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RFT 1U11, Vorstellung & Reparatur
#1
Hallo in die Runde.

Ich habe mir dieser Tage mal wieder ein Radio auf den Werktisch gestellt, das schon seit den 90ern in meinem Bestand schlummert, damals spielbereit gemacht wurde, mich aber nie recht begeistern konnte. Wie das dann so ist, Beruf und Familie gehen vor und das Radio setzt Staub an. Nun aber sollte es ihm an den Kragen gehen, im positivsten Sinne natürlich.
Und dazu habe ich dann mal ein paar Fotos geschossen und einen Bericht verfasst.

Soweit ich das bei meiner begleitenden Recherche herausgefunden habe, harren derzeit 2 arg mitgenommene Radios dieses Typs bei Forenmitgliedern ihrer Wiederherstellung. Vielleicht kann mein Bericht, der neben der Vorstellung des Geräts ganz bewusst auch immer wieder mal Hinweise zur Reparatur und Optimierung enthalten wird, eine kleine Hilfestellung geben.

Genug der Einleitung, schauen wir aufs Radio und werfen ein paar Daten ein:

   

   



Hersteller:                             RFT (Volkseigener Betrieb, also DDR). Das hier gezeigte Gerät wurde in Berlin hergestellt

Type:                                     1 U 11. Nachfolgemuster liefen unter der Bezeichnung "Dompfaff" und "Grünau"

Baujahr:                                 1951 - 1954

Wellenbereiche:                    LMK, automatische Umschaltung: Kontaktbetätigung beim Drehen des Senderknopfs über den Skalenbereich

Prinzip:                                  Einkreiser, Rückkopplung einstellbar

Spannungsversorgung:      Allstrom, jedoch nur 220 Volt

Röhren                                  UEL51, Gleichrichtung über Plattengleichrichter

Lautsprecher:                       Elektrodynamisch, Korb aus Pressstoff/Bakelit

Anschlüsse:                           Rückwärtig keine, Buchsenleiste vorne links unterhalb des Gehäuses: A1, A2, A3, E

Senderabstimmung:            Induktiv

Skala / Beleuchtung:           Glasskala, keine Beleuchtung, Glimmlampe mittig hinter Skala angeordnet

Gehäuse und Bespannung: Bakelit; verschiedene Bespannungen produziert, dieses Radio mit Korbgeflecht


Schaltplan:

   

Dieser Schaltplan enthält bereit eine Modifikation, die in meinem Gerät noch nicht enthalten ist, dazu im nächsten Teil dieses Beitrags mehr.
Zum Radio gibt es eine durch unseren Forenkollegen Rolf hochgeladene Bedienungsanleitung, der ich den obigen Schaltplan entnommen habe:
https://radio-bastler.de/forum/showthrea...#pid232738




Nun zum hier gezeigten Radio im Besonderen

Das Gerät wurde aus insgesamt 4 "Leichen" zusammengebaut. Diese Geräte gelangten nach dem Fall der Mauer mittels diverser Flohmarkthändler speziell in den 90ern auch zahlreich in den Westen Deutschland. Es überwogen, so mein natürlich sehr persönlicher Eindruck, Radios in eher schlechtem Zustand. Insbesondere die Geflechtbespannung hatte meist sehr gelitten und war nicht mehr herstellbar, so auch bei dreien meiner Flohmarktfunde.  Oft fehlten die Rückwände, und das Innenleben (Metallteile) hatte auf Grund feuchter Lagerung Korrosion angesetzt. Hinzu kamen Brüche im Gehäuse und der Klassiker: fehlende Rückwand, fehlende Röhre.

So ist das gezeigte Radio also eher eine Reparatur mittels zahlreicher Originalteile, als eine Restaurierung. Demzufolge habe ich -in den 90ern- alle defekten Teerkondensatoren entfernt und durch passende moderne Bauteile ersetzt. Internetforen gab es damals noch nicht, das Wiederbefüllen von Altkondensatoren zwecks Erhaltung der Originalbanderolen hatte sich demzufolge noch nicht herumgeschwiegen.

