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Photographica-Geschichten Michael
#1
Servus Freunde der analogen Photographie,

Ihr seht es schon: ich schreibe nach wie vor "Photographie". Ob das inzwischen verboten oder verpönt ist, schert mich nicht. Und für die jetzt oberlehrerhaft ganz schlau den Zeigefinger Hebenden: Ja, ist nett, aber ich weiß, wie man Fotografie schreibt. Smile

Neulich beim Aufräumen einer alten externen Festplatte staunte ich nicht schlecht, was ich seinerzeit eher als Fotoinformation denn als Fotoinhalt gesammelt habe. Hätte nie gedacht, was sich da so alles findet und ich hatte schon vieles wieder vergessen.

Aus einer Laune heraus schreibe ich daher diese Geschichte. Bei Interesse als kleine Serie in zwanglosen Folgen. Ich nenne sie deshalb bezugnehmend auf meinen Vornamen, damit Ihr Eure eigenen Fotogeschichten separat dazu schreiben könnt und sich unsere Threads nicht miteinander verheddern. Und damit es für mich nicht zur reinen Selbstdarstellung ausartet, nehme ich Informationen, Links und Wissenswertes zum Zeitgeschehen mit hinein.

Los geht es mit den Anfängen - damals als Kind noch selbstverständlich mit Schwarzweiß-Kleinbildfilm.

Aber nicht mit einer Pouva Start mit ihrem Rollfilm, auch wenn sich eine solche Pouva Start selbstverständlich in der Vitrine findet:

   

Aber auch noch nicht  mit Kleinbildfilm in der Patrone für 36 Aufnahmen, sondern mit dem NP20 in der Schnell-Lade-Kassette, umgangssprachlich auch "SL-Patrone" genannt. Die wiederum fand ihren Platz in der Certo SL 100, einer einfach gebauten Sucherkamera, mit der viele Aufnahmen problemlos gelangten. Mein Vater schenkte mir die Certo SL 100 vermutlich zu einem Geburtstag. Ich war fast noch ein Kind, als ich sie bekam. Die Erinnerung ist da: Ich konnte damals nie Certo sagen, sondern sagte immer "Cetro"...

Selbstverständlich, wie das seinerzeit noch üblich war: Die zugehörigen Abzüge hatten noch den Büttenrand. Smile

Irgendwann hatte diese Kamera dann doch ausgedient. Vor allem, als ich endlich mein erstes richtiges Fotobuch kaufen konnte:

   

Dort sah ich erst einmal, was es alles an Kameras gab. Wer ebenfalls diese 12. neubearbeitete Auflage vom VEB Fotokinoverlag Leipzig von 1981 hat, wird Nettes feststellen: die auf der Seite 21 im Bild 16 gezeigte Zenit-E ist spiegelbildlich dargestellt. Da hat wohl jemand zu sehr an "Spiegelreflex"gedacht und das Versehen wurde offensichlich nicht bemerkt oder es war eben einfach zu spät für Korrekturen.

Zu weiteren Kamerabüchern kann ich bei Interesse gern in späteren Folgen was schreiben, da ich - wie schon hier geschrieben - nach der Wende versuchte, vieles aufzutreiben. Stellvertretend für viele der Bücher vom damaligen VEB Fotokinoverlag Leipzig hier zwei Bücher über die Praktica:

   

und einer erneuerten bzw. erweiterten Auflage:

   

Als Heranwachsender kaufte ich mir dann eine - tja, hier lässt mich meine Erinnerung im Stich: War es eine Beirette electric oder eine Beirette vsn. Ich weiß es nicht mehr genau, denke aber, es war eine Beirette vsn. Auch so eine steht inzwischen bei mir in der Vitrine. Ihr im Sucher goldfarben sichtbarer Rand verblasst allmählich.

Die Beirette war ebenfalls nur eine einfache Sucherkamera. Aber was konnte ich mir von meinem Taschengeld auch sonst leisten. Eine EXA oder gar Praktica war nie drin. Ich weiß es auch nicht mehr, wie lange ich sie hatte, jedenfalls vermute ich, die in einem der damaligen An-und Verkauf-Läden doch bald wieder vertickert zu haben. Die Beirette wat hübsch und nett und man konnte mit ihr gute Aufnahmen machen. Mein Sohn photographiert mit so einer vsn noch heute und generell sind selbst heute im Zeitalter modernster Digitalkameras viele Jugendliche mit solchen Oldies hellauf dabei; man lasse sich nicht täuschen, da gibt es eine richtige Szene bzw. Fangemeinde!

Aber so eine Beirette ist eben schon recht einfach gebaut und ja - über kurz oder lang musste es dann auch mit Hilfe des ersten Selbstverdientem doch eine EXA 1C sein und und ich war stolz wie Bolle mit der EXA, hatte sie zwar noch keinen Prismensucher, den kaufte ich mir erst später. Aber sie hatte endlich ein richtiges Objektiv! Und diese EXA behielt ich übrigens sehr lange. Erst nach der Wende verhökerte ich sie in Stuttgart in einem Fotoladen im Tausch mit Wertausgleich gegen eine Canon. Davon aber erst später mehr.

Auch brauchte sie nun keine SL-Kassetten mehr und das Zurückspulen des Filmes, wie es noch bei der Certo der Fall war, entfiel.

