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Schwingkreise in AM-Radios
#1
Wie benennt man die Schwingkreise in einem (deutschen) Rundfunkempfänger?

Um die Zählweise bzw. richtige Benennung von Kreisen in Rundfunkempfängern gibt es seit Jahren in Foren und in einschlägigen Katalogen und nicht zuletzt bei den Angaben der Hersteller die unterschiedlichsten Ansichten, was die Richtigkeit oder gar Wahrheit der Angaben angeht. Ich möchte daher versuchen, diese Unterschiede aus meiner Sicht auf einen Nenner zu bringen.

Schon 1957 gab es eine DIN-NORM 45311 "Zählung der Schwingungskreise in Empfängern".
Die Werbung hat das lange Zeit negiert. Ab ca. 1966 wurde das nochmals neu definiert.
Da geht es aber nur um die Anzahl der Kreise, z.B. 6 AM- und 10 FM-Kreise.
Die Funktion des jeweiligen Kreises musste der Fachmann kennen. Daher als Hilfestellung ihre Funktion bzw. deren Benennung aus der rein persönlichen Sicht eines Laboringenieurs.
Es kann jedoch hier nicht in Anspruch genommen oder davon abgeleitet werden, dass alle im Radio vorkommenden Funktionen benannt sind.


Teil 1: AM-Teile

Inhalt und Zweck: Eine Darstellung der einzelnen Funktion und deren Benennung von L/C-Kreisen als Parallel- und Serienkreis.

Bilder:
Diese wunderbaren Darstellungen sind fast alle eine Arbeit von einem meiner Vorbilder, Herrn Ing. OTTO LIMANN. Sie sind einem seiner Werke: "FUNKTECHNIK ohne Ballast", 2. Auflage von 1952, entnommen. Ich bin der Meinung, wenn ich diese hier verwende, wird die Arbeit nach mehr als 55 Jahren wieder nutzbringend gewürdigt. Das Buch habe ich 1952 gekauft.

Einteilung der Empfangsprinzipien

Als die Funkindustrie in den zwanziger Jahren begann die nicht fachkundigen Kunden anzusprechen, war das noch ziemlich einfach. Man teilte die Empfänger in folgende Gruppen ein:


Gruppe 1: Geradeaus-Empfänger (TRF)

Da gab es die Geradeaus-Empfänger als Einkreiser, Zweikreiser usw. Die hatten demnach einen oder zwei und mehr Kreise, die alle am Empfang beteiligt waren, und alle auf der gleichen Frequenz arbeiteten.


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Audion als Demodulator


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hier mit Anodengleichrichter (auch Richtverstärker) als Demodulator


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Der "LIMANN-Bandfilter-Zweikreiser" + Sperrkreis sowie Audion


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Eine Geradeaus-Schaltung aus der Anfangszeit


Gruppe 2 Überlagerungs-Empfänger (Superheterodyne)

Auch bei den Überlagerungs-Empfängern, die auch Super oder Superhet genannt wurden, waren damals noch alle Kreise am Empfang beteiligt. Die Super hatten vier oder sechs und mehr Kreise, waren daher als Vierkreiser oder Achtkreiser geführt.


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Einteilung der Kreise:

A: Eingangskreise sind in Gruppe 1 und 2: variabel auf die (eine) Empfangs-Frequenz abgestimmte Kreise bzw. auf eine bestimmte Festfrequenz abgestimmten Kreise.

B: Oszillatorkreise sind in Gruppe 2: Kreise die auf einen bestimmten Frequenzversatz zu diesen Eingangskreisen abgestimmt sind oder werden.

C: Zusatzkreise sind: stets Hilfskreise die mit dem eigentlichen Empfang nichts zu tun haben. Es sind Baugruppen zur Qualitätsverbesserung des Empfangs.


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Funktion bzw. Wirkungsweise aller Kreise die am Empfang beteiligt sind


Gruppe 1 Geradeaus-Empfänger engl. TRF (tuned radio frequency)

In dieser Gruppe waren die Kreise stets auf die zu empfangende Frequenz abgestimmt. Alle waren daher gleichberechtigte Schaltungsteile, die eine Funktion als Selektionsmittel und Anpassglieder für die aktiven Elemente hatten. In den ersten Jahren abgestimmt jeder für sich, später zugleich und teilweise mit einer Ausgleichsfunktion(Gleichlauf).

