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Abgleich einer Capella 753
#1
Hallo zusammen,

auf meinem Tisch steht eine Philips Capella die ich überholt habe. Das Radio wurde vor 5 Jahren von einem Techniker (nicht mir) überarbeitet, hat neue Kondensatoren bekommen, die Kohlemassewiderstände sind getauscht, es wurden alle Röhren geprüft und wohl die ECC85, EABC80 und EF89 im HF Teil erneuert. (sind nicht von Valvo) Der UKW Teil wurde nachgeglichen nach tausch der ECC85, zu sehen am Schutzlack an den Trimmern. Alle anderen Filter sind noch mit Wachs versiegelt.

Ich musste das Gerät zusätzlich überholen weil das Lautstärkepoti und die Teile um den Selektor komplett verharzt waren. Der Motor des Senderspeichers konnte die Skalenmechanik nicht mehr antreiben, der Selektor fand den Sender nicht perfekt wieder. 

Auffällig beim Test beim Verkäufer war das das Gerät für einen Spitzensuper recht Empfangsschwach war. Ein Freiburg WII findet deutlich mehr Sender als der Philips. Ein scharf abgestimmter Sender rauscht und zerrt trotzdem leicht auf UKW, ich vermute das der Demodulator um die EABC80 einen Nachgleich benötigt. Der AM Oszillator benötigt auf jeden Fall einen Nachgleich da ja die komplette Mechanik zerlegt und gereinigt werden musste, ich bin sicher die Sender stimmen nicht mehr perfekt mit der Skala überein. (Nur 1 Skalenzeiger für alle Wellenbereiche) Mein Gedanke ist jetzt einen kompletten Abgleich zu machen.

Schaltplan gibt es hier. Falls jemand einen hochauflösenderen Scan der Abgleichanleitung hat würde ich mich freuen, einige Trimmerbeschriftungen sind nur schwer lesbar. Für die Einstellung des Senderspeichers scheinen auch Seiten zu fehlen.

Das meint die Service Anleitung zum Abgleich des Empfängers:

   

Einige Kleinigkeiten sind mir nicht ganz klar, ich würde mich freuen wenn mir jemand einen Tipp in die Richtige Richtung geben kann?

1. Bin ich mir nicht sicher worin der Unterschied zwischen "Abgleichen" (klar) und "Verstimmen" sein soll. Ich kann mir nur vorstellen das man mit dem Abgleichpunkt an "Verstimmen" anfangen soll und die "Feinarbeit" an Abgleich machen sollte?

2. In der Zeile "Verstimmen" ist einmal von einem 10kOhm Widerstand über C65/66 die Rede, später C65/66 geerdet. Das scheint mir die Schwundregelung des ZF-Verstärkers für AM zu sein. Heißt das jeweils einen 10kOhm Widerstand über C65 und C66 legen bzw. beide mit Masse verbinden, also S48 praktisch kurzschließen? Es könnte auch ein Widerstand gemeint sein der nur parallel zu S48 liegt. Was passt bzw. was will Philips damit bezwecken?

   

3. Es ist oft die Rede von "Peilrahmen auf Ferroceptor" also der Ferritantenne. Das kann ja nur eine Spule sein über die eigekoppelt wird. Reichen da 20-30 Windungen Draht auf die Ferritantenne aufgewickelt oder ist das kritisch? Da der Abgleich hier sowieso nach dem Min/Max Prinzip erfolgt denke ich das es unkritisch ist?

4. Wenn nicht anders angegeben ist der Messsender unmoduliert?

Den Abgleich möchte ich mit einem modernen DDS Funktionsgenerator machen, (von meinem Arbeitgeber geliehen, Agilent 33220A) für den UKW Teil habe ich mir einen ELV SUP3 angeschafft. 

Röhren werde ich erneuern und die DC Arbeitspunkte prüfen um sicher zu sein das der Rest vom Empfänger korrekt arbeitet.

Vielen Dank!

Gruß,
Jan
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#2
Hallo, Jan,

leider sind bei diesen Philips Geräten Probleme mit den Bandfiltern bekannt: Die Ferritkerne können sich von den Einstellspindeln lösen, und fallen dann ganz nach unten in das Filter. Danach ist der Abgleich nichtmehr möglich. Das Filter muß geöffnet werden, und die Verbindung zu den Einstellspindeln wieder hergestellt werden. Mit selbst ist das noch nicht passiert, aber irgendwo habe ich einen Bericht darüber gelesen, weiß aber nicht mehr wo.

