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Tefifon - Restauration mit 3D-Druck
#1
Bei der Restauration von Tefifonen bin ich auf dieses Forum gestoßen und war total begeistert von der Fülle an Informationen zu dem Thema. Vielen Dank diesbezüglich an Achim - Deine Reparaturanleitung ist wirklich der absolute Hammer! Ich kann sie gar nicht oft genug lesen!

Seit gut einem Jahr besitze ich einen 3D-Drucker. Durch meine Begeisterung daran versuche ich inzwischen jedes Problem auch immer damit zu lösen. Daher habe ich über die letzten Wochen hinweg ein paar Hilfsmittel zur Tefifon-Restauration entworfen. Vielleicht sind sie ja auch für andere von Interesse.

Das Herzstück ist ganz sicher der Adapter für RPC-Tonabnehmer:
   
Ich habe schon zwei davon ohne jegliche Sägearbeiten und ohne Klebstoff erfolgreich verbaut. Details dazu - mit vielen Fotos und natürlich dem 3D-Modell auf der (englischen) Projektseite.

Auch sehr praktisch finde ich das Montagegestell, um an der Unterseite des Tefifons zu arbeiten, ohne die Anbauteile an der Oberseite zu gefährden (Projektseite):

.jpg   finish2.jpg (Größe: 90,35 KB / Downloads: 428)

Die Ersatz-Füße - gedruckt aus TPU - sind zwar nicht so wichtig für die Restauration, aber trotzdem bin ich von dem Design so begeistert, dass ich die Dinger jetzt überall dranschraube (Projektseite):
   

Dann wäre da noch die verkürzte Form des Blechs zur Verstellung des Anpressdrucks, ohne die ich nach dem Tonabnehmerwechsel bei meinen beiden Geräten keine Chance gehabt hätt, die Kraft unter 12g zu kriegen (Projektseite):
   

Zu guter Letzt dann noch ein Montage-Teil, mit dem ich im Unterteil des Tefifions direkt noch eine Vorverstärkerplatine montiert habe - selbstverständlich unter Nutzung der bereits vorhandenen Montagelöcher. (Projektseite inkl. Schaltplan):
   

All diese 3D-Projekte habe ich als Kollektion auch auf dieser Seite zusammengefasst. Bei entsprechendem Interesse werde ich vielleicht noch weitere ergänzen.
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#2
Hallo mageb,
Willkommen im RBF!
die 3D-Technik wird immer mehr zum Hilfsmittel bei mechanisch schwierigen Reparaturen oder Umbauten. Ein paar schöne Beispiele hast du ja gezeigt. Hier im Forum ist es eher noch ein Randgebiet, aber ein paar Leute sind wir schon die damit arbeiten.
Gruß,
Jupp
-----------------------------
"Ich bin privat überhaupt nicht komisch" (Bjarne Mädel)
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#3
Moin mageb,

perfekt, genau das was ich gesucht habe. Ich stehe nämlich auch gerade vor dem Problem ein neues System integrieren zu müssen, das macht die Geschichte deutlich einfacher.
Die Anleitungen von Achim sind wirklich Spitze, bessergeht es nicht.

Beste Grüße
Peter
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#4
Der Halter für das Chinasystem ist ja mal endgeil, Kompliment, sieht echt super aus.
Was mich wundert ist nur, wie du das System ungekürzt in die Wippe bekommst ohne dass das den vertikalen Spurwinkel verfälscht. Ich hab das bisher nicht geschafft.

So einen Halter für das Chassis hab ich auch gebaut - halt ganz analog aus Holz Big Grin

Das Material für die Füße würde mich sehr interessieren. Grade beim Tefifon machen die Gerätefüße viel aus was die Übertragung von Resonazen angeht. Mich hat dieses Rumpeln bei den Originalfüßen immer gestört. Hab auf dem Markt auch nirgends wirklich weiche, entkoppelnde Füße gefunden.
Hab dann selbst welche angefertigt aus PU Gummi und ein paar mm höher als der Originalfuß. Damit sind die Geräusche jetzt wesentlich geringer aber, je nach Unterlage, eben noch nicht ganz weg. Vielleicht sind deine Füße da ja Die Lösung.

Bislang konnte ich mich noch nicht zum 3DDruck aufraffen.
Zwei Dinge stören mich da. Zum einen die Oberfläche die so ein Teil halt doch als Druckteil identifiziert und zum anderen fürchte ich, dass es so ähnlich laufen wird wie zu der Zeit als Computer noch mein Hobby waren - endlose Nächte des Experimentierens und Optimierens und das Einarbeiten in die 3D Software.

Aber man sieht immer öfter überzeugende Sachen aus dem Drucker. Diese Halterung für das Chinasystem kriegt man analog so definitiv nicht oder nur mit extrem hohem Aufwand hin.

