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Truhe Blaupunkt Florida Typ 44320
#1
allo Kollegen,


wie ich in einem früheren Thread vom 23.02.2016 bereits geschrieben habe, hatte ich kürzlich das Glück, eine Musiktruhe der Marke Blaupunkt Florida Typ 14320 stereo zu ergattern. Ein weiterer Glücksumstand war, daß das Gerät nur ca 27 km von meinem Wohnort entfernt abzuholen war. Die Substanz des Gerätes war wohl für andere Bieter nicht so berauschend, denn das Gehäuse ist mit Schrammen und Macken versehen, eine Zierleiste an der Gerätefront oben quer über dem Radio fehlt, der ehemals eingebaute Plattenspieler ist auch nicht mehr vorhanden und die Zuleitungen sowohl für den Plattenspieler als auch zu den Lautsprechern waren abgeschnitten. Das Gerät war laut Verkäufer nicht spielbereit und auch nicht "Wohnzimmertauglich". Die eingebaute UKW-Antenne war teilweise herunter gerissen, und die Plattenfachbeleuchtung war ebenfalls gekappt. Daß das Gerät wie so oft üblich mächtig verschmutzt war, versteht sich von selbst. Es war vom Besitzer die übliche "Opastory" zu hören, das Gerät hätte noch bis zum Schluß gespielt usw usw.,- nun ja.
Schon auf Grund der z.T. fehlenden und gekappten Leitungen konnte das Gerät garnicht mehr gespielt haben, außerdem hatte irgendjemand den Netzstecker abgeschnitten und die Sicherung auf der Netzteilplatine des Netztrafos war derart oxidiert, daß da auch höhere Spannungen als die übliche Netzspannung  schwerlich eine Chance gehabt hätten (naja, vielleicht im Bereich von ein paar KV).

So habe ich also das Gerät zunächst garnicht erst einzuschalten versucht, sondern zunächst das Chassis komplett ausgebaut, damit ich alles genauestens in Augenschein nehmen konnte. Ich war angenehm überrascht ob des Zustandes des Gerätes von innen; kaum Staub, offensichtlich nichts verbrannt oder sonst abgeraucht, alle Röhren noch vorhanden und in Originalbestückung, weil Siemensröhren. Das ließ hoffen.

Ich habe dann zunächst das Netzteil einer eingehenden Prüfung unterzogen bezüglich des Doppelelkos von Valvo (ist auch noch Originalteil) und des Brückengleichrichters (ebenfalls Originalteil von Siemens). Messtechnisch alles im Sollbereich; auch kein Schluß oder verdächtig niedriger Widerstand nach Masse. Sogar der Netztrafo selbst ist nicht angegrillt und hat auch keinen Windungsschluß. Einzig und allein war hier die oxidierte Netzsicherung ursächlich für die Nichtfunktion des Gerätes (=> zu meinem Glück muß ich hier ehrlicherweise erfreut anmerken).

Um nun eine Funktionsprüfung vornehmen zu können, habe ich zunächst auch noch das restliche Rundfunkchassis einer genauen Sichtprüfung unterzogen. Die üblichen Fehlerquellen schieden demnach aus, keine Kondensatoren, die ausgelaufen oder auch aufgequollen waren. Auch kein angeschmorter oder abgerauchter Widerstand. Die Kontakte der Röhren und der zugehörigen Sockel in gutem Zustand, Ausgangstrafos der beiden ECL 86 besser wie neu, sodaß ich mich entschloß, einen Probebetrieb mit Hilfe des Trenntrafos unter Zwischenschaltung eines Wattmeters zu wagen.

Nach Einschalten des Gerätes und langsamem Hochdrehen der Netzspannung auf zunächst 150 V~ leuchtete nur 1 Skalenbirnchen (7 V~/100mA), das andere blieb dunkel. Das Wattmeter stieg langsam auf 35W Aufnahme; bei Erhöhen der Netzspannung auf 175 V~ stieg das Wattmeter langsam mit (bei einem Defekt in Form eines Kurzschlusses wäre das Wattmeter spätestens jetzt schlagartig auf den Endwert von 300 W hochgeschnellt) auf etwa 50 W; nun habe ich die Netzspannung auf den Sollwert von 220 V~ hochgedreht und das Wattmeter stieg gemütlich auf 70 W, wie auch im Schaltplan zu diesem Gerät vorgesehen, an. Auf UKW hörte man schon leise Musik spielen, und das nur mit einer Messstrippe in einer der beiden Antennenbuchsen für den UKW-Empfang. Ich habe dann noch die defekte Skalenlampe gewechselt und seither spielt das Gerät mit schönem vollen Klang. Nix raucht, nix wird heiß, nix qualmt.