Dieses Schaltungsteil(1) wurde in sehr vielen technischen Variationen gebaut. Spule mit Drehkondensator, variable Spule (Variometer) mit Festkondensator, dazu eine Version bei der Spule (Variometer) und Drehkondensator zugleich verändert wurden (Siemens in den 30ger Jahren). Vereinzelt auch Festsendertasten oder Wähler, für drahtlosen (Antenne) oder drahtgebundenen Empfang (Drahtfunk).


Gruppe 2 Überlagerungs-Empfänger, engl. Superheterodyne

mit insgesamt 3 Einzelgruppen


In der Gruppe 2a, der HF-Eingang

Dort waren Kreise vorgesehen, die auf die zu empfangende Frequenz abgestimmt waren. Sie waren in der HF-Stufe (mit oder ohne Verstärkerfunktion durch Röhre oder Transistor) als Einzelkreis oder als Bandfilter ausgelegt bzw. angeordnet.

In den ersten Jahren auch war jeder für sich abstimmbar, später zusammen und teilweise mit einer Ausgleichsfunktion (Gleichlauf) ausgestattet. Dieses Schaltungsteil (2a) wurde in sehr vielen Variationen gebaut. Spule mit Drehkondensator, variable Spule (Variometer) mit Festkondensator, es gab auch Kombination wo ein Kreis mit Kondensator und ein zweiter mit Variometer abgestimmt war. Autokoffer ITT, Philips, Grundig usw.

Dazu hier zwei Standard-Schaltungen

niederohmiger Eingang (Fusspunktskopplung):


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Hochohmiger Eingang (Hochinduktiv):


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Die aufwändigste Eingangsschaltung, ein HF-Bandfilter mit Fusspunktkopplung der beiden Kreise:


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HF-Vorstufe mit Rahmenantenne fuer MW und LW, mit zwei Zusatzspulen zum Abgleich des Rahmens:


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Gruppe 2b Der Zwischenfrequenz-Teil mit NF- und Regelspannungserzeugung

In diesem Empfängerteil gab es zwei oder mehrere Kreise, die auf die Zwischenfrequenz abgestimmt waren. Die Zwischenfrequenz-Methode ist eine intelligente Lösung, nicht alle Kreise, die zur Sendertrennung gebraucht wurden, auch auf die Empfangsfrequenz abzustimmen. Diese ZF-Kreise sind wie die HF-Kreise, entweder als Einzelkreise oder als Bandfilter das dann: mit einem und bei Bandfiltern, mit bis zu vier Kreisen, ausgeführt. Diese Einzelkreise und Bandfilter werden in Gruppen angeordnet und meistens mit aktiven Elementen, wie Röhren oder Transistoren, von einander getrennt (bei neueren Systemen mit ICs nicht mehr).

Einfacher ZF-Teil. Ein 5 Kreis-Super (nur 3 Kreise in der ZF):


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Zweikreisfilter mit Bandbreitenregelung mit Fahrstuhl
Telefunken, Siemens:


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Dreikreisfilter klassische Art nach METZ Die mittlere Spule wird gedreht oder geschoben:


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Dreikreisfilter MHG-Schaltung nach SABA. Sichtbar sind 6 Spulen aber nur 3 Kreise

Vierkreisfilter MHG-Schaltung nach SABA. Sichtbar sind 9 Spulen aber nur 4 Kreise:


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Philips Vierkreis-Filter klassische Form.
Vier Kreise und zwei Koppelspulen zur Bandbreitenumschaltung:


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Ein Vierkreis-Filter mit "Nullstellen" nach GRUNDIG. Vier Kreise und fünf Koppelspulen:


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Gruppe 2c Der Oszillator-Teil

Um die Empfangsfrequenz (2a) auf diese Zwischenfrequenz (2b) umzusetzen, benötigte man eine Überlagererfrequenz, beim Einfachsuper nur eine einzige, dazu eine zweite oder dritte beim Mehrfachsuper. Diese Frequenz wird stets die Oszillatorfrequenz mit Indizes genannt (1. oder 2. Osz.).
Dieses Schaltungsteil (2c) Oszillator wurde in sehr vielen Variationen gebaut. Spule mit Drehkondensator, variable Spule (Variometer) mit Festkondensator, Quarzoszillator. Es geht hier aber um das richtige Zählen von Kreisen in den Modellblättern. Quarze werden stets als solche angegeben.
Es gibt dabei auch noch Empfängerkonzepte mit Mehrfachüberlagerung wie: Doppel- oder Dreifachsuper, dabei kann einer der Oszillatoren mit einem Drehko abgestimmt sein, der zweite mit einem Variometer und der dritte als eine Quarzstufe arbeiten.

