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Tefifon - Restauration mit 3D-Druck
#1
Bei der Restauration von Tefifonen bin ich auf dieses Forum gestoßen und war total begeistert von der Fülle an Informationen zu dem Thema. Vielen Dank diesbezüglich an Achim - Deine Reparaturanleitung ist wirklich der absolute Hammer! Ich kann sie gar nicht oft genug lesen!

Seit gut einem Jahr besitze ich einen 3D-Drucker. Durch meine Begeisterung daran versuche ich inzwischen jedes Problem auch immer damit zu lösen. Daher habe ich über die letzten Wochen hinweg ein paar Hilfsmittel zur Tefifon-Restauration entworfen. Vielleicht sind sie ja auch für andere von Interesse.

Das Herzstück ist ganz sicher der Adapter für RPC-Tonabnehmer:
   
Ich habe schon zwei davon ohne jegliche Sägearbeiten und ohne Klebstoff erfolgreich verbaut. Details dazu - mit vielen Fotos und natürlich dem 3D-Modell auf der (englischen) Projektseite.

Auch sehr praktisch finde ich das Montagegestell, um an der Unterseite des Tefifons zu arbeiten, ohne die Anbauteile an der Oberseite zu gefährden (Projektseite):

.jpg   finish2.jpg (Größe: 90,35 KB / Downloads: 1.360)

Die Ersatz-Füße - gedruckt aus TPU - sind zwar nicht so wichtig für die Restauration, aber trotzdem bin ich von dem Design so begeistert, dass ich die Dinger jetzt überall dranschraube (Projektseite):
   

Dann wäre da noch die verkürzte Form des Blechs zur Verstellung des Anpressdrucks, ohne die ich nach dem Tonabnehmerwechsel bei meinen beiden Geräten keine Chance gehabt hätt, die Kraft unter 12g zu kriegen (Projektseite):
   

Zu guter Letzt dann noch ein Montage-Teil, mit dem ich im Unterteil des Tefifions direkt noch eine Vorverstärkerplatine montiert habe - selbstverständlich unter Nutzung der bereits vorhandenen Montagelöcher. (Projektseite inkl. Schaltplan):
   

All diese 3D-Projekte habe ich als Kollektion auch auf dieser Seite zusammengefasst. Bei entsprechendem Interesse werde ich vielleicht noch weitere ergänzen.
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#2
Hallo mageb,
Willkommen im RBF!
die 3D-Technik wird immer mehr zum Hilfsmittel bei mechanisch schwierigen Reparaturen oder Umbauten. Ein paar schöne Beispiele hast du ja gezeigt. Hier im Forum ist es eher noch ein Randgebiet, aber ein paar Leute sind wir schon die damit arbeiten.
Gruß,
Jupp
-----------------------------

Gehen Sie weiter. Es gibt nichts zu sehen.
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#3
Moin mageb,

perfekt, genau das was ich gesucht habe. Ich stehe nämlich auch gerade vor dem Problem ein neues System integrieren zu müssen, das macht die Geschichte deutlich einfacher.
Die Anleitungen von Achim sind wirklich Spitze, bessergeht es nicht.

Beste Grüße
Peter
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#4
Der Halter für das Chinasystem ist ja mal endgeil, Kompliment, sieht echt super aus.
Was mich wundert ist nur, wie du das System ungekürzt in die Wippe bekommst ohne dass das den vertikalen Spurwinkel verfälscht. Ich hab das bisher nicht geschafft.

So einen Halter für das Chassis hab ich auch gebaut - halt ganz analog aus Holz Big Grin

Das Material für die Füße würde mich sehr interessieren. Grade beim Tefifon machen die Gerätefüße viel aus was die Übertragung von Resonazen angeht. Mich hat dieses Rumpeln bei den Originalfüßen immer gestört. Hab auf dem Markt auch nirgends wirklich weiche, entkoppelnde Füße gefunden.
Hab dann selbst welche angefertigt aus PU Gummi und ein paar mm höher als der Originalfuß. Damit sind die Geräusche jetzt wesentlich geringer aber, je nach Unterlage, eben noch nicht ganz weg. Vielleicht sind deine Füße da ja Die Lösung.