Der Plattenspieler

Den originalen Plattenspieler wollte ich mir nicht mehr antun; die sind mir einfach zu teuer in E..y und vom Zustand her gemessen am Preis auch zumeist zu schlecht. Da baue ich mir lieber etwas neueres Altes ein; beispielsweise einen Dual mit Magnetsystem und entweder mit Belt Drive (Riemenantrieb) oder, sofern erschwinglich, einen Directdrive (Direktantrieb). Beides würde mit -theoretisch- geringem Umbauaufwand funktionieren und wäre vom Klang her an einer Röhrenendstufe schon etwas Besonderes. Glaube ich zumindest mal. naja, hoffentlich...

Directdrive schied schon mal gleich aus, die Dinger sind einfach zu teuer und gefallen tun die mir auch nicht sonderlich. Also wird's ein Beltdrive (Riemenantrieb); da war so ein Ding von einer ehemaligen Schaub Lorenz Kompaktanlage im E..y drin. Der war geradeso noch im Budget; allerdings hat die Nadel (war lt Verkäufer abgebrochen) für das M91G auch noch insgesamt fast 20 Euronen incl Versandkosten verschluckt. Damit war die Bastelkasse für diesen Monat dahin (und die Sonntagskasse auch wieder leer). Und dann ist da ja auch noch der Vorverstärker (TVV 46). Den braucht man natürlich auch noch bei solchen Umbauaktionen.

Der Dual 481 Beltdrive

Der Plattenspieler läuft im Gegensatz zu seinem Vorgänger in meiner Truhe nur mit 220 V~. Den TVV 46 (ebenfalls Dual) habe ich auf 110 V~ umgelötet und an den ehemaligen Anschluß des Originalplattenspielers angeklemmt, der ja in Ermangelung eines originalen Plattenspielers nun frei war. So konnte ich mir -zunächst- einen zusätzlichen 220 V~ Anschluß sparen. Das im Tonarmkopf befindliche Shure-System ist ein M91G (Luftsprung), aber die darin befindliche Nadel ist abgebrochen (=>  wird wohl beim Staubwischen passiert sein). Die Originalnadel gibt Dual mit DN 360 an, die es bei E..y auch noch zu zivilen Preisen gibt.  Jedenfalls bis jetzt noch... .
Heute werde ich also den Plattenspieler einzubauen versuchen (einen 220 V~ Anschluß muß ich doch noch hinzufügen) und den TVV 46 mit dem Plattenspieler verbinden. Dann würde nur noch die Nadel fehlen. Das wäre dann diese DN 360.
Aber denkste!! Die kardanische Aufhängung des Tonarmes hat wohl der Vorbesitzer zu "justieren" versucht,- mir augenblicklich noch vollkommen schleierhaft, warum. Jedenfalls hat da jemand die Spitzenlagerschrauben der horizontalen Achse so fest angezogen, daß der Tonarm fest stehen bleiben muß und dadurch eine Einstellung des Auflagegewichtes unmöglich ist. Es wird eine kleine Weile und viel Finerspitzengefühl brauchen, bis der Plattenspieler wieder so funktioniert wie seinerzeit von Dual vorgegeben. Glücklicherweise scheinen die Lagerspitzen nicht beschädigt zu sein,- aber man soll ja den Tag nicht vor dem Abend loben.

