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Philips Leonardo-S Automatic 21TD251
#1
Hallo Freunde der glimmenden Glaskolben Smile

Gestern konnte ich mein Langzeitprojekt endlich fertigstellen.

Seit anderthalb Jahren besitze ich nun oben genannten Fernseher. Vielen Dank noch mal an unseren Neuzugang Joba, von dem ich ihn bekam.

Der Zustand des Gehäuses ist für das Alter recht gut. Leider gibt es ein paar Kratzer, kleine Schrammen und Risse im Bereich des Hochspannungsteils auf der Oberseite, aber sonst ist der Lack gut erhalten.

Der Fernseher lief beim Kauf, das Bild war geometrisch einwandfrei und der Kontrast ausreichend.
Da ich den Fernseher auch gelegentlich benutzen möchte, und es sich noch weitgehend im Originalzustand befand, war klar, dass die Elkos und die üblichen verdächtigen Teer- und Malzbonbon-Kondensatoren raus musten.

Das Chassis wurde direkt nach seinem Ausbau einer gründlichen Reinigung mit Pinsel, Lappen und Pressluft unterzogen.
   
   
   
   
   

Die Mehrfach-Elkos wollte ich eigentlich neu füllen. Nachdem ich den ersten zerlegt hatte, musst ich feststellen, das er eigentlich noch sehr gut gewesen wäre. Das Füllen war im Hinblick auf Betriebssicherheit nicht zu machen. Die Elkos, passten einfach nicht ohne Gewalt ins Gehäuse. Abgesehen davon sieht die später eh keiner mehr, wenn das Chassis wieder im Gehäuse steckt.
   
Also habe ich die Elkos auf Lochrasterplatinen gelötet und diese mittels 1,5mm² Kupferdrähte vorne am Chassis anstelle der alten, dicken Becher einfach angelötet. Zum Anlöten der Drähte setzte ich Lötstifte auf die neuen Platinen. Das hat wunderbar funktioniert und passt genau ins Gerät.

Irgendwann in grauer Vorzeit wurde im Heizkreis etwas umgebastelt. Ein 300 Ohm Drahtwiderstand mit Abgriff und ein weiterer Zementwiderstand wurden in Reihe zur Heizung geschaltet, die werden aber durch ein Relais, das direkt beim Einschalten anzieht, gleich wieder überbrückt. Da der Apparat vorher funktionierte, dokumentierte ich diese Veränderung, ließ sie aber nur prinzipiell vorhanden. Hardwaremässig baute ich dieses Konstrukt völlig um, da die Bauteile kreuz und quer und schief reingetüdelt waren.
Außerdem hatte der "Reparateur" das Relais - ein dickes Teil, Marke Frankenstein's Labor, mit Schraubklemmen - seitlich an den Deckel vom Hochspannungskäfig geklebt. Außerdem waren die mehrdrähtigen Drähte ohne Endhülsen untergeklemmt. Die Stromzufuhr des Relais wurde direkt von der Netzschnur entnommen - ohne Sicherung!
   
   
   
   
Das Relais tauschte ich gegen ein 120V-Kammrelais, das 3A Schaltvermögen je Kontakt hat. Ein Vorwiderstand von 1kOhm schluckt lässt die Relais-Spule nur noch ca. 110V bei 220V am Trenntrafo sehen. Das Relais lötete ich mit seinen unbenutzten Kontakten oben auf den feststehenden Teil des Hochspannungskäfigs. Die Stromversorgung kommt direkt von der danebenliegenden 1,6A-Sicherung über den Vorwiderstand. Die 54mA mehr dürften der Sicherung nicht viel ausmachen.
   

   
Wo wir bei den Sicherungen sind: Die 400mA Sicherung wurde durch eine 630mA-Sicherung ersetzt. Anstelle der 1600mA-Sicherung steckte eine 3,15A-Sicherung drin!
   
Vielleicht war deshalb auch der Netzschalter irgendwann einmal abgebrannt, anstelle der Sicherung!
   
Da hätte zum Brand nicht mehr viel gefehlt!