Aber schauen wir doch mal ins Innere:

   

Wir sehen viel "Raum", sprich Leere. Der Aufbau ähnelt den Radios der Firma BLAUPUNKT aus den späten 30ern sowie der frühen Nachkriegsära. Alles ist an der Schallwand verbaut, und man kann in der Tat nach
 
- Abnehmen der beiden Knöpfe (Madenschraube)
- Lösen von 4 Schrauben (M4 Schlitz)
- Lösen von 1 Schraube (M3 mit Mutter)

das gesamte Radio aus dem Bakelitgehäuse nehmen und reparaturfreundlich arbeiten. Alles ist dann gut zugänglich.
Natürlich fällt auf, dass hier Material gespart wurde, konkret: Eisen. Mangelware damals in der DDR, wie nicht zuletzt die Entwicklung von Fahrzeugen mit Kunststoffkarosserie belegt. Größere Mengen finden sich nur am elektrodynamischen Lautsprecher, konkret bei AÜ und Kern, der die Feldwicklung trägt:

   

Der Lautsprecherkorb hingegen ist aus Pressstoff, vmtl. Bakelit, und findet auch in anderen DDR-Radios dieser Zeit Verwendung.



(wird fortgesetzt)
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Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#2
Nachträgl. Korrektur, da Zeitintervall abgelaufen: "Oft fehlten die Rückwände Knöpfe..."



Man sieht bereits, das Gerät wurde damals wie heute wieder einsatzbereit gemacht, aber es wurde nicht hochglanzrestauriert. Es soll wohnzimmertauglich sein und im Dauerbetrieb funktionieren können.
Manches ließe sich optisch verfeinern, wie die Farbnuancierung der Linierung von Gehäuse und Knöpfen.

   

Ich würde heutzutage wohl ein wenig Gelb untermischen, um den Alterungsprozess besser anzudeuten, damals war ich froh, die Linierung kleckerfrei hinzubekommen. Das Gehäuse ist nämlich recht grobporig gearbeitet, zumindest bei diesem Exemplar. Man wird also immer wieder feststellen, dass eine zu dünn angemischte Farbe die unangenehme Eigenschaft hat, in benachbarte Ritzen kriechen zu wollen.

Das Korbgeflecht ist unberührt, es wurde seinerzeit nur vorsichtigst mit Wasser und milder Seife gereinigt, da es nicht sehr stabil ist. Natürlich lassen sich bei diesem natürlich gewachsenen Material Nachdunkelungen nicht mehr völlig auswaschen, ohne einen Totalverlust zu riskieren. Es darf allerdings festgestellt werden, dass die Radiofront in der Gesamtschau weniger düster wirkt, als das die Kamera (ohne Blitz) einfängt.


Widmen wir uns nun weiteren Details des Radios und werfen einen Blick auf die Skala:

   

Klarglas, mit schwarzer Schrift. Eigentlich als Flutlichtskala geeignet, aber da müssen wir natürlich die Preisklasse des Radios bedenken. Wir haben hier ja einen Einfachempfänger vor uns, der in großer Stückzahl zu niedrigen Kosten produziert wurde. Die Skala ist im Übrigen gänzlich unbeleuchtet, das "Auge" ist auch nicht etwa eine Anzeigeröhre, sondern eine schnöde Glimmlampe, die über einen vorgelagerten 300k - Widerstand aus der Netzspannung gespeist wird. Sie soll lediglich signalisieren, dass der Empfänger eingeschaltet ist.
Sieht von innen so aus:

   


Die Skala ist nur gesteckt, d. h. nach Abnahme der gesamten Schallwand (wie im Teil 1 beschrieben) kann sie ohne Werkzeug entfernt werden.
Ihre Lesbarkeit ist vor dem hier verwendeten Korbgeflecht eher schlecht. Bei den Nachfolgemodellen "Dompfaff" und "Grünau" war sie neu gestaltet und es wurde eine andere Bespannung verwendet.