So, heute sollte es weitergehen  mit dem Plattenspieler. Der läßt sich bedauerlicherweise nicht ganz so einfach in das entsprechende Fach für den Plattenspieler einbauen, weil das ursprüngliche Modell eine gänzlich andere Auflagefläche für die Federpuffer auf der Unterseite des Chassis hatte als mein jetziger für den Einbau vorgesehener Dual 481. Auch war die Position des Motors beim Original eine gänzlich andere als jetzt erforderlich. Es passt also nix.
Wenn ich  eine neue Holzträgerplatte einbauen wollte, so müßte ich die Truhe ganz zerlegen; meine Ausrüstung für die Holzbearbeitung ist für solche größeren Arbeiten allerdings nicht geeignet. Also habe ich mich entschlossen, in der Bucht eine Leerzarge zu erwerben, die ich dann einfach samt Plattenspieler in das Plattenspielerfach einbauen/einschieben kann. Ist nicht Plan A, aber immerhin Plan B.
Das anfänglich doch so preiswert erworbene Radio weitet sich so langsam zur Geldvernichtungsmaschine aus. [Bild: smiley26.gif]

Der Dual 481 ist selbstredend nicht dem Originaldreher entsprechend, das ist mir aber in diesem Fall auch nicht so wichtig. Es war ja garkein  Plattenspieler mit Riemenantrieb (= Beltdrive auf Neudeutsch) und Magnetsystem Shure M 91 ursprünglich darin  verbaut. Für diesen Plattenspieler mit Magnetsystem (der hat nur 5 mV Ausgangsspannung) ist ein Magnetvorverstärker (z.Bspl Dual TVV 46) erforderlich, der auch noch fest eingebaut werden muß. Der ist lt. Dual zumeist in der Plattenspielerzarge eingebaut und dort direkt mit den Anschlüssen des Chassis verbunden. Wieder umlöten auf 220 V~? Nein. Ich habe mich da für die Verwendung des jetzt noch freien 110 V~ Anschlusses des ursprünglichen Plattenspielers entschieden.
Also, seit gestern, dem 22.5.2016 läuft der Plattenspieler (im Bild eine Original-LP von Hot Choccolate/Everyone is a Winner) mit richtig viel Volumen (so habe ich diese LP garnicht mehr gehört seit nunmehr nahezu 30 [?] Jahren?),- ist einfach nur schön. Der Plattenspieler läuft auf 230 V~, der Dual MVV 46 läuft mit 110 V~ (das spart einen Vorwiderstand vor dem kleinen Netztrafo dieses VV 46; dadurch wird weniger Wärme erzeugt.), insgesamt funktioniert diese Kombination aus mehreren Jahrzehnten erstaunlich gut.

Der Einbau der Originalzarge

Einen Wehrmutstropfen gab es aber doch: die Zarge ist um ca 12 mm zu tief,- sie stößt an der Rückwand an. Nun kann ich mir überlegen, wie ich dieses Problemes Herr werde; entweder verkürze ich die Zarge entsprechend oder ich schneide die Rückwand aus; beides gefällt mir immer weniger je mehr ich darüber nachdenke. [Bild: smiley64.gif][Bild: smiley21.gif]

Nachdem ich mir am vergangenen Weekend noch einmal Gedanken gemacht habe, ob ich die Rückwand ausschneide oder nicht, habe ich mich nun doch für eine Lösung ohne  Ausschneiden entschieden. Eine Verkürzung der Zarge um 10 mm ist mit meinen bescheidenen Mitteln in puncto Holzbearbeitung aber auch nicht machbar. [Bild: smiley61.gif]Wie also?

So kam ich Letztens, als ich mal wieder nicht schlafen konnte,  [Bild: smiley63.gif] auf die Idee, diese Rückwand doch mit Hilfe entsprechender Leisten um etwa 13 mm nach hinten hinaus zu schieben, indem ich solche Leisten ganz einfach um die Rückwandöffnung herum anbringe und daran dann die Rückwand wieder anschraube. So würde ich den Innenraum des Plattenspielerfaches um die fehlenden 12 mm vertiefen ohne daß ich große Löcher schneiden müßte (und das Ganze wäre auch noch jederzeit wieder zurückbaubar). [Bild: wink.gif]  [Bild: thumbs_up.png]


Ich glaube, diese Truhe wird ein längeres Projekt. Wenn ich hier alle Fotos einstelle von den ganzen vielen Zwischenschrittchen, die ich da gemacht habe (und die teils auch wieder verworfen wurden), so wird das ein regelrechtes Buch. [Bild: smiley43.gif]

Heute ist nun schon der 16.Juni 2016; seit gestern Abend ist die Blaupunkt Truhe endlich soweit fertig, daß alle Rückwände geschlossen sind, der Plattenspieler ist eingebaut und funktioniert, ebenso der Magnetvorverstärker. Alles ist fest verkabelt und ein abschließender Funktionstest war erfolgreich. Das Gerät ist also jetzt aus meiner Sicht Wohnzimmertauglich. Es läuft inzwischen tagtäglich.