Ein erster Probelauf nach der Überholung verlief anfangs erfolgreich. Die Bildgeometrie war in Ordnung und das Bild stand auch absolut ruhig, ohne das kleinste Zittern.
   
Nach 4-5 Minuten jedoch begann das Bild plötzlich in sich zusammenzufallen und dunkler zu werden - die Hochspannung brach langsam zusammen.
Ließ man den Apparat abkühlen war das Bild wieder voll da und nach weiteren 4-5 Minuten brach es wieder zusammen.

Nach einigen Versuchen und Hilfestellungen aus dem DRF kam ich schließlich drauf: Mir fiel auf, das der (noch originale) Booster-Kondensator ziemlich warm wurde - so ca. 40-50 Grad. Nachdem auch der ersetzt war, blieb das Problem aus.
   
   
Das das Testbild so deformiert ist, liegt übrigens nicht am TV, sondern am Blue-Ray-Player, der Bilder unbedingt quadratisch zeigen muss Angry

Ein längerer Probelauf mit Raumpatrouille Orion (sorry, das musste einfach sein Big Grin) tauchten keinerlei Probleme mehr auf. Lediglich die tiefen Töne sind bei höheren Lautstärken etwas verzerrt - aber das kann auch am DVD-Player liegen, der vielleicht einen zu hohen Pegel für den Modulator hat. Mein anderer Player lässt sich inder Lautstärke regeln, vielleicht liegt es (hoffentlich nur daran).

Vor Röhrenfernsehern, insbesondere vor Vollröhrenfernsehern habe ich großen Respekt und fasse alles sehr vorsichtig an.
Diese Kiste hat - wie damals üblich - keine galvanische Netztrennung, daher arbeite ich ausschließlich mit Trenntrafo.
Meine erste Vollröhren-TV-Überholung ist damit nach längerer Pause endlich fertig geworden. Einige Familienmitglieder bestehen schon seit sie den Fernseher gesehen haben (steht im Wohnzimmer) auf einen Nachmittag mit alten schwarz-weiß-Filmen mit Kaffee und Kuchen - das kann nun endlich anlaufen Big Grin

   

   

   

Wer noch ein paar Bilder mehr sehen will, oder Details über die Fehlersuche wissen möchte, der wird beim DRF fündig Smile
Grüße,
Daniel
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#2
Schönes Gerät das meinem Loewe Opta Atrium ähnlich sieht.

Interessanter Reparaturbericht mit sehr guten Bildern. Mit etwas mehr technischen Hintergrundinfos zum Gerät (Baujahr, Bildschirmröhe, allg. Röhren, etc.) wäre der Bericht auch noch informativer (Ich finde es ziemlich mühselig erst zu RM.org oder zum DRF switchen zu müssen).
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#3
Ja Daniel, sehr sehr schöner Bericht mit vielen schönen Detailbildern. Ich habe noch keinen Röhren Fernseher. Ich glaube der müßte mir schon einer aus dem Ort vor die Füße legen sonst wird das nichts Idea. Zwei Geräte weiß ich so aus dem Stehgreif, eins in Berleburg 50 Euro ein Loewe, und einen Blaupunkt im Nachbarort, ob der noch da ist?? 120€, zu teuer!
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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#4
Hallo Anton. Wenn Du Deinen Bilderwunsch etwas genauer formuliertest, könnte ich vielleicht noch ein paar Bilder nachliefern oder auch noch anfertigen Smile
Zugegebenermaßen war es schon etwas spät, als ich den Beitrag erstellt habe.

Den Beitrag habe ich ja für interessierte Leser geschrieben, wenn's was zu verbessern gibt, mache ich das gerne Smile.
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#5
Hi Daniel,

Congrats zur erfolgreichen Reparatur Deines Fernseh-Veteranen, schaut ja määäächtig gut aus! Und mal ehrlich, "Raumpatroullie" wirkt nur richtig echt auf solch einem Gerät - echt amtlich, hehe^^...
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#6
Schöner Bericht und prima, dass du das Gerät gleich zünftig genutzt hast.

Vielleicht macht es Sinn, sich die Röhren des Gerätes auf Lager zu legen, damit auch deine Enkel noch was davon haben.