Überhaupt: Es wurde gespart, wo es nur ging; mitunter auch zu Lasten einer guten Bedienbarkeit. Wir sehen hier die Antennensteckbuchsen aus der Innenansicht:

   

Gut sichtbar die Verkürzungskondensatoren, die der obige Schaltplan ausweist, aber darum soll es zunächst nicht gehen. Sieht aus produktionstechnischer Sicht nach einer cleveren, kostensparenden Lösung aus.
Nun der Blick von außen:

   

Daneben sitzt der Netzkippschalter. Wenn man sich vor Augen führt, wie die Bedienung abläuft, dann muss der Kunde stets mit 2 Fingern der (linken) Hand links unter das Radio -also neben dessen Sockel- fassen, um ein- bzw. auszuschalten. Ein Umstecken des Antennensteckers in eine der beiden anderen Buchsen kann nur bewerkstelligt werden, wenn man das Radio anhebt oder auf den Rücken legt, ansonsten lässt sich der eingesteckte Stecker nicht ziehen.
Die oben verlinkte Betriebsanleitung war sich dieses Konstruktionsmankos wohl bewusst und schrieb das Ganze dahingehend schön, dass ein Umstecken nicht vonnöten sei:

   

Geht man davon aus, dass die Käuferschicht dieses Radios wohl eher den geringer Betuchten zuzurechnen war und zur Miete wohnte, so drängt sich natürlich der Gedanke auf, wie viele Nutzer anstelle der 15 Meter langen Hochantenne, die die BA fordert, doch eher mit einer Behelfsantenne Vorlieb nehmen mussten, die doch dann und wann ein Umstecken erforderte.
Eine der hervorstechendsten Änderungen, die in die Nachfolgetypen "Dompfaff" und "Grünau" einfloss, ist denn auch auch die Verlegung der Antennenbuchsen an die Rückseite des Radios, so wie es bereits simpelste Radios wie ein DKE seit jeher aufwiesen.


(wird fortgesetzt)
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Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#3
Hallo Klaus,

genau so gefällt mir das. Die überrestaurierten Geräte mag ich nicht.

Viele Grüße
Bernd
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#4
@Klaus

Danke für die Vorstellung des herrlichen Veteranen von RFT Leipzig.

In der Lehre habe ich einigen wieder Leben ein gehaucht.

Praktisch fand ich auch die Umschaltung der Wellenbereiche mit dem Variometer.

Damals in Meck. Pom. konnte man Abends eine Vielfalt an deutschsprachigen Sendern empfangen.
Gruß aus dem Kreis Siegburg vom Hans-Jürgen
"Was Hänschen nicht lernt lernt Hans nimmer mehr"

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#5
Danke fürs Feedback.



Schreiten wir nun weiter voran auf unserer Tour durch den Empfänger. Da wäre als zentrales Bauteil die einzige Röhre zu betrachten, die UEL 51:

   

(Sicherungshalter ersetzt, da völlig verrottet)

Hier ein Exemplar der Röhre von Anfang 1954. Die äußere Abschirmung im unteren Bereich des Glases wurde bereits erneuert. Sie blättert insbesondere bei Röhren, die Feuchtigkeit abbekamen.

Die UEL 51 ist eine DDR - Eigenentwicklung mit 2 Systemen, die auch in größeren Empfängern ihren Platz fand. Sie wird mit 62 Volt / 0, 1 A geheizt und vermag eine Sprechleistung von 4 Watt zu erbringen. Das erzeugt natürlich auch Wärme, daher sieht man in ihrem Hintergrund die nach außen durchbrochene Schallwand: eine ab Werk vorgesehene Lüftungsöffnung. Hier etwas besser zu sehen:

   

