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Graetz Kurfürst F44
#1
Hallo Fernsehfreunde

Für alle, denen sich bei einer kompletten Austauschaktion von Kondensatoren der Magen umdreht, sie sollten ab hier nicht weiter lesen  Wink Es ist nun mal so, das man bei einem 65 Jahre alten Fernsehgerät nicht rumexperimentiert, ob der eine oder andere Kondensator noch funktioniert und ob man vielleicht nach alter Schule, nur die durch Überalterung mangelhafter Bauteile hervorgerufenen Fehler behebt. ( Mußte ich jetzt mal los werden ) Es finden sich auch nach so einem Komplettaustausch noch genügend Fehler, da muß man sich wirklich nicht noch mit einem durchgeschlagen Elko, oder ähnlichen herumärgern. Wie bei meinen letzten Reparaturberichten gehe ich auch hier wieder systematisch vor, so das auch ein anderen F44 Besitzer diesen Bericht als Wegweiser für die erfolgreiche Reparatur anwenden kann.
Wie immer bei solchen Geräten erfolgt eine technische Vorstellung und alles was irgendwie wichtig ist, versuche ich gerade hier mit in den Text einzufügen. Und für alle Technik Freaks, die Reparatur führe ich ohne aufwendige Oszillogramme durch. Diese sind m.M. nur bei spez. Störungen im Funktionsablauf eines TV notwendig. Hier bei diesem Projekt erscheint mir das überflüssig, da die meisten Bauteile, die man ja bei einer solchen Störungssuche einkreist, ohnehin ersetzt werden. Und abgesehen davon versuchen viele Fernsehbesitzer von solchen älteren Geräten, diese wieder ohne diese Hilfsmittel zu reparieren. Spannungen sollten, wie seinerzeit, mit einem Röhrenvoltmeter gemessen werden. Wobei die Messungen im sensiblen Hochspannungsbereich, sofern Notwendig, mit äußerster Vorsicht durch geführt werden müßen. Ein Regeltrenntrafo ist Pflicht bei der Reparatur von Allstromgeräten, zu denen Fernseher gehören. Hilfreich ist auch ein Röhrenprüfgerät, um schadhafte Stücke von vorherein auszusondern.

   
Im Mai 2018 habe ich diesen Fernseher bereits unter Gerätevorstellung präsentiert. Es fehlte der Platz, das ich mich um das Fernsehgerät kümmern konnte. So stand er fast 3 Jahre in meinem Außenlager. Nun ist der Platz schon lange vorhanden, diesen Graetz Kurfürst Fernseher wieder zu beleben. Und ich denke, es wird mir ein Kurfürstliches Vergnügen sein, die Reparatur dieses sehr schön erhaltenen Kurfürsten zu beschreiben, dessen Produktionsdatum vom 5.12.1957 ist.

Technische Daten aus der Serviceanleitung, die als Original vor mir liegt.
Das Baujahr des Gerät ist 1957 produziert wurden diese Apparate in der Zeit 1957 bis 1958. Das besondere an diesem Standgerät ist die Radio - Fernseh Kombination.


Schaltungsmerkmale:
Fernsehteil : Super mit Vorstufe in Kaskodenschaltung, vierstufiger Bild ZF Verstärker, Differenzträger – Tonverstärkung, zweistufiger Ton – DF – Verstärker, Ratiodetektor mit Germaniumdioden, getastete Regelung, Amplitudensieb mit Störselbstunterdrückung, Schwungradsynchronisierung mit symmetrischem Phasendiskriminator, Auftaströhre. Hochspannungsstabilisierung und Bildbreitenautomatik.
Radioteil : FM Super mit Zwischenbasis Vorstufe 5,5 MHz Zwischenfrequenz, Ratiodetektor mit Germaniumdioden, zweistufiger ZF Verstärker.
AM Bereich ist als Super konzipiert.

Sind zu den angeführten Technischen Details Fragen, so beantworte ich sie gern, soweit es meine Kenntnisse erlauben.
 
