand.
Der Rotor schwenkt also künftig nicht zur Seite, sondern in die Höhe, was, so hoffe ich, wegen der Vollkapselung des Bauteils unkritisch sein wird.
Man wird sehen.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#42
Hallo Klaus,

dass der Drehko so schön gekappselt ist, wird die Schwingneigung bestimmt vermindern,
aber wo schließt Du die Trimmer an?

Viele Grüße,
Rolf
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#43
Hallo Rolf,

die Trimmer sollen dort bleiben, wo sie am Originalgehäuse sitzen. Somit wird innerhalb des Originalgehäuses leider eine Leitungszuführung erforderlich; ein Punkt, dem es noch besondere Betrachtung zu schenken gilt.
Sollte das Probleme im Betrieb verursachen, so kommen noch 2 weitere meiner Drehkos in Betracht. Für diese müsste ich dann allerdings noch Material vom Originalgehäuse wegnehmen, was ich zunächst vermeiden wollte.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#44
Hallo klaus,

goldrichtig, was du schreibst. Am Besten ist es die originalen Trimmer am Gehäuse zu belassen. Ich hatte da mit Detlef (Radionar) auch experimentiert. Aber am Besten läßt sich der Gleichlauf mit den originalen Trimmern einstellen. Das mit den Zuleitungen zum Ersatzdrehko ist kein Hindernis.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#45
Guten Abend in die Runde.

Ja Andreas, ich hatte bislang mit diesem Radio viele Probleme mit Schwingneigung. Deswegen war ich dem Rolf dankbar, dass er mir den lange gesuchten Originaldrehko überließ, damit nun Nägel mit Köpfen gemacht werden konnten. Dennoch hatte ich Bedenken, dass die von mir gewählte Lösung ob der Zuleitungen zu den Trimmern wieder Probleme bereiten könnte.

Aber was soll ich sagen:      Das Radio läuft, ohne Schwingprobleme !   Smiley34

Doch der Reihe nach.
Der oben gezeigte Ersatzdrehko hat ein Gehäuse aus Zinkdruckguss, in das mehrere 3,5 mm-Gewinde eingelassen sind. Seine Montage im leergeräumten Originaldrehkogehäuse erfolgte mittels nur zweier Schrauben, für die ich passende Löcher ins Originalgehäuse bohrte. Das war eine knifflige Sache, da die Gewindebohrungen im Zinkguss nicht sehr standfest sind, dennoch aber mehrere Montageversuche gemacht werden mussten, bis alles saß. In der Stirnwand wird die Achse des Neudrehkos durch den aufgeschraubten Originalführungsschild geleitet, das sitzt alles wieder wie im Werkszustand.

Eine erste Anprobe auf dem Chassis, ob alles passt, noch ohne Anbauteile:
 

   

   
 

Natürlich musste auch der Friktionsantrieb montiert werden, und alles funktionierte   -mechanisch-  perfekt !
Danach wieder alles abbauen. Ich erinnerte mich der Kritikalität der Lage der beiden Trimmer zueinander. Zwar wird abschließend das Abschirmblech zwischen den beiden RENS1284 montiert werden, das den hinteren Trimmer kapselt, aber da fehlt was zwischen den Trimmern in puncto Abschirmung !
Ja, es wurde ja die Mittelwand des Originaldrehkogehäuses entfernt. Die schirmt oben auch die Trimmer gegeneinander ab. Also Abhilfe schaffen:


   

Die ehemalige Mittelwand wurde in zwei Teile geschnitten, benötigt wird der obere Abschnitt. Dieser wurde wieder an Ort und Stelle geschoben, sicher ist sicher. Hier auf dem Foto ist das Teil noch nicht in Gänze eingeschoben; das sitzt anschließend sehr stramm und muss nicht verschweißt werden.

