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Jüttemann-Buch: "Das Tefifon"
#1
In diversen anderen Threads wird ja zur Zeit einiges zum Tefifon untersucht, diskutiert, gebastelt und restauriert. Damit diese Threads nicht vollends im Chaos versinken mache ich hier mal einen neuen Thread auf - auch auf die Gefahr hin, dass die Diskussionen sowieso wieder durcheinandergehen :-)

Nach langer Zeit konnte ich kürzlich endlich ein Exemplar von Herbert Jüttemanns "Das Tefifon" zu einem vertretbaren Preis ergattern:

.jpg   buch.jpg (Größe: 62,57 KB / Downloads: 267)

Da das Buch bei den sonstigen Diskussionen rund ums Tefifon nur selten erwähnt wird, hatte ich keine großen Erwartungen an den Inhalt. Doch weit gefehlt: Neben der ganzen Geschichte rund um das Schallband geht es technisch erstaunlich viel in interessante Details. Mit Details meine ich hier aber nicht nur die üblichen Schemazeichnung, Bemaßungen, etc., sondern vielmehr viele teils auch nur nebenbei in Halbsätzen vermittelten Punkte, auf die wir bei unserer Bechäftigung mit dem Tefifon schon gestoßen sind. Hier ein paar Beispiele, die mir besonders aufgefallen sind:
  • Seite 82 oben: Hier wird erwähnt, dass bei späten Serien des KC-1 die Zwischenrolle fehlte und das Schwungrad direkt angetrieben wurde. So ein Gerät hatte Achim letztens ausgegraben.
  • Auf Seite 83 wird erwähnt, dass meist die "Saphir-Feder" zur Erdung und damit zur Abführung der statischen Aufladung vom Band genutzt wurde. Das ist eine Thematik, auf die ich im Kontext der Nachproduktion von Kopftrommel- und Andruck-Gummis gestoßen und mit der ich noch nicht im Reinen bin: Durch den Umbau auf das China-System beim Tonabnehmer ist diese Erdung entfallen. Je nach verwendeten Materialen für die Gummis - und vielleicht auch je nach Band - kann es hier zu statischer Aufladung kommen, was sich u.a. als Knistern und Knacken im Audiosignal bemerkbar macht. Hier will ich auf jeden Fall noch Möglichkeiten ausloten, das Problem zu beheben. Insbesondere wird im Buch auch erwähnt, dass es noch andere Varianten zur Ableitung der statischen Aufladung gab. Nur welche?
  • Spannend fand ich auch, dass erwähnt wird, wie sich mit der Einführung des Tefi Holiday Beschwerden häuften, weil die Bänder draußen in der Sonne weich wurden und kaputt gingen. Daraufhin wurde das Bandmaterial verändert, so dass es höhere Temperaturen aushält. Das erklärt dann auch Achims Erfahrungen bei der Band-Trocknung, dass manche Bänder schon knapp über 40 Grad kollabieren. Das sind dann wohl die früheren Bänder.
  • Wie ich schon vermutet hatte, gab es laut Buch auch "Frequenz- und Versuchsbänder", die mit einer dreistelligen Nummer beschriftet waren. An solche Bänder heranzukommen wäre natürlich der Hit. Das wäre die einzig wirklich gute Möglichkeit, "Wow and Flutter" zu messen und vielleicht auch der Thematik mit der richtigen Bandgeschwindigkeit den letzten Haken zu verpassen.
Neben den technischen Aspekten hat das Lesen des Buchs auch nochmal meine Sichtweise auf die damalige Wahrnehmung des Schallbands im Vergleich zu Schallplatten verändert. Im Internet wurde dieser Teil der Geschichte des Tefifons zu einer sehr knappen Formel verkürzt, die man dann überall liest. Das kam bei mir in etwa so an, dass die großen Künstler damals bei Plattenfirmen unter Vertrag waren und zweitklassige Interpreten die Titel nachspielen mussten. Und dass letzen Endes die schnelle Veröffentlichung der neuesten Hits als Singles ein Problem war, weil man für ein Tefi-Band immer mehrere Titel abwarten musste, bis es sich lohnte, es zu veröffentlichen.

Zumindest im letzten Teil stimmt das so ja auch. Aber was mir so nicht klar war, ist wie sehr sich damals über wenige Jahre hinweg die Musikwahrnehmung und damit die Marktsituation verändert hat. Das war ja alles erst im Aufbau. Anfangs war wohl tatsächlich eher das Problem, dass die Wiedergabedauer einer Platte viel zu kurz war. Das war natürlich die Chance für das Tefifon mit den langen Bändern und entsprechend langer Spieldauer von 1 oder gar bis zu 4 Stunden am Stück. Dass Titel von verschiedenen Interpreten dargeboten wurden, schien hingegen normal gewesen zu sein. Insofern waren die Tefi-Bänder anfangs also auch nicht "Musik zweiter Klasse", sondern das was das Publikum gewöhnt war und bis dahin auch gut fand. Der Star-Kult - verbunden mit großen Honoraren - kam erst später. Und damit kam dann auch der Bedarf, einzelne Titel schnell und kostengünstig auf den Markt zu bringen. Insgesamt betrachtet gab es also schon mehrere Jahre, in denen das Tefifon mit seinen Eigenschaften sehr gut dastand und auch geschätzt wurde. Das Schlüsselereignis für das Ausscheiden Tefis aus dem Musikmarkt ist dann vermutlich darin zu finden, dass das Kurzband - als Alternative zur Single - zu spät kam, zu teuer in der Produktion und zu unhandlich in der Bedienung war...

Mein Fazit: Das Buch ist für jeden zu empfehlen, der sich tiefer mit der Technik und Geschichte des Tefifons auseinandersetzen will.

Nur ein kleines Ärgernis habe ich mit meinem Buch, denn ich habe leider ein Mängelexemplar erwischt: Die Seiten 64-80 fehlen bei mir, dafür sind die Seiten 33- 48 doppelt vorhanden:
   

Hat vielleicht jemand das Buch ohne diesen Fehler und kann mir die Seiten scannen oder abfotografieren? Ich wäre sehr dankbar, denn darin stehen sicher auch noch ganz viele spannende Sachen.

Schöne Grüße
Markus
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#2
Mein Exemplar scheint diesbzgl. fehlerfrei zu sein. Die Seiten scanne ich dir gerne. Wenn du mir deine email Adresse per pn schickst, versuche ich das bis zum Wochenende zu erledigen.
Grüße aus dem Odenwald,

Werner



Lesen gefährdet die Dummheit!
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#3
hab ich grad griffbereit..

Das Tefifon 64-81.zip
Gruß,
Jupp
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Gehen Sie weiter. Es gibt nichts zu sehen.
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#4
Besten Dank, Jupp! Da kann ich ja direkt weiterlesen - perfekt. Auch Dir vielen Dank fürs Angebot, Werner!

Schöne Grüße
Markus
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