Das Gerät hat folgende Kreise : 18 Bild 5 Ton 12 FM und 7 AM
23 Röhren beherbergt der Kurfürst! Ferner 6 Germaniumdioden und zwei Selengleichrichter.
Die Röhrenbestückung und Diodenbestückung:
Fernsehteil :
Eingangs und Mischteil PCC 88 und PCF 80
Bild ZF 4 x EF 80
Bildgleichrichter und Videoteil OA160 (OA159) PL 83
Tonteil UCH 81 UBF 80 2 x OA 172 UF 89
Amplitudensieb EH 90 ECC 82
Taströhre PCF 80
Vertikal – Ablenkung ECC 82 PCL 82
Horizontalablenkung und Hochspannungserzeugung PL 36 PY 81 PY 83 EY 86
Bildbreitenautomatik PCF 80
Bildröhre AW 53-80
Radioteil:
FM Teil UKW : UCC85
Tonteil UCH 81 UBF 80 2 x OA 172 UF 89 UM 80 UL 84
AM Teil: UCH 81 UBF 80 UF 89 UM 80 UL 84
Netzteil : Selengleichrichter E 250 C 350 und E 250 C 130
Allstromausführung
Sprechleistung ca. 6 Watt
Lautsprecherbestückung 1 x Ovallautsprecher 195 x 310 mm 1 x Hochtonlautsprecher 100mm Durchmesser 1 x Schallkompressor alle Lautsprecher permanent dynamisch
Höhen und Bassregler getrennt zusätzlich Sprache – Musik Taste.
Störimune Kurzzeitregelung durch getastete Regelautomatik
Kontrastregler Videoseitig wirkend
Klarzeichner drei Schaltstellungen
Wellenbereiche: Fernsehteil 10 Kanäle VHF + 1 Reservekanal
UKW 87,5 – 100 MHz
KW 12,78 – 5,9 MHz
MW 1650 – 510 KHz
LW 365 – 140 Khz

Bildgröße 480 x 380 mm
Gewicht ca. 60 Kg

   
Um in den Besitz eines solchen außergewöhnlichen Fernsehgeräts zu kommen, mußte man also ca. 1568 DM auf den Tisch legen. Somit war so ein Luxusgerät nur für die Besserverdiener erschwinglich. Abgesehen davon, das die Masse an Bürgern 1957 ohnehin nur von einem Fernsehgerät träumen konnten.


Diese Angaben dürften für die Vorstellung genügen, weitere detaillierte Angaben folgen im nächsten Teil, wo ich das Blockschaltbild und den Schaltplan, sowie die Funktionsbeschreibung vorstelle.




Quellennachweis : Original Graetz Service Unterlagen und Original Graetz Werbung
Radiogrüße Detlef

Wer nicht mit dem zufrieden ist was er hat, wäre auch nicht zufrieden mit dem was er hätte, wenn er es haben würde.
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#2
Hallo Detlef,
ich bin schon gespannt, wie es mit dem Gerät weitergeht und werde interessiert mitlesen.
VG
Hans
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#3
Hallo Fernsehfreunde

Heute geht es weiter mit der Graetz Kurfürst Beschreibung.

   
   
Die Funktionsbeschreibungen des Graetz Kurfürsten aus dem Serviceheft stelle ich als Foto ein, da sie sehr Interessant sind. Vieles ist auch mit den Geräten aus früherer Produktion identisch. So hat sich z.B. am Radioteil wenig verändert.
Mit dem Blockschaltbild beginnt die Beschreibung des Fernseher. Danach erfolgt die von dem Rundfunkteil.

   
   
   
Letzte Informationen über den TV Betrieb findet man dann in dem Serviceheft vom F37 F41 F43 und F45 dort sind vier Seiten über die technische Beschreibung. Das Blockschaltbild allerdings beinhaltet ja nur die reinen Fernsehempfänger.

   
Der Original Schaltplan des Graetz Kurfürst

   
   
Die Serviceanleitungen enthalten neben Stücklisten auch Abbildungen der Chassis Ober- und Unterseite. Schön bei solchen Abbildungen, man kann bei den Arbeiten immer wieder einen Blick auf diese Bilder werfen, um sich unter dem Chassis zu Orientieren.
Hinweisen möchte ich meinen Eindruck zu der Schaltung des Kurfürst. Wenn man sich die Serviceanleitung dieses Geräts anschaut, findet man keinerlei Spannungsangaben und Oszillogramme, außer Spannungsangaben für den Radioteil. Um hier auch etwas Klarheit zu schaffen muß man sich die F44 Serviceanleitung genau durchlesen und den Schaltplan des Graetz Kornett F 37 zur Hilfe nehmen, wie es in der F44 Anleitung empfohlen wird. Wer sich die Schaltpläne genau anschaut, wird erkennen, das der Kurfürst genau aus dieser Gerätekonstruktion hervorgeht. Wobei ich anmerken möchte, wenn man sich an Hand der Bildröhrengröße hält trifft es eigentlich zu, das die Modelle F41 Burggraf und F43 Kalif eher dem des Kurfürst entsprechen, nur das man noch einen Radioteil eingebaut hat. Dieses wiederum stammt laut einer Zeitgenössischen Werbung, aus dem Graetz Reichsgraf.
So muß bei der Reparatur und auch bei der Überprüfung der Spannungen der andere Schaltplan zur Hilfe genommen werden.