Es finden sich im Netz Hinweise, dass die Bastbespannung, die dieses Loch notdürftig verdeckt, auch schon mal kokeln konnte, wenn der Apparat lange in Betrieb war. Die Bespannung meines Radios weist keinen derartigen Schaden auf, allerdings sollte man sich in diesem Zusammenhang auch die Abdeckung über der Röhre mal genauer anschauen. Dort ist ab Werk ein gefaltetes Stück Pappe verbaut, das einerseits die von der Röhre aufsteigende Hitze von der Gehäuseoberseite abhalten soll, andererseits hat dieses Bauteil natürlich auch die Aufgabe, den Hitzefluss etwas zu lenken, so dass er über die entsprechenden Rückwandlöcher zielgerichtet abfließen kann.
Soweit die Theorie.
In der Praxis wird diese Pappe mit der Zeit an ihrer Falz labbrig und sinkt in Richtung Röhrendom. Dadurch verschieben sich die Bedingungen in ungünstiger Weise. Ich habe daher an ihrer Befestigungsschraube ein kleines Winkelblech angebracht. Nicht original, aber wirksam. Es hält die Pappe auf Spannung in Richtung Gehäuseoberseite.

Neben der Röhre sieht man den werkseitigen Plattengleichrichter; davor liegend den Heizwiderstand von 1,6 kOhm, der hier 160 Volt Netzspannung verheizt (bitte keine Diskussion über seinen Ersatz durch einen Vorschaltkondensator). Eine Abwandlung des Originalzustands stellt der im Bild vorne befindliche, senkrecht stehende Drahtwiderstand von 200 Ohm dar. Er wurde durch mich eingefügt. Der Plattengleichrichter erwies sich als schlapp und verblieb als Deko am Ort. Seine Aufgabe übernahm eine  (getarnte) Siliziumdiode 1N4007, die erwartungsgemäß mit der heutzutage ohnehin erhöhten Netzspannung eine zu deutlich erhöhte Anodenspannung erzeugte. Der 200 Ohm - Widerstand sitzt hier vor der Diode, so dass die im Schaltplan genannten Spannungen annähernd erreicht werden.



Unterhalb des Ganzen sieht man einen der beiden Netzelkos zu je 16 µF. Hier etwas besser im Bild:

   

Ich habe die Banderolen der Originalelkos, die defekt waren, weiter verwendet und an unsichtbarer Stelle der Länge nach aufgeschlitzt. Damit passten handelsübliche Becherelkos hinein, die sich mit der originalen Drahtschelle befestigen ließen.

Den Aufbau des Netzteils kann man gut anhand des originalen Schaltplans studieren, der sich auf der Innenseite der Radiorückwand findet:

   


Nun hatten wir ja bereits im ersten Beitrag einen Schaltplan des Radios gesehen, wie ihn das Werk veröffentlichte. Dieser hier ist anders. Es fehlt, wenn man auf den Antenneneingang blickt, an Buchse A2

- der Kondensator von 30 pF gegen Masse
- der Widerstand von 25 kOhm.

Gleichermaßen fehlen diese Bauteile auch im hier vorgestellten Radio. Scheinbar eine Modifikation, die entweder irgendwann in die Serie einfloss, oder eben je nach Produktionsort des Radios Eingang fand. Die Schaltbildsammlung von Lange-Nowisch referenziert 3 Bauorte für dieses Radiomodell, allerdings enthält sie die Planversion meines Radios nicht.




(wird fortgesetzt)
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Gruß
klaus

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#6
Hallo Klaus,

danke für den detaillierten Bericht.
Jetzt juckt es mir förmlich in den Fingerspitzen, mich auch mal um meinen 1U11 zu kümmern,
der irgendwo im Regal schlummert.
Aber zunächst verfolge ich Deinen Thread bis zur Fertigstellung...

Viele Grüße,
Rolf
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#7
Na, dann will ich den Bericht mal zu Ende führen.

Was bei unserem Rundgang noch fehlt, ist der Empfangsteil des Radios. Er besteht, getreu des Mottos möglichst viel Metall sparen zu wollen, aus einem Variometer und einem "Quetscher". Das Variometer (rote Markierung im Bild) trägt die Spulen aller drei Wellenbereiche nebeneinander:

   

Beim Durchdrehen des Senderknopfs wandert der Ferritkern des Variometers von einem Seilzug gezogen somit nacheinander durch die Spulen der Wellenbereiche. Im Bild mittels Pfeil markiert sieht man eine angegossene Stufe, die nacheinander die beiden Kontakte des Spulensatzes betätigt. Hier etwas größer fotografiert:

   

Im Wellenbereich K  sind beide Kontakte geschlossen. Tritt der Spulenkern in den Wellenbereich M, so öffnet die besagte Stufe am Zeigerschlitten den im Foto linken Kontakt. Hat man schließlich bis in den Bereich L gekurbelt, so öffnet sich auch der rechte Kontakt. Das Ganze ist funktional ausgeführt, in der Verarbeitungsqualität jedoch eher mäßig. Die Kontakte sollte man penibel reinigen.