Bislang konnte ich mich noch nicht zum 3DDruck aufraffen.
Zwei Dinge stören mich da. Zum einen die Oberfläche die so ein Teil halt doch als Druckteil identifiziert und zum anderen fürchte ich, dass es so ähnlich laufen wird wie zu der Zeit als Computer noch mein Hobby waren - endlose Nächte des Experimentierens und Optimierens und das Einarbeiten in die 3D Software.

Aber man sieht immer öfter überzeugende Sachen aus dem Drucker. Diese Halterung für das Chinasystem kriegt man analog so definitiv nicht oder nur mit extrem hohem Aufwand hin.

Wie sieht es eigentlich mit der Haltbarkeit der Filamente aus. Gibt es da schon Erkenntnisse ob die 20 Jahre und länger halten?
Darüber hab ich mir schon öfter Gedanken gemacht bei meinen Restaurierungen. Bei Silikonen weiß ich dass sie mindestens 40 Jahre halten. Bei PU Gummi weiß ich das nicht. Bei PMMA weiß ich auch dass das Jahrzehnte hält, bei manchen PUs bin ich mir da wieder nicht so sicher.

Jedenfalls sind deine Teile erste Sahne, bin wirklich beeindruckt.

Gruß,
Achim
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#5
(03.06.2021, 20:43)achim schrieb: ...und zum anderen fürchte ich, dass es so ähnlich laufen wird wie zu der Zeit als Computer noch mein Hobby waren - endlose Nächte des Experimentierens und Optimierens und das Einarbeiten in die 3D Software.

Genau mein Problem damit.
Mein Hobby ist eben NICHT 3D modellieren, sondern das Ding soll ein Werkzeug für mein eigentliches Hobby sein.
Andererseits kosten die Drucker ja fast nichts mehr und wenn man sie nur benutzt, um Dinge nachzudrucken, die andere dankenswerter Weise entworfen haben - perfekt.
Irgendwann im Winter findet man vielleicht Spaß daran und lernt, kleine Teile selbst zu entwerfen und das entwickelt sich dann. Gibt ja mittlerweile auch einfache Programme und gute Tutorials.
Gruß,
Uli
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#6
Hallo Achim,

das freut mich ganz besonders, dass Du als der Tefifon-Guru schlechthin hier so schnell antwortest und dass Dir meine Designs gefallen.

Dass die Halterung für das Chinasystem so gut passt liegt vermutlich an zwei Dingen: Erstens habe ich bei meinen Modellen die Querstrebe selbst abgezwickt, so dass das verbliebene Ende wirklich sehr kurz ist, und zweitens gibt es mindestens 2 verschiedene Varianten der Systeme: Die billigere Variante direkt aus China bestellt ist zum Beispiel 0,5mm breiter. Ich habe kurz überlegt ob ich meinen Adapter darauf umgestalten kann, und habe die Idee dann verworfen. Es geht einfach schon viel zu knapp zu. Wobei ich es dann beim Testen gar nicht so eng fand, wie es Anfang schien. Die schmalste Wand ist 0,86mm breit und unten habe ich mich für 1mm Dicke entschieden (hier wäre auch leicht noch dünner möglich gewesen). Mit etwas mehr Aufwand könnte man auch noch kleinere Strukturen produzieren (Stichwort: kleinere Druckdüse), aber das konnte ich bislang immer vermeiden.

Das schöne am 3D-Druck ist, dass man sehr schnell Prototypen machen kann: Die Zeitdauer von "ich glaube ich drehe das Teil nochmal 1 Grad nach links" bis zum Test des Drucks am Gerät liegt hier bei dem Adapter unter 30 Minuten, wobei man die meiste Zeit davon was anderes machen kann. So kommt man sehr schnell zum Ziel (oder an die Sackgasse...) und hat dann sofort eine hervorragenden Reproduzierbarkeit des Ergebnisses. Bei dem Adapter war es schon die vierte Generation, die gepasst hat. Die fünfte und sechste waren dann nur noch letzter Feinschliff ohne funktionale Auswirkung.