Hier ein typischer Oszillator:


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Die Zusatz- Funktionen
sind eine Gruppe, die sehr undurchsichtig ist.
Dort treten auch die meisten Probleme bei der Zählung auf.


Gruppe 3, die Hilfs- oder Zusatz-Kreise

Grob eingeteilt, sind es Sperr- oder Leitkreise.
Hier gibt es unzählige Schaltungen mit vielfältigen Aufgaben und Lösungen.
Es gab Sperr- oder Saugkreise, die entweder als Parallel- oder Serien-Kreis ausgeführt waren.
Dazu Selektionskreise, es waren Einrichtungen, die auch wie Sperrkreise oder Selektionskreise im Radio wirkten (HF-Bandfilter), aber ausserhalb der Geräte angeordnet waren, im Einsatz. Das war z.B. der Philips Philector 4180 oder der Siemens/Telefunken Sperrkreis SK10.

  1. So war es üblich bei einem Einkreiser den Sperrkreis getrennt anzugeben. Zum Beispiel:1 Kreis + Sperrkreis MW oder auch MW und LW

  2. Bei den Superhets gab es sehr früh schon eine Sperre gegen das Eindringen von Signalen auf der Zwischenfrequenz.

  3. Diese wurden global als ZF-Sperre, oder detailliert als ZF-Saug- oder Leit-Kreis und bei anderer Wirkungsweise als ZF-Sperrkreis bezeichnet. Die Bezeichnung lautete dann 6 Kreise + ZF-Sperre. (Dies war notwendig geworden, als man die ZF-Frequenz in die Lücke zwischen LW und MW verlegte).

  4. Dazu gab es im Niederfrequenzteil eine 9Khz-Sperre und später auch umschaltbare Tiefpassfilter als 3, 5, 9 Khz zur Begrenzung der Niederfrequenzbandbreite.

  5. Oder später das gleiche Verfahren bei KW, wo im Gegensatz zu MW/LW mit dem 9 Khz-Raster ein 5 Khz-Raster verwendet wurde, eine 5 Khz-Sperre. Diese Filter wurden stets extra ausgewiesen, also bei der Zählung ausgelassen.

  6. In den Schaltungen gab es im Eingangsteil bei Stellung MW einen Kreis als Spiegelfrequenz-Sperre (Einige spätere Philettas.)


Wie wirken diese Kreise?

Hier Schaltbeispiele dazu:

Der ZF-Sperrkreis wird bei niederohmigen Antenneneingängen angewendet. Er wirkt als Vorwiderstand in der Antennenzuleitung mit einer Dämpfung von ca. 30dB:


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Hier als Leitkreis (Saugkreis).
Parallel zum Eingang Sperrtiefe ca. 26 bis 30 dB:


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Dazu im NF-Teil:

NF-seitige 9 Khz-Sperre.
Mit diesem Leitkreis wird der Ausgangsübertrager bei der Frequenz 9 Khz kurzgeschlossen (überbrückt).
Damit wird der Pfeifton unterdrückt, der dann als Schwebung hörbar wird, wenn eine von zwei Sationen, die im Abstand von 9 Khz in Europa senden, gehört wird:


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Hier eine im Signalweg liegende 5Khz-Sperre.
(Luxemburgsperre bei KW, der Abstand zum BR war 6100 zu 6095 = 5Khz) (Erklärung dazu, siehe bei 9 Khz oben).

Hier sehr aufwändig als Pi-Filter mit Polstelle bei 5.0 Khz, Grundig Radios mit 49m Band:


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Ein Beispiel: eine Kurve aus dem Rundfunk-Hif-Labor 5 bei GRUNDIG, ein Filter für AM/FM mit umschaltbarer Polstelle bei 5 und 38 Khz:


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Bildquellen:

"Funktechnik ohne Ballast" Ing. Otto Limann, Franzis- Verlag München 1952.

Radio Praktiker Band 15 "Moderne Zweikreis-Empfänger", Hans Sutaner, Franzis-Verlag München 1951.

Der Text ist Eigentum von Hans M. Knoll © copyright by Hans M. Knoll 2013
Klug ist jeder. Der eine vorher, der andere nachher.

mike  Smiley43
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