Wie sieht es eigentlich mit der Haltbarkeit der Filamente aus. Gibt es da schon Erkenntnisse ob die 20 Jahre und länger halten?
Darüber hab ich mir schon öfter Gedanken gemacht bei meinen Restaurierungen. Bei Silikonen weiß ich dass sie mindestens 40 Jahre halten. Bei PU Gummi weiß ich das nicht. Bei PMMA weiß ich auch dass das Jahrzehnte hält, bei manchen PUs bin ich mir da wieder nicht so sicher.

Jedenfalls sind deine Teile erste Sahne, bin wirklich beeindruckt.

Gruß,
Achim
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#5
(03.06.2021, 20:43)achim schrieb: ...und zum anderen fürchte ich, dass es so ähnlich laufen wird wie zu der Zeit als Computer noch mein Hobby waren - endlose Nächte des Experimentierens und Optimierens und das Einarbeiten in die 3D Software.

Genau mein Problem damit.
Mein Hobby ist eben NICHT 3D modellieren, sondern das Ding soll ein Werkzeug für mein eigentliches Hobby sein.
Andererseits kosten die Drucker ja fast nichts mehr und wenn man sie nur benutzt, um Dinge nachzudrucken, die andere dankenswerter Weise entworfen haben - perfekt.
Irgendwann im Winter findet man vielleicht Spaß daran und lernt, kleine Teile selbst zu entwerfen und das entwickelt sich dann. Gibt ja mittlerweile auch einfache Programme und gute Tutorials.
Gruß,
Uli
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#6
Hallo Achim,

das freut mich ganz besonders, dass Du als der Tefifon-Guru schlechthin hier so schnell antwortest und dass Dir meine Designs gefallen.

Dass die Halterung für das Chinasystem so gut passt liegt vermutlich an zwei Dingen: Erstens habe ich bei meinen Modellen die Querstrebe selbst abgezwickt, so dass das verbliebene Ende wirklich sehr kurz ist, und zweitens gibt es mindestens 2 verschiedene Varianten der Systeme: Die billigere Variante direkt aus China bestellt ist zum Beispiel 0,5mm breiter. Ich habe kurz überlegt ob ich meinen Adapter darauf umgestalten kann, und habe die Idee dann verworfen. Es geht einfach schon viel zu knapp zu. Wobei ich es dann beim Testen gar nicht so eng fand, wie es Anfang schien. Die schmalste Wand ist 0,86mm breit und unten habe ich mich für 1mm Dicke entschieden (hier wäre auch leicht noch dünner möglich gewesen). Mit etwas mehr Aufwand könnte man auch noch kleinere Strukturen produzieren (Stichwort: kleinere Druckdüse), aber das konnte ich bislang immer vermeiden.

Das schöne am 3D-Druck ist, dass man sehr schnell Prototypen machen kann: Die Zeitdauer von "ich glaube ich drehe das Teil nochmal 1 Grad nach links" bis zum Test des Drucks am Gerät liegt hier bei dem Adapter unter 30 Minuten, wobei man die meiste Zeit davon was anderes machen kann. So kommt man sehr schnell zum Ziel (oder an die Sackgasse...) und hat dann sofort eine hervorragenden Reproduzierbarkeit des Ergebnisses. Bei dem Adapter war es schon die vierte Generation, die gepasst hat. Die fünfte und sechste waren dann nur noch letzter Feinschliff ohne funktionale Auswirkung.

Zu den Füßen: Normalerweise werden flexible Teile auf 3D-Druckern mit TPU gedruckt. Das ist dann aber nur bei dünnen Designs wirklich gut flexibel und bei größeren Sachen zu hart. Man kann auch noch etwas tricksen, da bei 3D-Druck das Innere eines Drucks i.d.R, nicht vollständig gefüllt ist und der Hohlraum zur Flexibilität beitragen kann. Vor ein paar Monaten bin ich über "Varioshore-TPU" gestolpert und habe sofort zugegriffen: Das ist TPU mit einer Art "Backtriebmittel". Je nach Temperatur beim Druck bläht sich das Material unterschiedlich stark auf. Bei 220°C ist der Effekt wohl am größten. Durch die Gaseinschlüsse hat man dann eine Art Schaumstoff. Man sieht das auch, weil die Farbe eher ein dunkles Grau ist, als das ursprüngliche Schwarz des Filaments. Das Material ist leider noch immer nicht so weich, wie ich mir das wünschen würde, aber schonmal eine ganze Stufe besser. Ich habe damit auch bereits eine Rolle für die Antriebswelle gedruckt, die ich aber in der Praxis erst noch ausprobieren muss. Ich befürchte das Wechseln wird nicht so einfach und habe noch kein gutes Gefühl bezüglich Genauigkeit...