Mein Bruder war ebenfalls fotobegeistert. Und eines Tages stand die erste DuKa-Ausrüstung auf dem Tisch unseres Kinderzimmers: ein tschechischer Vergrößerer namens "Krokus 35 SL" mit allem, was dazugehört. Smile

Ist ein Positiv-Prozess angezeigt, so hat der als unabdingbare Voraussetzung einen Negativ-Prozess. Die Filme wollten endlich selbst entwickelt werden! Literatur stand keine zur Verfügung. Wirklich gar keine? Doch, denn 1977 erschien in den damaligen practic-Heften eine dreiteilige Serie, beginnend vom Entwickeln bis hin zum Vergrößern! Mit allem Drum und Dran! Hier der erste Teil der Serie:

   

   

Die Serie begann mit dem Heft 3/1977 und zog sich bis zum Ende im Heft 3/1978 hin. Und prompt gab es für uns kein Halten mehr.  Smile

Ausführlich wie immer, wurde alles sehr gut erklärt und beschrieben, beginnend von den erforderlichen Gerätschaften, über die Chemikalien bis hin zu Kniffen beim Belichten des Fotopapiers im Positivprozess. Wir begannen mit dem Entwickeln mit der Triplexdose und R09 oder A49. Wer aus der DDR kennt sie nicht? Wer kennt nicht diesen stechenden Geruch des Stoppbades, wenn man keine Essigsäure verwendete? Fotochemikalien gab es gut zu kaufen, Gerätschaften, wie Meßzylinder, Bechergläser etc. ebenfalls. Ich greife weit vor: hier ein Foto von einem meiner letzten Negativprozesse mit dieser Triplex-Dose und eingelegtem Ilford-Kleinbild-Film, aufgenommen nach der Jahrtausendwende oder sogar erst um 2008:

   

Der Film wartet in der Dose, die Chemie steht bereit. Unifix-Liquid als Express-Fixierer gab es früher noch nicht, damals war es das klassische "saure Fixiersalz" Natriumthiosulfat A300. Die Flaschen mit Schliffstopfen nebst selbstangefertigter Etiketten gehör(t)en für mich als studierter "Fast-Chemiker" selbstverständlich dazu:

   

   

Warum dieser geradezu gestalterische Aufwand für die Flaschen? Dazu bei Interesse mehr in einer der nächsten Folgen!

Gruß Michael
Gruß Michael

Penthode?
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#2
Mag es Dich trösten, der gesamte Bereich hier trägt auch noch die alte Bezeichnung!

Toller, sehr informativer Bericht, danke dafür!
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#3
Danke für den Beitrag Michael, ich schreibe noch mehr dazu, aber erstmal zwei Dinge, die mir spontan einfallen…

Pouva Start: Ich hatte noch nie eine, aber mal einen kurzen Bekannten, mit dem wir mal über die Pouva Start gesprochen hatten. Der hat dieses Ding wohl so gehasst, dass er, als ich sagte, ich würde auch mal gern eine probieren, so schlimm kann die nicht sein, mir gegenüber auf einmal sehr reserviert war. Hab ich. danach auch nicht mehr gesehen.

SL-Patronen: Meines Wissens stammen diese Patronen von Agfa, die diese kurzzeitig in der Karat eingesetzt haben, das müsste so in den 30ern gewesen sein, genau weiß ich es nicht. Später dann wurden diese im Osten wieder als SL-Patronen aufgegriffen und auch im Westen wurden die dann auch als Rapid wieder populär. Ich kam mit einer Yashica Half 17 EE Rapid darauf. Man muss den Film im Dunklen auf 65 cm kürzen und dann füllen.
Viele Grüße 
Philipp
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#4
Danke für den tollen Bericht. Da fühlt man sich direkt in die Kindheit zurückversetzt.
Das saure Fixiersalz - ich hab es damals in der Schule als Tintenkiller vertickt und von dem Erlös Photopapier gekauft.
Was für eine geile Zeit damals.

Gruß,
Achim
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#5
Ja Achim,
Fotopapier war teurer als der Entwickler. Hoffentlich läuft Dir heute kein Mitschüler über den Weg. Kleiner Spaß. Wir haben in den 70ern auch Abzüge gemacht und verkauft. Was solls, die Leute wollten das haben und waren mit den kleinen Preisen einverstanden. Unsere Arbeit dabei wurde nicht sonderlich belohnt. Das war aber mal so.
LG aus Schwerin, Holger
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#6
SL-Patronen: z.B. in der Penti II. War ein angenehmes Filmeinlegen. Kassette rein, 2 x Transportieren und auslösen und los gings. Nicht unbedingt schlecht, leider kleineres Format ( ich glaube 18 x 24) und weniger Bilder auf dem Film.

Werner
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#7
Mich hat der Beitrag wieder in die Jugendzeit versetzt.

1963 begann ich mit der Rollfilm - und Kleinbildfilmentwicklung.

Zuerst nur S/W, später mit meinem Physiklehrer auch in Farbe.

Anfangs mit einem Kopierrahmen für die Rollfilme 6 x 6 6x 9 cm.
Den Kopierrahmen baute ich in das Gehäuse eines geschlachteten Radio, zusammen mit der Belichtungsuhr und Lampe.

Fixiersalz und Entwickler bezog ich aus der Drogerie Becker aus der Steinstraße in Plau a. See.
Woher die Schalen weiß ich nicht mehr, Fotopapier fällt mir auch nicht mehr ein.
Ergänzt wurde etwas später durch ein Vergrößerungsgerät aus der CSSR.