Tja, und dann musste ich noch einen Trimmer bauen. Einer der Originaltrimmer (Quetscher) war noch vorhanden, der zweite fehlte; immerhin war aber seine Kunststoffeinfassung noch vorhanden.  Gar nicht so einfach, wo bekommt man ein passendes Federblech her? Schließlich fand ich in der Grabbelkiste das:


   

Nun, dabei handelt es sich um den Metallschieber einer alten Floppydisk aus den 90ern (roter Pfeil).
Der Drehko ist hier fertig montiert, auch die inneren Leitungen zu den Trimmern sind angeschlossen. Diese inneren Verbindungen verlaufen in den Gehäuseecken des Originaldrehkogehäuses und sind damit weitestgehend gegeneinander 'abgeschirmt'. Es fehlt auf dem Foto noch der Feintrieb sowie der Skalenzeiger, aber da waren ja keine Überraschungen mehr zu erwarten.

Einsetzen der Röhren, Anschluss von Lautsprecher und Antenne, dann warten bis es Abend wird, um Sender auf MW zu empfangen.
Das Ergebnis übertraf meine Erwartungen:  Das Radio läuft so, wie es soll, keinerlei unerwünschte Kopplungen mehr !
Das Abstimmen der Trimmer funktionierte reibungslos, auch der Floppydisktrimmer funktioniert prima. Smiley58

Ausgiebige Tests werden folgen, dazu hatte ich heute keine Lust mehr.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#46
Hallo Klaus,

das freut mich, dass es mit dem Drehko so gut geklappt hat,
auch der Trick mit dem Floppydisk-Schieber, ist eine gute Idee.

Es stimmt schon, der "311" ist sehr auf Leistung getrimmt,
bei kleinsten Veränderungen kann es leicht zu unerwünschten Schwingneigungen kommen...

Viele Grüße,
Rolf
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#47
Hallo, Klaus,
Respekt, wie du das Radio gemeistert hast! Big Grin
Die Trafolösung insgesamt vom Trafo in sich bis zum Trimmer zuletzt hat dir viel Zeit gekostet, aber am Ende hat sich die akribische Arbeit gelohnt. Wieder ein schönes, gut funktionierendes Radio in deiner Kollektion. Thumbs_up
Gruß!
Ivan
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#48
Danke für das Lob. 
Gut, dass sowas ein Hobby ist und meine Frau mich gewähren lässt. In Stunden aufrechnen dürfte man die Aktion nicht Angel  .
Man muss natürlich anmerken, dass dies wohl ein Radio war, das in der DDR überlebt hatte, viele der seinerzeit vorgefundenen Bauteile lassen diesen Schluss zu. Es war wohl sehr lange in Betrieb, und die Anzahl der Reparaturfrickeleien, gepaart mit Materialnot, war doch erheblich.

Übrigens habe ich festgestellt, dass die Feldwicklung schon einmal neu gewickelt worden war. Man wird vergesslich, das muss wohl nach Art der Ausführung vor nunmehr rund 25 Jahren ich gewesen sein, denn
a) stammt die Lautsprecherlackierung (außen und innen, also Totalzerlegung) von mir, und
b) kamen dabei nur rund 8,8 kOhm zusammen, so dass sich nahezu unsichtbar im Schatten des AÜ ein 1 kOhm-Widerstand versteckt. Damit sind's dann die erforderlichen rund 10 kOhm.



Nun gilt es, die Stabilität des Gerätes herzustellen, denn es zeigen sich noch kleinere versteckte Mängel, z.B. dass eine der insgesamt 5 RENS 1284, die wechselweise im Einsatz waren, doch leistungsmäßig schwächer ist, als das Testergebnis auf dem RPG dies suggeriert.
Die RES 164 ist ebenfalls nur noch 'geht-gerade-eben-so', aber das ist kein Problem:  eine prima Testmöglichkeit für 3 umgesockelte Ersatzvarianten, sprich RL2P3,  PL 95 und 3B4.
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Gruß
klaus