Achim, wenn Du mir Deine Postadresse zukommen lässt, dann würde ich Dir gerne die Adapter und auch ein paar Füße zum Ausprobieren zuschicken. Ich kann das Design der Füße auch gerne noch größer gestalten. Hast Du eine Wunschgröße, was da maximal sinnvoll wäre? Gedruckt sind die schnell mal.

Für Sachen die noch weicher sein müssen experimentiere ich derzeit mit Silikonkautschuk, das ich in 3D-gedruckte Formen gieße. Das ist bei Weitem nicht so exakt wie bei aus Metall gedrehten Gussformen, aber besser als nichts. Meine aktuelle Version der Andruckrollen-Gummis sind schon ganz in Ordnung, die Führungsrollen-Gummis sind auch soweit ganz gut. Aber diese beiden Teile sind von der Genauigkeit her sowieso nicht ganz so wichtig.

Zur Haltbarkeit habe ich mir auch schon Gedanken gemacht: Ich bin ja wirklich beeindruckt, wie gut die allermeisten Teile an meinen beiden teilrestaurierten Tefifonen erhalten sind. Das schafft ziemlich sicher keines aller derzeit produzierten Geräte. Die 3D-gedruckten Teile aus PETG werden vermutlich ewig halten. Beim TPU bin ich auch guter Dinge, aber man weiß leider nie, welche Additive sich irgendwann in klebrige Pampe verwandeln wollen... Dadurch dass ich die wichtigsten Designs veröffentliche, sollten sie aber der Nachwelt erhalten bleiben und dann kann man die Teile in ein paar Jahrzehnten vermutlich auch wieder nachdrucken und austauschen.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum 3D-Druck als Hobby oder Hobby-Ergänzung: Ich habe über viele Jahre hinweg den Markt interessiert beobachtet und lange Zeit gezögert. Ich wollte definitiv kein neues Hobby - denn davon hatte ich schon genug, und Zeit dafür auch viel zu wenig. Aber irgendwann war ich überzeugt, dass ich damit Grenzen überwinden kann, die mich bei der Arbeit mit Elektronik und Holz noch aufgehalten oder gebremst haben. Letztes Jahr habe ich dann zugegriffen und mir dann aber auch gleich ein unproblematisches, ausgereiftes und hochwertiges Modell zugelegt. Und ja, ich habe da seither schon sehr viel Zeit und Geld (es ist nicht der Drucker, sondern das viele Filament das die Kosten ausmacht!) reingesteckt und ja, das ist jetzt doch auch ein neues Hobby geworden. Aber es ist tatsächlich so, dass ich einen sehr guten Output an Druckteilen habe, die einen direkten Nutzen entfalten. Hier kommt mir sicher zugute, dass ich bereits etwas 3D-Modellieren konnte (OpenSCAD für Elektronik-Bauteile in Kicad). Von daher lässt sich meine persönliche Erfahrung mit dem 3D-Druck sicher nicht so einfach auf andere übertragen...

Ok, das war jetzt dann doch länger als ich dachte. Sind aber halt auch spannende Themen :-)

Schöne Grüße
Markus
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#7
Ich bin inzwischen am dritten Tefifon dran, das ich aus den bei mir noch herumfliegenden Restteilen diverser ebay-Käufe zusammensetzen will. Ich bin mal gespannt, ob ich alle Teile beisammen habe... Dabei verbessere ich natürlich auch meine 3D-Designs kontinuierlich weiter:

Das Montagegestell hält jetzt auch den oberen Teil des Chassis alleine, wenn man es vom unteren Teil abtrennt:
   
Die aktualisierten 3D-Dateien gibt's weiterhin auf der Projektseite.

Und auch die Füße (Projektseite) habe ich durch Optimierung der Slicer-Einstellungen etwas weicher gemacht und auch eine größere Variante ergänzt, die nochmal mehr dämpft/federt (auf Hinweis von Achim hin bzgl Dämpfung):

.jpg   sizes.jpg (Größe: 73,36 KB / Downloads: 96)

Schöne Grüäße
Markus
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#8
Und wieder gibt's ein neues 3D-Design für's Tefifon. Ich habe die Kappen für die Montage des Oberteils auf das Gehäuse nachgebildet:
   
Die Kopie ist - abgesehen von der Farbe - besser als das Original. Die haben sich damals offenbar ziemlich abgemüht, eine passende Spritzgussform zu bauen...

Und hier ist die Projektseite zum 3D-Modell. Ich bin ja mal sehr gespannt ob das jemals jemand nachdruckt. Vermutlich gibt es diese Teile wie Sand am Meer. Nur ich konnte von den 4 Stück, die ich definitiv noch irgendwo habe, nur noch 3 finden...

Schöne Grüße
Markus
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