Zu den Füßen: Normalerweise werden flexible Teile auf 3D-Druckern mit TPU gedruckt. Das ist dann aber nur bei dünnen Designs wirklich gut flexibel und bei größeren Sachen zu hart. Man kann auch noch etwas tricksen, da bei 3D-Druck das Innere eines Drucks i.d.R, nicht vollständig gefüllt ist und der Hohlraum zur Flexibilität beitragen kann. Vor ein paar Monaten bin ich über "Varioshore-TPU" gestolpert und habe sofort zugegriffen: Das ist TPU mit einer Art "Backtriebmittel". Je nach Temperatur beim Druck bläht sich das Material unterschiedlich stark auf. Bei 220°C ist der Effekt wohl am größten. Durch die Gaseinschlüsse hat man dann eine Art Schaumstoff. Man sieht das auch, weil die Farbe eher ein dunkles Grau ist, als das ursprüngliche Schwarz des Filaments. Das Material ist leider noch immer nicht so weich, wie ich mir das wünschen würde, aber schonmal eine ganze Stufe besser. Ich habe damit auch bereits eine Rolle für die Antriebswelle gedruckt, die ich aber in der Praxis erst noch ausprobieren muss. Ich befürchte das Wechseln wird nicht so einfach und habe noch kein gutes Gefühl bezüglich Genauigkeit...

Achim, wenn Du mir Deine Postadresse zukommen lässt, dann würde ich Dir gerne die Adapter und auch ein paar Füße zum Ausprobieren zuschicken. Ich kann das Design der Füße auch gerne noch größer gestalten. Hast Du eine Wunschgröße, was da maximal sinnvoll wäre? Gedruckt sind die schnell mal.

Für Sachen die noch weicher sein müssen experimentiere ich derzeit mit Silikonkautschuk, das ich in 3D-gedruckte Formen gieße. Das ist bei Weitem nicht so exakt wie bei aus Metall gedrehten Gussformen, aber besser als nichts. Meine aktuelle Version der Andruckrollen-Gummis sind schon ganz in Ordnung, die Führungsrollen-Gummis sind auch soweit ganz gut. Aber diese beiden Teile sind von der Genauigkeit her sowieso nicht ganz so wichtig.

Zur Haltbarkeit habe ich mir auch schon Gedanken gemacht: Ich bin ja wirklich beeindruckt, wie gut die allermeisten Teile an meinen beiden teilrestaurierten Tefifonen erhalten sind. Das schafft ziemlich sicher keines aller derzeit produzierten Geräte. Die 3D-gedruckten Teile aus PETG werden vermutlich ewig halten. Beim TPU bin ich auch guter Dinge, aber man weiß leider nie, welche Additive sich irgendwann in klebrige Pampe verwandeln wollen... Dadurch dass ich die wichtigsten Designs veröffentliche, sollten sie aber der Nachwelt erhalten bleiben und dann kann man die Teile in ein paar Jahrzehnten vermutlich auch wieder nachdrucken und austauschen.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum 3D-Druck als Hobby oder Hobby-Ergänzung: Ich habe über viele Jahre hinweg den Markt interessiert beobachtet und lange Zeit gezögert. Ich wollte definitiv kein neues Hobby - denn davon hatte ich schon genug, und Zeit dafür auch viel zu wenig. Aber irgendwann war ich überzeugt, dass ich damit Grenzen überwinden kann, die mich bei der Arbeit mit Elektronik und Holz noch aufgehalten oder gebremst haben. Letztes Jahr habe ich dann zugegriffen und mir dann aber auch gleich ein unproblematisches, ausgereiftes und hochwertiges Modell zugelegt. Und ja, ich habe da seither schon sehr viel Zeit und Geld (es ist nicht der Drucker, sondern das viele Filament das die Kosten ausmacht!) reingesteckt und ja, das ist jetzt doch auch ein neues Hobby geworden. Aber es ist tatsächlich so, dass ich einen sehr guten Output an Druckteilen habe, die einen direkten Nutzen entfalten. Hier kommt mir sicher zugute, dass ich bereits etwas 3D-Modellieren konnte (OpenSCAD für Elektronik-Bauteile in Kicad). Von daher lässt sich meine persönliche Erfahrung mit dem 3D-Druck sicher nicht so einfach auf andere übertragen...

