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Braun Schneewittchensarg SK5
#1
Hallo,

ich möchte nun die Überholung eines Braun SK5 vorstellen, der zu den Schneewittchensärgen gehört. Das Ganze ist eine Auftragsarbeit, die ich für einen Arbeitskollegen gemacht habe mit dem Ziel, die Funktionsfähigkeit wieder herzustellen und dabei möglichst das Äußere orignal zu belassen.

Zwei Dinge vorweg.
1) Andreas_P hat ein ähnliches Gerät bereits vorgestellt:
Braun SK55

Im Gegensatz zu Andreas_P finde ich den Braun Schneewittchensarg wegen des besonderen Designs sehr gelungen. Braun hat erstmals Industriedesigner angestellt, die die Geräte gestaltet haben. Damit wurden neue Abläufe in der Produktentwicklung eingeführt.

@Andreas_P: Gut, dass die Geschmäcker verschieden sind!

   

Die Gerät, das Andreas_P gemacht hat, ist sehr ähnlich zu meinen Projekt, nur das Tonsystem ist bei dem Gerät auf meinem Tisch unverändert. Das führt zum Punkt 2:

2) Es ist nicht immer Hollywood und die Überholung hat nur ein eingeschränktes Happy End! Dazu ein Zitat aus einer PN von Anton, dessen Hilfe ich angefragt hatte:

"Hallo Franz,

das SK451 ist ein Mono-Tonabnehmersystem. Dementsprechend gibt es dafür auch nur Mono Nadeln. Die harmonieren mit Stereoplatten schlecht. Die Nadeln für Mono sind anders geschliffen als für Stereo. Aber auch bei Stereosystemen aus der frühen Zeit kann es sein, dass die Nadeln nicht mit neuen Platten laufen, sondern eben hüpfen. Die heutigen Pressungen haben flachere, schmalere Rillen, so dass die Nadeln nicht richtig in die Rille greifen, sondern eher an der Oberfläche laufen. Die modernen Platten sind für moderne Magnettonabnehmer mit bedeutend weniger Auflagegewicht hergestellt.

Kurzum: Mit diesem System kann man keine modernen Platten spielen. "

Das war mir so nicht bewußt!

   

Doch von Anfang an:

Bestandsaufnahme:
=> Der Plattenteller lief nicht.
=> Das Tonsystem hat keine Tonnadel und liefert nicht mal ein Störgeräusch bei der Berühung.
=> Der Klang und der Lautstärkeregler waren extrem schwer gängig.
=> Der Klang auf UKW läßt zu wünschen übrig.
=> MW pfeift nur, ohne Empfang
=> LW geht garnicht
=> Der Sicherungshalter ist korrodiert und erzeugt Wackelkontakte.
=> Sehr wenig Staub!
=> Sehr guter Zustand des Gehäuses.
=> Skala mit Flecken.
=> Netzkabel nur mit einer Isolationsschicht, also alt.

Der Blick auf den Schaltplan liefert ein paar Überraschungen: Es gibt keine ECH81! AM wird über eine EF89 gemischt. Der AM Oszillator arbeitet mit der Vorstufe der ECC85.

   

Der NF Bereich ist eine Standard EL84/EABC80 Schaltung aufgebaut, die klanglich wohl vom großen Lautsprecher lebt:
   

Vorher:
   

Zur den Arbeiten:
=> Bei Ausbau des Chassis, das wegen des engen Platzes seht gedrungen aufgebaut ist, fällt eine kalte Lötstelle am Lautsprecher auf.
=> Das Gerät ist schon mal repariert worden: Es gibt eine neueren Kondensator und neue Hochlastwiderstände im Inneren. Sieht aber ok aus.
=> Der Staub wurde mittels Staubsauger und Pinsel vom Chassis entfernt.
=> Der Sicherungshalter wurde geäubert und nach gedrückt.
=> Das Netzkabel entspricht nicht mehr den aktuellen Sicherheitsvorschriften: Das lass ich so, um die Originalität zu bewahren.
=> Die Kondensatoren werden getauscht. Der Siebelko ist ok und bleibt unverändert.
=> Der Klangregler und das LS-Poti sind verharzt, können leicht geöffnet werden und werden mit ein wenig neuem Fett gereinigt wieder eingebaut.

Zwischenblianz: NF läuft am MP3 Player mit sehr gutem Klang. Höhen, Bass und Lautstärke lassen sich gut regeln. Sehr gut.

Für UKW wird eine Standardwurfantenne angeschlossen. Es gibt keine interne Antenne, da das Gehäuse aus Stahl ist.
Sehr guter Empfang auf UKW.