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#49
Hallo Klaus
Schön zu lesen und zu sehen, das der Saba 311 WL wieder funktioniert. Ich hatte einen 311 WL im Sommer 2017 auf der Werkbank. Die Reparatur verlief genau wie bei Deinem Saba. Ein neuer Drehko mußte in das Originale Gehäuse. Ich hatte damals einen Drehkondensator verwendet, der auf Grund seiner Bauweise nahezu direkt mit den Originalen Trimmern verbunden wurde. Schwingneigungen oder Kopplungen hatte ich bei meinem Saba nach der erfolgreichen Reparatur nicht. Zu einem Bericht hier im RBF ist es nicht gekommen, da die Datei mit den Fotos auf meinem Rechner beschädigt ist und somit keinerlei Fotos mehr von dieser umfangreichen Arbeit vorhanden sind.
Falls Du noch einen Originales Federblech für den Drehkondensator benötigst, sage mir Bescheid.
Radiogrüße Detlef

Wer nicht mit dem zufrieden ist was er hat, wäre auch nicht zufrieden mit dem was er hätte, wenn er es haben würde.
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#50
Danke für das Angebot zum Federblech, Detlef. Aber ich denke, der Aufwand übersteigt momentan den Nutzen. Sollte das Floppydiskblech schlapp machen, komme ich gerne darauf zurück.

Was nun die Transplantationslösung angeht, so muss ich sagen, dass der Impuls dazu von Deinen Arbeiten ausging, die mich schwer begeisterten, so z.B. am von Dir vorgestellten SABA 521WL. Schade, dass Dein Bericht zum 311er einem Dateischaden zum Opfer fiel.
Zusammen mit den Berichten von Rolf, von Andreas und von mir wäre die Dokumentation dieses Modelltyps wirklich vollumfänglich geworden, denn alle Berichte unterscheiden sich ja in der Schwerpunktsetzung bezogen auf das eine oder andere Detail.
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Gruß
klaus

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#51
Im Moment stehen kleinere Bastelarbeiten am Radio an.


1) Stichwort Soffitte


Im Nachbarbeitrag zum 311WL wurde die Frage nach einer Möglichkeit zur Beschaffung von passenden Soffitten  (4,5 V / 0,3 A) gestellt. Ich bin in dieser Hinsicht auch nicht fündig geworden, andererseits kann man natürlich auf eine 6 Volt-Soffitte aus dem Kfz-Oldtimerbereich zurückgreifen, aber Obacht: Das sind oft wahre Stromfresser (5 Watt und mehr), was dem Trafo missfällt.

Auch die 'Büroklammerlösung' kommt in Betracht. Beim Originallampenhalter wirft diese Lösung jedoch ein kleines Problem auf, da dessen Federhalter recht große Löcher zur Aufnahme der Soffittenenden aufweisen. Ein normales E 10 - Schraubbirnchen kann mit seinem unteren Lötpunkt dort durchrutschen, womit man dann in der Fassung schlimmstenfalls einen perfekten Kurzschluss der Heizwicklung verursacht.
Allenfalls könnte man mittels eines Lötkleckses diesen unteren Kontaktpunkt an der Lampe deutlich vergrößern oder gar eine kleine Unterlegscheibe anlöten. Gefiel mir nicht recht.

Wenn schon basteln, warum dann nicht in eine andere Richtung? Hier eine Quick-and-easy-Stecklösung, die jederzeit einer Originalsoffitte weichen kann:

   
   

Hier wurde eine defekte Soffitte genommern und eine handelsübliche Fassung E10 auf die Enden der Soffitte gelötet. Das Ganze sitzt stramm im doch recht massiven Originallampenhalter und kann bedarfsgerecht geschwenkt werden. Wer möchte, kann es mit einem Klecks Kleber festlegen, sobald die Optimalausleuchtung der Skala herausgefunden wurde.

Wie gesagt, nur eine Bastelei. Bleibt in meinem Gerät erstmal so.


2) Ersatz - RES 164

Ich erwähnte oben, dass ich derzeit mit 3B4, PL95 und RL2P3 experimentiere, umgesockelt und verschaltet nach den bei radiomuseum.org durch zwei unserer Forenkollegen hinterlegten Lösungen.
Der Trafo des Radios ist auf 240 Volt gestellt. Je nach gesteckter Röhre liegt die Spannung an der Anodenseite des AÜ bei ca. 181 bis 194 V-, die Spannung am G2 bei 82 bis 90 V-, gemessen jeweils an den Kontakten der Europafassung.