Eine wesentliche Schwachstelle ist die Seilführung, soweit es Achse und Umlenkrollen betrifft:

   

Die Seilzugachse ist nur im Bakelit der Schallwand geführt. Das verschleißt mit der Zeit ebenso, wie die aus dünnem Plastik gefertigten Seilrollen. Da das Variometer sehr empfindlich reagiert, führt dieser Verschleiß dazu, dass das Scharfeinstellen des Senders ein wenig "zufällig" gerät, also zunehmend unpräzise wird. Ganz grundsätzlich ist festzuhalten, dass auch der Skalenzeiger nicht jeder kleinen Bewegung der Sendereinstellung folgt, dazu ist dieses Metallsparkonstrukt insbesondere bei fortschreitendem Alter des Radios zu instabil aufgebaut. Das klingt jetzt ein wenig nach Nörgelei, soll es aber nicht sein. Wir müssen uns vor Augen halten, es hier mit einem Radio der unteren Preiskategorie zu tun zu haben, an das man nicht die Präzisionsvorstellungen anlegen darf, die man an einen Großsuper richtet.

Zum Variometer gibt es übrigens bei radiomuseum.org eine Detailabbildung, die man sich kostenlos herunterladen kann. Sie enthält leider keine Wickeldaten der Spulen (wie sie etwa die Regelien-Schaltungssammlung für den ebenfalls variometerbestückten Telefunken 646 detailliert aufzeigte). Das war den damals Werksverantwortlichen scheinbar nicht von Bedeutung, der Schwerpunkt der Darstellung liegt in den Ersatzteilnummern, was suggeriert, dass man jedes Teil dieses Variometersatzes einzeln hätte beziehen können. Ob davon Gebrauch gemacht wurde?

Neben dem Variometer befindet sich der Quetscher, ein Differentialkondensator, der durch den linken Knopf des Radios bedient wird und Lautstärke sowie Trennschärfe in einem Zug regelt:

   

Demzufolge sollte man beim Erwerb eines Geräts darauf achten, dass dieses Bauteil noch ordentlich funktioniert. Ist nämlich bereits Verschleiß beim Drehen feststellbar ("Spiel"), so wird man auf Dauer wenig Freude beim Betrieb des Radios haben.
Typisch für Einkreiser dieser Bauart wird man immer beide Bedienknöpfe gleichzeitig betätigen müssen, wenn man am Gerät die Lautstärke regelt. Durch Verstellen des Differentialdrehkos ändert sich automatisch die Einstellungsschärfe des Senders, d. h. die "Rückkopplung läuft nicht mit", so wie man das von höher entwickelten Einkreisern kennt. Damit wird auch deutlich, warum ich vorstehend so ausführlich auf einsetzenden mechanischen Verschleiß der Bauteile eingegangen bin.

Die beiden blauen Kondensatoren, die sich ins letzte Foto gemogelt haben, sind übrigens zu je 5000 pF und finden sich im Schaltbild zwischen Erdbuchse und Masse sowie zwischen Netzeingang und Masse.




Erfahrung zum Betrieb des Radios

Das Gerät hat bei mir bislang ein Nischendasein gefristet. Wenngleich mir die Formgebung gefiel, so blieb es leistungsseitig hinter meinen Erwartungen zurück. Trotz Überprüfung aller Bauteile, des Messens der Versorgungsspannungen, des Röhrentauschs gegen andere Exemplare der UEL 51, des Tauschs des AÜ:
Klang und Wiedergabelautstärke blieben für mich unbefriedigend.
Das mag sich relativieren, wenn man die oben beschriebene vorzügliche Hochantenne von 15 Metern Länge ans Radio anschließt. Habe ich aber nicht.
Andererseits ist die UEL 51 eine sehr leistungsfähige Röhre, also "muss da was gehen".

