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Das Deutsche Fernsehen - 6. In der DDR
#1
Wie in vielen Angelegenheiten wetteiferten West- und Ostdeutschland, also BRD und DDR auch beim Aufbau
des Fernsehens.



Dieser Wettlauf war in mancher Weise hilfreich und beschleunigend, sogar die Qualität und die Kreativität
fördernd. Natürlich wurde auch mancher Stein geworfen, aber das hat der ganzen Sache nicht geschadet.

Ein Beispiel wäre hier das ewige Duell zwischen Karl Eduard von Schnitzler (im Volksmund Sudel Ede
genannt) mit dem "Schwarzen Kanal" und Gerhard Löwenthal mit dem "ZDF Magazin". Sie gingen
in der Zeit des "Kalten Krieges" recht kompromisslos miteinander um.

Hier der Eröffnungstext des Schwarzen Kanals von Karl Eduard von Schnitzler:

"Der Schwarze Kanal, den wir meinen, meine lieben Damen und Herren, führt Unflat und Abwässer, aber
statt auf Rieselfelder zu fließen, wie es eigentlich sein müsste, ergießt er sich Tag für Tag auf hunderttausende
westdeutsche und westberliner Haushalte. Es ist der Kanal auf welchem das westdeutsche Fernsehen sein
Programm ausstrahlt: Der Schwarze Kanal. Und ihm werden wir uns von heute an jeden Montag zu dieser
Stunde widmen - als Kläranlage gewissermaßen".


Vom Schwarzen Kanal wurden bis zum 30. Oktober 1989 insgesamt 1.519 Folgen gesendet.



die letzte Sendung "Der Schwarze Kanal" am 30. Oktober 1989 mit Karl Eduard von Schnitzler


Weiteres Beispiel waren die westlichen und östlichen Sandmännchen, die nur um einen Monat versetzt (Ende 1959)
starteten und die Kinder abends mit Geschichten ins Bett begleiteten. Hier waren das DDR-Sandmännchen und seine
Begleiter Pittiplatsch und Schnatterinchen dem BRD-Sandmännchen deutlich überlegen und beliebter.


.jpg   B81.jpg (Größe: 56,8 KB / Downloads: 335)
Regisseur Gerhard Behrendt mit dem Sandmännchen



Sandmännchen von 1962 (5 Minuten nicht nur für Kinder)



Doch nun zum Beginn des Fernsehens in der DDR.

Der offizielle Beginn des regelmäßigen Fernsehprogramms war am 3. Januar 1956 durch den "Deutschen Fernsehfunk" (DFF).
Sein selbst gesetztes Ziel, für ganz Deutschland zu senden, gelang schon allein wegen mangelnder Reichweite nicht.


.jpg   B80.jpg (Größe: 125,06 KB / Downloads: 336)
Richtfunkturm des DFF mit dem flachen Sendegebäude
für die Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera",
im Volksmund "Schafstall" genannt



Hier darf angemerkt werden, daß auch der weitreichende westdeutsche Sender ARD nicht die gesamte DDR erreichen konnte.
Gebiete im Nordosten und Südosten konnten Westfernsehen nicht oder nur mit "technischen Hilfen" empfangen. Diese
Gebiete wurden "Tal der Ahnungslosen" genannt.

Ähnlich wie in der BRD war das regelmäßige Programm anfangs noch zeitlich ziemlich beschränkt. 1956 waren es noch 15 Stunden
pro Woche. Dies wurde aber zügig erweitert. 1960 waren es bereits 58 Sendestunden pro Woche.


In der DDR wurde in der OIRT-Norm = 6,5 MHz gesendet (Abstand der Bild- und Tonträgerfrequenz). 1957 wurden die Sender
auf die westliche CCIR-Norm = 5,5 MHz umgestellt. Man wollte dem "Klassenfeind" in der BRD die Möglichkeit zum vollständigen
Empfang der DDR-Programme geben. Dazu wurden die Sender und 200.000 Fernsehempfänger umgestellt.


Als Empfangsgerät stand anfangs der "Leningrad T2" in begrenzter Stückzahl zur Verfügung. Das Gerät wurde nach
sowjetischen Plänen von der "Sowjetischen Aktiengesellschaft" (SAG), Werk Sachsenwerk in Radeberg hergestellt.


.jpg   B82.jpg (Größe: 97,08 KB / Downloads: 334)
Fernsehempfänger Leningrad T2
Foto  Radiomuseum Luzern


Hier soll etwas näher auf die Umstände eingegangen werden.

Das ehemalige Unternehmen  "Sachsenwerk - Licht und Kraft AG" in Radeberg wurde 1946 von den Sowjets enteignet
und in die SAG, Werk Radeberg umgewandelt.

