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Polystyrol-Reparatur eines Blaupunkt Derby
#1
Neulich bekam ich über drei Ecken ein Blaupunkt Derby 97 500.

Das Gerät hat wohl einen Sturz hinter sich. Eine der Lautsprecherschrauben war abgebrochen und am Offensichtlichsten waren die Schäden an dem Kunststoffteil, das die gesamte Gehäuseoberseite bildet, die Skala beinhaltet und das über Muttern mit dem Chassis verschraubt ist. An drei Ecken waren Teile weggebrochen und fehlten.

   

Ich vermute, dass der verwendete Kunststoff Polystyrol ist. Davon ausgehend ließ ich es auf den Versuch ankommen, die fehlenden Partien mit Material einer CD-Hülle wieder aufzubauen.



Zunächst wurde ein in etwa passendes Stück Kunststoff zurechtgeschnitten und dann mit dem Gehäuseteil verschweißt.


.jpg   BLAUPUNKT - 97500 Derby - Kunststoffreparatur 002.jpg (Größe: 49,3 KB / Downloads: 238)

Dazu verwendete ich den Lötkolben, den ich auf ca. 240-250°C eingestellt hatte.

Das Material schmilzt dadurch, bleibt aber recht zäh und vor allen Dingen verbrennt es nicht und schlägt so keine Blasen.

Man muss sowohl das vorhandene und das Ersatzmaterial anschmelzen, damit beide Stoffe eine Verbindung eingehen.



Als Form für die Rundung der Antennebohrung diente eine Stecknuss mit passendem Durchmesser.

Die beste Taktik ist, den Materialaufbau zunächst grob durchzuführen und dann die Form mit Portionen von an der Lötspitze angeschmolzenen Kunststoffs aufzuschweißen.

Wenn die Temperatur richtig eingestellt ist, kann man das Material gut modellieren, ohne dass man mit dem Lötkolben zu schnell in den Werkstoff eindringen und alles zerschmelzen kann.


.jpg   BLAUPUNKT - 97500 Derby - Kunststoffreparatur 003.jpg (Größe: 31,19 KB / Downloads: 238)
.jpg   BLAUPUNKT - 97500 Derby - Kunststoffreparatur 004.jpg (Größe: 61,72 KB / Downloads: 238)    
Dann habe ich die Oberflächen mittels Nadel- und Schlüsselfeilen, sowie Schleifpapier in Form gebracht und abschließend mit einer rotierenden Textilscheibe vorsichtig etwas aufpoliert.

Mein persönliches Fazit:
Auch wenn durchsichtiges Polystyrol verwendet wurde, so denke ich, wird es nicht möglich sein mit dieser Methode wieder völlig transparente Rekonstruktionen zu erstellen, da der Aufbau in mehreren Schichten geschieht und sicherlich nicht perfekt gleichmäßig verschweißt wird.
Das Ergebnis ist natürlich nicht mit einem gut erhaltenen Originalteil zu vergleichen, auf alle Fälle kann man sich aber damit behelfen, Teile wenigstens wieder weitgehend in ihre alte Form zu versetzen und damit vielleicht so manches Gerät retten.
Mit dem gleichen Verfahren, allerdings mit anderen Kunststoffen hatte ich auch mal eine fehlende Rastnase vom Deckel einer Fernbedienung rekonstruiert.

Gruß,
Daniel
Smiley47
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#2
Ein Klasse Ergebnis, wenn man den Aufwand bedenkt. Danke für den Tipp.
------------------------

Gruß Matthias
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#3
Dankeschön Smile
Ich denke, die meisten von uns haben hin und wieder schon mit dem Lötkolben Kunststoffe bearbeitet.
Vor ein paar Wochen kam eine Kollegin auf der Arbeit mit einem "Notfall" zu mir. Man benötigte so eine Kaffee-Thermos-Pump-Kanne. An der war aber der Verschluss abgebrochen.
In der Elektroschrottkiste lag noch ein Wasserkocher, der den nötigen Kunststoff spendete.
Das Bruchstück war zwar vorhanden, ich brauchte aber etwas Material, um die Bruchstelle zunächst zu verstärken.
Das klappte überraschend gut und die Kanne hat bis jetzt mehrere Konferenzen überlebt. Es wäre doch echt ärgerlich gewesen, die ansonsten prima erhaltene Kanne wegen sowas entsorgen zu müssen.
Smiley47
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#4
Hallo Daniel,

ist gut geworden, mit einem angemessenen Aufwand! Solche Tips mag ich sehr; sie zeigen, was man schon mit Hausmitteln alles erreichen kann.
Danke fürs Zeigen!

Mit Kunststoffen kenne ich mich leider überhaupt nicht aus. War dieses durchsichtige, harte Material meist Polystyrol, oder wurde auch noch anderer Kunststoff mit diesen Eigenschaften verbaut - der sich dann nicht mit Polystyrol verschweißen läßt?

Gruß, Frank
Keiner von uns kommt lebend hier raus. Also hört auf, alles für später aufzusparen. Eßt leckeres Essen. Spaziert in der Sonne. Springt ins Meer. Sagt die Wahrheit und tragt euer Herz auf der Zunge. Seid albern. Seid freundlich. Seid komisch. Bastelt mit Radios. Für nichts anderes ist Zeit.
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#5
Vor langer Zeit habe ich zwei Kunststoffteile mittels Spiegelschweißen verbunden.
Dazu habe ich eine Lötkolbenspitze mit einer Metallsäge geschlitzt und ein ca. 1,5mm dicken Blechstreifen eingepresst.
Dann gleichzeitig die Stirnflächen beider Kunststoffteile angeschmolzen, den Blechstreifen herausgezogen und die Teile schnell zusammengepresst.
Das Blech hatte beim Herausziehen ein paar Kunststofffäden gezogen, es hat aber grundsätzlich gut funktioniert.
Gruß Gerald
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#6
Mit Kunststoffen kenne ich mich nicht so gut aus. Soviel ich weiß, war Polystyrol einer der ersten transparenten Kunststoffe.
Ob sich zwei verschiedene Sorten verschweißen lassen, kann man wahrscheinlich meist nur ausprobieren, besonders, wenn man die Sorten nicht (er)kennt.

Eine weitere Methode ist ja das Auflösen von Spenderkunststoff in Aceton. Dabei wird das Material klebrig und weich und lässt sich modellieren.
In der Oldie-Computerszene wird von dieser Methode öfter berichtet. Z.B. beim Commodore 64 wurden ja gerne mal Löcher für Schalter, Taster oder LEDs in die Gehäuse gebohrt, die die Sammler dann mit dieser Methode verschließen.

Die von Gerald beschriebene Methode klingt sehr praktikabel. Danke für den Hinweis Smile
Smiley47
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