So wanderte das Gerät dieser Tage auf die Werkbank. Das Problemfeld war schnell identifiziert:

   

Das Gerät besitzt werkseitig eine Gegenkopplung, in etwa vergleichbar dem DKE, hier rot eingekreist. Probeweises Abklemmen dieses RC-Glieds brachte schlagartig einen erheblichen Lautstärkezuwachs; zudem wirkte der Klang nicht mehr so "zugestopft". Das konnte sich hören lassen, wenngleich es hier ja nur um einen ersten Eindruck ging. Ich habe also mit beiden Bauteilewerten ein wenig experimentiert und entschied mich schließlich, die Gegenkopplung wieder anzuschließen, jedoch den Kapazitätswert von 100 pF auf 20 pF zu verringern. Der 3 MOhm war werthaltig und blieb unangetastet. 
Kann man so machen, muss man nicht. Daher nur als Hinweis gedacht.


Abschließend kann man feststellen, dass der 1U11 auch heute noch ein sammelwürdiges Gerät darstellt. Er taucht noch häufig auf, wenngleich meist in bemitleidenswertem Zustand. Soweit es sich beim Fundobjekt nur um optische Schwachstellen handelt, ist dies sicherlich mit viel Bastlerfleiß lösbar. Der Blick des Käufers sollte daher eher auf den Zustand der technischen Komponenten gerichtet sein. Im Zweifelsfall ist das teurere, aber gut gelagerte und vollständige Gerät der bessere Kauf, als die mit erheblicher Mühe und Aufwand wieder herzurichtende Ruine.
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Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#8
Hallo Klaus,

vielen Dank für die sehr interessante "Führung durch das Radio". Ich hatte auch solch ein Gerät mal besessen. Das war im Holzgehäuse mit Plattenspieler. Ich hatte das auch repariert. Es lief auch incl. Plattenspieler. Trotzdem hatte ich es dann weiter gegeben. Ich mag schon diese DDR-Kleinempfänger. Ich habe selber eine größere Anzahl davon. U. A. die 2 Kolibri-Ausführungen.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#9
Das war dann der 1U13, den Du hattest, Andreas. Ein 1U11 in Holzgehäuse mit oben eingelassenem Plattenspieler. Sehr selten.

Mir gefallen diese kleinen DDR - Empfänger ebenfalls. Neben dem "Zaunkönig" besitze ich noch den "Kolibri 1". Der müsste auch mal auf die Werkbank, denn da ist was an den Empfangsspulen vermurkst. Ich fürchte nur, dazu werde ich wegen der Spulen erst einen Teileträger auftreiben müssen... Undecided
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Gruß
klaus

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#10
Hallo klaus,

die Spulen waren ja immer auf den greifbaren DDR-Ortssender abgestimmt. Zumindest auf MW. Die LW-Spule war ja einheitlich auf den Deutschlandsender abgestimmt. Nun ist ja beides überhaupt nicht mehr da. Also meine Beiden Kolibri 1 und Kolibri 2 stehen nur als Statisten hier. Damals wurden ja die Spulen von einigen "undankbaren DDR-Bürgern" auf die Frequenz vom RIAS-Berlin umgewickelt. Mit den beiden Trimmern, die parallel an den Spulen sitzen, konnte eine Feinabstimmung durchgeführt werden.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#11
Hallo Andreas,

solche ähnliche Spulen sollten sich finden lassen. Ich habe noch etliche modernere Schlachtradios und auch schon ausgebaute Spulen.

Mache mal ein Bild von der Spule.