Der Höhepunkt war die Farbfilmgeschichte, dazu haben wir eine alte Nähmaschine zum Schalenrüttler umgebaut.
Auch wurde häufig die Temperaturen gemessen.
Nur waren wir damit nicht so sehr erfolgreich, ich erinnere mich noch an das Gesicht eines Nachbarn, seine farbigern Urlaubserinnerungen haben wir vollständig versaut Smiley34 Smiley34 Smiley34

Übrigens die Pouva Start war bei vielen Menschen erfolgreich im Einsatz, vielleicht lag es am Bediener.

Meine habe ich leider auch in der Bucht vergoldet, schade.
Gruß aus dem Kreis Siegburg vom Hans-Jürgen
"Was Hänschen nicht lernt lernt Hans nimmer mehr"

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#8
Servus zusammen,

Tintenkiller, das ging? Ist ja klasse.  Smile

Wenn ich so lese, was Hans-Jürgen schreibt, fällt mir spontan ein: Ja, viele Fotoenthusiasten (DDR: "Fotoamateure"), die in den Nebauwohnungen mit fensterlosen Bädern wohnten (Typ WBS70?), hatten ihre DuKa in ebendiesen Bädern aufgebaut. Meistens über der Badewanne, die dann praktischerweise gleich zum Wässern der Papiere diente. Wir mussten das Fenster unseres Kinderzimmers immer mit einer Decke zuhängen und "Laden zu" sowieso. Und wehe, es gab Flecke auf dem Teppich, also besser, alles zusammenrollen, sonst gab es Mecker...

An Farbentwicklung haben wir uns seinerzeit nie rangetraut. Da war es auch schwierig, an die Chemie ranzukommen. Wir waren froh, in der damaligen Kreisstadt ausreichend SW-Chemie nebst Fotoschalen etc. zu bekommen. Mein seinerzeit größter Stolz: als "Bückdichware" eine Trockenpresse zu bekommen, einseitig zwar nur, aber mit der "Chromfolie" für Hochglanz.  Smile

Und ja, stimmt: seinerzeit gab es auch mindestens eine Bauanleitung für einen Vergrößerer. Möglicherweise in einem der practic-Hefte, aber das weiß ich nicht mehr.

Gruß Michael
Gruß Michael

Penthode?
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#9
Hallo.

Ich würde heute noch den Geruch vom Fixierbad erkennen, der war so markant.


Für die Bewegung der Fotoschalen bei Arbeiten mit Farbbildern haben wir an einer  Fußnähmaschine den Kopf entfernt, dann so umgebaut, dass sie beim Treten die Schalten leicht hin und her bewegte.

Wo wir die Chemie her hatten, das war 1963 oder 64, weiß ich nicht mehr.
Gruß aus dem Kreis Siegburg vom Hans-Jürgen
"Was Hänschen nicht lernt lernt Hans nimmer mehr"

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#10
Chemie ist auch heute noch leicht erhältlich.
Viele Grüße 
Philipp
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#11
@Vagabund,

ich schrieb von den sechziger Jahren in der DDR.

Heute habe ich keine Ambitionen mehr damit wieder zu beginnen.
Gruß aus dem Kreis Siegburg vom Hans-Jürgen
"Was Hänschen nicht lernt lernt Hans nimmer mehr"

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#12
(06.01.2022, 14:40)Hanskanns schrieb: ...Heute habe ich keine Ambitionen mehr damit wieder zu beginnen...

Tja... Farbe sicherlich nicht, denn dazu habe ich die hier, die ich zumindest freiwillig nicht mehr hergeben werde:

   

Aber Schwarzweiß und vor allem mit den wunderbaren alten Scherben vorne an alten Kameras dran, die den Aufnahmen ihren einzigartigen Charakter bringen...

Das ist jetzt OT, ich gebe es zu. Aber durch dieses Photographica-Sub ist mein Interesse an der analogen Fotografie ungewollt wieder entfacht. Ich meine, ich habe Radios und Fernseher - spielen tut immer nur eines oder einer. Das ist mein Rubens, das könnte der Globus werden, zurzeit spielt ein anderes. Für AM und KW habe ich meinen Dabendorf. Aber Du lieber Himmel - der Rest steht nur herum. Rumstehendes mag ich nicht, was soll der Kram. Ja, ich freue mich über paar meiner Meßgeräte, zum Beispiel den Oszillografen oder anderen paar Geräten. Aber sonst? Das steht alles nur passiv herum und vor allem: Vom Herumstehen wird das nicht besser. Ich bin kein Sammler (aber das schrieb ich ohnehin schon mal).

So wie ich meine Gitarren spiele, sie also anwende und benutze, an deren Verschiedenheit ich mich tagtäglich erfreue und damit dazulerne (schreibe ich immer im Musiker-Forum: Amp, Kabel und Gitarre, mehr braucht Mensch nicht Smile ) so kann ich auch wieder mit alten Kameras aktiv tätig werden. Motive gibt es immer. Man muss nur die Augen auf haben, für das, was einem umgibt. Man ist draußen in der Natur, ist unter Leuten und hockt nicht nur irgendwo in einer Werkstatt herum. Dem Basser in meiner Band geht es ebenso (er ist älter als ich und ist ein begeisterter Hobbyfotograf). Und darüber denke ich nun wieder nach. Die Duka steht komplett verstaut im Schrank. Worauf wartet sie eigentlich noch?