Ok, das war jetzt dann doch länger als ich dachte. Sind aber halt auch spannende Themen :-)

Schöne Grüße
Markus
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#7
Ich bin inzwischen am dritten Tefifon dran, das ich aus den bei mir noch herumfliegenden Restteilen diverser ebay-Käufe zusammensetzen will. Ich bin mal gespannt, ob ich alle Teile beisammen habe... Dabei verbessere ich natürlich auch meine 3D-Designs kontinuierlich weiter:

Das Montagegestell hält jetzt auch den oberen Teil des Chassis alleine, wenn man es vom unteren Teil abtrennt:
   
Die aktualisierten 3D-Dateien gibt's weiterhin auf der Projektseite.

Und auch die Füße (Projektseite) habe ich durch Optimierung der Slicer-Einstellungen etwas weicher gemacht und auch eine größere Variante ergänzt, die nochmal mehr dämpft/federt (auf Hinweis von Achim hin bzgl Dämpfung):

.jpg   sizes.jpg (Größe: 73,36 KB / Downloads: 1.042)

Schöne Grüäße
Markus
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#8
Und wieder gibt's ein neues 3D-Design für's Tefifon. Ich habe die Kappen für die Montage des Oberteils auf das Gehäuse nachgebildet:
   
Die Kopie ist - abgesehen von der Farbe - besser als das Original. Die haben sich damals offenbar ziemlich abgemüht, eine passende Spritzgussform zu bauen...

Und hier ist die Projektseite zum 3D-Modell. Ich bin ja mal sehr gespannt ob das jemals jemand nachdruckt. Vermutlich gibt es diese Teile wie Sand am Meer. Nur ich konnte von den 4 Stück, die ich definitiv noch irgendwo habe, nur noch 3 finden...

Schöne Grüße
Markus
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#9
Inzwischen habe ich noch etwas weiter restauriert und ich bin dabei auf ein Problem mit meinem Montagestand gestoßen: Wenn man das Tefifon ohne Gehäuse betreiben will, muss darunter natürlich genügend Platz für den Motor sein. Die dazu notwendige Positionierung war bei meinem bisherigen Design leider noch nicht möglich. Auch war ich mit den Abmessungen nicht ganz zufrieden - das Chassis saß nicht wirklich gut in der Halterung und konnte abrutschen...

Das alles habe ich zum Anlass genommen, mein 3D-Design nochmal zu erweitern und zu optimieren. Mit dem neuen Druck bin ich jetzt wieder sehr zufrieden und kann jetzt meine Restaurierung weiter fortsetzen:
   

Das aktualisierte Design mit neuen Fotos gibt es hier:
https://www.prusaprinters.org/prints/682...nting-rack

Schöne Grüße
Markus

PS: Auf dem Foto oben kann man vielleicht schon erahnen, welche beiden 3D-Designs ich bezüglich Tefifon als nächstes online stellen möchte. Mehr wird aber erstmal noch nicht verraten.
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#10
Meinst du die Abdeckhaube der Kopftrommel? Die fehlt ja häufig, bzw. ist defekt.
Da wäre ich ja mal gespannt wie du das Problem der Oberfläche und der Farbe hinbekommst. Das dürfte nicht einfach werden, das Teil isr ja original Hochglanz und transparentes hellelfenbein.

Gruß,
Achim
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#11
Nein, das Abdeckhäubchen selbst ist es nicht - aber Du bist schon verdammt nahe dran an den beiden Teilen! :-)

Über die Kappe habe ich aber in der Tat schon mehrfach nachgedacht: Irgendetwas zum Draufstecken zu designen wäre absolut kein Problem - das ist fix getan. Aber die Farbe und Oberfläche würde ich aktuell so nicht hinkriegen, sondern es würde sofort als Fremdkörper auffallen. Man brächte ein Material wie ABS oder PVB, bei dem sich die Oberfläche chemisch glätten lässt. Und dann halt noch die richtige Farbe. In PLA habe schonmal elfenbeinfarbiges Filament gesehen, aber das lässt sich dann wieder nicht glätten. Und aus PETG könnte ich mir die Farbe vielleicht selbst mischen, aber auch da gibt‘s kein mir bekanntes Verfahren zur Glättung bis Hochglanz…

Schöne Grüße
Markus
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#12
Moin,

ganz vergessen, den Halter für das System habe ich mir schon mal ausgedruckt, passt perfekt hinein. Nur zum Einbau in das Tefifon bin ich noch nicht gekommen, im Moment liegt einfach zu viel anderes an. Trotzdem an der Stelle nochmals meinen ganz herzlichen Dank!