   
   
   
   
   
Die Schaltplanausschnitte mit Spannungsangaben aus F37 F41 F43 und F44


Mal schauen, ob es wirklich ein Kurfürstliches Vergnügen wird, diesem Apparat wieder zum laufen zu bringen. Erfahrung mit Kombinierten Radio/Fernsehgeräten habe ich durch die Clivia und den Graetz Landgraf. Wobei natürlich die Spannungsüberprüfungen, die man im Anschluß einer Reparatur durchführt, durch die Schrank Version sehr umständlich sind. Da komme ich später nochmals darauf zurück. Man kann sich da ganz einfach helfen.
Einen Funktionstest, wie bei anderen Geräten habe ich nicht vorgenommen. Da gibt es einige Gründe, die sehr lange Standzeit und das durch die Nichtbenutzung gelittenen Bauteile , wie Elkos, Kondensatoren und spez. der Hochspannungsteil, der ja Optisch nicht unbedingt Vertrauenswürdig aussieht.

Man kann, wenn die Angaben des Vorbesitzers stimmen, davon ausgehen, das der Kurfürst etwa Ende der 70er Jahre zumindest mit dem Radioteil noch in Betrieb war. Dann stand der Fernseher in einem Abstellraum. Da Platz genug im Haus war, landete er nicht auf dem Sperrmüll. Die Bildröhre hatte ich gleich nachdem ich ihn bekommen habe gemessen. Sie tut es noch, bekommt vielleicht noch eine Auffrischung mit dem Müter. Irgendwann wird mir noch passender Ersatz für die Bildröhre über den Weg laufen. Meist verändern sich die Werte einer älteren Bildröhre aber auch, wenn sie im Betrieb ist. Bei dem Landgraf hat das wiederholte benutzen etwas gebracht, ob das beim F44 auch der Fall ist, kann ich ja später, wenn er wieder funktioniert, nachprüfen. Momentan ist sie leider nach Müter - Angabe noch so eben brauchbar. Eine MW 43-64 aus einem Schrottgerät hatte sogar nach etwas längerer Heizzeit mit dem Müter und dem vorsichtigen abklopfen des Röhrenhals bereits nach 5 min. schon wieder eine gute Emmission von 0,75 mA. Schlechte Werte zu beginn einer Bildröhrenprüfung muß nicht unbedingt was bedeuten. Aber zunächst sind andere Dinge wichtiger.

   
Etwas verstaubt, die Messingleiste links ist lose, aber sehr wenige Kratzer und Beschädigungen.

   
Seine Durchlaucht hat die Türen geöffnet und gibt den Blick frei, auf den Bildschirm und die schöne Skala.

   
Nicht ganz so vornehm geht es im inneren zu. Staub der Jahrzehnte bedeckt alles. Trotzdem erscheint das Innenleben in einem gut erhaltenen Zustand. Kein Rost, nichts zerfleddert und vor allem nahezu noch Original.

   
Nur hier unten hat unser Hochwohlgeboren eine sehr schmuddelige Abteilung. Die arg verstaubte Beschallungseinrichtung , sie macht Neugierig auf den Klang, wenn der Kurfürst wieder spielt.

   
Die AW 53-80 beherrscht den Innenraum, für den Transport in meine Werkstatt wird die Bildröhre vorsichtshalber ausgebaut.

   
Unter der Decke ist die Radioantenne und die Fernsehantenne. Die Fernsehantenne ist für Ortssender wohl ausreichend. Auch hier finden sich reichlich Staub und Spinnenweben.

   
Das Chassis ist ausgebaut und befindet sich schon in meiner Werkstatt. Gut gelöst ist die Steckverbindung des Chassis zu den seitlichen Drucktasten. Auch die Lautsprecher haben eine Steckverbindung. Natürlich muß man erwähnen, das ein Standgerät nicht unbedingt Servicefreundlich sind. Hier kann man nicht mal eben die Spannungen im Betrieb messen, ohne irgendwelche Adapterkabel, die es laut Auskunft eines Radiotechnikers für solche Geräte gab, bzw. in den Werkstätten selbst gebaut wurden. Mit Hilfe dieser Verlängerungskabel, konnte man das Chassis außerhalb des Gehäuse stellen und so die Messungen vornehmen.


Fortsetzung folgt


Quellennachweis: Original Graetz Service Anleitungen
Radiogrüße Detlef

Wer nicht mit dem zufrieden ist was er hat, wäre auch nicht zufrieden mit dem was er hätte, wenn er es haben würde.
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