Nachdenklicher Gruß
Michael
Gruß Michael

Penthode?
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#13
Ich hab gestern mal eine Session gemacht, einfach, weil ich mal wieder Lust hatte. Als Papier hatte ich 30x40 cm gewählt.
Also einfach etwas Chemie und Papier bestellen und los geht’s. Mir hat es gerade in diesen anstrengenden und Kräfte zehrenden Zeiten sehr gut getan.
Dabei ist mir auch noch ein Knallfrosch hoch gegangen. In Plattenspielern ist die Warnung bekannt. In einem Duka-Timer eher nicht.
Es stinkt immer noch.

   

   

   

   

   

   
Viele Grüße 
Philipp
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#14
Mensch, Michael,

danke für den tollen Bericht. Es war zwar für mich fast unmöglich weiter zu lesen, hing immer an die Frontseite des Fotobuch für Alle und konnte nicht weiter lesen, aber irgendwie habe ich mich selbst überwältigt.  Big Grin
Kein Spaß, was für ein Bild!
...und Spaß bei Seite, sehr schön und informativ Thumbs_up
Komm, ich kehre zum Buch wieder zurück!
Gruß,
Ivan
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#15
Servus,

(06.01.2022, 16:43)Vagabund schrieb: Ich hab gestern mal eine Session gemacht...

Du entwickelst mit einer Rotationstrommel. Das ist natürlich 'ne Wucht, weil das garantiert eine sehr gute Reproduktionsfähigkeit der Ergebnisse. Wenn ich da an das händische Drehen meiner Triplex-Dose denke... Smile

(06.01.2022, 17:30)navi schrieb: ...danke für den tollen Bericht. Es war zwar für mich fast unmöglich weiter zu lesen, hing immer an die Frontseite des Fotobuch für Alle ... irgendwie habe ich mich selbst überwältigt.  Big Grin ...

Tscha, Regel Nummer 1, ist halt wie in den "Qualitäts-Medien": man installiere einen Eyecatcher in seinem Bericht. Und ist der Bericht inhaltlich auch noch so bescheuert, aber der Aufmerksamkeit darf man sich sicher sein...  Cool Wink

*und weg*

Gruß Michael
Gruß Michael

Penthode?
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#16
Servus Freunde der analogen Photographie,

in der vorigen Folge fragte ich, warum ich diesen ganzen Aufwand für meine Flaschen spendierte. Dazu muss ich zum Verständnis etwas ausholen.

Seit meiner Kindheit begeisterte ich mich für chemische Experimente. Was zur Folge hatte, dass ich "Das große Experimentierbuch" verschlag, zusammen mit "Chemie selbst erlebt":

   

Mein Vater kaufte mir Chemikalien und Gerätschaften und ich wurde um einige Säurelöcher und Kaliumpermagnanatflecke in Hosen, Tisch und Teppich, sowie um mehrere Einheiten Ärgers inform der steilen Hand meiner Mutter reicher.

Zugute kam dem Chemischen wohl auch, dass mein Herz offenbar leicht entflammbar ist (@ Navi, nein, die Dame auf dem Fotobuch war es nicht Smile ) und ich war als Pubertierender demzufolge prompt bis über beide Ohren in meine damalige Chemielehrerin verliebt.

Aber nun schweife ich ab *hüstel*.  Cool

Also man experimentierte "artig chymisch um zu finden als Adept den Steyn der Weisen, den Lapis Philosophorum, um zu tingiren, auff dass etliche Lot Bley und Cuprum in gar wohlfeiler Manir zu Gold würden..."...

..... und baute sich schlußendlich ganz weltlich nur hundsorinäres Schießpulver und Böller.

Das Chemische verging, was das allgemeine Experimentieren anging, nicht aber, was das Fotografische betraf! Die erwähnten Glasgeräte waren bestens für die Negativ-Positiv-Prozesse zu gebrauchen und so kam quasi später über mein Studium die Beziehung zum damaligen ORWO in Wolfen zustande, wo ich meinen sogenannten "Großen Ingenieurbeleg" als Vorarbeit für das darauf folgendes Diplom über die Rheologie, dem Fließverhalten von technischen Stoffen, ablegte.

In Wolfen befassten wir uns Mitte der 80er Jahre mit Versuchen zur Veränderung der Fließgeschwindigkeit in den damaligen Schwarzweiß-Filmemulsionen. Wir experimentierten mit einem Zeug namens Aerosil, welches für bestimmte Erstarrungsverhalten in der Emulsion sorgen sollte, was schlußendlich zu einer Veränderung der Verteilung der fotografisch wirksamen Kornstruktur führen sollte. Nebenbei hieß es, dass dieses Aerosil angeblich auch in westdeutschen Bieren eingesetzt wird. Da es "chymisch" und geschmacklich völlig inert ist, sollte es für das gewünschte, zügige Erstarrungsverhalten des Bierschaumes Sorge tragen...

Die Begießversuche führten zu nichts, die NP-Filme blieben, was sie waren.

In Wolfen... Es war eine bewegende Zeit. Denn man sah auch, wie fertig und runtergewirtschaftet diese ORWO war. Die Frauen in den teilweise uralt-musealisch anmutenden und oft maroden Dunkelräumen, wo die lichtempfindlichen Emulsionen gegossen wurden auf Film und Papier...