Meine Fragen in die Runde:
Welche der Ersatztypen würdet Ihr empfehlen? (Schaltplan siehe weiter oben, im Beitrag vom 7.5.21)
Gibt es, mit Blick auf die SABA-Schaltung, etwas zu beachten, da im Fokus der o.g. Fachartikel der Ersatz der RES 164 im VE steht?
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Gruß
klaus

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#52
Hallo, Klaus,

ich kann nur meine persönliche Einschätzung hier wiederholen: Die von mir umgesockelte 3B4 ist definitiv lauter, die PL95 Rauscharmer und der Klang ist sauberer. Beide sind neue Röhren.
Belegen kann ich es nicht.
Gruß!
Ivan
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#53
(18.05.2021, 08:44)navi schrieb: Die von mir umgesockelte 3B4 ist definitiv lauter, die PL95 Rauscharmer und der Klang ist sauberer. Beide sind neue Röhren.


Hallo Ivan,

dass die 3B4 lauter ist, deckt sich mit meiner Beobachtung; verhält sich im SABA 311 genauso, zumindest in Bezug auf die beiden von mir verwendeten Röhren (beide NOS). Die umgesockelte und mit 5 Widerständen versehene PL 95 enttäuscht insoweit etwas, als sie in puncto Lautstärke mit einer schon recht verbrauchten RES 164 gleichauf liegt.
Ich überlege derzeit, ob ich die Schaltung am Radio so ändere, dass ich der umgesockelten PL95 mehr Spannung an G2 spendiere, dafür 3 der 5 Widerstände weglasse und das Ganze mit einem Zettel an der Röhrenfassung dokumentiere (damit man nicht versehentlich eine RES 164 einsteckt).
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Gruß
klaus

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#54
Hallo in die Runde.

Das Radio findet stetig zu alter Form zurück. Es ist mittlerweile 'zusammengesteckt', aber noch auf dem Werktisch, Lautsprecher noch mit Krokoschnüren angeschlossen.

   

Ich habe mich gegen eine vollständige optische Überarbeitung entschieden, d.h. am Chassis wurden nur stellenweise Rostpickel entfernt und leicht mit Lack berieben. Der Schwerpunkt der Instandsetzung des Radios wird darin liegen, es wieder zu alter Betriebsfähigkeit zu bringen, und da stören mich seine Altersspuren nicht.

Mehrstündiger stabiler Betrieb ist mittlerweile problemlos möglich, Trafo und Feldspule werden nur leicht warm, die gewählte Beleuchtungslösung (Fassung E10 an defekter Soffitte) ist derzeit mit einer 6V/0,4A Fahrradbirne bestückt und leuchtet die Skala perfekt und angenehm aus.

Bezüglich der Endröhre habe ich noch etwas experimentiert. Ich habe allerdings die Schaltung des Radios hinsichtlich der PL 95 nicht angetastet. Vielmehr habe ich die Netzspannungseinstellung des Trafos geändert. Während ich bislang den Trafo auf 240 V gestellt hatte, ergab sich bei einer Bestückung mit wahlweise 3B4, RL2P3 oder einer etwas verbrauchten RES 164 eine Heizspannung von ziemlich genau 4 - 4,1 V, bei einer Anodenspannung von 184 - 198 V-, je nach gewählter Ersatztype. Die Spannung am G2 lag dabei zwischen 82 und 89 V-  (Messpunkt für alle Spannungen: Europafassung des Radios).
Das schien mir für diese Röhrentypen gut und funktionierte auch sehr zufriedenstellend. Lediglich die umgesockelte PL 95 schien damit nicht zurecht zu kommen, sie blieb hinter den Erwartungen zurück, wie ich oben schrieb.