Meine Fernseher habe ich nach und nach aus Platzgründen verschenkt. Herby hat den vorletzten bekommen. Jetzt habe ich noch einen kleinen Blaupunkt mit Hybrid-Chassis aus den frühen 70ern. Der funktioniert .... und noch habe ich Platz für ihn.
Grüße aus dem Odenwald,

Werner


Lesen gefährdet die Dummheit!
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#7
Ja da finde ich auch immer schon anzusehen. Bei mir stehen die FS noch auf dem Dachboden, leider kein Platz im Minimuseum.
Vielleicht werde ich mal nächstes Jahr mich daran wagen so ein teil zum laufen zu bringen.
Immer wieder schön solche Berichte zu lesen.
Habe immer soviel Arbeit, das ich mir eine aussuchen kann. Smile

Grüße Frank, der Moschti
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#8
In meinem "Außenlager" befinden sich die vom Schrott geretteten Fernseher. Darunter der noch in Arbeit befindliche Metz Capri Color (läuft noch hier im Forum), ein Loewe Opta aus den späten 60ern - schwarz-weiß mit modernerer Röhre und nur noch drei oder vier Röhren drin, dann ein 70er oder 80er Jahre schwarzweiß-Portabel - der Optik nach aus Ostblockproduktion - leider stark "geliebt" und seit zwei Wochen Chassis und Bildröhre vom Raffael-S 17TD210A/08 - funktion noch nicht geprüft.
Zuhause hätte ich für die Kisten keinen Platz. Daher bleiben sie erstmal im Lager - dort haben sie super klimatisierte Umgebung Smile.
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#9
Hi Daniel, Anton meint die techn. Daten des Gerätes wie Baujahr, welche Röhren, mit was für einer Bildröhre, was für Lautspr, Halbleiter? usw.
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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#10
(28.09.2014, 11:16)Dietmar schrieb: Hi Daniel, Anton meint die techn. Daten des Gerätes wie Baujahr, welche Röhren, mit was für einer Bildröhre, was für Lautspr, Halbleiter? usw.

Genau das meinte ich Dietmar, danke Smile
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#11
Hallo Dietmar, Danke für die "Übersetzung" Big Grin

Der Leonardo Spezial Automatic ist von 1959
Ausstattung:
VHF und UHF Tuner (bereits ab Werk)
53cm Bildröhre (AW53-88)
Inklusive Bildrohr 21 Röhren.
Horizontalendstufe mit PL36

   

Bedienelemente:
   
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#12
Danke! Welche Funktion hat denn die Taste "Klar"?
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#13
Mit der Taste "Klar" wird der Frequenzgang des Videoverstärkers in den oberen Frequenzlagen umgeschaltet (Höhenanhebung, respektive Absenkung - lässt ein evtl. vorhandenes Bildrauschen etwas in den Hintergrund treten).
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#14
Hallo Daniel,
das ist eine schönes Gerät! Ich habe ihn als Raphael. Das ist vermutlich das gleiche Gerät, nur mit 43cm Bildröhre AW 43-88. Der spielte bis vor 3 Jahren noch mit allen original Kondensatoren. Allerdings, gebe ich Dir mit den Teeries Recht. Wenn das Gerät öfter benutzt werden soll, macht es Sinn die alle zu tauschen. Welche Funktion hat das Rändelrad in der Mitte unten? Das hat mein Gerät nicht.
Gruß aus Bremen

Enno
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#15
Hallo Enno.

Der Raffael aus der gleichen Zeit dürfte ein Schwestergerät sein. Ich habe jüngst ein Chassis samt Bildröhre - leider keine Gehäuse mehr - vom Schrott geborgen, dass vom Raffael stammt. Die Chassisbezeichnung des Raffael dürfte mit 17... anfangen, was der 17-Zoll-Röhre entsprechen müsste. Damit dürfte es verwand, aber nicht gleich sein. Sicher wissen die Experten da mehr.
Das Rändelrad ist laut Service-Unterlagen für die "Feinabstimmung" zuständig.
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