Deshalb sollte vor dem "dran drehen" geprüft werden, ob ein Abgleich tatsächlich notwendig ist.
Zuerst sollte geprüft werden, ob die beiden Diodenstrecken der EABC80 gleiche Werte haben, was häufig nicht der Fall ist.

Wenn ein Hameg Scope mit Component Tester zur Verfügung steht, kann das direkt geprüft werden, dazu die Diodenstrecke antiparallel schalten.

VG Henning
Schlau ist, wer weiß, wo er nachlesen kann, was er nicht weiß.
Nur Messungen liefern Fakten, alles andere ist Kaffeesatz.
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#3
Hallo Henning,

danke für den Tipp, das wäre natürlich eine Erklärung warum der Techniker vor mir nicht an die Abgleichpunkte gegangen ist. Das erwähnte Freiburg WII wurde auch von ihm überholt und ist wirklich perfekt gemacht, mich wunderte schon das er den Philips nicht genauso überarbeitet hat. Sollte sich etwas in den Filtern lösen müsste das ja beim Abgleich auffallen.

Das nicht, ein vernünftiges Labornetzteil und gutes Multimeter sind aber vorhanden, geht dafür auch.

Gruß,
Jan
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#4
Moin Jan,

ich habe Dir mal meine gesammelten Werke in die Cloud gelegt, die sind besser lesbar.

https://drive.google.com/file/d/1ILSiuNZ...sp=sharing

Beste Grüße

Peter
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#5
Vielen lieben Dank Peter! Die Unterlagen sind super und helfen mir sehr viel weiter!

Gruß,
Jan
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#6
Hallo Jan,

Zu deiner 1.Frage.

Beim „verstimmen“ wird der entsprechende Kreis absichtlich falsch eingestellt, also so richtig verdreht. Wink
Dann werden der / die anderen Kreise abgeglichen und der verstimmte Kreis kommt zum Schluss.

(Nur grob beschrieben, natürlich musst du das nach Anleitung machen)


Viele Grüße,
Axel Smile
Womit fährt der Norweger zur Mittagspause...?
...Na mit einem Fjord Siesta! Wink
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#7
Hallo Axel,

danke, genau andersrum wie ich gedacht hatte :-)

Gruß,
Jan
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#8
Hallo zusammen,

ich bin ein Stück weiter gekommen. Der Empfang auf FM ist sehr gut mit einer neuen ECC85, das anfängliche Zerren/Rauschen bei scharf abgestimmtem Sender hat sich selbst gelöst. Anfänglich trat das auch beim hochfahren am Regeltrenntrafo auf, bei rund 200V AC am Eingang (220V Stellung Trafo) knackte es aus den Lautsprechern und die NF war sauber. Ich kann mir das aktuell nur so erklären das es an dem etwas anoxidierten Sicherungshalter lag, eine befriedigende Antwort ist das aber nicht. Dort war eine 800mA statt einer 500mA Sicherung verbaut, seltsam weil ansonsten recht sauber am Philips gearbeitet wurde.

Ein großes Problem hat der Empfänger, wie gesagt musste die Mechanik zerlegt werden (inklusive Selektor) weil alles verharzt war. Die Sender stehen jetzt etwas abseits der Empfangsfrequenz auf der Skala, der Skalenzeiger ist dabei so ausgerichtet das er symmetrisch auf der Skala läuft. Die Schrauben der Zahnräder am FM Variometer und dem AM Drehko sind so fest das sie beim Versuch sie zu lösen splittern. Das wäre der einfachste Weg gewesen. Ich habe eine Weile mit den Endanschlagspunkten von Variometer und Drehko gespielt, an der Stelle ist alles in Ordnung. Ich vermute (!) das der Oszillator mit der neuen ECC85 nicht mehr auf der richtigen Frequenz schwingt? Mit dem Funktionsgenerator als Messender, an den AM Eingang gekoppelt mit 330pF und 330 Ohm (+ Spannungsteiler 1:100, Generator gibt 1V aus) in Serie als Ersatzantenne sind auf allen 3 Wellenbereichen Sender zu empfangen. Auf MW ist die Skala hier aber auch nicht symmetrisch, heißt der Gleichlauf passt nicht.

Henning hat ja gewarnt das die Philips Filter Probleme machen können, die sind aber nur in der ZF und diese scheint in Ordnung. Für die Oszillatoren (Abstimmkreise) muss ich nur an die Standard Philips Trimmer auf dem Chassis.

Gehe ich richtig davon aus das es reicht die Oszillatoren hier gemäß Anleitung nachzugleichen, sprich die Schritte ausführen die unter "Abstimmkreis" stehen? Sperrkreise lasse ich in Ruhe?

Danke!

Gruß Jan
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