Die Bilder zu den einzelnen Abschnitten:

Es gibt zu der Florida insgesamt 70 Bilder während der Reparaturphase; diese hier alle einstellen zu wollen würde aus dem Bericht (der sowieso schon zu lang ist) ein regelrechtes Bilderbuch machen. Das wollte ich vermeiden.


.jpg   SAM_2353_Plattenspieler erster Versuch.jpg (Größe: 158,97 KB / Downloads: 109)

Der Plattenspieler erster Versuch. So ging es also nicht, weil die Grundplatte für ein gänzlich anderes Profil
hergestellt ist als für den Dual 481. Es paßt weder der Motor noch die Federpuffer ins Profil.



.jpg   SAM_2358_Plattenspieler zweiter Versuch.jpg (Größe: 152,6 KB / Downloads: 109)

So ging's dann schon eher; allerdings ließ sich die Frontklappe so nicht schließen, weil die Zarge um 12 mm
zu tief ist,- genau die Stärke der Frontklappe.



.jpg   SAM_2360_Radio Chassis eingebaut + spielt.jpg (Größe: 156,97 KB / Downloads: 109)

Dessen ungeachtet spielt das Radio mit zwischenzeitlich eingebautem Chassis super gut



.jpg   SAM_2672_Truhe im Wohnzimmer_geöffnet.jpg (Größe: 146,05 KB / Downloads: 109)

Nachdem das Problem mit der Zarge und der Frontklappe gelöst war und der Plattenspieler funktionierte,
war das Gerät Wohnzimmertauglich und konnte aus dem Refugium ins Wohnzimmer umziehen.



.jpg   SAM_2673_Truhe geschlossen Wohnzimmertauglich.jpg (Größe: 154,87 KB / Downloads: 110)

Die Blaupunkt Truhe im Wohnzimmer mit geschlossenen Frontklappen und spielt super. Das Projekt ist
damit abgeschlossen.
Grüße aus BL

Peter

Röhrenradios: das Gute daran ist das Gute darin
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#2
Klasse gemacht, sieht super aus Smiley32
Viele Grüße
Andrea

Röhren(Radios,Verstärker) - ich brauch sie nicht, so sprach der Rabe,
es ist nur schön wenn ich sie habe.
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#3
Peter ein sehr ausführlicher Bericht
Danke fürs Teilen und deine Zeit fürs schreiben.
Für meinen Teil habe ich eine "Standgerät" Kurfürst von Graetz komplett überholt
und gönne mir ab und zu SW Fernsehen zur Erholung der Augen.
Der Kurfürst steht auch im Wohnzimmer und meine Frau liebt den Röhrensound 

LG
Uwe

sollte jemand für dieses Gerät eine Kabelfernbedienung zu verkaufen haben bitte PN

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#4
Eine Röhre hört sich nach meiner unmaßgeblichen Meinung schon ein wenig anders an als ein Transistor,eben weicher, wärmer etc. Nicht von ungefähr gehen ja auch Enthusiasten her und verknüpfen die Röhrentechnik mit der modernen Halbleitertechnik, indem sie Audioverstärker bauen, die zwar transistorisierte Vorstufen haben, aber die Endstufen sind dann Leistungsröhren, u. U. sogar noch Mikroprozessor gesteuert (das soll den Klang zusätzlich verbessern, weil dadurch die Arbeitspunkte exakter eingehalten werden nach deren Darstellung). Die Preise für solche Endstufen sind jedenfalls richtig saftig; über deren Klangvolumen kann ich nix sagen, ich habe noch keine solche "High End"-Endstufe gehört. Und ganz sicher spielen da dann auch die angeschlossenen Lautsprecher/Lautsprecherboxen eine gewichtige Rolle,- eben High End oder auch High Price.. ?
Grüße aus BL

Peter

Röhrenradios: das Gute daran ist das Gute darin
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#5
Hallo Peter,

ein sehr schöner Bericht und vor allem auch eine Anleitung, wie man es machen kann, für alle diejenigen, welche ebenfalls eine Truhe ohne (bzw. mit irreparablem) Plattenspieler erworben haben. Thumbs_up 


Grüße und viel Spaß mit Deiner Truhe

Martin
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