Das PLA in Elfenbein ist mir auch schon mal ins Auge gefallen, das was ich dann bestellt habe, sah aber nach dem Ausdruck, vom Farbton her, völlig daneben aus. Ich brauche das mal auf für Teile die man nicht sieht. Bei PETG und ABS war die Suche nach Hellelfenbein bisher erfolglos. PETG wäre wenigstens ganz leicht Transparent und ließe sich auch recht gut schleifen und hinterher mit Klarlack überziehen, aber es fehlt der passende Farbton und das ist eine Beschäftigung die man nicht unbedingt haben muß.

Beste Grüße

Peter
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#13
Das ist eben das Problem wenn man auf industrielle Halbfabrikate angewiesen ist. Es ist ja nicht nur der Farbton, sondern auch die Farbsättigung und die Tranluzenz spielen da eine große Rolle. Wie kritisch das alles zusammen spielt merkt man wenn man direkt mit dem Original vergleicht. Genau genommen klappt das nur wenn auch die Materialien identisch sind. Denn jedes Material reflektiert die eizelnen Wellenlängen des Betrachtungslichts unterschiedlich stark. Das heißt, hat man ein Material farblich unter Kunstlicht optimal zusammengemischt, stimmt es unter Tageslicht schon wieder nicht mehr. Ein perfektes Ergebnis ist also bei keiner Fälschung wirklich möglich.
Allerdings war das hellelfenbein bei den Greäteserien auch nicht durchgehend einheitlich. Auch da gab es Produktionsschwankungen.

Gruß,
Achim
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#14
Falls eine Kappe benötogt wird, ich hab da noch einen kleinen Vorrat .
   
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#15
Wow! Das ist ja mal ein beachtlicher Vorrat an Kappen!

Die ganze Diskussion rund um die elfenbeinfarbigen Teile hat mich dazu angespornt, mich jetzt doch als kleines Intermezzo erstmal mit den Kappen zu beschäftigen. Nicht dass ich welche brauchen würde, aber die Grenzen beim Nachproduzieren auszuloten fand ich spannend.

Beim Filament habe ich gleich ganz gut getroffen: Das Filamentum PLA Extrafill hellelfenbein (RAL 1015) kommt schon in die richtige Richtung. Abmessungen und Form der Kappe waren dank Digitalzeitalter recht schnell exakt nachzubilden. Im direkten Ausdruck ist das Ergebnis natürlich erstmal matt und man kann trotz Schichthöhe von 0,05mm (im oberen Bereich) die Schichten noch erkennen. Entscheidend ist daher dann die Nachbehandlung: Ich habe die Oberfläche ein bisschen geschliffen (das muss ich bei den nächsten Exemplaren noch etwas besser machen) und dann mit Epoxidharz bepinselt. Zumindest jetzt sieht das schon mal ganz vielversprechend aus:
   

In dem Foto kommt das natürlich auch nicht ganz so rüber wie visuell (die Beleuchtung war grad nicht optimal). Aber die Tendenzen stimmen: Die beiden Originale sind etwas rötlicher und minimal dunkler. An der Fälschung sieht man auch oben noch die zu wenig gut geschmirgelte Stelle. Aber ansonsten bin ich schon ganz angetan. Beim Epoxidharz muss ich jetzt mal beobachten wie das dann aussieht, wenn es ganz ausgehärtet ist. Vielleicht muss ich da auch ein anders verwenden, das nicht ganz so dünnflüssig ist, so dass die Schichtdicke noch etwas zunimmt. Der Glanz und der gefühlte Hauch an Transparenz scheinen mir damit schon erstaunlich gut nachgebildet. Ich würde behaupten dass einem der Unterschied zum Original in montiertem Zustand gar nicht auffällt.

Jetzt würde mich dann auch fast schon wieder reizen, das elfenbeinfarbige Sorgenkind des Antriebs für die Kassetten nachzubilden (natürlich in wartungsfreundlich)... Das ist aber wesentlich mehr Tüftelei, wie man sowas aus Druckteilen plus Lager zusammenstellt. Außerdem muss ich jetzt endlich mal mein Tefifon Nr. 3 zusammenbauen und in Betrieb nehmen, um zu sehen ob sich die beiden anderen Teile so auch gut bewähren.

Schöne Grüße
Markus
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#16
Die Sinterlager des Kassettenantriebs gibt es noch zu kaufen. Die Stahlachse kann man selbst anfertigen oder die originale übernehmen. Analog sind die Kunststoffteile relativ einfach nachzubilden. Interessant wäre noch die braune Kunststoffabdeckung. Durch die geringe Wandstärke und die große Oberfläche wird das analog schwierig und auch teuer da man sehr viel Silikon benötigt.

Gruß,
Achim
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#17
Die braune Abdeckung ist in der Tat eine Herausforderung. Mit 3d-Druck etwas ähnliches zu produzieren, das funktional den selben Zweck erfüllt, ist nicht so schwer - reine Fleißarbeit. Aber wenn es auch so aussehen soll, wie das Original, dann wird es richtig heftig. Mit ABS, viel Schmirgeln und Aceton-Smoothing (selbst noch nie probiert) könnte man vielleicht in die Nähe kommen. Für mich ist das aber nichts… Zumal man überhaupt erstmal dieses Braun finden müsste. Braun scheint keinen so großen Markt zu haben.

Wenn ich endlos Zeit hätte, dann fände ich stattdessen den Entwurf eines völlig neuen Tefifons spannend: Da hat man beim Design völlige Freiheit und kann mit allen Finessen dieser Technik spielen. Für das Chassis würde ich als Oberseite eine Platte in Marmor-Optik drucken. Und mit Ultrasilk-Filamenten kann man gut metallischen Glanz in die Details bringen…

Grüße
Markus
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#18
Farbe wäre egal, die Oberfläche in dem Falle auch. Dafür gibts Spritzspachtel und den Lack kann man passend mischen.
Tatsächlich herrscht Mangel an diesen Abdeckungen.
Also, wenn du mal zu viel Zeit hast Big Grin

Ach ja - die 1h Kassetten gab es mal in minimaler Auflage zu Demozwecken in einer glasklaren Version. Die werden heute in Gold aufgewogen, die letzte ging für 400 Euro weg. Aber glasklar drucken dürfte prinzipbedingt wohl nicht gehen.

Gruß,
Achim
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#19
Zu viel Zeit: Nein, da mache ich mir keine Illusionen! :-) Zu viele Ideen und Projekte: ja.

Transparent in glasklar ist schwierig, aber nicht unmöglich. Es gibt Einschränkungen, ja, aber die werden immer weniger. Wenn die Form dünnwandig sein darf, dann kann man mit PVB arbeiten. Das kann man dann mit Isopropanol glätten. Hier drei meiner Designs bzw. Experimente zu der Thematik:

1. Eine komplexe Form aus PVB:
   
(Projektseite)

2. Eine klassische Form, aus zwei identischen Teilen zusammengesteckt:
   
(Projektseite)

3. "Flachglas" als Verbundwerkstoff in der Machbarkeitsstudie: Druck von farbigem PETG über einer dünnen Schicht aus transparentem PVB:
   
(Projektseite)

Auf den jeweiligen Projektseiten gehe ich genauer auf die Herstellung ein. Genial daran ist, dass man sehr flexibel bei den Formen ist. Nicht so toll ist, dass die Herstellung mit längerer Trocknungsdauer verbunden ist, bis das Isopropanol vollständig verdunstet ist. Und man muss sorgfältig arbeiten, weil das Material sonst zu weich wird und man die Form zerstört oder zumindest hässliche Dellen macht. Aber ich habe inzwischen einiges an Erfahrung.