Also schaltete ich den Trafo auf 220 V, womit diese Röhre deutlich näher an ihre geforderte Heizspannung von 4,5 V kam, es wurde nun eine Uh von 4,35 - 4,45 V gemessen, je nach Spannung an der Steckdose; Anodenspannung bei rund 219 V-.

Die beiden RENS 1284 dürften den Spannungszuwachs verkraften, ebenso die umgesockelte AZ 11, die sich bemüht, wie eine späte RGN 1064 auszusehen (das Klebeband ist nur eine Reminiszenz an zeitgenössische Reparaturarbeiten, es hat keine tragende Funktion). Hier ein Foto von dieser Arbeitsbestückung, die dem Apparat ein gutes Leistungsbild beschert:

   


Ich schrieb ja, dass es in erster Linie auf Funktionalität des Radios ankommt. Insoweit weiß ich nicht, ob ich den beiden RENS nun noch einen Lacküberzug, nur der Optik wegen, spendiere. Zu sehen ist ja rein gar nichts davon, wenn man nicht eigens die mit insgesamt 8 Schrauben befestigte Rückwand abnimmt.
Ich hätte im Bestand zwei gute Telefunken, mit goldfarbener Beschichtung und sehr gutem altem Emblem ('Stern'), nur weist dieses Emblem bei der vorgegebenen Anordnung der Röhrenfassungen im 311 WL leider dann nach hinten zum Drehko, man sieht es also nicht. Optische Verschwendung in diesem Falle.

A propos RENS1284:  Die rechte Röhre im Bild ist vor Jahren mal regeneriert worden, so hatte ich auf dem Sockel vermerkt. Es fehlte auch die obere Kappe. Ich habe sie dieser Tage ergänzt, man sieht den Farbunterschied zum Röhrensockel, schwarz zu braun. Dabei habe ich wohl ein sehr fremdländisches Exemplar einer oberen Anschlusskappe erwischt, denn als ich alles schön verlötet und verklebt und auf dem RPG mit gut geprüft hatte, stellte ich fest, dass so gar keine der vorhandenen bakelitbeschichteten Muttern von anderen RENS passen wollte. Anderes Gewinde, vermutlich Zoll !

Nun möchte man an solch einem Konstrukt wahrlich nicht mehr mit Windeisen arbeiten. Also wurde aus einer 3,5 mm Mutter (die Spiel auf dem Gewinde hat, aber sich bis nach unten drehen lässt) und einer 3 mm Mutter (die sich nur zu 2 Gewindegängen drehen lässt) kurzerhand eine neue Mutter zusammengelötet, womit sich die Anodenanschlusskabelöse problemlos befestigen lässt. Nicht hübsch, aber funktional, bis etwas besseres gefunden ist.
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Gruß
klaus

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#55
Hallo Klaus,

zöllige Innengewinde finden sich in der PC-Technik in Form von Stehbolzen.

   
Gruß,
Jupp
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"Ich bin privat überhaupt nicht komisch" (Bjarne Mädel)
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#56
Hallo Jupp,

ich habe auch in meiner Schraubengrabbelkiste Muttern in geeigneter Lochgröße gefunden, die eindeutig kein metrisches Gewinde hatten, passte aber auch nicht. Egal, die derzeitige Lösung funktioniert und legt das Anschlusskabel vernünftig fest, kann also bleiben.




@ alle:


Ein Schmankerl zum (vorläufigen) Abschluss:

   

Die Chassisnummer hat man gleich zweimal hintereinander gestanzt. Das Gerät ist seinerzeit wohl einem überraschenden Eintritt des Feierabends anheim gefallen Big Grin , so dass nach dem Feierabendbier morgens bei Schichtbeginn gleich nochmal gestanzt wurde.

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Das Radio spielt stabil.   Mein Dank gilt allen, die dazu beigetragen haben, sei es durch Dateien der Werksunterlagen, durch Teilnahme an der Diskussion sowie insbesondere durch Bauteilespende (Originaldrehko).
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Gruß
klaus

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#57
Sicher ist Sicher und doppelt hält länger! Big Grin
Gruß!
Ivan
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