Viele Grüße
Bernd
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#12
Hallo Bernd,

danke für das Hilfsangebot. Du hast Recht, genauso würde ich das auch machen. Aber es ist der Klaus, der diese Probleme mit den Spulen geschildet hat. Ich werde an meinen beiden "Vögeln" nichts weiter unternehmen. Die Senderlandschaft auf MW und LW ist ja nun völlig dahin. Dank unserer kompetenten, intelligenten und vorschnellen Herrschaften.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#13
Danke für das Hilfsangebot. Zunächst besteht aber das Problem darin, dass mein Gerät ja bereits verbastelt wurde, ich aber originalen Ersatz suche. Mittels eines Kleinmodulators könnte man ja, so man dies möchte, ein Signal mit minimaler Leistung auf der Originalfrequenz des Radios einspeisen. Aber ich möchte diese Diskussion jetzt hintanstellen, da sie zwar gut gemeint ist, aber das Originalthema 1U11 momentan verwässert.

Zurück zum 1U11

Das Radio hat die Werkbank verlassen. Da meiner Frau der Kleine auch gefällt, ist ein Wohnzimmerplatz natürlich kein Thema:

   



Eine weitere kleine Verbesserung habe ich noch eingebaut, da mir der Grundbrumm des Radios zu hoch erschien:

   

Ändert man den grün eingekreisten C auf wenigstens 22 nF, so bessert sich das Ganze hörbar. Der Klang des Radios ist sehr angenehm und es lässt sich bei adäquater Eingangsmodulation eine gute Wiedergabelautstärke erzielen. Dabei kann man dann auch auf die Antennenbuchse A2 wechseln, womit sich der Bedienkomfort erhöht. Veränderungen der Lautstärke, sprich der Rückkopplung, wirken sich nicht mehr ganz so deutlich auf die Scharfeinstellung des Senders aus.


Blickt man zum Entstehungszeitpunkt des Radios geografisch nach Westen, so wurde als in etwa vergleichbares Radio dort der SCHAUB Pirol (mit identischer Technik und leicht abgewandeltem Gehäuse auch von LORENZ) mit der UEL71 produziert, samt Nachfolgetypen bis Mitte der 50er
https://www.radiomuseum.org/r/schaub_pirol_i_gw.html  .

Da ich diesen ebenfalls besitze, bietet sich ein kurzer Vergleich an.
Der Schaub besitzt zwar ein "richtiges" Metallchassis, dennoch wirkt nicht zuletzt auf Grund des dünnwandigen Gehäuses das ganze Gerät unnötig lausig. Der 1 U11 ist größer, besitzt damit auch einen größeren Lautsprecher und ein deutlich stabileres und damit wertigeres Bakelitgehäuse, sowie eine ebensolchermaßen stabilere Skala. Dafür wartete der Schaub zur Trennschärfeerhöhung mit variabler Spulenkopplung auf. Im Betrieb sind sich UEL 51 und UEL 71 in etwa ebenbürtig.

A propos UEL 51. Dieses Fundstück zur Röhre und auch zum 1U11 habe ich im Netz aufgetan und will es Euch nicht vorenthalten:

   

Quelle: Zeitschrift Deutsche Funk-Technik 5/1953
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Gruß
klaus

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#14
Danke, Klaus,
so ein Radio habe ich auch - im Funktionstüchtigem Zustand vor paar Jahren von Detlef(Radioman) gekauft. Drin habe ich nichts gemacht, denn wie faul ich bin, wenn was läuft, fasse ich es nicht. Smile
Gruß,
Ivan
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#15
(23.06.2022, 10:26)Andreas_P schrieb: Hallo Bernd,

Ich werde an meinen beiden "Vögeln" nichts weiter unternehmen.

Ohhhh Andreas, du bist also nicht gut zu Vögeln Smiley58 Smiley58 Smiley58 

Soltte irgendwer was in dieser Richtung brauchen, ich helfe gern.

Viele Grüße
Bernd
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#16
Doch doch, lieber Bernd, aber meist zu meinen beiden Vögeln.... Big Grin
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#17
(23.06.2022, 11:55)navi schrieb: ...Drin habe ich nichts gemacht, denn wie faul ich bin, wenn was läuft, fasse ich es nicht.

Never touch a running system.   Das machst Du schon ganz richtig, Ivan, und dass Du ganz und gar nicht faul bist, zeigen die vielen tollen Radios, die Du instandgesetzt und uns hier bisher präsentiert hast.
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Gruß
klaus

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