Dickwandiger ist mit dieser Technik nicht möglich, bzw. an den dickwandigen Stellen wird es am Ende nicht transparent. Auch darf man das Ergebnis nicht mit Isopropanol reinigen!

Für transparente Kassetten wäre das vermutlich eine Option. Das könnte ein spannendes Projekt sein... Die Kassetten sind für mich aber aktuell noch ein Buch mit sieben Siegeln: Ich habe mich schon länger damit beschäftigt, aber ich schaffe es einfach nicht, einmal geöffnete Kassetten wieder zusammenzubauen... Ich könnte versuchen meine vorhandenen Gehäusehälften in 3D nachzubilden und transparent zu produzieren. Aber danach stehe ich in der Sackgasse. Auch kann ich ohne tieferes Verständnis des Aufbaus nicht entscheiden, was ich in der Modellierung nachbilden muss, und was ich 3d-tauglich wegoptimieren kann... Hm...

Schöne Grüße
Markus

PS: Beim Experimentieren mit einer geöffneten Kassette habe ich mir mal einen üblen Ausschlag geholt (obwohl ich sonst eigentlich keine Probleme habe). Das war sehr heftig und hatte auf der Haut tatsächlich genau die Form vom Band, auf das ich seitlich draufgedrückt habe. Seither fasse ich die Bänder nur noch mit Handschuhen an. Sind solche Probleme auch anderen bekannt?

PPS: Welche Stereo-Kassetten gibt es eigentlich? Ich finde nirgends eine ausreichend weit gehende Übersicht mit den Nummern. Dabei würde ich schon gerne mal meine Stereo-Tonabnehmer ausreizen...
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#20
Für die Nachbildung transparenter Skalenzeiger wie sie zum Beispiel bei der Graetz Komtess verwendet werden, reicht diese Transparenz völlig aus. Da wäre das eine sehr interessante Option. Die Kassetten sind allerdings wirklich glasklar, also richtig durchsichtig. Man soll ja die Mechanik beobachten können. Dafür reicht es leider nicht, ich sehe auch das Problem dass sich beim Glätten mit Lösemitteln vermutlich die Kanten verrunden würden. Das braune Gehäuse muss ich dann wohl doch mal angehen, da hätte ich mir glatt einen Drucker zugelegt, aber in die Konstruktion will ich nicht einsteigen. Ich weiß genau dass das in einem zusätzlich Hobby endet und eine never-ending-story wird. Und die Zeit reicht eh hinten und vorne nicht.
Der 3D Druck ist auf jeden Fall eine sehr vielversprechende Technik. Wenn der sich so weiterentwickelt wie es beim 2D Druck der Fall war, dann ist da noch viel zu erwarten.

Was die Bänder betrifft könnte ich dir bestimmt helfen. Nach 100en geöffneten Bändern dauert das keine 20 Sekunden mehr. Man muss einfach das Prinzip mal verinnerlicht haben. Die Allergie kommt garantiert nicht vom Band selbst, denke da eher an irgendwelche Bakterien, Pilze, Sporen die sich da in 60 Jahren angesammelt haben. Ein Grund warum ich jede Kassette zerlege und komplett reinige. Ich mag auch den Geruch nicht der von den alten Geräten ausgeht und den man nur wegbekommt wenn man sie vollständig sauber macht.
Die Bänder sind angeblich aus PVC, was aber nicht ganz stimmen kann, denn dann wären sie in Aceton vollständig auflösbar was nicht der Fall ist.
Es gab nur ganz wenige Stereobänder. Müsste mal im Tefi Buch nachsehen, das sind sie aufgeführt. Die sind aber so selten dass man sie so gut wie nicht bekommt und wenn mal eines angeboten wird, dann nicht unter 100 Euro. Auch ist die hierfür erforderliche Stereoleitung ein Problem. Schon für die Monoleitung fand ich bislang keinen Ersatz, alles was ich bisher sah ist für das Tefifon viel zu steif und unflexibel.
Wenn da jemand eine Idee haben sollte wäre das super.

Gruß,
Achim
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