Ich möchte mich hier vor allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der damaligen "Film" verneigen, die angesichts dieser Umstände tagtäglich ihr Bestes gaben. Es muss sowas von bitter gewesen sein, als die Firma nach der Wende mehr oder weniger dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Ist oder war man dort in der Chemie, so kam man unweigerlich mit Rezepten der Fotochemie in Berührung. Interessant, zu sehen, wie alte Original-Rezepte von Anno Dunnerkiel in Wolfen umbenamst werden mussten, weil sie bei Agfa wieder auftauchten und Namenskoflikte durfte es ja nicht geben... Hat sich schon mal jemand gefragt, warum der in der DDR erhältliche, gute, alte R09 so hieß und warum das West-Pendandt Rodinal R49 hieß und was da eigentlich so alles drin ist? Man wird zumindest in den Inhaltsstoffen keinen Unterschied finden. Ein eigenes Thema für sich!

Das Buch hier gab den Ausschlag:

   

und außerdem sammelte ich in Wolfen und der Technischen Hochschule fleißig Rezepte und Chemikalien, so dass ich mal auch eben ein falsch belichtetes Negativ ausbleichen, nachdunkeln oder dessen Korn vergrößern konnte. Es war es für mich Usus, ein eigenes kleines Fotolabor aufzubauen.

Das Lateinische fand sich in einem Buch quasi so nebenbei. Reminiszens an den Chemieschrank meiner damaligen Schule (und deren Chemielehrerin... Cool ).

- -

Mit meiner EXA und dem einfachen Hand-Belichtungsmesser Weimarlux Nova gingen viele meine Aufnahmen schief. Zum Beispiel grundsätzlich Aufnahmen mit Filtern.

Da hat es dieses Buch hier:

   

Ich habe es verschlungen. Von den vielen, eher wissenschaftlich trocken formulierten, anderen Büchern des damaligen VEB Fotokinoverlages Leipzig unterscheidet es sich - durch seine unglaublich wortgewandte und teilweise witzige Art der Formulierungen. Alleine zum Beispiel nur zum Rotfilter - herrlich, wie ich finde:

   

Leute, gibt es was Schöneres, als die Wirkung eines Rotfilters mit solchen Worten zu beschreiben? An dieser Stelle kann ich immer wieder nur den Hut ziehen vor der damaligen Fotoliteratur und dem mit ihr vermittelten, bis ins Kleinste ausgewiesenen Wissen.

Natürlich experimentierte ich mit Filtern für die Schwarzweißfilme. Hier mal zwei übrig gebliebene Filter für, glaube ich, M52er Anschlußgewinde.

   

(Die Riesenscheiben für die Objektive der P6, insbesondere die für ihr geradezu gewaltiges Flektogon oder für ihre 180er Sonnar-Telekanone habe ich längst vertickert...)

Nun derart mit vor Stolz geschwollener Brust (Zum Glück gab es noch keine www-Foren), quasi ausgestattet mit umfangreichem Wissen, um mit Fremdwörten, wie z.B. "Extinktionskurven der Filter" um mich werfen zu können ... stellte ich mich in der Regel beim praktischen Aufnehmen stets und ständig zu doof an. Die Aufnahmen zeigten nie die im Buch versprochene Wirkung. Lag es am Belichtungsmesser? Oder an der falschen Entwicklung?

Bestimmt lag es am Beli, dass er falsche Werte anzeigte und nicht an mir.  Cool

Jetzt im Jetzt: Die in meiner Fuji X-Pro 1 installierten Filter für deren digitale Simulation auf die in der Kamera installierten, digital simulierten Schwarzweiß-Filme funzen auf Anhieb. Komisch. Verstehe ich nicht. Aber nun ja:

Digital hat offenbar auch was Gutes. Cool

Hier eine Grünfilteraufnahme mitten im Wald bei hellstem Sonnenlicht. Sie zeigt kein fotografisch interessantes Motiv, auch ist wirklich rein gar nichts vom Goldenen Schnitt zu sehen. Es geht nur um die Wirkung der Filter (sofern es hier das komprimierte Format möglich macht):

   

Das Grün der Blätter wird in Grautönen differenziert wiedergegeben. Genau das, was ein Grünfilter machen soll.

Und hier eine Rotfilteraufnahme:

Das Grün der Blätter wird entsprechend der Wirkung des Rotfilters unnatürlich weiß abgebildet:

   

Gruß Michael

Edit:  Rekord: Fünf (!) ungewollte Leerzeilen pro nur eigentlich einer gewollten Leerzeile beim Veröffentlichen dieses Beitrags. Big Grin
Gruß Michael

Penthode?
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#17
Zunächst mal Danke lieber Michael fürs selbst korrigieren dieser grässlichen, ungewollten Leerzeilen!

Toller Beitrag, gefällt mir sehr gut!
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#18
Servus Freunde der analogen Photographie,

die Zeit nahm ihren Lauf und nach der Wende verspürte ich den Drang nach einem zeitgemäßen Fotoapparat. Mit dazu bei trug der Umstand, nun endlich reisen zu können und man wollte nun dazu auch "Kind, Kegel und Familie", sowie die neuen Urlaubsziele in Farbe auf richtigem, ordentlichen Diafilm abbilden.

"Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael" kam bei mir nicht vor. Tongue

Ich schrieb's schon mal: meine EXA 1C hatte für mich ausgedient und sie wechselte im Tausch zusammen mit buntem Papier in einem Stuttgarter Fotoladen den Besitzer gegen eine Canon EF-M:

   

Zu jeder Kamera gab es einen Foto-Guide, so, wie sich das gehört. Und der gehörte somit für mich zwingend dazu:

   

Die EF-M in ihrem immer etwas knarzigen Plastikgehäuse war eine einfache, übersichtliche Kamera ohne Autofokus (daher das -M in ihrem Namen für manueller Fokus). Ich weiß es nicht mal mehr, ob man mit ihr die drei Standard-Belichtungsmeßverfahren Spot-, mittenbetonte Integral- und Mehrfeldmessung durchführen konnte, oder ob sie nur mittenbetonte Integralmessung drauf hatte. Vermutlich konnte sie die drei Meßverfahren. Man konnte sie in Belichtungszeiten-, Blenden- oder Vollautomatik oder eben komplett "per Hand" betreiben, sowie anhand des Leitwertes des Filmes, den sie erkannte, ihre Werte auch shiften. Das Schöne an ihr: Motivprogramme und jeglicher weitere Firlefanz war ihr fremd. Mit ihr kam ein einfaches Zoom-Objektiv 35-80/4-5,6. Der Scherben war ziemlich lichtschwach, auch ein wenig plastikgrackelig, aber hallo, es war mein erstes Zoom!

Was mich wirklich freut: sie ist hier trotz schlechter Bildqualität immer noch erwähnt. Ich habe das erst beim Schreiben dieses Beitrages entdeckt.

Rein technisch gesehen, spielte diese batteriegetriebene Kamera trotz ihrer Billiganmutung schlicht und einfach jede Praktica (und meine EXA schon gleich mehrfach) locker an die Wand. Ihr Verschluß lief butterweich und es gab keinen heftigen Spiegelschlag wie bei den Prakticas, die ich dann später hatte. Die Schwarzweiß-Entwicklung trat in den Hintergrund. Die Diamagazine füllten sich mit Farb-Dias und "langweilige Dia-Show" war Mode.

- -

Die Zeit nach der Wende verging. Das Internet begann, sich rasant zu entwickeln. Und schon fanden sich in den 90er Jahren Newsgroups als quasi erste Diskussions-Urform der heutigen Foren. Wer kennt sich nicht? Und wie es so geschah, hatte es da auch eine Foto-Newsgroup: de.rec.fotografie. Eine wahre Fundgrube! Hier ein Spiegel der damaligen, bewegten Zeit, weil er - ebenfalls zufällig beim Stöbern gefunden - so gut zum hier im Board beschriebenen Reparaturversuch meiner Reflekta II passt...

In den sich herausbildenden Internet-Handelsplattformen, wie ebay zum Beispiel, tauchten die alten DDR-Objektive wieder auf. Was heißt "tauchten auf" - sie wurden einem regelrecht nachgeworfen. Und mit großen Augen las ich in der Foto-Newsgroup, dass gewissermaßen Pioniere der ersten Stunde, stellvertretend sei hier einmal Winfried Büchsenschütz* genannt, längst dabei waren, diese Objektive an die modernen Kameras mittels Adapterring zu adaptieren und zu experimentieren.

Ich hatte die Zeiss-"Silberlinge" meines Vaters und man konnte sich nun auf dem Internet-Gebrauchtmarkt mit weiteren Zeiss- oder Pentacon-Objektiven zu Billigpreisen eindecken.

Nichts leichter als das: Den Adapter Canon M-Mount auf M42 (habe ich heute noch!) auf die EF-M gesetzt. Objektiv nach Wunsch angeschraubt. Belichtungszeiten- und Blendenwertübertragung funktionieren nicht mehr, es geht nur noch TTL. Also gibt man die gewünschte Belichtungszeit vor und steuert mit der Blende nach, bis es in der Anzeige der Belichtung passt. Oder man gibt die Blende am Objektiv vor und steuert die Belichtungszeit nach.

Mit einigem Ausprobieren gelang das problemlos und die alten Zeiss-Silberlinge erwachten zu neuem Leben. Smile

Und somit wurde für mich die Schwarzweiß-Photographie mit meiner Canon EF-M quasi über Nacht neu erfunden. Vorerst nur Kleinbild. Für das Mittelformat war ich noch nicht soweit. NOCH nicht.

- -

Hier ein Zeiss-Tessar 2,8/50, "das Adlerauge der Kamera", wie es damals genannt wurde, als es zum ersten Mal sauber durchgerechnet und dann triumphierend auf den Markt auftauchte:

   

Das Objektiv ist deshalb so bollerig, weil es bereits über eine Stößelringmechanik ("Aufzugsblende", noch keine Springblende, wie sie die späteren Objektive haben!) verfügt. Das Objektiv ist auf Blende 8 eingestellt. Der schwarze Ring mit dem Pfeil ist unbeweglich. Drückt man den Ring mit den aufgedruckten Blendenzahlen nach unten, so kann man einen neuen Blendenwert (z.B. 4) eindrehen und der Ring schnappt beim Loslassen wieder rastend nach oben. Die Blende steht im Bild auf 8, sie ist entsprechend geschlossen. Dreht man nun den Ring bis zum Anschlag nach links, so zieht man die Blende mittels eines internen Federwerkes auf, so dass man nun zum Scharfstellen das helle Sucherbild hat. Löst man jetzt die Kamera aus, so drückt der Stößel auf der Objektivunterseite die Blende auf den eingestellten Wert zu. Der Verschluß öffnet sich entsprechend der eingestellten Belichtungszeit. Fertig. Umständlich, aber geht!