Auf Mittelwelle gibt es nur Pfeifen. Durch Nachstimmen des letzten Bandfilters lies sich das Pfeifen beseitigen und läßt nun Empfang zu.

Die Störung auf der LW konnte nur am
a) Tastenkontakten
b) Oszillator oder
c) Eingangskreis liegen.

Die Kontakte der Tasten waren nur schwer zu gänglich und werden mit WD40, Bremsenreiniger und rotem Kontaköl sparsam behandelt. Die Kontakte sind alle ok.

Die Oszilatorspule liegen im UKW-Kästchen. Dort fiel ein dreibeiniger Kondesator auf, der ziemlich übel aussah. Der ehemalige Tantalkondensator wird durch zwei neue ersetzt.

   
   

Für LW war kein Fehler zu entdecken.

Beim Eingangskreis war ich zu nächst völlig verwirrt, da ich bestimmte Stellen des Schaltplan nicht eindeutig identifizieren konnte. Auch die Widerstandsmessung über das Tastenagrregat liefert nur unerwartete Ergebnisses. Irgendentwas stimmt nicht.
Dann kam die Erkenntnis, dass ein Kabel falsch verlötet wurde: Der Empfangskreis für LW lag mit beiden Anschlüssen auf Masse. Mit dem Umlöten war dann der Empfang auf LW wiederhergestellt.

Wie dieser Fehler zustand kam, weis ich nicht. Da LW nur eine Unterrolle spielt, hat das wohl niemanden gestört.

Fazit: Elektrisch und Radiotechnisch alles ok.

Nacher:
   

Die Skala habe ich mit Hilfe von Powerpoint neu gezeichnet und auf Fotopapier ausgedruckt und eingebaut. Sieht aus wie neu.....

Nun zum Plattenspieler:

Beim Herausnehmen des Plattentellers springt das Reibrad von der Motorachse. Bei Wiedereinsetzen muss das Reibrad zurückgedrückt werden. Deswegen lief der Plattenteller nicht; richtiger Einbau führt zu erwarteter Funktion.

   

Einige Gummilager waren hart und zerbröselt, die habe ich ausgetauscht.

Das Tonabnehmersystem, ein drehbares SK451, ließ sich mit ein wenig Gefühl einfach herausziehen. Die Kontakte zum Tonabnehmersystem waren korrodiert. Nach dem Säubern und drehen auf die noch verbliebene Nadel konnte ich eine alte Chuck Berry Schallplatte hören. Im Netz habe ich zwei neue Nadeln bestellt, eine Diamantnadel und eine Saphirnadel.

Das Abspielen von modernen Platten, z.B. "Autobahn" von Kraftwerk war allerdings enttäuschend. Beide Nadeln springen großzügig über die Platte. Genuss ist was anders. Ursache, siehe oben.

   

   

Meinem Arbeitkollegen habe ich empfohlen, sich eine paar alte Platten zuzulegen. Außerdem habe ich noch einen Adapter für den Anschluss eines MP3-Players an den Tonbandanschluss gebastelt.

Dann kam noch das Säubern der Tasten und der Drehknöpfe und der Zusammenbau.

Fazit: Alles kein Hexenwerk, das war ein durchausdankbares Projekt! Die Herausforderung ist der platzsparender Aufbau des Gerätes:

   

   

   

   

Zum Abschluss die Ansicht von unten. Dort findet sich auch die Typbezeichnung.
   
Viele Grüße

Franz Bernhard

... und die Radios laufen nicht weg!

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#2
Hallo Franz,

Glückwunsch zu der gelungenen Restauration!
Also ich finde den SK5 schön, aber die Geschmäcker sind ja verschieden!
Das mit den unterschiedlich verrundeten Nadeln und den relativ starren Nadelführungen der Tonkopfsysteme aus den 50er Jahren war mir bewusst! Einzig Dual Systeme spielen auch modernere Platten. z.B. das KS2 im Dual 1004.
Gruß aus Bremen

Enno
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#3
Das mit den Platten und Nadeln wusste ich so nicht - wieder was gelernt.
Das ist ja doof, da kann ich fast aufhören für meinen einen Dreher zu suchen und das Ding so wie es ist in die Bucht stellen Sad
Gruß,
Uli
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#4
(25.03.2015, 00:26)Uli schrieb: Das ist ja doof, da kann ich fast aufhören für meinen einen Dreher zu suchen und das Ding so wie es ist in die Bucht stellen Sad

Nöö, Du kannst dem Tonarm auch eine andere Systemhalterung mit einem anderen System spendieren. Ist dann zwar nicht mehr original, aber fürs Original gibt es sowieso keine Systeme mehr, außer man will 100 Euro und mehr investieren...
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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