1950 erhält dieser "neu geschaffene" Betrieb von der sowjetischen Generaldirektion der SAG den Auftrag eine Großserie
des Fernsehempfängers Leningrad T2 zu produzieren. Mehr als 130.000 Geräte wurden danach als Reparationsleistung
an die Sowjetunion geliefert. Lediglich etwa 3000 Geräte verblieben in der DDR.

1952 wird die SAG, Werk Radeberg zum Volkseigenen Betrieb (VEB) und firmiert unter "VEB Sachsenwerk Radeberg".
Sogleich wird die Eigenentwicklung von Fernsehgeräten begonnen.

Bereits 1953 ist der "REMBRANDT" fertigungsreif und wird anschließend zum Verkaufsschlager.


.jpg   B83.jpg (Größe: 91,01 KB / Downloads: 333)
das Erfolgsmodell REMBRANDT


Im Anschluß werden die Modelle "RUBENS", "CLIVIA" und "CLAUDIA" gefertigt. 1956 wird der VEB Sachsenwerk
Radeberg" umbenannt in "VEB RAFENA-Werke Radeberg" (Radeberger Fernseh- und Nachrichtentechnik) und deutlich später
dem Kombinat ROBOTRON angegliedert.


.jpg   B85.jpg (Größe: 65,03 KB / Downloads: 332)
Clivia II  FER 858E


Es folgen weitere Fernsehgeräte, wie z.B. "DÜRER", "FORMAT", "ATELIER", "FORUM" usw. bis 1961 das
1 Millionste Gerät ausgeliefert wird. 1964 sind es bereits 2 Millionen Fernsehempfänger vom VEB RAFENA
Radeberg.


.jpg   B86.jpg (Größe: 97,72 KB / Downloads: 331)
Modell Atelier  (Plaste war modern geworden)


Parallel zu der Entwicklung und Fertigung der Schwarz-Weiß Fernsehgeräte liefen Entwicklungen und Versuche
für farbiges Fernsehen.

Bereits Mitte der 1950er Jahre war man im "VEB Werk für Fernsehelektronik" in Berlin-Oberschöneweide mit
der Entwicklung einer rechteckigen Lochmasken-Farbbildröhre in Vollglastechnologie befasst. Die Röhre war
1960 fertigungsreif und trug den Namen Colorskop. Ein Exemplar ist im "Industriesalon Schöneweide" ausgestellt.

Die Entwicklung und die Fertigung von Schwarz-Weiß Fernsehgeräten wurde bis 1966 eingestellt.
Die Farbfernsehgeräte-Entwicklung geht an das "Zentrallaboratorium für Rundfunk und Fernsehempfangstechnik"
(ZRF), Dresden. Der VEB RAFENA Radeberg erhielt andere Aufgaben.

VEB RAFENA war natürlich nicht der einzige Hersteller von Fernsehgeräten in der DDR. Er wurde hier beispielweise
näher besprochen.

Weitere Hersteller waren:

-  VEB Arnstadt
-  VEB Fernsehgerätewerk Stern Radio
-  VEB Fernsehgerätewerk Stassfurt
-  VEB Funkwerk Halle
-  VEB Stern Radio Berlin
-  VEB RFT Stern Radio
-   VEB Schönebeck Elbia


Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und korrekte Schreibweise (Berichtigungen oder Ergänzungen
werden gerne angenommen)



Damit wird diese Folge geschlossen und das Thema später mit

Das Deutsche Fernsehen - Aus Schwarz-Weiß wird Farbe

fortgesetzt.





Danksagung, Quellen und Anmerkung

Vielen Dank für Informationen und Bilder/Videos aus Wikipedia, YouTube, dem Archiv für das Post- und
Fernmeldewesen, dem Deutschen Fernsehmuseum professionell, Dipl. Ing. Göbel, dem Industriesalon
Berlin-Schöneweide, der Foundation for German communications and related technologies, der Berliner
Feuerwehr und dem Radiomuseum Luzern.

Die Bilder wurden, soweit nicht anders gekennzeichnet, Wikipedia entnommen. Lizenzierte Abbildungen
wurden nicht verwendet.

Der Verfasser, würde sich freuen, wenn die Abhandlung Anklang und ggf. Zustimmung findet,
ist aber auch für konstruktive Kritik jederzeit offen.

Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#2
Hallo Wilhelm,

vielen Dank für Deine Beiträge, es ist jedes mal ein Genuss diese zu lesen.



-------------------------------------------------------------------------------------
Gruß Matthias

Wer mißt, mißt Mist
Die letzten Worte des Radiobastlers: Wofür ist denn dieser Draht?
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#3
Danke Matthias, auch für den trefflichen Link.

Die beiden Ersten, Leningrad T2 und Rembrandt nebeneinander
in Aktion zu sehen, ist schon etwas besonderes.