An die EF-M mittels Adapterring angeflanscht:

   

Hier ein Tessar (das Gehäuse im damaligen Anlieferungszustand), optisch keinen Deut schlechter als das bollerige:

   

Das Objektiv ist älterer Bauart und hat noch keine Springblende. Daher das vergleichsweise zierliche Gehäuse. Auch hier stellt man am drehbaren Ring mit den aufgedruckten Blendenzahlen die Blende ein. Der mitlaufende Ring mit dem roten Punkt hat an diesem Objektiv folgende Funktion: Mit ihm wird voreingestellt, wie weit man die Blende maximal zudrehen kann, in diesem Fall von 2,8 über den gesamten Bereich bis 16. Drückt man ihn rein und stellt ihn z.B. auf 8 und lässt ihn los, dann rastet er nach oben springend ein. Die Blende wäre dann von 2,8 bis 8 einstellbar - allerdings nur dann, wenn vorher oben ein Wert kleiner oder gleich 8 eingestellt wurde. Oben ein größerer Wert als auf dem Ring darunter geht nicht.

Hier ein Weitwinkelobjektiv, ein Flektogon 2,8/35 mit ebensolcher Blendeneinstellmimik:

   

und adaptiert an die EF-M:

   

Ja, das damalige Photographieren war gar nicht so einfach und erforderte vor allem eines - Zeit und Überlegung vor der Aufnahme. Wäre auf das "Heute" umgerechnet für so manche Zeitgenossen angesichts so mancher Aufnahmen... Cool

Der Adapter sorgt automatisch dafür, dass die Stößelringmechanik für die Objektive mit moderner, echter Springblende - ich greife vor, hier die eines Pentacon Auto 2,8/135:

   

deaktiviert wird, so man an diesen Objektiven die Blende nicht gleich von "A" auf "M" schaltet.

Zwar wurden bei weit geschlossener Blende die Bilder dann schon ziemlich dunkel, was das Scharfstellen etwas behinderte. Aber der aufhellende Prismensucher der EF-M kompensierte hier viel.

Und hier die EF-M mit dem angeflanschten Meyer-Optik Görlitz Trioplan 2,8/100. (Meyer-Optik: Nomen est omen *grins*.) Ein kleines Portrait- oder Teleobjektiv, für das heutzutage inzwischen bis zu 500,- (wohlgemerkt: Euro, nicht Rubel, Real oder Lira!) aufgerufen werden. Ein Preis, der bei mir angesichts dieses simplen Dreilinsers trotz seines alt-ehrwürdigen Bokehs Zweifel an der Relativitätstheorie aufkommen lässt...

   

Die alten Silberlinge haben immer ihre eigenen Charaktere, die sich in den Bildern denn auch zeigen.

Von einer Reparatur abgesehen (urplötzlich verharzten die Lamellen des Schlitzverschlusses, ich weiß es bis heute nicht, warum), versah die EF-M jahrelang klaglos ihren Farb- und Schwarzweiß-Dienst, bis ich sie dann verkaufte.

*Wie es der Zufall so will: In einem Urlaub, irgendwo in einem gottverlassenen Kaff in Frankreich an einem glühendheißen Augusttag. In einer noch gottverlasseneren Jugendherberge lungerte jemand herum, bedächtig an einem alten Fotoapparat schraubend. Man kam ins Gespräch. Und nach dem Sich-Vorstellen kam nur noch ein "Wie - bist Du etwa der aus der Newsgroup???". Der Diskussionsstoff wollte nicht mehr enden...

Gruß Michael
Gruß Michael

Penthode?
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#19
Servus Freunde der analogen Photographie,

(08.01.2022, 17:21)MichaelM schrieb: ...versah die EF-M jahrelang klaglos ihren Farb- und Schwarzweiß-Dienst, bis ich sie dann verkaufte...

...und seitdem nie wieder einen Fotoapparat neu kaufte, sondern nur noch nach gebrauchten Kameras Ausschau hielt.

Wie die Canon EOS100, ein immer noch nahezu unverwüstlicher Standard im Bestzustand. Motivprogramme u.dgl. "Firlefanz" hat sie zur Genüge, aber bitte: Man kann, aber muss das alles nicht benutzen. Die EOS100 kam mit allem Zubehör in OVP, nur ohne Objektiv (das war so gewollt) und selbstverständlich mit ihrem zugehörigen Handbuch, in Aufmachung und Gestaltung ähnlich dem der EF-M.

Es wurden einem nicht nur die Zeiss-Silberlinge nachgeworfen, sondern eigentlich alles, was Linsen hatte und bei Drei nicht schnell genug auf dem Baum war. Ein Paradies für Foto-Enthusiasten! Ich deckte mich daher auch mit schwarzen Objektiven aus der damaligen DDR ein. Vorsorglich wieder mit M42-Anschluß für den Adapterring und ja - vielleicht würde mir ja noch eine Praktica mit M42-Anschluß ins Haus flattern. Man kann ja nie wissen...

Die Canon EOS100 habe ich heute noch. Mit ihr arbeitet nun mein Sohnemann. Smile

   

Angeschlossen an ihr über den Zwischenring war damals das schier unglaublich gute Zeiss Pancolar auto 1,8/50 aus Jena. Zu DDR-Zeiten war es angeblich nicht zu bekommen. In den 90ern wurde es einem für lau nachgeworfen. Jetzt kennt zumindest sein Angebotspreis nur eine Richtung: langsam nach oben.

Wa gab es noch so als von Vielen genutzte Festbrennweiten aus der DDR-Zeit für's Kleinbild?

