Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
ICOM - IC-R5 Reparatur (mit Batteriesäureschaden)
#1
Hallo zusammen Smile

vergangenen Samstag war ja wieder die Amateurfunkbörse in (ein von) den Dortmunder Westfalenhallen.
Das Angebot an alten Radios war nicht groß, aber dafür bin ich ja auch nicht hingefahren.

Ein Händler bot unter anderem einen Sony Air-7 an, der schon seit Langem auf meiner Wunschliste steht (ein Air-8 wäre mir zwar lieber gewesen Wink ) und den bereits im Titel genannten Icom IC-R5.
Für beide Geräte waren zusammen 150€ aufgerufen. Der AIR-7 wurde mir umgehend vorgeführt, die mit ihm gemeinsam angebotene nicht originale aber hochgelobte Teleskopantenne gepriesen und der bereits bei meinem Eintreffen auf einer 10m Frequenz laufende IC-R5 kurz vorgestellt.
Ich bot 140€, dafür bekam ich zunächst längeres Wehklagen über das Los eines Börsenstandbetreibers zu hören (das Heranschleppen der feilgebotenen Ware, das Auf- und Abbauen des Standes, die wehen Füße vom Stehen usw.), aber dann ohne Widerspruch den Zuschlag.

Die Lupenbrille, die ich bei einem anderen Stand neu erwarb sollte sich schon bald als sehr nützlich erweisen.

Zu Hause angekommen spielte ich zunächst mit dem Air-7, der prima funktioniert, dann testete ich den IC-R5.
Der begann beim Einschalten sofort laut kratzend zu Rauschen und unregelmäßige Pfeif- und Quietschtöne von sich zu geben. Die Lautstärke ließ als bald stark nach und war mit den Tasten auch nicht zu ändern. Das Problem bestand sowohl bei Batterie- als auch bei Netzteilbetrieb. Aber Empfang konnte ich an Hand des S-Meters und unter Verwendung eines Mess-Senders feststellen.
Ich ahnte nichts Gutes, fürchtete SMD-Elko-Ärger und öffnete das Batteriefach, unter den neu eingesetzten Batterien war alles voll mit Kristallen von einst ausgelaufenen Zellen.
   
   
Die Steuerplatine mit Display, Tastenkontakten und Mikroprozessor hatte es erwischt - die Empfängerplatine blieb zum Glück von Säure verschont.
Ich sprühte Essig-Bad-Reiniger auf die Platine und spülte diese sofort mit Glasreiniger und dann mit Alkohol ab. Die Krusten und schlimmsten Korossionsspuren waren dann schonmal beseitigt.

Bei einigen Tests fiel mir auf, dass der Empfänger bis ca. 25Mhz normal arbeitete, bei Überschreiten dieses Bereiches es zwar weiterhin aus dem Lautsprecher rauschte, aber kein Empfang mehr gegeben war. Schaltete man das Gerät nun auf dieser Freuqenz aus und wieder ein, war Empfang gegeben bis ca. 27 MHz - darüber wieder nur Rauschen.

Zunächst glaubte ich, dass die Empfangsbereichsumschaltung zwischen CPU und Empfängerplatine unterbrochen sei, fand aber keinen Fehler. Bei einem erneuten Blick in die Service-Unterlagen sah ich, dass der von der Säure angefressene Platinenbereich die Kondensatoren und Dioden des Spannungsvervielfachers (von ca. 3V auf ca. 13V) enthält.

Nun kam die Brille zum Einsatz (Ihr erinnert Euch...).
Mit der SMD-Heißluftpistole habe ich dann sämtliche Bauteile dieses Schaltkreises entlötet und in der gleichen Einbaulage auf ein Kreppband geklebt. Dort ließen sich die 1µF SMD-Schichtkondensatoren, die Dioden und ein Transistor gut messen - alles ohne Befund. Ein benachbarter Tantal-C, der aber in einem anderen Teil der Schaltung arbeitet, hatte 8 statt 22µF. Das IC-welches die Schaltung ansteuert und vermutlich auch die Sollspannung regelt, hatte ich auch ausgelötet.
Sämtliche Bereiche der Platine wurden nochmal mit Glasfaserpinsel und Alkohol gereingt, und die Lötpads mit Entlötlitze vom alten Zinn befreit.