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#4
Servus Wilhelm,

mit steigendem Interesse und Begeisterung lese ich Deine Ausführungen und kann nur sagen "Chapeau!"  Thumbs_up

Kurze Anmerkungen zum Thema DDR:

Die Umstellung von OIRT auf CCIR geschah nicht 1957. Gerne wird seinerzeit geschrieben, dass die Umstellung 1957 "offiziell abgeschlossen" war - das diente aber anscheinend nur damaligen Propagandazwecken. Es war ein Zeitraum, der 1957 begann und sich anhand der einschlägigen Literaturquellen bis 1960/61 hinzog.

Eine entsprechende Anleitung zur Umstellung der Normen wurde 1957 herausgegeben.

Die Umbenennung vom Sachsenwerk Radeberg zu RAFENA Radeberg erfolgte im November 1956 (siehe auch hier). Die Umbenennung zu Robotron erfolgte später, nämlich 1969. Chronik siehe z.B. hier.

Gruß Michael
Gruß Michael

Penthode?
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#5
Hallo,

die Firma "Elbia"  hat auch einen TV gebaut.
Das Gerät heisst Nordlicht...

gruß, Frank (chromo)
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#6
Ich möchte mich beim Wilhelm recht herzlich für seine anspruchsvolle Dokumentation über das Fernsehen bedanken.


Sehr authentisch auch die Darstellung über das Fernsehen in der DDR.

Als Jahrgang 1947 kann ich hier noch mal genau nachlesen, was ich selber erlebte und teilweise nicht mehr abrufbar hatte.

Leider war ich mit der Einführung des Farbfernsehens in der DDR nicht mehr im Service tätig, sondern nur noch autodidaktisch, bzw. hatte ich einen jungen Radarmechaniker im Team, der in Stassfurt gelernt hatte.

Der Rest wird durch die vielen Restaurationen wieder belebt, besonders erwähnen möchte ich da den Frank und den Michael, natürlich auch alle anderen, dier mir meine Erinnerungen auffrischen helfen.
Deren Fundus scheint schier unerschöpflich zu sein und wir können teilhaben.


Erwähnenswert finde ich noch eine illegale Empfangsmöglichkeit des Westfernsehen über die Bildbrücke Höhbeck Berlin.

Zitat:Am 24. Dezember 1952 wurde dann der zweite, diesmal 157 m hohe Übertragungsmast auf dem Höhbeck regulär in Betrieb genommen – die Berliner konnten also wie alle anderen Westdeutschen den Start des Deutschen Fernsehens mit erleben. Inzwischen hatte sich auch die Technik weiter entwickelt – es wurde mit einer 300 Mhz Richtfunkverbindung übertragen. Gleichzeitig standen den Berlinern mehr Fernsprechkanäle zur Verfügung. Nun konnten bereits 135 Telefonate gleichzeitig geführt werden.

Das Bild konnte entlang der Trasse auf dem modifizierten Kanal 12 empfangen werden, Kaskodetuner.

Der Ton, wegen des nicht genormten Abstandes über einen UKW Vorsatz.
Gruß aus dem Kreis Siegburg vom Hans-Jürgen
"Was Hänschen nicht lernt lernt Hans nimmer mehr"

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#7
Vielen Dank für eure Ergänzungen/Berichtigungen. So hatte ich mir das
vorgestellt, dass im Dialog mit euch die Dokumentation noch gefestigt wird.  Thumbs_up

Die Ergänzungen und Berichtigungen habe ich gerne
vorgenommen.

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#8
Servus Hans-Jürgen,

(17.01.2022, 11:53)Hanskanns schrieb: ...Der Rest wird durch die vielen Restaurationen wieder belebt, besonders erwähnen möchte ich da den Frank und den Michael ... Deren Fundus scheint schier unerschöpflich zu sein und wir können teilhaben.

da ich erwähnt werde: Danke, das ist sehr nett von Dir. Mein Fundus ist da sehr begrenzt, da ich - wie an anderen Stellen schon geschrieben - kein Sammler bin.
Derby und weitere Rubens stehen noch, auch mein Rembrandt möchte nochmal aufgearbeitet werden. Und der Patriot. Aber auch der muss zurzeit wegen anderer Prio's warten.

Vielleicht legt sich ja Frank mit einem seiner Fernseher ins Zeug! Smile

Gruß Michael
Gruß Michael

Penthode?
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#9
Der Beitrag "Das Deutsche Fernsehen - In der DDR" wurde inhaltlich ergänzt.

Radiofreund Reflex-Kalle hat zum Beitrag "Das Deutsche Fernsehen - Aus Schwarz-Weiß wird Farbe"
mir bisher unbekannte Daten über die Entwicklung einer rechteckigen Lochmasken-Farbbildröhre
in Vollglastechnologie geliefert, die hier eingearbeitet wurden. Vielen Dank, Kalle.

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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