Hier - diese beiden Objektive waren wohl die am ehesten erhältlichen. Neben unseren schon bekannten Zeiss-Tessar 2,8/50 gab es zum Beispiel dieses hier:

   

Grundsolide, aus meiner Sicht leistungsmäßig nicht unbedingt sooo viel besser war das Pentacon Auto 1,8/50:

   

Natürlich hatten die Objektive eine unterschiedliche Lichtstärke. Sie unterschieden sich hinsichtlich Auflösungsvermögen und höchster Abbildungsleistung; ja. Aber meistens lag das bei den Normalbrenweiten im Bereich der mittleren Blenden 5,6 ... 8, wenn man nicht gerade Spezialgebiete der Photographie betrieb, wie das Photographieren bei "Available Light", wo man seinerzeit um jedes Quentlein Lichtstärke froh war, die das Objektiv lieferte oder bei weit offener Blende arbeitete.

Man bedenke: fünfstellige "Filmempfindlichkeiten", wie sie heute in jeder Diggicam Usus sind, waren damals undenkbar. Man musste bei der Entwicklung experimentieren ("Push-Entwicklung"), um aus den seinerzeit unempfindlichen Filmen ein Maximum heraus zu holen, was zumindest bei den damaligen Emulsionen aus Wolfen oft nur mit drastisch gesteigerter Korngröße einher ging...

Wer finanziell nicht ganz so flüssig war, begnügte sich mit dem ebenfalls schon zu DDR-Zeiten an und für sich gut erhältlichen Pentacon Auto 2,8/29 als Weitwinkelobjektiv:

   

Hier nochmal das Pancolar Auto 1,8/50:

   

Ich habe zu dieser Zeit versucht, die Objektive mit dem Chromzierring vorne dran zu bekommen. Gefiel mir besser als die "mit ohne". Smile

Das Tessar durfte mal wieder aus namensrechtlichen Gründen nicht mehr als solches benannt werden; "der Westen"...

Weiterführende, umfangreiche Ausführungen zu dieser gesamten Thematik findet man hier.

Auch dieses Objektiv war keine "Bückdich-Ware". Relativ gut zu bekommen - ok, wenn man danach fragte - war das relativ hübsche, kleine Teleobjektiv mit seiner herausschiebbaren Geli, das Pentacon auto 2,8/135:

   

   

dessen Unterseite mit seinem Stößel ich schon in der vorigen Folge zeigte.

Aus Jena gab es ein ähnliches Objektiv, nämlich das Carl Zeiss Jena Sonnar 3,5/135mm. Es war recht kompakt gebaut, allerdings relativ lichtschwach. Wer danach sucht, bekommt es heutzutage immer noch relativ günstig auf dem Gebrauchtmarkt. Ich hatte kurzzeitig auch dieses CZJ-Sonnar, habe es allerdings dann bald wieder verkauft. Ein schöner Vergleich zwischen dem Pentacon electrik 2,8/135 (optisch baugleich mit dem Pentacon auto) und dem CZJ-Sonnar findet sich hier.

Allen diesen Objektiven gemein ist die Multi-Coating-Mehrfachvergütung, die im Vergleich zu der - hm, Beschichtung - der Silberlinge hinsichtlich ihrer Wirkung nun "nichts mehr anbrennen ließ", um es mal so zu beschreiben.

- -

Ich schrieb's ja schon: Es wurden einem nicht nur Objektive nachgeworfen, sondern auch Kameras. Die Vitrinen der Sammler füllten sich, die im www zu findenden Veröffentlichungen mehrten sich.

Zwei Prakticas fanden denn schlußendlich doch über den schon damals hervorragenden Fotoservice Olbrich in Görlitz den Weg zu mir. Eine Praktica MTL3, hier noch zusammen mit der Canon EF-M:

   

Die MTL3 ging dann bald an einen Liebhaber weg, der so eine Kamera suchte. Bis heute bei mir geblieben (Vitrine) ist die fast baugleiche Praktica Super TL 1000 (das West-Pendant der MTL3?)...

   

...mit ihrem vergleichsweise gewaltigen Spiegelschlag, aber mit ansonsten sehr guter Funktion (und einer "Queckie" als Batterie für den eingebauten Belichtungsmesser). Im Anlieferungszustand kam auch diese Kamera mit einem Objektiv ohne Chromzierring.

Es sammelten sich so ein paar Fotoapparate an: "Wie - Du sammelst Fotoapparate??". "Nee, die finden eher nur zufällig den Weg zu mir". "Willste noch einen? Habe da noch was rumliegen. Flasche Rotwein und die Kamera gehört dir!". "Ok, meinetwegen!" Sammeln wollte ich nun wirklich nicht und Apparate anhäufen schon dreimal nicht. Für Kleinbild war ich bezüglich meiner Duka ohnehin längst ausgestattet.

Und es passierte. Da kam ein damaliger Kollege mit seiner Mamiya RZ67 an...

Oha. Da ist es. Das Mittelformat. Und dachte ich in dieser Zeit nicht auch schon längst an die gute, alte Pentacon Six, genannt "P6"? Warum eigentlich nicht, denn ihre ebay-Preise, einschließlich die für's Zubehör, begannen nämlich langsam, aber sicher zu steigen...

Gruß Michael
Gruß Michael

Penthode?
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#20
Hallo Michael
Das schöne an den Kamera Vorstellungen aus deinem Besitz ist, diese Modelle finden sich auch z.T. auch  in meiner Sammlung. Von Zeit zu Zeit stelle ich die aber separat vor.
Radiogrüße Detlef

Wer nicht mit dem zufrieden ist was er hat, wäre auch nicht zufrieden mit dem was er hätte, wenn er es haben würde.
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