Die Kondensatoren ersetzte ich durch Neue, ebenso den Transistor (ein Wald- und Wiesentyp passte). Alle anderen Teile kamen wieder an ihren Platz zurück und siehe da, der Empfänger arbeitet wieder einwandfrei.
     

Meine SMD-Lötkünste sind noch durchaus ausbaufähig, aber die Platine ist sowieso nicht mehr in einen optisch ansprechenden Zustand zu versetzen und auf den Bildern sieht es schlimmer aus, als es tatsächlich ist.
Ich muss mir unbedingt noch gutes Flussmittel zum SMD-Löten besorgen.

Aber hauptsach 's funktioniert und hält.
Das war nun meine erste SMD-Reparatur. Mal sehen, wie lange sie hält Smile
Smiley47
Zitieren
#2
Doch Glück gehabt, könnte schlimmer sein. Thumbs_up
Zugestehen, ich bin schon durch das Batterie-Auslaufen auf die Nase gefallen und prüfe mittlerweile beim Kauf, wenn möglich immer den Batteriefach.
Gruß,
Ivan
Zitieren
#3
Hallo Ivan,

ja, das Problem war, dass ich sehr lange keine Amateurfunkbörse mehr besuchte und nur noch Radiobörsen gewöhnt bin. Dort herrscht ein anderer Umgang, wie ich feststellen musste.
Bei vielen Funkbörsen geht's nur um's Geschäft, bei den Radiobörsen erzählen die Verkäufer meist von selbst etwas zu den Sachen, bzw. man kommt immer ins Gespräch über das Thema. Das ist zumindest bei den Börsen die ich besuche so. Oft komme ich erst nach 30-60 Minuten zum stöbern, da ich gefühlt alle Händler und Besucher kenne.
Hier ist das Peronenprofil ganz anders. Das liegt vielleicht auch daran, dass diese Börse in einem großen Ballungszentrum stattfand und seit Jahren fester Termin in den Kalendern vieler Funkamateure aus Deutschland und den Nachbarländern ist.
Aber ich will ja nicht jammern, ich hab ja meinen Spaß mit dem Gerät gehabt Smile und ärgere mich gar nicht über diesen Vorfall, auch wenn ich bestimmt zu viel für die beiden Geräte bezahlt habe.
Hier übrigens noch die RM-Org Einträge zu den erwähnten Geräten:
https://www.radiomuseum.org/r/icom_ic_r5.html
https://www.radiomuseum.org/r/sony_air_7air.html
Smiley47
Zitieren
#4
Hallo Daniel,
wenn du gutes Flussmittel suchst kann ich diese zwei Sorten empfehlen.
Ersa wurde bei Blaupunkt / Bosch genommen.
Und erst jetzt habe bei der Reparatur meines Grundig Yacht Boy 2000 benutzt.
   
Von Nordson das Flux Plus ist auch sehr gut.
   
Für SMD Bauteile habe ich dann auch noch diese Lötpaste.
   
   

Viele Grüße aus Peine

Detlef
Jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn.
Zitieren
#5
Hallo Detlev,

Danke für den sehr nützlichen Tip.
Ich werde mich mal danach umschauen. Ich hatte mal was besorgt, aber das ist dünnflüssig wie Wasser und für SMD unbrauchbar, obwohl es dafür empfohlen wurde.

Gruß,
Daniel
Smiley47
Zitieren
#6
Hi,

ich kann nicht sonderlich viele Reperatur Tips geben, jedoch eine "Anregung" am Ball zu bleiben.

Ich habe auch diesen kleinen Empfänger von Icom, und es ist wirklich ein sehr - sehr gutes, nützliches Gerät. Die Empfangsleistung ist sehr gut, und die Möglichkeit, selbst auf sehr tiefen Frequenzen den Modus "W-FM" zu nutzen, macht ihn ideal als "Feldstärkemessgerät" für eben Experimente in diesem Frequenzbereich nutzbar.

Auf den Fotos sehe ich, dass er sogar eine eingebaute AM Antenne hat, das wusste ich gar nicht.

Drann bleiben - es lohnt sich. Wirklich ein sehr gutes Gerät.
Zitieren


Gehe zu: